Mallory-Weiss-Syndrom
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Als Mallory-Weiss-Syndrom werden meistens nach starkem Erbrechen auftretende, longitudinale Einrisse der Mucosa und Submucosa der Speiseröhre bezeichnet, die als Komplikation mit potentiell lebensbedrohlichen Blutungen (Hämatemesis, Teerstuhl) der äußeren Speiseröhre und/oder dem Mageneingang (gastrointestinale Blutung) einhergehen können. Kennzeichnend sind Längsrisse an der Kardia<ref>André Louis Blum, Jörg Rüdiger Siewert (Hrsg.): Refluxtherapie, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1981, ISBN 3-540-10179-9, S. 394.</ref> (oberer Magenmund, Orificium).<ref>Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon, 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 702.</ref> Es kommt am Übergang von der Speiseröhre zum Magen zu Schleimhautulzerationen.<ref>Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007 | 2008; Springer-Verlag, 1. Auflage, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1122.</ref> Der Schmerz wird oberhalb des Nabels lokalisiert.<ref>Soma Weiss, George Kenneth Mallory: Lesions of the cardiac orifice of the stomach produced by vomiting. In: The Journal of the American Medical Association. 1932; 98, S. 1353–1355.</ref> Die Erkrankung ist benannt nach dem ungarisch-amerikanischen Arzt Soma Weiss (1898–1942) und dem amerikanischen Pathologen George Kenneth Mallory (1900–1986), die das Krankheitsbild 1929 und 1932 beschrieben.
Ursachen
Ursächlich sind eine Alkoholkrankheit beziehungsweise Alkoholexzesse sowie ein gastrointestinaler Reflux von Relevanz. In der Pathogenese spielt die meist durch Erbrechen ausgelöste massive Drucksteigerung eine wichtige Rolle. Bulimie, Krampfanfall und Husten können Auslöser sein. Eine Antikoagulantientherapie, ulzerogene Medikamente und eine hämorrhagische Diathese sind begünstigende Faktoren.<ref>Hanns Peter Wolff, Thomas Robert Weihrauch (Hrsg.): Internistische Therapie 1984, Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1984, ISBN 3-541-07265-2, S. 484.</ref>
Differentialdiagnosen
Ösophagusvarizen, Magenulcus, Gastritis, Refluxerkrankung. Im Gegensatz zum Boerhaave-Syndrom sind beim Mallory-Weiss-Syndrom nur die Mukosa und die Submukosa betroffen.<ref>Gerd Harald Herold: Innere Medizin 2021, Selbstverlag, Köln 2020, ISBN 978-3-9821166-0-0, S. 435.</ref>
Diagnostik und Therapie
Mittels Ösophagogastroskopie (Endoskopie; Gastroskopie) wird die Diagnose gesichert.<ref>Harrisons Innere Medizin, 20. Auflage, Georg Thieme Verlag, Band 3, Berlin 2020, ISBN 978-3-13-243524-7, S. 2737.</ref> Gleichzeitig können die Einrisse der Speiseröhre mittels endoskopischer Blutstillung operativ (Übernähung) oder auch mit einem Fibrinkleber<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2020, ISBN 978-3-11-068325-7, S. 1072.</ref> behandelt werden. In seltenen Fällen wird eine Resektion von Anteilen des Magens notwendig.<ref>C. Pohl, K. Thon, W. Dietz, H. Stöltzing: Endoskopische oder operative Therapie beim blutenden Mallory-Weiss-Syndrom? In: Langenbecks Archiv für Chirurgie. 1985, Band 366, Nr. 1, S. 667.</ref> Bei kleinen Blutungen ist häufig eine therapeutische Blutstillung nicht erforderlich.<ref>The Merck Manual. 20. Auflage. Kenilworth 2018, ISBN 978-0-911910-42-1, S. 115.</ref>
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Erbrechen. In: Gerd Herold: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2005.
Weblinks
- G. Drese: Die Läsionen der Kardia (Mallory-Weiss-Syndrom). In: Deutsche Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin. 1965, Band 56, Nr. 1, S. 32–38.