Mehrfachmord von Itamar
Der Mord an einer Familie in Itamar ereignete sich am Morgen des 11. März 2011 in der israelischen Siedlung Itamar im Westjordanland.
Tathergang
Dabei drangen die Täter durch den Sicherheitszaun Itamars ein und töteten die Eltern und drei Kinder der Familie Fogel.<ref name="Siedlerfamilie">Inge Günther: Massaker an Siedlerfamilie. In: Frankfurter Rundschau. 13. März 2011, abgerufen am 14. März 2011.</ref> Die drei Monate alte Hadas wurde enthauptet, die weiteren Opfer waren der vierjährige Elad und der elfjährige Joav, sowie die Eltern Ruth (35) und Udi (36). Drei Geschwister überlebten das Attentat.<ref>Attentäter hätten gerne mehr Mitglieder der Familie Vogel ermordet. Israelnetz, 11. März 2021, abgerufen am 11. April 2021.</ref> Als Täter wurden palästinensische Extremisten vermutet.<ref>ORF: Fünf israelische Siedler im Westjordanland getötet</ref> Zu dem Mord hatten sich zunächst die palästinensischen al-Aqsa-Märtyrerbrigaden bekannt.<ref>Al-Jazeera: Five Israelis killed in West Bank 12. März 2011</ref> Aufgrund der Tatumstände bezweifelte die israelische Armee jedoch die direkte Beteiligung einer Terrororganisation und geht von einem oder mehreren Einzeltätern aus.<ref>Jerusalem Post: IDF hunting for perpetrators of brutal Itamar killings 13. März 2011</ref> Unterdessen verbreiteten mehrere mit der palästinensischen Autonomiebehörde in Verbindung stehende Internetseiten die Nachricht, das Massaker sei von einem ausländischen Arbeiter verübt worden, dem die Siedlerfamilie angeblich Geld schuldete.<ref name="out">KHALED ABU TOAMEH: „Itamar killings carried out by foreign worker“. In: Jerusalem Post. 14. März 2011, abgerufen am 27. März 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Laut der israelischen Nachrichtenseite Arutz Sheva waren in Itamar jedoch keine ausländischen Arbeiter beschäftigt.<ref>Arutz Sheva: Gag on Itamar Investigation, But Maan News Prints Blatant Lies 15. März 2011</ref>
Reaktionen
Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas verurteilte das Massaker als eine „verachtenswerte, unmoralische und unmenschliche Tat“.<ref>„Abbas: Itamar attack was despicable, immoral and inhuman“. In: Haaretz. 14. März 2011, abgerufen am 23. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Laut einer Umfrage israelischer und palästinensischer Meinungsforscher unterstützten 32 Prozent der Palästinenser den Mord und 63 Prozent verurteilten ihn (Westbank 20 % zu 80 %, Gaza 51 % zu 49 %).<ref>„Poll: One-third of Palestinians support Itamar massacre“. In: Haaretz. 6. April 2011, abgerufen am 23. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>„Palestinian Public Opinion Poll No 39“. In: Palestinian Center for POLICY and SURVEY RESEARCH. 10. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Mai 2011; abgerufen am 23. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>„Palestinian Public Opinion Poll No 39“. In: The Harry S. Truman Institute for the Advancement of Peace. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. April 2011; abgerufen am 23. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Als Reaktion auf das Massaker genehmigte die israelische Regierung 400 neue Siedlungsbauten und es kam zu Angriffen militanter Siedler auf unbeteiligte Palästinenser.<ref name="Siedlerfamilie"/>
Ermittlungen und Gerichtsurteil
Im April 2011 wurden zwei palästinensische Tatverdächtige festgenommen, welche aus dem zu Itamar benachbarten Dorf Awarta stammen.<ref>Anshel Pfeffer: Palestinian teenagers arrested over murder of 5 members of Fogel family. In: Haaretz. 18. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. April 2011; abgerufen am 24. April 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die beiden 18- und 19-jährigen Jugendlichen, Hakim und Amjad Awad, waren Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet fand jedoch keine Hinweise darauf, dass sie im direkten Auftrag der Terrororganisation handelten. Sechs weitere Bewohner des Dorfes – darunter vier Familienangehörige der Tatverdächtigen – wurden festgenommen, da sie versucht haben sollen, Beweismaterial zu verstecken.
Am 13. September 2011 wurde Hakim Awad von einem Militärgericht zu fünf Mal Lebenslänglich plus fünf Jahre Haft verurteilt.<ref>Israel court gives five life sentences to one of Fogel family murderers, Ha-Aretz am 14. September 2011</ref> Im Mai 2011 gab es noch Überlegungen, ob nicht die Todesstrafe beantragt werden sollte, da beide keinerlei Reue zeigten. Dies wäre nur symbolisch gewesen, da ein Todesurteil in Israel zwar möglich, aber nur ein einziges Mal und zwar gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann wegen seiner Beteiligung an der Shoah vollstreckt wurde.<ref>IDF expected to seek death penalty for killers of Fogel family, Ha-Aretz, 20. Mai 2011</ref> Amjad Awad wurde am 28. November 2011 verurteilt und erhielt am 16. Januar 2012 die gleiche Strafe. Auch bei ihm überlegte das Gericht lange, ob nicht die Todesstrafe verhängt werden sollte.<ref>IDF court gives Palestinian five life sentences for Itamar murders, Ha-Aretz, 16. Januar 2012</ref>
Beide Attentäter gestanden die Morde und stellten sie für die Ermittler nach. Sie zeigten keinerlei Reue und gaben vielmehr zu, dass sie die drei überlebenden Kinder nur deshalb verschont hatten, weil sie diese nicht entdeckten.<ref name=":0">Attentäter hätten gerne mehr Mitglieder der Familie Vogel ermordet. Israelnetz, 11. März 2021, abgerufen am 11. April 2021.</ref>
Weiterer Prozess
Im Februar 2018 reichte die Familie Fogel vor dem Bezirksgericht Jerusalem Klage auf Schadensersatz gegen die PFLP, die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) ein. Die Kläger begründeten die Klage damit, dass die Terroristen erhebliche Löhne von der PA erhalten. Das widerspreche jeglicher Logik und der Gerechtigkeit. In diesen Zahlungen sehen sie ein Motiv für den Anschlag. Nach Informationen des Medienbeobachtungsinstitutes „Palestinian Media Watch“ hat jeder der beiden Mörder bislang umgerechnet rund 85.400 Euro erhalten. Entsprechend einer Tabelle der PA, die alle fünf Jahre eine Erhöhung vorsieht, soll das monatliche Terrorgehalt nun von etwa 1.000 Euro auf 1.500 Euro steigen.<ref name=":0" />
Einzelnachweise
<references />