Michael Kohlhaas (2013)
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Michael Kohlhaas ist ein deutsch-französisches Drama aus dem Jahr 2013 des Regisseurs Arnaud des Pallières, basierend auf der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist, für die wiederum die historische Person Hans Kohlhase als Vorbild gilt. Der Film wurde für die Goldene Palme auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2013 nominiert.
Handlung
Im 16. Jahrhundert ist der Pferdehändler Michael Kohlhaas unterwegs zu einem Markt. Auf seinem Weg muss er einen Fluss passieren. Der Verwalter des Freiherrn verlangt ohne rechtliche Grundlage einen Passierschein (den es gar nicht gibt). Da Kohlhaas diesen nicht besitzt, verspricht er diesen Passierschein bei den Behörden zu besorgen, muss jedoch als Pfand zwei seiner Pferde zurücklassen. Auf dem Weg nach Hause erhält er seine Pferde in einem jämmerlichen Zustand zurück. Außerdem wird sein Knecht César durch die Hunde des Verwalters schwer verletzt.
Dieses Unrecht will Kohlhaas nicht ertragen und leitet juristische Schritte dagegen ein. Jedoch wird ihm nicht Recht zugesprochen und seine Frau Judith kehrt schwer verletzt zurück und stirbt, nachdem sie versucht hat, Gerechtigkeit bei der Prinzessin zu erwirken. Kohlhaas entscheidet sich für Selbstjustiz und verbreitet mit seinem immer größer werdenden Gefolge Angst und Schrecken im Land.
Ein Prediger redet ihm ins Gewissen: Die Taten der Bande hatten nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Er nötigt ihn, die Prinzessin aufzusuchen.
Letztlich wird ihm von der Prinzessin ein fairer Prozess versprochen, wenn er und sein Gefolge mit dem Morden aufhören und sich dem Urteil des Gerichts unterwirft. Er entscheidet sich, dies zu tun, erhält Recht in dem Prozess um seine Pferde, erfährt jedoch auch Bestrafung (im Film wird eine Köpfung angedeutet) für die von ihm in Selbstjustiz begangenen und ausgelösten Morde.
Deutsche Fassung
Die deutsche Synchronfassung des Films entstand unter der Dialogregie von Dagmar Jacobsen durch die Synchronfirma digital images GmbH.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Sie wurde am 27. November 2016 durch den deutsch-französischen Fernsehsender arte ausgestrahlt.
| Michael Kohlhaas | Mads Mikkelsen | Ulrich Noethen |
| Der Gouverneur | Bruno Ganz | |
| Jérémie | Paul Bartel | Markus Manig |
| Lisbeth | Mélusine Mayance | Lucy Richter |
| Judith | Delphine Chuillot | Anja Lehmann |
| Der Prediger / Pfarrer | David Kross | |
| Die Prinzessin | Roxane Duran | |
| César | David Bennent | |
| Wache | Laurent Delbecque | Jonas Schütte |
| Armloser / Krüppel | Sergi Lopez | Bernhard Schütz |
| Der Richter / Advokat | Jacques Nolot | Karl-Fred Müller |
| Mann in schwarz / Der Theologe (vgl. Martin Luther) |
Denis Lavant | Thomas Dehler |
| Nachbar | Jean-Louis Coulloc'h | Enrico Peters |
| Verwalter | Christian Chaussex | Peer-Uwe Teska |
| Vorsteherin | Amira Casar | Dagmar Jacobsen |
Rezeption
Michael Kohlhaas erhielt ein durchwachsenes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes ähnlich viele wohlwollende wie kritische Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Gammelig“ ein.<ref name="rotten tomatoes" /> Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Gemischt oder Durchschnittlich“ aus.<ref name="metacritic" />
„Ein nach innen gewendeter Western, der die Pioniergrenze mitten in der douce France und in der Welt der Mantel-und-Degen-Epen entdeckt. Es ist aber auch ein am eigenen Rigorismus verzweifelnder Autorenfilm, der durch die Maske einer an Bergman und Bresson geschulten visuellen Strenge nach dem Publikum des Kostümkinos schielt.“
„Eindrucksvolle Außenaufnahmen und überwältigende Soundkulisse: Michael Kohlhaas ist ein Film, den man vielleicht am besten in der ersten Reihe sitzend genießt, um sich ganz in dem von ihm konstruierten audiovisuellen Raum zu verlieren. Von ein paar Reihen weiter hinten betrachtet wirkt Des Pallières Adaption aber etwas unentschlossen. Er nähert sich seinem Material einerseits konsequent filmisch, deutet andererseits immer wieder ein Interesse für die mit der Vorlage zusammenhängenden juridischen Fragen an, ohne diese dabei auf eine eigene Zuspitzung zu treiben.“
„Den verzweifelten Kampf um Recht und Gerechtigkeit inszeniert Arnaud des Pallières als archaisch poetischen Western in der rauen Bergwelt der Cevennen. Unwiderstehlich: Mads Mikkelsen als glückloser Ehrenmann.“
„Die Geschichte, die Aron Lehmanns Film ‚Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel‘ erzählt, ist von Anfang an keineswegs die seriöse Klassikerverfilmung, nach der die restaurative Stimmung in der deutschen Filmbranche zu schreien scheint. […] Das französisch-deutsche Breitwand-Opus ‚Michael Kohlhaas‘ von Arnaud des Pallières, in Cannes vorgestellt […], setzt dagegen auf das sinnlich wuchtige Erlebnis. Gedreht bei rau pfeifendem Wind im herbstlichen Helldunkel der kahlen Cevennen, entwirft der Film ein historisches Gesellschaftsbild im Widerstreit zwischen Natur und Zivilisation. Verhandelt wird die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit; Kohlhaas (Mads Mikkelsen) besteht auf dem Rechtsgefühl eines freien, mit protestantischer Gewissensfreiheit begabten Individuums.“
„Gesprochen wird im Film praktischerweise wenig. […] Statt der Sprache tragen die Bilder den Film, die Landschaft, die Kameraführung, die wiederholt an Rembrandt denken lässt, und vor allem der Ton. Hastige, stoßweise Atemgeräusche aus dem Off begleiten die Rückkehr der tödlich verletzten Lisbeth Kohlhaas. […] Wunderschön in ihrer betonten Kargheit und von großer Bedeutung für die Verführungskraft des Films sind die Kostüme. Auch sie sind Teil dieser sonderbaren Vision einer gesamteuropäischen Frühgeschichte. […] Was Pallières’ Film an Vagheit im Historischen und Geographischen riskiert, muss er in seiner Arte-povera-Ästhetik an Sinnlichkeit wett machen.“
„Dies ist eine ausgesprochen spröde Kohlhaas-Verfilmung. Trotz der imposanten Bilder. Es liegt an der Gesamt-Atmosphäre des Films. Wir im Kinosessel warten und warten, dass etwas passiert, dass der Rächer da auf der Leinwand endlich einmal etwas sagt. Und ganz ehrlich: Für einen Michael Kohlhaas ist der Schauspieler Mads Mikkelsen zu gutaussehend. Das lenkt ab.“
Michael Kohlhaas war nominiert für die Goldene Palme als bester Film bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2013 und wurde mit der Goldenen Iris 2013 beim Brüssel Film Festival ausgezeichnet.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] unifrance.org, Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden., archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Skriptfehler: Ein solches Modul „Multilingual“ ist nicht vorhanden.).Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Außerdem erhielt der Film je einen César 2014 für die Beste Filmmusik und den Besten Ton. Die Jury der Deutschen Filmbewertung kommt zum Urteil:
„Ein beeindruckender Film über die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit und eine gelungene Literaturverfilmung eines Werkes mit ungebrochener gesellschaftlicher Relevanz.“
Frühere Verfilmungen
- Michael Kohlhaas – der Rebell
- Reiter auf verbrannter Erde
- Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel
Weblinks
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Einzelnachweise
<references />