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Marchfutter

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Datei:Marchfutterurbar 1414~1426, steirisch-landesfürstlich, S. 52r für Dorfstatt Ortsteile Gruben Schorn (KG Sallegg, Bad Gams, Deutschlandsberg).jpg
Seite 52r aus dem Marchfutterurbar 1414/1426, Nennung von Orts- und Hofnamen samt Abgabeverpflichtung und Erfüllungsbestätigung. Rote Schrift: als Naturalleistung (Hafer) erbracht, schwarze Schrift: als Geldzahlung erbracht. Mit positiven und negativen Auswirkungen der Restaurierungsarbeiten 1968/69.

Marchfutter ist der Name einer Steuer aus dem Mittelalter. Marchfutter wurde hauptsächlich im Gebiet der habsburgischen österreichischen Länder Nieder- und Oberösterreich und Steiermark eingehoben, es ist aber auch für die Mark Cham<ref name=mfuForschgesch>Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 1. Das Marchfutter, 1.2. Forschungsgeschichte – Stand der Forschung. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 6. April 2026).</ref> belegt. In der Mittelsteiermark wird der Begriff bis ins 19. Jahrhundert verwendet.<ref name=mfuEinl>Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien. 1. Das Marchfutter. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019.</ref>

Die Steuerleistung bestand ursprünglich aus Lieferverpflichtungen von Hafer als Futter für Pferde des Militärs. Zur Leistung verpflichtet waren allgemein die Besitzer von Bauerngütern, wobei die Zugehörigkeit zu einer Grundherrschaft nicht relevant war.<ref>Fritz Popelka: Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Band 17, Jahrgang 1919, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0437-5890|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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Zuständig für die Einhebung des Marchfutters waren anfangs eigene Behörden, die Marchfutterämter.<ref name=mfuForschgesch/>

Ähnliche Verpflichtungen für Futterabgaben gab es auch in anderen Ländern wie dem Frankenreich des 9. und im Italien des 10.–14. Jahrhunderts. Sie wurden z. B. in Oberitalien als fodrum bezeichnet. Für Salzburg ist das Wort hengistfuôter<ref>„… qui hengistfuôter vulgari lingua dicitur …“ (hengist = Hengst) in einer Arbeit von Carlrichard Brühl, zitiert in: Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 1. Das Marchfutter, 1.2. Forschungsgeschichte – Stand der Forschung. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 7. April 2026).</ref> belegt.<ref name=mfuForschgesch/>

Name

In der Literatur sind zur Herkunft des Wortes Marchfutter verschiedene Ansichten dokumentiert:

Zum ersten Wortteil verweist eine Deutung darauf, dass Mähre, im Mittelhochdeutschen mar(ch), ursprünglich ein edles Streitross bezeichnete und die Abgabe ja auch als Pferdefutter bezeichnet<ref>„… fodrum, quod vulgo dicitur marchetfuter …“: Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 1. Das Marchfutter, 1.2. Forschungsgeschichte – Stand der Forschung. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 6. April 2026).</ref> werde. Dieser Ansicht wird auch aus philologischer Sicht der Vorzug gegeben, weil die Aussprache des „… ch“ im Wort anders klingt als jene des „… k“ im Wort Steiermark.<ref>Einschätzung von Erika Windberger-Heidenkummer vom Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz. Zitiert nach: Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 1. Das Marchfutter, 1.2. Forschungsgeschichte – Stand der Forschung. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 6. April 2026).</ref> Nach anderer Ansicht soll sich das Wort davon ableiten, dass die Leistungen für militärische Zwecke in einem Grenzgebiet, einer Mark, eingehoben wurden.<ref name=mfuForschgesch/>

Der zweite Wortteil wird allgemein auf das lateinische fodrum zurückgeführt, welches „Futter“ bedeutet.<ref name=mfuForschgesch/>

Als andere Bezeichnungen für die Abgabe werden marchrecht, marchdienst, annona marchialis, iustitia marchiae oder marchzins genannt.<ref name=mfuForschgesch/>

Das Marchfutter hat nichts zu tun mit dem Ergänzungsfutter für Pferde, dem Mash.

Bedeutung

Allgemein

Das Marchfutter wird für das Hochmittelalter als eine der Haupteinnahmequellen des Landesherrn geschildert. Sie kam zumindest ursprünglich nicht der Grundherrschaft zugute und wurde auch von Gütern eingehoben, die sonst z. B. einem Kloster abgabenpflichtig waren.<ref>Siehe das Bild mit dem Vermerk „Dint all dem [von] Admund“ für das Stift Admont als Grundherrschaft bei dem Ort Dorfstatt.</ref> Die Leistungspflicht wird als eine persönliche Steuerpflicht der Herren und Landstände geschildert<ref>Franz Freiherr Mensi von Klarbach: Geschichte der direkten Steuern in Steiermark bis zum Regierungsantritte Maria Theresias. Band 1. In der Reihe: Forschungen zur Verwaltungs- und Verfassungsgeschichte der Steiermark. Hrsg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark. VII. Band. Verlagsbuchhandlung „Styria“, Wien und Graz 1910. S. 215 (Abgerufen am 9. April 2026).</ref>, mit der einer Grundsteuer<ref>Franz Freiherr Mensi von Klarbach: Geschichte der direkten Steuern in Steiermark bis zum Regierungsantritte Maria Theresias. Band 2. In der Reihe: Forschungen zur Verwaltungs- und Verfassungsgeschichte der Steiermark. Hrsg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark. VII. Band. Verlagsbuchhandlung „Styria“, Wien und Graz 1912. S. 255. (Abgerufen am 9. April 2026).</ref> und anderen Steuern verglichen.<ref name=mensi12>Franz Freiherr Mensi von Klarbach: Geschichte der direkten Steuern in Steiermark bis zum Regierungsantritte Maria Theresias. Band 1. In der Reihe: Forschungen zur Verwaltungs- und Verfassungsgeschichte der Steiermark. Hrsg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark. VII. Band. Verlagsbuchhandlung „Styria“, Wien und Graz 1910. S. 12. (Abgerufen am 9. April 2026).</ref> Befreit waren allerdings jene Grundbesitzer, die selbst Militärdienst leisteten (wozu auch gehörte, für die Verpflegung der eigenen Streitpferde zu sorgen). Das Marchfutter wird (im Vergleich zu den Zahlungsverpflichtungen aus einer Grundherrschaft) als öffentlich-rechtliche (staatliche) Maßnahme geschildert.<ref>Otmar Pickl: Über den Ursprung des Marchfutters. In: Blätter für Heimatkunde, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Band 25, Jahrgang 1951, S. 119. (Abgerufen am 9. April 2026).</ref><ref name=mfuForschgesch/> Die Verpflichtungen konnten zumindest ab dem Spätmittelalter durch Geldzahlungen ersetzt werden.

Das Marchfutter war nur eine von mehreren Steuern, die zum „Befrieden von Land und Leuten“, zur Erhaltung der militärischen Truppen diente.<ref>Franz Freiherr Mensi von Klarbach: Geschichte der direkten Steuern in Steiermark bis zum Regierungsantritte Maria Theresias. Band 1. In der Reihe: Forschungen zur Verwaltungs- und Verfassungsgeschichte der Steiermark. Hrsg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark. VII. Band. Verlagsbuchhandlung „Styria“, Wien und Graz 1910. S. 29. (Abgerufen am 20. April 2026).</ref> Neben dem Marchfutter gab es, besonders zur Finanzierung der Kämpfe gegen die Türken, auch andere Steuern für militärische Zwecke wie die Terz, die Quart und die Besteuerung der Gülten.<ref>Franz Pichler: Die steuerliche Belastung der steirischen Bevölkerung durch die Landesdefension gegen die Türken. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchives. Hrsg. vom Steiermärkischen Landesarchiv Graz, Folge 35/36, Jahrgänge 1985/86, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}

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In der Literatur wird zur Diskussion gestellt, ob es möglich wäre, aus den Fundstellen des Begriffes bzw. aus der Verteilung der Marchfutterämter auf die Größe einer Mark, auf ein Königsgut oder den jeweiligen Stand der historischen Wehrverfassung eines Gebietes zu schließen. Das wird unterschiedlich beantwortet, weil es u. a. davon abhängt, ob das Marchfutter anderen Begriffen wie fodrum ohne Weiteres gleichgestellt werden darf und wie vollständig die historischen Unterlagen tatsächlich sind.<ref name=mfuForschgesch/>

In der Steiermark

Besondere Bedeutung hat das Marchfutter wegen seiner Aufzeichnungen für die Steiermark. Diese Unterlagen sind in weiten Teilen erhalten und bilden die „Marchfutterurbare“ oder „Marchfutterregister“. Die Unterlagen orientieren sich an der Pfarrorganisation und enthalten örtliche Übersichten teilweise bis auf die Ebene der einzelnen Bauernhöfe samt deren Namen. Sie reichen von 1265<ref>Karl Spreitzhofer: Steirische Quellen zur Geschichte des Marchfutters in der frühen Neuzeit. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs. Hrsg. vom Steiermärkischen Landesarchiv Graz, Folge 27, Jahrgang 1977, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}

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Das Marchfutterurbar von 1414/1426 ist in einer elektronischen Edition des Steiermärkischen Landesarchives mit umfangreichen wissenschaftlichen Zusatzinformationen (einschließlich Darstellung der verschiedenen Schreiber-Hände) entgeltfrei verfügbar.<ref>Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Bearbeitet von Matthias P. Perstling nach der Methode der „Dynamischen Integrierten Computergestützten Edition“. (Abgerufen am 7. April 2026).</ref> Dieses Urbar besteht aus 92 Blättern und enthält Aufzeichnungen über die Erträgnisse des Grazer Marschall- bzw. Marchfutteramtes aus den Jahren 1414 bzw. 1426. Es befand sich in den 1960er-Jahren in einem desolaten Zustand, war im Zerfallen, Textteile waren durch Tintenfraß gefährdet oder bereits zerstört, Blätter von Pilzen befallen, manche Teile bereits zu Staub geworden. Die Handschrift wurde 1968/69 nach damaligem Stand der Technik umfangreich restauriert, aber auch neu gebunden (was eine neuerliche Belastung auch des Papiers beim Umblättern auslöst). Dabei wurden fehlende Papierstellen durch Anfaserung neuer Papierfasermasse in einer vom damaligen Restaurator des Landesarchives entwickelten Apparatur ergänzt. Die verwendeten Flüssigkeiten einschließlich langer Wasserbäder führten allerdings dazu, dass manche Passagen, die mit Eisengallustinte geschrieben waren, verschwunden oder andere mit weniger konsistenten Tinten geschriebene Nachträge verblasst und nur noch schwer lesbar sind.<ref>Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 2. Formale Handschriftenbeschreibung, 2.2 Äußere Beschreibung–Restaurierung–Erhaltungszustand, Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019.</ref> Diese Nachteile können zumindest teilweise durch die elektronische Dokumentation über die Vergrößerungs- und Kontraststärkungsmöglichkeiten ausgeglichen werden.

Menge und Wert

Das Marchfutter war in den jeweils örtlichen Hohlmaßen (Schöpfmaßen) zu entrichten, eine Leistung nach Gewicht setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch.

Hinweise darauf, dass das Marchfutter von allen verpflichteten Stellen in der gleichen Menge zu liefern gewesen wäre, sind nicht ersichtlich, im Gegenteil: Die sehr unterschiedlichen Angaben über die einzelnen Maße, aber auch Vereinheitlichkeitswünsche<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße, Teil II. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 30, Jahrgang 1936, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0437-5890|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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Die Mengenangaben sind als Jahresbeträge (Kalenderjahr, Kirchenjahr, Erntejahr etc.) zu sehen, die aber zumindest teilweise in Raten geleistet werden konnten.

In der Steiermark wurde im 15. Jahrhundert oft „virl“ oder „Grazer Viertel“ verwendet. Um welche Menge genau es sich dabei handelte, ist nicht mehr feststellbar, weil es keine einheitlichen Umrechnungswerte in das Dezimalsystem gibt und (selbst wenn im Lauf der Jahrhunderte, in denen es diese Regeln gab, keine Veränderungen eingetreten wären<ref>Wofür es aber zumindest Hinweise gibt: Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße, Teil II. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 30, Jahrgang 1936, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0437-5890|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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Nicht im Detail nachvollziehbar ist auch der Wert der Abgabe: Sie orientierte sich teilweise am jeweils örtlichen Marktwert, der schon wegen der unterschiedlichen Ernteerträge schwanken konnte. Der Marktwert konnte durch Geldzahlungen abgelöst werden, deren Beträge den jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen unterlagen. Es ist dokumentiert, dass manche Verpflichteten Geldzahlungen oder andere Natural-Abgaben bevorzugten.<ref>Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 3. Inhalt des Urbars, 3.2. Abgaben. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 7. April 2026).</ref> Bei den Wertangaben werden in der Regel die Grazer Pfennige verwendet, wobei 1 Pfund (libra, lb, ℔) 8 Schilling (solidi, ß, β) oder 240 Pfennige (denarii, ₰) ergab. Es kommen aber auch Angaben in Gulden vor.<ref>… der an vier Stellen jeweils 6 ß, einmal 5 ß 10 ₰, zweimal 5 ß 26 ₰ und einmal 6 ß 16 ₰ gleichgestellt ist: Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Einleitung, Quellenkritische Studien, 3. Inhalt des Urbars, 3.4. Münzen. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. (Abgerufen am 7. April 2026).</ref>

Literatur

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Einzelnachweise

<references/>