Mansio
Die Mansio (lat. Rast, Aufenthalt, Aufenthaltsort) war ein Rastplatz oder eine Herberge in der römischen Antike.
Begriff
Der Begriff stammt vom Verb manere („bleiben“) ab und bezeichnete im 1. Jh. v. Chr. einen Aufenthalt/Rast entlang eines Weges.<ref>Cicero, Att. 8, 15, 2; 9, 5, 1; fin. 3, 60.</ref> Der Begriff geht in der frühen Kaiserzeit auf den Rastplatz, den Aufenthaltsraum bzw. das Gebäude über.<ref>Plinius nat. 6, 96; 18, 194: pecorum mansione; Sueton, Tit. 10, 1; CIL {{#if: A | 6 |{{#if:|{{#invoke:FormatNum|roman|6|apo}}|{{#ifexpr: abs 6 < 5000|{{#invoke:FormatNum|roman|6|none}}|{{#invoke:FormatNum|roman|6|over}}}}}}}}, 2158: mansiones saliorum Palatinorum</ref>
Da man an einem Tag gewöhnlich von mansio zu mansio reiste, hatte der Begriff auch die Bedeutung „räumliche und zeitliche Distanz“, „Strecke“<ref>Plinius nat. 12, 64; Lactanz mort. pers. 45: mansionibus geminatis.</ref> oder „Tagesreise“.<ref>Plinius nat. 12, 52; CIL {{#if: A | 5 |{{#if:|{{#invoke:FormatNum|roman|5|apo}}|{{#ifexpr: abs 5 < 5000|{{#invoke:FormatNum|roman|5|none}}|{{#invoke:FormatNum|roman|5|over}}}}}}}}, 2108: mansiones L= 50 Tage. Vgl. Historia Augusta v. Alex. Sev. 48, 4.</ref> Schließlich wurden Rast- und Wechselstationen des cursus publicus, die entlang einer römischen via publica in regelmäßigen Abständen zu finden waren, seit dem Beginn des 4. Jhs. n. Chr. als mansio oder mutatio bezeichnet.<ref>Vgl. Digesta 50, 4, 18, 10</ref>
Der Terminus benennt sowohl das Rasthaus an sich als auch ist er Sammelbegriff für die einzelnen Gebäude der Station (Rasthaus, Straßenposten, Stallungen, Bad, Handwerksbetriebe usw.). Vom 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. tauchen in den Quellen andere Begriffe für die mansio auf: taberna, praetorium, deversorium oder stabulum. Erst im 333 n. Chr. entstandenen Itinerarium Burdigalense findet man die mansio häufig neben mutatio („Pferdewechsel“) und civitas erwähnt.
Aus „mansio“ sind das französische Wort „maison“ (Haus, Heim)<ref>Étymologie de maison im etymologischen Lexikon des CNRTL, Abruf im März 2020.</ref> und das spanische Wort „mansión“ (Villa) hervorgegangen;<ref>Eintrag mansión im Wörterbuch der RAE, Abruf im März 2020.</ref> über das Altfranzösische gelangte das Wort auch in die englische Sprache („mansion“, „manse“).<ref>Eintrag mansion in der Online-Ausgabe des Merriam-Webster-Wörterbuchs, Abruf im März 2020.</ref>
Entstehung
Die Errichtung von Straßenstationen in regelmäßigen Intervallen entlang der wichtigsten römischen Verkehrswege geht auf die Neuorganisation der cura viarum durch Augustus im Jahr 20 v. Chr. zurück.<ref>Sueton Aug. 49, 3.</ref> Der erste Kaiser ließ entlang der Hauptstraßen des Reiches in gleichmäßigen Abständen junge Leute, später Wagen für Kuriere bereitstellen, um Informationen und Nachrichten zwischen den Provinzen und Rom schneller übermitteln zu können. Dies war die Geburtsstunde des cursus publicus.
Die Römer folgten damit letztlich dem Vorbild der persischen Staatspost, die im {{#if:trim|5. Jh. v. Chr.}} von Herodot<ref>Herodot 5, 52ff.</ref> beschrieben wurde: Auf der Persischen Königsstraße zwischen Sardeis und Susa befanden sich in regelmäßigen Abständen insgesamt 111 σταθμοί (Stathmoi, davon leitet sich auch der lateinische und moderne Begriff „Station“ ab), an denen Männer und Pferde zum schnellen Nachrichtentransport bereitstanden. In römischer Zeit wurden ungefähr alle fünfzehn Kilometer Pferdewechselstationen (mutationes) und etwa alle vierzig Kilometer (= eine Tagesetappe) Rasthäuser (mansiones) errichtet.
Aufbau und Personal
Mansiones bestanden aus verschiedenen Gebäudekomplexen, wie aus einer severischen Inschrift aus dem thrakischen Pizos hervorgeht<ref>Inscriptiones graecae in Bulgaria repertae III, 2, 1964, Nr. 1690.</ref>: Neben einem Wachposten mit Stationssoldaten (milites stationarii) ist von Rasthäusern (praetoria), Bädern (balnea) und von Spanndiensten (angaria) für den staatlichen Postverkehr die Rede.
Das eigentliche Rasthaus ist anhand zahlreicher Grabungsbefunde relativ einfach zu charakterisieren: Über eine breite Einfahrt gelangt man in den Hof einer U-förmigen Anlage, die meist aus Ställen und Wagenabstellplätzen, sowie Ess- und Gästezimmern besteht.
Der Vorsteher einer mansio war der manceps bzw. der praepositus mansionis. Er war meistens ausgedienter Offizier oder stammte aus dem Kreis der lokalen Dekurionen, also der politischen Führungsschicht der nächsten Stadt. Seine Dienstzeit betrug fünf Jahre, in der Spätantike war es für ihn strafbar, sich mehr als dreißig Tage von der Straßenstation (statio) zu entfernen.<ref>Codex Theodosianus 8, 5, 36; 8, 5, 42.</ref>
In einer Station durchschnittlicher Größe arbeiteten etwa 16–18 Personen: Die hippocomi und muliones kümmerten sich um die durchschnittlich ca. 40 Zug- und Reittiere<ref>Prokop hist. arc. 30 p. 85C.</ref>, die unter genauen Auflagen zur Weiterreise bis zum nächsten Rasthaus zur Verfügung standen.<ref>Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 19 (2001) 238 s. v. mansio (R. Wolters).</ref> Daneben gab es z. B. noch carpentarii (Wagner) und andere Aushilfskräfte.
Wachposten
Wachposten fanden sich nicht in jeder Straßenstation, sondern nur an wichtigen Knotenpunkten oder Zollgrenzen. Sie lassen sich bisher nicht durch archäologische, sondern nur durch epigraphische Quellen nachweisen, die im Umfeld von Straßenstationen gefunden wurden.
In den Wachposten waren neben den milites stationarii vor allem beneficiarii im Dienst. Benefiziarier waren Unteroffiziere aus dem Stab des Statthalters, die sich seit vespasianischer Zeit (69–79 n. Chr.) inschriftlich bei Straßenstationen nachweisen lassen. Sie absolvierten einen sechs Monate dauernden Dienst in einer Station, bevor sie entweder zu einem anderen Straßenposten abkommandiert oder für eine weitere Dienstzeit bestätigt wurden.
Die ältere Literatur deutete sie vor allem als Gendarmerie und Straßenpolizei des Statthalters,<ref>Alfred von Domaszewski, WDZ 21, 1902, 158–211.</ref> heute bringt man sie aber auch mit Finanz- (Steuer, Zoll) und Justizaufgaben in Verbindung, da z. B. in den Raststationen des cursus publicus seit dem Ende des 2. Jhs. n. Chr. häufig die annona militaris und die annona civica (jährliche Naturalsteuern) eingesammelt wurden.<ref>J. Ott, Hist. Einzelschriften 92 (1995) 113ff.</ref>
Siedlungen
In ländlichen Gebieten der Provinzen gaben mansiones häufig den Anstoß zur Entstehung von Siedlungen, die sich in der Nähe dieser wirtschaftlich interessanten Anlagen bildeten. Die Raststation selbst scheint hingegen häufig eher am Rande des bewohnten Areals zu liegen. Dies gilt besonders für Städte, in denen häufig das Befahren von Stadtstraßen mit Wagen tagsüber verboten war. So z. B. in Rom durch die lex Iulia municipalis<ref>CIL {{#if: A | 1 |{{#if:|{{#invoke:FormatNum|roman|1|apo}}|{{#ifexpr: abs 1 < 5000|{{#invoke:FormatNum|roman|1|none}}|{{#invoke:FormatNum|roman|1|over}}}}}}}}, 593, Z. 56ff.</ref> oder in Aquae Sextiae (Aix en Provence<ref>CIL {{#if: A | 12 |{{#if:|{{#invoke:FormatNum|roman|12|apo}}|{{#ifexpr: abs 12 < 5000|{{#invoke:FormatNum|roman|12|none}}|{{#invoke:FormatNum|roman|12|over}}}}}}}}, 2462</ref>).
Die Raststationen liegen somit meist in der Nähe der Stadttore, wie z. B. in Pompeji am Stabianer und Herculaner Tor oder in Augusta Raurica (Kaiseraugst bei Basel).
Sonstiges
Heute findet sich der Begriff mansio noch in dem Spruch der Sternsinger in Süd- und Mitteldeutschland, die die Zeichen C M B mit Jahreszahl an die besuchten Häuser schreiben. Es bedeutet ausgeschrieben „Christus Mansionem Benedicat“ (lateinisch für Christus segne dieses Haus).
Siehe auch
Literatur
- Helmut Bender: Römische Strassen und Strassenstationen (= Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands Nr. 13). Stuttgart 1975.
- E. W. Black: Cursus Publicus. The infrastructure of government in Roman Britain. Tempvs Reparatvm, Oxford 1995, ISBN 0-86054-781-7
- {{ #if:Anne Kolb|Anne Kolb: |}}{{ #if:Mansio|Mansio|Mansio }}. In: {{#if:Vorlage:Str match|{{#switch: 7
| Suppl. 1 = Walter Eder, Johannes Renger (Hrsg.): Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien | Suppl. 2 = Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon | Suppl. 3 = Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak (Hrsg.): Historischer Atlas der antiken Welt | Suppl. 4 = Manfred Landfester, Brigitte Egger (Hrsg.): Register zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. Register zu den Bänden 13–15/3 des Neuen Pauly | Suppl. 5 = Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart | Suppl. 6 = Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon | Suppl. 7 = Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon | Suppl. 8 = Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik | Suppl. 9 = Manfred Landfester (Hrsg.): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption | Suppl. 10 = Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch | Suppl. 11 = Falko Daim (Hrsg.): Byzanz. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch | Suppl. 12 = Leonhard Burckhardt, Michael A. Speidel (Hrsg.): Militärgeschichte der griechisch-römischen Antike. Lexikon | Suppl. 13 = Joachim Jacob, Johannes Süßmann (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Lexikon zur Antikerezeption in Aufklärung und Klassizismus | Suppl. 14 = Konrad Vössing, Matthias Becher, Jan Bemmann (Hrsg.): Die Germanen und das Römische Reich. Historisch-archäologisches Lexikon }} (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band {{#invoke:Str|cropleft|7|7}}). Metzler, Stuttgart/Weimar|Der Neue Pauly (DNP). {{#if:7|Band 7,|}} Metzler, Stuttgart}} {{#switch: 7 | 1 = 1996 | 2 = 1997 | 3 = 1997 | 4 = 1998 | 5 = 1998 | 6 = 1999 | 7 = 1999 | 8 = 2000 | 9 = 2000 | 10 = 2001 | 11 = 2001 | 12/1 = 2002 | 12/2 = 2002 | 13 = 1999 | 14 = 2000 | 15/1 = 2001 | 15/2 = 2002 | 15/3 = 2003 | 16 = 2003 | Suppl. 1 = 2004 | Suppl. 2 = 2007 | Suppl. 3 = 2007 | Suppl. 4 = 2005 | Suppl. 5 = 2008 | Suppl. 6 = 2012 | Suppl. 7 = 2010 | Suppl. 8 = 2013 | Suppl. 9 = 2014 | Suppl. 10 = 2015 | Suppl. 11 = 2016 | Suppl. 12 = 2022 | Suppl. 13 = 2018 | Suppl. 14 = 2023 | #default = 1996–2023 }}, ISBN {{#switch: 7 | 1 = 3-476-01471-1 | 2 = 3-476-01472-X | 3 = 3-476-01473-8 | 4 = 3-476-01474-6 | 5 = 3-476-01475-4 | 6 = 3-476-01476-2 | 7 = 3-476-01477-0 | 8 = 3-476-01478-9 | 9 = 3-476-01479-7 | 10 = 3-476-01480-0 | 11 = 3-476-01481-9 | 12/1 = 3-476-01482-7 | 12/2 = 3-476-01487-8 | 13 = 3-476-01483-5 | 14 = 3-476-01484-3 | 15/1 = 3-476-01485-1 | 15/2 = 3-476-01488-6 | 15/3 = 3-476-01489-4 | 16 = 3-476-01486-X | Suppl. 1 = 3-476-01912-8 | Suppl. 2 = 978-3-476-02030-7 | Suppl. 3 = 978-3-476-02031-4 | Suppl. 4 = 3-476-02051-7 | Suppl. 5 = 978-3-476-02032-1 | Suppl. 6 = 978-3-476-02033-8 | Suppl. 7 = 978-3-476-02034-5 | Suppl. 8 = 978-3-476-02468-8 | Suppl. 9 = 978-3-476-02469-5 | Suppl. 10 = 978-3-476-02470-1 | Suppl. 11 = 978-3-476-02422-0 | Suppl. 12 = 978-3-476-02471-8 | Suppl. 13 = 978-3-476-02472-5 | Suppl. 14 = 978-3-476-02473-2 | #default = 3-476-01470-3 }}{{#if:829|, {{#switch: 7 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 = S. | #default = Sp. }}829{{#if:|{{#ifexpr: 829 <> |–|}}|}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if:| ()}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:DNP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNP |format=@@@ |1=1=* |2=2=n |3=3=n |4=4=* |5=5=* |6=6=* |7=Fundstelle=*}}{{#if: 7|{{#switch: 7 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12/1 | 12/2 | 13 | 14 | 15/1 | 15/2 | 15/3 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 | Suppl. 6 | Suppl. 7 | Suppl. 8 | Suppl. 9 | Suppl. 10 | Suppl. 11 | Suppl. 12 | Suppl. 13 | Suppl. 14 = | #default = Vorlage:DNP: Ungültige Bandnummer. }}|}}
- Hans-Christian Schneider: Altstrassenforschung (= Erträge der Forschung Bd. 170). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1982, ISBN 3-534-07293-6, S. 95–101.
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Einzelnachweise
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