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Marasmus

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{{#ifeq:|ja|Klassifikation nach ICD-10-GM|Klassifikation nach ICD-10}}
{{#if: E41 | E41 | Eintrag fehlt }} Alimentärer Marasmus
Erhebliche Mangelernährung mit Marasmus | Eintrag fehlt }}
E42 Kwashiorkor-Marasmus
Erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
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Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Als Marasmus (Adjektive marantisch, marastisch,<ref>Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 11. Auflage, Berlin, Leipzig 1922, S. 239.</ref> marasmatisch;<ref>Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 591.</ref> von Vorlage:GrcS; früher auch Darrsucht oder Darmdrüsenzehrung genannt)<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>A. Müller, R. W. Schlecht, Alexander Früh, H. Still: Der Weg zur Gesundheit: Ein getreuer und unentbehrlicher Ratgeber für Gesunde und Kranke. 2 Bände, (1901; 3. Auflage 1906, 9. Auflage 1921) 31. bis 44. Auflage. C. A. Weller, Berlin 1929 bis 1931, Band 1 (1931), S. 43–46 (Darrsucht oder Darmdrüsenzehrung).</ref> bezeichnet man einen Proteinmangel bzw. Energiemangel, der zum Abbau aller Energie- und Eiweißreserven führt (auch PEM protein-energy-malnutrition).<ref>Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-88624-560-4, Kapitel 97: "Mangelernährung und Beurteilung des Ernährungszustandes", S. 553–559.</ref><ref>The Merck Manual of Diagnosis and Therapy. 20. Auflage, Merck, Sharp & Dohme, Kenilworth 2018, ISBN 978-0-911910-42-1, S. 33–36.</ref>

Der Kräfteverfall betrifft Körper<ref>Deutsche Buch-Gemeinschaft (Berlin, Darmstadt, Wien): Handlexikon. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin 1964, S. 562.</ref> und Psyche, wobei es auch zu Psychopathologien wie der Depression kommen kann.<ref>Hexal Taschenlexikon Medizin. 2. Auflage, Urban & Fischer, München, Jena 2000, ISBN 978-3-437-15010-4, S. 468.</ref><ref>Der große Duden. Band 5, Fremdwörterbuch. 2. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Wien, Zürich 1971, ISBN 3-411-00905-5, S. 428.</ref><ref>Robert M. Youngson: Collins Dictionary of Medicine. Harper Collins Publishers, Glasgow 1992, falsche ISBN 0-583-31591-7, S. 379: “retardation of mental development”.</ref> Dieses Definitionskriterium erleichtert die differentialdiagnostische Unterscheidung zwischen dem Marasmus und anderen Formen der Unterernährung. Das französische Analogon marasme bedeutet Lebensüberdruss, Auszehrung, Entkräftung.<ref>Langenscheidts Handwörterbuch Französisch. Teil 1: Französisch-Deutsch. Langenscheidt, Berlin / München / Wien / Zürich 1983, ISBN 3-468-04151-9, S. 369.</ref>

Der Marasmus ist ein über Monate bis Jahre ablaufender Auszehrungsprozess und Entkräftungsprozess.<ref>Lexikon Medizin. 4. Auflage, Naumann & Göbel Verlag, Köln ohne Jahr [2005], ISBN 978-3-625-10768-2, S. 1064.</ref><ref>Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage, Urban & Fischer, München / Jena 2003, ISBN 978-3-437-15156-9, S. 1174.</ref> Die zahlreichen Abgrenzungen zur Mangelernährung, zur Fehlernährung, zur Gedeihstörung,<ref>Dieter Palitzsch: Pädiatrie. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-432-93131-X, S. 46 f.</ref> zur Hinfälligkeit, zur Erschöpfung,<ref>Lutz Mackensen: Das moderne Fremdwörterbuch. 3. Auflage, VMA-Verlag, Wiesbaden 1988, S. 303.</ref> zur Auszehrung (lateinisch Consumptio), zur Altersatrophie, zur Gebrechlichkeit, zum Altersabbau,<ref>Die Zeit: Das Lexikon in 20 Bänden. Band 9, Zeitverlag, Hamburg 2005, ISBN 3-411-17569-9, S. 328 f.</ref> zur Entkräftung,<ref>Lingen Lexikon in 20 Bänden. Lingen-Verlag, Band 12, Wiesbaden ohne Jahr, S. 65.</ref><ref>Der Sprach-Brockhaus. Eberhard Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1949, S. 394.</ref> zur Kachexie, zur Anorexia nervosa (Magersucht), zur Magerkeit, zur Malnutrition, zur Schwindsucht,<ref>ICD-10-Klassifizierung für den Marasmus bei Tuberkulose: A16.9. Quelle: Bernd Graubner: Alphabetisches Verzeichnis ICD-10-GM 2006. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7691-3252-1, S. 638; Ausgabe 2013, ISBN 978-3-7691-3509-1, S. 704.</ref> zur Hungerdystrophie,<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 254. Auflage, de Gruyter Verlag, Berlin, New York 1982, ISBN 3-11-007187-8, S. 725.</ref> zum Siechtum<ref>Fachwörterbuch der Medizin. Manfred Pawlak Verlag, Herrsching 1984, ISBN 3-88199-163-8, S. 274.</ref> und zur Altersschwäche sowie zum Sterbefasten werden nicht immer beachtet.<ref>Walter Siegenthaler, Werner Kaufmann, Hans Hornbostel, Hans Dierck Waller (Hrsg.): Lehrbuch der inneren Medizin. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 1992, ISBN 978-3-13-624303-9, S. 1249–1255.</ref>

In der Gerontologie bezeichnet Marasmus senilis den Abbau körperlicher Funktionen mit zunehmendem Alter und wird damit auch als Begriff für eine Todesursache verwendet. Diese Altersschwäche tritt besonders im Greisenalter auf.<ref>Duden: Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 1985, ISBN 3-13-437804-3, S. 430.</ref>

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Mann und Kind in Indien, unter Marasmus leidend (1972)

Ursachen

Ein Marasmus tritt auf, wenn ein Mensch unter genereller (quantitativer und qualitativer) Unterernährung, also an einem Mangel an Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten, leidet. Es kommt zum Verfall des Körpers durch einen Schwund der Körperkräfte und der Körpersubstanz.<ref>Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh, Berlin, München, Wien 1972, ISBN 3-570-06588-X, S. 2361.</ref> Die Krankheit tritt in nicht-industrialisierten Ländern häufig auf. Sie trifft insbesondere Kinder, sobald sie von der Muttermilch entwöhnt werden und dann auf Nahrung angewiesen sind, die ihnen nicht genug Energie zur Verfügung stellt.<ref>Emanuel Rubin, David Strayer: Environmental and Nutrional Pathology. In: Raphael Rubin, David Strayer: Rubin's Pathology. Philadelphia 2008, S. 277–278.</ref> Dieser Effekt wird dadurch noch verstärkt, dass durch die Unterernährung die Aufnahme und die Verdauung von Nahrungsstoffen gestört sein können.

So zeigen Kinder mit Marasmus einen Mangel an Verdauungsenzymen und Gallensäuren, was ihre Fähigkeit behindert, Fette über den Darm aufzunehmen. Der Abfall der Enzyme und Gallensäuren wird auf den Ausfall ihrer Produktion im Pankreas beziehungsweise in der Leber zurückgeführt. Die Gallensäuren werden zusätzlich durch vermehrt vorhandene Bakterien verändert und funktionsunfähig gemacht.<ref>H. C. Mehta, A. S. Saini, H. Singh, P. S. Dhatt: Biochemical aspects of malabsorption in marasmus: effect of dietary rehabilitation. In: British Journal of Nutrition. 1984, Vol 51, S. 1–6; PMID 6418198</ref> Ein Wurmbefall und die Alkoholkrankheit gelten ebenfalls als Ursachen für den Marasmus.<ref>Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch. 1. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1127.</ref>

Symptome und Diagnose

Datei:Starved girl.jpg
Kind mit einer Mischform aus Kwashiorkor und Marasmus

Das auffälligste Zeichen der Mangelernährung ist großer Hunger mit entsprechender Gewichtsabnahme. Der Körper braucht seine Fettreserven, um Energie zu gewinnen. Um die Herstellung lebenswichtiger Proteine möglichst lange zu gewährleisten, kommt es auch zu einem Abbau der Muskelmasse, sowohl an Skelettmuskulatur als auch an Herzmuskulatur. Der Bauch ist in der Regel gebläht und das Gesicht wird faltig. Betroffene Kinder können unter Umständen wie Greise wirken. Des Weiteren leiden die Patienten unter Durchfällen, da der Darm atrophiert. Ödeme zeigen sich im Gegensatz zum Kwashiorkor, bei dem der Proteinmangel führend ist, beim Marasmus nicht. Blutdruck und Herzfrequenz (Puls) sind verringert. Durch den Mangel an Nahrung ist auch die Widerstandskraft des Immunsystems stark herabgesetzt. Der Patient wird infolgedessen verwundbar durch zahlreiche Infektionen, die mitunter tödlich verlaufen können.<ref name="er277f">Emanuel Rubin, David Strayer: Environmental and Nutrional Pathology. In: Raphael Rubin, David Strayer: Rubin’s Pathology. Philadelphia 2008, S. 277–278.</ref>

Kinder, die unter Marasmus gelitten haben, zeigen eine Wachstumsverminderung (Marasmus infantilis<ref>Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore ohne Jahr, Band 3 (L–R), S. 1550.</ref>) oder eine Wachstumsverzögerung (Entwicklungsretardierung). Sie wirken vorgealtert (Progerie). Ein negativer Effekt auf die Intelligenz betroffener Kinder im Erwachsenenalter ist bisher umstritten.<ref name="er277f" /> Ein Marasmus gilt diagnostisch als gesichert, wenn ein Kind nur 60 % seines Normalgewichts oder weniger aufweist und keine Ödeme vorhanden sind. Sind Ödeme vorhanden, ist von einer Mischform aus globaler Mangelernährung und dem Eiweißmangel Kwashiorkor auszugehen.<ref>William A. Coward, Peter G. Lunn: The Biochemistry and Physiology of Kwashiorkor and Marasmus. In: British Medical Bulletin. 1981, Volume 37, No. 1, S. 19–24; PMID 6789923.</ref> Diese Auszehrung führt zum Hungertod, wenn das Körpergewicht auf etwa die Hälfte des Sollgewichts abgesunken ist.<ref>Maxim Zetkin, Herbert Schaldach (Hrsg.): Lexikon der Medizin. 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 1240.</ref> Je kleiner der Body Mass Index, desto größer die Mortalität des Marasmus durch Verhungern; ein BMI von 13 kg/m² mit einer Vita minima gilt als extrem lebensgefährlich.

Der Marasmus bei jungen unterernährten Säuglingen als Folge des vollständigen Verschwindens des Fettgewebes (schwere Säuglingsydystrophie) wird gelegentlich auch als Athrepsie oder Atrepsie bezeichnet.<ref>Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin, Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore ohne Jahr, Band 1 (A–E), S. 167 und 170.</ref> Außerdem ist die Atrepsie bei Säuglingen der Oberbegriff für den Marasmus (durch Energiemangel) und den Kwashiorkor (durch Eiweißmangel).<ref>Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch. 1. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 159.</ref>

Marasmus bei Heimkindern

Als „Marasmus“ wird gelegentlich auch der psychische Hospitalismus bezeichnet, das „Dahinwelken und schließliche Verlöschen“ (René A. Spitz 1978) von an sich gesund geborenen Kindern infolge totaler emotionaler Deprivation. Spitz nannte diesen Zustand „anaklitische Depression“. In früheren Zeiten starben bis zu 70 % der Findelkinder an diesem Zustand.<ref>Entwicklungspsychologie – Erich Kasten, PDF 347 kB, hier S. 5 f.</ref> Hier spricht man auch von der Dekomposition.<ref>Dieter Palitzsch: Pädiatrie. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-432-93131-X, S. 46.</ref>

Behandlung

Die Behandlung der Krankheit<ref>DocCheck: Flexikon: Stichwort Marasmus.</ref> erfolgt (in Abhängigkeit vom Grundleiden) nach einem WHO-Schema. Dieses 10-Schritte-Schema ist für Marasmus und das verwandte Mangelsyndrom Kwashiorkor gleich. Die Unterkühlung (Hypothermie) der Patienten, die durch einen Verlust des Fettgewebes entsteht, sollte durch Erwärmen beseitigt werden. Die Körpertemperatur sollte überwacht werden. Da häufig niedrige Blutzuckerwerte auftreten, sollten diese gemessen und gegebenenfalls Glucose oral oder intravenös zugeführt werden. Gegen die Dehydratation, die viele Patienten zeigen, sollte vorsichtig mit der Gabe oraler Rehydratationslösungen (zur Flüssigkeitsauffüllung) vorgegangen werden. Diese Lösungen sollten weniger Natrium und mehr Kalium enthalten als normale Rehydratationslösungen. Dies und die vorsichtige Darreichung sollen verhindern, dass der Kreislauf des Patienten überlastet wird, da oft im Zuge der Mangelernährung eine Minderleistung des Herzens vorliegt.

Außerdem sollten dem Patienten wichtige Vitamine und Spurenelemente zugeführt werden. Das Immunsystem der Marasmuskranken kann soweit geschwächt sein, dass eine Infektion ohne die üblichen Symptome (wie z. B. Fieber) vorliegt. Infolgedessen sollten auch ohne Krankheitszeichen Breitband-Antibiotika verabreicht werden. Eine Therapie gegen Malaria ist ebenfalls in Erwägung zu ziehen. Da bei den Patienten Störungen des Elektrolythaushalts vorliegen können, sollte ihnen nach Empfehlung der WHO Kalium und Magnesium zugeführt werden. Der Kostaufbau ist zweistufig durchzuführen. Die Leberleistung der Patienten ist in der Regel herabgesetzt. Somit kann der Patient rasch zugeführte Proteine nicht adäquat verarbeiten. Es droht im schlimmsten Fall eine Überladung mit Ammoniak, da der Um- und Abbau von Aminosäuren im Harnstoffzyklus gestört sein kann. Die Folge wäre ein lebensbedrohliches hepatisches Koma.

Außerdem wird menschliche Zuwendung gegen die psychischen und sozialen Folgen des Hungers angeraten. Nach Abschluss der Therapie sollte das Zustandekommen der Unterernährung analysiert werden. Bei der Ausschaltung der Ursachen sollte – sofern möglich – mit der Familie oder der Gemeinschaft, in der der Patient lebt, zusammengearbeitet werden.<ref>Olaf Müller, Michael Krawinkel: Malnutrition and health in developing countries. In: Canadian Medical Association Journal. 2005, 2;173(3), S. 279–286, PMID 16076825.</ref>

Traditionelle Krankheitskonzepte

1991 wurden im Rahmen einer Studie 150 Frauen der Unterschicht in der pakistanischen Stadt Karatschi zu ihrem Verständnis der Krankheit befragt. Nur eine kleine Minderheit führte die Krankheit auf die in der Medizin gültigen Ursachen der Mangelernährung (Malnutrition, Indigestion, Malassimilation) beziehungsweise der Malabsorption durch Durchfälle (Maldigestion) zurück. Die Mehrheit glaubte, die Ursache der Krankheit sei der Kontakt mit einer Frau, die ein unterernährtes Kind hatte oder sich in einem Zustand ritueller Unreinheit befand. Die Auslösung der Erkrankung wurde von der Mehrheit der Befragten spirituellen Faktoren zugeschrieben. Ebenso befand die Mehrheit ärztliche Behandlung oder stärkere Nahrungszufuhr als ungeeignet, um betroffene Kinder zu heilen. Die Frauen waren sich aber der geringen Überlebensaussichten der Kinder sehr wohl bewusst.<ref>Dorothy Mull: Traditional perceptions of marasmus in Pakistan. In: Social Science and Medicine. 1991, Vol. 32, No. 2, S. 175–191; PMID 1901666.</ref>

Einzelnachweise

<references />

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