Marie-Françoise Bernard
Marie-Françoise Bernard (* 16. September 1819 in Paris; † 9. Oktober 1901 in Bezons; geborene Martin, kurz Fanny<ref name="marduel">Marie-Aymée Marduel: Claude Bernard, un physiologiste natif du Beajolais. Sa famille, sa vie, son oeuvre. 2006, S. 7.</ref>) war die Ehefrau von Claude Bernard und eine entschiedene Vivisektionsgegnerin.
Leben und Wirken
Marie-Françoise Bernard war die Tochter des Arztes Henri Martin und seiner Frau Anne-Antoinette, geborene Hezette.<ref name="marduel32">Marie-Aymée Marduel: Claude Bernard, un physiologiste natif du Beajolais. Sa famille, sa vie, son oeuvre. 2006, S. 32.</ref> Am 7. Mai 1845, heiratete sie Claude Bernard. Beide hatten zwei Töchter, Jeanne-Antoinette-Henriette (genannt Tony; 1847–1923) und Marie-Louise-Alphonsine (genannt Marie; 1850–1922), sowie zwei früh verstorbene Söhne: der erstgeborene Louis-Henri (* 1846) wurde nur drei Monate alt, Claude-Henri-François (* 1856) starb mit 15 Monaten.<ref name="marduel32" />
Claude Bernard, aus der François-Magendie-Schule stammend, nutzte die Vivisektion<ref>Eine physiologische Demonstration mit Vivisektion eines Hundes. Emile-Edouard Mouchy, Ölgemälde, 1832.</ref> für seine physiologischen Forschungen. Marie-Françoise Bernard steuerte zu Beginn ihrer Ehe einen Teil der Mitgift zur physiologischen Forschung bei. Seine Experimente weckten aber zunehmend den Widerspruch seiner Familie,<ref>Rudolf Kötter: Claude Bernard und die Logik des Experiments in der modernen Physiologie. Paderborn 2008 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archiviertes Dokument ( vom 18. Januar 2016 im Internet Archive; PDF; 138 kB)</ref> insbesondere seiner Ehefrau, ein Umstand, der mitverantwortlich für ihre Scheidung am 22. August 1870 war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzbiographie des Ehemannes Claude Bernard ( vom 23. August 2010 im Internet Archive) (französisch)</ref>
So wird berichtet, dass Claude Bernard, in seinem Enthusiasmus, einen streunenden Hund nach Hause gebracht und dort auf dem Küchentisch viviseziert hat. Marie-Françoise sei, aufgeschreckt durch das Heulen des Hundes, mit Tony und Marie in das Haus des Schriftstellers Victor Hugo geflohen.<ref>Roberta Kelechofsky: The Poet-Physician and The Healer-Killer. Vivisection And The Emergence of A Medical Technocracy. S. 12 (online)</ref> Magnus Schwantje schreibt 1919: „Die Herzen der Töchter hatten sich schon früh vom Vater abgewandt, als sie eines Tages ihren treuen Hund vermissten und zu ihrem großen Schmerz und Entsetzen dann entdeckten, dass der Liebling von ihrem Vater viviseziert worden war.“<ref>Magnus Schwantje: Gründe gegen die Vivisektion. Bund für radikale Ethik, e. V., Berlin 1925, S. 6.</ref>
Fanny Bernard gründete mit ihren Töchtern und der Unterstützung durch Helena, Comtesse de Noailles im Jahr 1882 die erste französische Vereinigung gegen Tierversuche. Amtierender Präsident der Société Française contre la Vivisektion war Alphonse Karr, der gewählte Ehrenpräsident Victor Hugo.<ref name="tribunal_animal">Victor Hugo. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Januar 2012; abgerufen am 23. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Veuve et filles de Claude Bernard lancèrent la Ligue antivivisectionniste française dont Victor Hugo accepta la présidence en 1883“</ref><ref>Kathleen Kete: The Beast in the Boudoir: Petkeeping in Nineteenth-Century Paris University of California Press, Berkeley 1994, S. 17 “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” (<templatestyles src="Person/styles.css" />Kathleen Kete: The Beast in the Boudoir: Petkeeping in Nineteenth-Century Paris)</ref> Sie schloss sich auch der am 2. Dezember 1845 von Étienne Pariset (1770–1847) gegründeten Société protectrice des animaux an und wurde eines ihrer schärfsten Mitglieder.<ref>1844-1848: Les Premiers Projets. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Januar 2012; abgerufen am 23. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Elle rejoint la société nouvellement créée pour la protection des animaux, la SPA et devient une de ses membres les plus virulents.“</ref>
Nach ihrer Scheidung zog Fanny mit Tony und Marie mehrmals um, bis sie sich 1893 in Bezons niederließen. Dort gründeten sie ein Heim für Hunde und beherbergten in ihrem Haus unzählige Katzen.<ref>Un important épilogue. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Januar 2012; abgerufen am 23. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In den Jahren 1919<ref>Magnus Schwantje: Gründe gegen die Vivisektion. Bund für radikale Ethik, e. V., Berlin 1925, S. 6–7.</ref> und 1925<ref>Manfred Kyber: Tierschutz und Kultur. Grethlein, Leipzig/Zürich 1925; Originalnachdruck in: Manfred Kyber: Tierschutz und Kultur. bioverlag gesundleben GmbH, Hopferau-Heimen 1982, ISBN 3-922434-25-8, S. 231–232.</ref> zitierten Magnus Schwantje und Manfred Kyber übereinstimmend aus Berichten, die Anfang 1914 in deutschen Tageszeitungen und Zeitschriften erschienen sind, wonach man bei den Vorbereitungen zu Claude Bernards 100. Geburtstag am 12. Juli 1913 auf eine Seelentragödie stieß: Seine Töchter lebten nach dem Tod ihrer Mutter Fanny vollkommen von den Menschen zurückgezogen in einem einstöckigen Haus in Bezons. Sie waren nicht bereit, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, da sie aufgrund des unüberbrückbaren moralischen Abstands zwischen ihnen und ihrem Vater jede Glorifizierung seines Namens ablehnten. Sie hatten sich allein der Aufgabe verschrieben, das Werk ihrer Mutter fortzusetzen und mit Barmherzigkeit und Liebe wieder gutzumachen, was ihr Vater den Tieren jahrzehntelang angetan hatte, und nahmen alle verstoßenen Hunde und Katzen und kranken Tiere auf, die man in ihre Obhut gab.
Marie Bernard starb am 14. September 1922. Nur wenig später, am 7. Januar 1923, starb auch ihre Schwester Tony.
Literatur
- Marie-Aymée Marduel: Claude Bernard, un physiologiste natif du Beaujolais. Sa famille, sa vie, son oeuvre. 2006 (PDF; 7,9 MB).
Weblinks
- Images de la vie de Bernard (französisch)
- A History of Antivivisection from the 1800s to the Present: Part I (mid-1800s to 1914) (englisch)
- Société protectrice des animaux (französisch)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bernard, Marie-Françoise |
| ALTERNATIVNAMEN | Martin, Marie-Françoise (Geburtsname); Martin, Fanny; Bernard, Fanny |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Anti-Vivisektionistin |
| GEBURTSDATUM | 16. September 1819 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 9. Oktober 1901 |
| STERBEORT | Bezons |