March (Fluss)
Die March (tschechisch und slowakisch Morava, ungarisch Morva, lat. Marus) ist ein linker Nebenfluss der Donau in Mitteleuropa. Sie entwässert etwa drei Viertel des nach ihr benannten Mähren und ist dessen Hauptfluss.
In ihrem Unterlauf begleitet sie beidseits ein Hochwasserdamm. Sie ist Grenzfluss zwischen Tschechien und der Slowakei (etwa 50 km) sowie zwischen Österreich und der Slowakei (91 km). Die Luftlinie dieser Strecken beträgt wegen der vielen Mäander des Flusses nur 37 bzw. 50 km.
Geografie
Die March entspringt im Glatzer Schneegebirge auf einer Höhe von Vorlage:Höhe bei den Quarklöchern (zwei Kalksteinhöhlen) am Südhang des Glatzer Schneebergs an der Grenze Polens zu Tschechien, etwa einen Kilometer nordwestlich des Dreiländerecks Polen-Böhmen-Mähren und verläuft zunächst 13 km lang auf dem Gebiet der böhmischen Region Pardubice, bis sie südlich der Gemeinde Dolní Morava die mährische Region Olomouc erreicht. Nach 358 km mündet sie an der Thebener Pforte gegenüber von Hainburg an der Donau (Österreich) bei Devín (Slowakei) in die Donau. Der mittlere Abfluss am Pegel Angern beträgt 108 m³/s. Die vielfältige Verästelung des Flusslaufes der March beschränkt ihre Schiffbarkeit auf den unteren Lauf.
Die wichtigsten Nebenflüsse sind links die Bečva und rechts die Thaya. Rechts (westlich) des Unterlaufs der March liegt das Marchfeld in Niederösterreich.
Die einzigen größeren Städte an der March sind Olmütz und indirekt Bratislava, kleinere Städte und Orte sind Kroměříž, Uherské Hradiště, Hodonín, Hohenau, Dürnkrut, Angern an der March und Marchegg.
Überquerungen
Über den Abschnitt, in dem die March die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei bildet, führen derzeit nur vier Brücken:
- Hohenau–Moravský Svätý Ján (Straßenbrücke)
- Schloss Hof–Devínska Nová Ves (Fahrradbrücke der Freiheit, für Fußgänger und Radfahrer, seit 9. August 2012)
- Marchegg–Devínska Nová Ves (Bahnbrücke der Verbindung Wien–Bratislava über die Ostbahn (Marchegger Ast))
- Marchegg–Vysoká pri Morave (VysoMarch, für Fußgänger und Radfahrer, seit 7. Mai 2022)
Ehemalige Stellen mit Brücken:
- Markthof-Devínska Nová Ves, 20. Jhd., während des Kalten Kriegs stillgelegt, Pfeiler besteht noch.
Zwischen Angern an der March und Záhorská Ves gibt es eine historisch bedeutende Fährstelle, die seit dem Ende des Kalten Kriegs wieder befahren wird. Diese hätte, nachdem von 1870 bis zum Kalten Krieg bereits eine Straßenbrücke bestand, ersetzt werden sollen. Als Baubeginn war zunächst 2010 vorgesehen; da aber damals (während einer Wirtschaftskrise) die Finanzierung nicht gesichert war, wurde der Bau verschoben.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> 2013 kündigte die Stadt Bratislava den Baubeginn für das Jahr 2015 an.<ref>Grünes Licht für neue March-Brücke auf ORF vom 19. Februar 2013, abgerufen am 19. Februar 2013.</ref> Bei einer am 21. September 2014 durchgeführten Volksbefragung über die geplante Marchbrücke in Angern sprachen sich fast drei Viertel der Angerner Wahlberechtigten gegen den Bau der Straßenbrücke aus (Wahlbeteiligung 65 %).<ref>Angern stimmt gegen die March-Brücke, orf.at (21. September 2014), abgerufen am 26. Juni 2017</ref> Planungen für diesen Standort wurden daraufhin vom Land NÖ abgebrochen.
In Marchegg<ref>Marchegg und seine Brücke, Bezirksblätter.at (18. April 2017), abgerufen am 26. Juni 2017</ref> und Dürnkrut<ref>Nein zu den Brücken in Marchegg und Dürnkrut, Bezirksblätter.at (20. Februar 2017), abgerufen am 26. Juni 2017</ref> scheiterten geplante Fahrradbrücken bei Bürgerabstimmungen am 19. Februar 2017. Jene in Marchegg wurde am 7. Mai 2022 eröffnet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Name
Erstmals urkundlich bezeugt wurde das Gewässer im Jahr 892 als Maraha<ref name="Schuster1990" />, worin man eine Zusammensetzung mit ahd. aha „Wasser, Fluss“ sehen könnte. Beim römischen Historiker Tacitus heißt der Fluss Marus.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Beide Formen werden auf indogermanisch *móri „Meer, stehendes Gewässer“ oder – vielleicht plausibler – die idg. Wurzel *merǵ-, *marǵ- „Rand, Grenze“ zurückgeführt.
Im Deutschen bedeutet das veraltete March eben „Mark, Grenze“.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Das germanische Wort kommt als Ursprung des Flussnamens in Frage, weil er seit der Antike ein Grenzfluss war.
Die gleichnamige Morawa im heutigen Serbien hieß lateinisch Margus und war ein Grenzfluss der spätrömischen Provinz Moesia Prima. Hier kommt eine Ableitung von lat. margo „Grenze, Rand“ in Frage.
Geschichte
Schon in der Antike hatte die untere March (im südlichen Gebiet bis zur Donaumündung) eine Bedeutung als nicht leicht überwindbarer Fluss. Gegenüber der Mündung der March entstanden die römischen Grenzkastelle Carnuntum und Gerulata (siehe Reliefkarte rechts).
Spätestens seit Anfang des 7. Jahrhunderts zogen Slawen von der Donau kommend entlang der March nach Norden und besiedeln das anliegende Gebiet. Seit dieser Zeit war die March Mittelpunkt des nach ihr benannten Landes Mähren (Morava). Ob sich das Reich des Samo um 623 auch entlang der March erstreckte, ist unklar. Im 9. Jahrhundert war der Unterlauf der March mit den Siedlungskomplexen Morava (Mikulčice) und Veligrad (Staré Město u Uherského Hradiště) Zentrum des Mährerreiches. Im Jahr 1063 wurde in Olmütz an der oberen March ein Bistum Mähren gegründet.
Der österreichisch-slowakische Abschnitt der March ist eine der ältesten Landesgrenzen Österreichs bzw. Niederösterreichs, Ostgrenze seit dem 11. Jahrhundert. Von 1526 (Regierungsantritt der Habsburger in Ungarn) bis 1918 (Auflösung Österreich-Ungarns) war die March in diesem Abschnitt Binnengrenze in der Habsburgermonarchie, bis 1806 außerdem Außengrenze des Heiligen Römischen Reiches.
Seit 1771 gab es eine Steinbrücke, die Maria-Theresien-Brücke. Sie wurde 100 Jahre später durch Eisschollen zerstört. Seit 1848 gibt es zwei Kilometer entfernt eine Eisenbahnbrücke<ref>Bahnstrecke zwischen Wien und Bratislava über die Ostbahn (Marchegger Ast).</ref> Von dort aus begann auch der Eisenbahnbau in der gesamten Slowakei.<ref>Vorlage:Toter Link von Karol Kattos abgerufen am 26. September 2011</ref> 1918–1939 und 1945–1992 grenzte hier die Tschechoslowakei an Österreich, 1939–1945 der NS-Satellitenstaat Slowakei an das Deutsche Reich. 1945–1989 war die March hier Teil des Eisernen Vorhangs; nach Österreich Flüchtende riskierten, von tschechoslowakischen Grenzwächtern erschossen zu werden. Die Steinbrücke wurde im Jahr 1947 von tschechoslowakischen Kommunisten gesprengt.<ref>Vorlage:Webarchiv im Falter vom 7. Mai 2008, abgerufen am 28. März 2010.</ref>
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 wurden in der ersten Euphorie zahlreiche Provisorien als Stege über die March eingerichtet. Auch die Fähre zwischen Angern und Záhorská Ves wurde in den späten 1990er Jahren in Betrieb genommen.<ref>Vorlage:Webarchiv (PDF; 1,8 MB) aus dem Jahr 1997, abgerufen am 2. Februar 2013.</ref>
Ende Dezember 2007 sind auf Grund des Schengenabkommens die Grenzkontrollen zwischen der Slowakei und Österreich weggefallen.
Am 25. September 2011 fand der erste Spatenstich für die Fußgänger- und Radwegbrücke über die March zwischen Schloss Hof und Devínska Nová Ves statt. Die Brücke, die den Radtourismus auf beiden Seiten des Flusses beleben soll, wurde am 9. August 2012 für den Verkehr freigegeben.<ref>Vorlage:Toter Link auf Radio Slowakei International vom 9. März 2010, abgerufen am 4. April 2010</ref><ref>Vorlage:Webarchiv auf Das Land Niederösterreich vom 15. April 2009, abgerufen am 15. Mai 2010</ref><ref>Der Bau der neuen Fussgängerbrücke hat begonnen auf der Seite von Groissenbrunn, abgerufen am 14. Juni 2011</ref> Im September 2012 wurde sie als Fahrradbrücke der Freiheit eröffnet,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> an der Stelle, an der früher die Maria-Theresien-Brücke gestanden hatte.
Schutzgebiete
Entlang der March finden sich mehrere Schutzgebiete, unter anderem:
- Ramsar-Gebiet Donau-March-Thaya-Auen (Grenzüberschreitend)
- Österreich
- Europaschutzgebiete March-Thaya-Auen (Europäisches Vogelschutzgebiet und FFH-Schutzgebiet)
- Landschaftsschutzgebiet Donau-March-Thaya-Auen
- Naturschutzgebiet Angerner
- Naturschutzgebiet Dürnkruter Marchschlingen
- Naturschutzgebiet Untere Marchauen und WWF Naturreservat Marchegg
- Slowakei
- Landschaftsschutzgebiet Záhorie (CHKO Záhorie)
- Tschechien
- Národní přírodní rezervace Ranšpurk, nahe Lanžhot<ref>Ranšpurk National Nature Reserve abgerufen am 17. Mai 2010 (engl.)</ref>
- Ramena řeky Moravy, Augebiet zwischen Litovel und Olmütz<ref>Ramena řeky Moravy National Nature Reserve abgerufen am 17. Mai 2010 (engl.)</ref>
- Národní přírodní rezervace Vrapač, bei Litovel<ref>Vrapač National Nature Reserve abgerufen am 17. Mai 2010 (engl.)</ref>
In den Nationalparks in Österreich wurde 2010 angekündigt, für die – national – noch unzureichend geschützten March-Thaya-Auen die Errichtung eines Nationalparks anzustreben.<ref name="OTS_20100621_OTS0111">Vorlage:Internetquelle</ref>
Neben den festgelegten Schutzgebieten gibt es laufend einzelne Projekte, die den Schutz der Flora und Fauna auch in Teilgebieten zum Ziel hat. Zunehmend werden auch grenzüberschreitende Projekte durchgeführt. So ist beispielsweise seit 2007 eine Aktion zum Schutz von Greifvögel (wie Kaiseradler und Würgfalken), Störchen und Eulen (Uhus) unter dem Namen CORO-SKAT (Conservation Of Raptors and Owls) im laufen. Dabei arbeiten Organisationen wie Birdlife Österreich und Ochrana dravcov na Slovensku (Raptor Protection of Slovakia – RPS) zusammen.<ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 5. November 2011</ref>
Hochwässer
Die March führt jährlich Hochwasser, vor allem nach der Schneeschmelze. Die für die Überflutung der Marchauen notwendigen höheren Wasserstände führen üblicherweise nur zu Straßensperren der Grenzübergänge, die nicht hochwassertauglich sind.
Große Hochwasserereignisse werden allerdings immer wieder verzeichnet. So verursachte jenes im Jahr 1997 große Schäden auf der slowakischen Seite. Ein jüngeres, welches das vorherige noch übertraf und sehr große Schäden anrichtete, war das nach der Schneeschmelze im Frühjahr 2006. Mehrere Dammbrüche in Österreich, wie in Jedenspeigen verursachten große Schäden auf privater Seite wie auch an Infrastruktur, beispielsweise an der Nordbahn. Dabei handelte es sich um ein 100-jährliches Hochwasser mit einer Schadenssumme allein in Österreich von 72 Millionen Euro.<ref name="rh">Vorlage:Webarchiv (PDF; 235 kB) Wirkungsbereich Niederösterreich 2008/9, abgerufen am 15. Mai 2010.</ref>
Hauptartikel: Thaya-March-Hochwasser 2006
Hochwasserschutz in Österreich
Aus diesem Grund sind sowohl links- als auch rechtsufrig lange Dammbauten vorhanden. So sind allein auf der österreichischen Seite 57 km Damm vorhanden, der laufend in den Jahrzehnten zwischen 1936 und 1964 errichtet wurde. Durch die dabei erfolgte Begradigung wurde die March bis auf zwei Meter eingetieft und das Gefälle von 0,0153 % auf 0,021 % verstärkt.<ref>Vorlage:Webarchiv vom WWF Österreich abgerufen am 15. Mai 2010</ref>
Eine Erneuerung der Dämme wurde bereits nach dem Hochwasser 1997 geplant. So sollten vorrangig die Abschnitte Angern–Mannersdorf–Stillfried und Waidendorf–Dürnkrut–Jedenspeigen repariert werden. Erst 2004 wurde die UVP eingereicht. Die Dammhöhen sollten mit jenen der Slowakei angeglichen werden. Das Hochwasser 2006 überrollte diese Planungen, da es den tatsächlichen schlechten Zustand der Dämme aufzeigte. So musste bis auf zwei kurze Abschnitte der Damm auf der ganzen Länge saniert werden. Der zweite Abschnitt wurde planmäßig 2007 abgeschlossen. Die Gesamtsanierung sollte bis ins Jahr 2012 erfolgt sein. Anfängliche Differenzen über die Zuständigkeiten und den damit verbundenen Finanzierungsfragen wurde so gelöst, dass die Sanierung der via donau obliegt.<ref name="rh" /> Die Sanierung ist inzwischen weitgehend durchgeführt, aber immer noch nicht abgeschlossen. Restarbeiten sollen im Jahr 2015 durchgeführt werden.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Der WWF übt Kritik am Land Niederösterreich wegen dieser Hochwasserschutzmaßnahmen. Durch eine Änderung des Naturschutzgesetzes im Jahr 2007 sind die Baumaßnahmen von einer Naturverträglichkeitsprüfung ausgenommen, so dass die Naturschutzinteressen in den Augen des WWF nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden müssen.<ref>Hochwasserschutz in NÖ: Auen im Zwangskorsett beim WWF 16. Oktober 2009, abgerufen am 15. Mai 2010.</ref>
Auffassungsunterschiede gibt es bezüglich der Naturschutzverfahren. Während das Land Niederösterreich auf Grund der massiven Schäden diese so rasch als möglich reparieren wollte, legte der Umweltdachverband Beschwerde bei der Europäischen Union ein, da seiner Auffassung nach die EU-Vogelschutzrichtlinie nicht berücksichtigt wurde. Das Bundesland argumentierte damit, dass es sich um eine Reparatur handelte und dass der Menschenschutz Vorrang gegenüber dem Naturschutz habe.<ref>Hochwasserbauten: EU droht mit Klage auf ORF vom 25. Juni 2012</ref>
Im Februar wurde die erneuerte Dammanlage auf niederösterreichischer Seite mit einer Länge von 65 km eröffnet. Sie soll vor einem 100-jährlichen Hochwasser Schutz bieten. Auch Zubringerdämme in der Länge von 3 km waren in diesem Projekt, das 125 Millionen Euro verschlang, miteinbezogen. Es war eine Bauzeit von sieben Jahren dafür notwendig.<ref>68 Kilometer Hochwasserschutz auf ORF vom 17. Februar 2013, abgerufen am 17. Februar 2013.</ref>
Hochwasserschutz international
Im Rahmen des Projektes CEframe (Central European Flood Risk Assessment and Management in Centrope) übernahm im Jahr 2010 das Land Niederösterreich die Führung, um mit den Ländern Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn für die gemeinsamen Flussgebiete, zu welchen auch die March gehört, Grundlagen für ein zukünftiges Hochwassermanagement zu erarbeiten.<ref>CEframe – Central European Flood Risk Assessment and Management in CENTROPE auf der Seite der NÖ Landesregierung vom 22. Dezember 2010, abgerufen am 17. Februar 2013.</ref><ref>Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 17. Februar 2013.</ref> Das Projekt endete 2013.
- Der Unterlauf der March um 1873 (Aufnahmeblätter der Landesaufnahme)
-
Dürnkrut, Stillfried
-
Marchegg und Zwerndorf,
Siehe auch
- Liste der Flüsse in der Slowakei
- Morava (Fluss), Namensvetter in Serbien
Literatur
- Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon; 10. Auflage 1853, F. A. Brockhaus Leipzig
- A. Stancik, H.Schiller, O.Behr et al.: Hydrology of the River Danube / Hydrologie der Donau. Gemeinsames Forschungsprojekt der Donauländer und der IHD, 272 p., Verlag Priroda, Bratislava 1988.
Weblinks
- Wasserstands- und Durchflussanzeige auf tschechischem Gebiet (de)
- Wasserstands- und Durchflussanzeige auf österreichischem Gebiet
- Wasserstands- und Durchflussanzeige auf slowakischem Gebiet (de)
- Povodí Moravy – Einzugsgebiet der March (pdf) (2,37 MB)
- Grenzraum Kooperationen bei March und Theiß-Probleme, Erkenntnisse und Konsequenzen (PDF; 143 kB) Referat AZ Ost-Forum April 2002
- Vorlage:Osm
Einzelnachweise
<references> <ref name="Schuster1990"> E. Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 2. Teil, Verein für Landeskunde von Niederösterreich, 1990 Wien, S. 592ff </ref> </references>