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Marusze

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen Marusze (deutsch Dyhrngrund) ist ein Ortsteil der Stadt Wodzisław Śląski (Loslau) in der Woiwodschaft Schlesien, Polen.

Geografie

Marusze liegt 1,5 Kilometer südlich von Wodzisław Śląski, rund 12 Kilometer südwestlich von Rybnik und rund 18 Kilometer nordöstlich von Ostrava, am linken Ufer der Wodzisławka.

Geschichte

Datei:Freie Minderstandesherrschaft Loslau.png
Karte der Minderstandesherrschaft Loslau mit den 1776 gegründeten Kolonien Dyhrngrund, Krausendorf und Kreuzthal

Die Besitzerin der Minderstandesherrschaft Loslau, Gräfin Sophie Caroline von Dyhrn ließ im Jahre 1776 südlich von Loslau die Kolonie Dyhrngrund im Zuge der Friderizianischen Kolonisation anlegen. Für die evangelischen Ansiedler, vor allem österreichische Handwerker, ließ sie eine Holzkirche erbauen, die zur Mutterkirche für die umgebenden Kolonien Krausendorf und Friedrichsthal sowie die Evangelischen in Loslau wurde. Die bereits zu Beginn des Jahres 1805 notwendigen Renovierungsmaßnahmen wurden aufgeschoben und die Kirche stattdessen am 17. März 1818 wegen Baufälligkeit geschlossen und kurz darauf abgerissen. Den Evangelischen wurde daraufhin die mittelalterliche Schrotholzkirche Heiligkreuz vor den Toren Loslaus zur Verfügung gestellt<ref name="parafia" /> und auch die evangelische Schule und das Pastorat wurden nach Loslau verlegt.<ref name="Henke" /> So verblieb in Dyhrngrund nur der Friedhof der Gemeinde. Nach dem Einsturz des Daches der neuen Kirche, erwarb der Standesherr Hyazinth Graf Strachwitz als Patron der evangelischen Gemeinde am 8. Februar 1830 die gemauerte Loslauer Minoritenkirche für 500 Taler als endgültigen Ersatz für die Dyhrngrunder Kirche.<ref name="parafia" /><ref name="Alterthümer" />

Die Zahl der evangelischen Einwohner sank von 70 von 188 Einwohnern im Jahre 1830 in den folgenden Jahren auf 61 von 202 (1845) und 52 von 198 im Jahre 1861.

Felix Triest hielt 1861 für die Koloniestellen in Dyhrngrund fest, sie habe eher unbedeutenden, bis zu 12 Morgen betragenden Grundbesitz, im Ganzen 157 Morgen Acker und sei deshalb auf Zuverdienst in Loslau angewiesen. Er erwähnte außerdem zwei Mühlen und eine bedeutende Ziegelei. Trotz ihrer Herkunft waren die Einwohner ausschließlich Polnisch sprechend.<ref name="Triest" /> Laut Henke dagegen waren 1861 von 40 Familien 18 deutschsprachig.<ref name="Henke" />

Ursprünglich mit dem Kreis Pleß verbunden, wurde Dyhrngrund 1818 dem Kreis Rybnik zugeteilt. Die Gemeinde Dyhrngrund führte eine turmlose Kirche im Siegel und gehörte dem Amtsbezirk Schloß Loslau<ref>Amtsbezirk Schloss Loslau</ref> an.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 wurden in Dyhrngrund 86 Stimmen für den Verbleib von Deutschland und 92 für den Anschluss an Polen abgegeben.<ref name="Abstimmung" /> Mit dem Großteil des Stimmkreises Rybnik wurde Marusze zum 3. Juli 1922 Polen zuerkannt und Teil der Autonomen Woiwodschaft Schlesien.

1972 wurde Marusze nach Wodzisław Śląski eingemeindet und gehört seitdem dem Stadtbezirk Altstadt an.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen von Dyhrngrund:<ref>Quellen der Einwohnerzahlen: 1817: [1] – 1830: [2] – 1844: [3] – 1855, 1861: [4] - 1910: Vorlage:Internetquelle</ref>

Jahr Einwohner
1817 98
1830 188
1844 202
1855 132
1861 198
1910 246

Evangelischer Friedhof

Heute erinnert nur noch der evangelische Friedhof an die Ursprünge des Ortes. Er wird noch immer von der evangelisch-augsburgischen Gemeinde Wodzisław Śląski (Diözese Katowice) genutzt und beherbergt die ältesten Grabsteine der Stadt, von denen einige aus der Anfangszeit der Kolonie, aus dem 18. Jahrhundert stammen.<ref name="Katowice" />

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="Triest">Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865</ref> <ref name="Henke">Vgl. Franz Ignatz Henke: Chronik, oder Topographisch-geschichtlich-statistische Beschreibung der Stadt und freien Minderstandesherrschaft Loslau in Oberschlesien. Auszug in polnischer Übersetzung Vorlage:Webarchiv</ref> <ref name="Abstimmung">Vgl. Ergebnisse der Volksabstimmung abger. am 9. Dezember 2009</ref> <ref name="parafia">Vgl. Vorlage:Toter Link abger. am 9. Dezember 2009</ref> <ref name="Alterthümer">Vgl. Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens. Band 17, 1883. S. 316 [5]</ref> <ref name="Katowice">Vgl. Płomyki pamięci auf katowice.naszemiasto.pl abger. am 9. Dezember 2009</ref> </references>