Getränk
Getränk (Kollektivum zu Trank), auch Trunk, allesamt Ableitungen von trinken, ist ein Sammelbegriff für zum Trinken bestimmte,<ref>DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 3. September 2022.</ref> zumeist aufbereitete<ref>Frank Massholder: Getränke, was ist das? Abgerufen am 3. September 2022.</ref> oder zubereitete Flüssigkeiten.<ref>Eintrag zu Getränk in der Bertelsmann Lexikothek Online, abgerufen am 26. April 2009.</ref> Getränke werden entweder zum Stillen von Durst und damit zur Wasseraufnahme des Körpers, als Nahrungsmittel, als flüssiges Arzneimittel oder auch als reine Genussmittel aufgenommen. Die englische Entsprechung Drink wird im deutschen Sprachgebrauch auch als Oberbegriff für Cocktails sowie für Einzelportionen von Spirituosen verwendet. Mit Mixgetränk sind ebenfalls oft Cocktails gemeint, Mischgetränk deutet auf die Zubereitung aus verschiedenen Flüssigkeiten wie bei Milchshakes oder Biermischgetränken hin.
Systematik
In der Warenkunde bezeichnet man bestimmte genießbare Flüssigkeiten allgemein als Getränk, andere Flüssigkeiten werden je nach Tradition und Eigenschaft teilweise dazugezählt.
Allgemein zählt man hierzu:
- Wasser, andere nichtalkoholhaltige bzw. alkoholfreie Getränke und Eis,
- gegorene alkoholhaltige Getränke (Bier, Wein, Apfelwein usw.),
- durch Destillieren hergestellte alkoholhaltige Flüssigkeiten und Getränke (Branntwein, Likör usw.) und Ethylalkohol.<ref>Erläuterungen zum Kapitel 22 des Harmonisierten Systems / Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif) RZ 02.0 – 05.1.</ref>
Teilweise zählt man hierzu:
- Speiseessig (auch verdünnt),<ref>Erläuterungen zum Kapitel 22 des Harmonisierten Systems / Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif) RZ 06.0.</ref>
- Milch und flüssige Milcherzeugnisse,
- Fruchtsaft, Traubenmost, Gemüsesaft.<ref>Position 2009 des Harmonisierten Systems / Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif).</ref>
Nicht hierzu zählt man:
- Arzneiwaren,
- Körper- und Schönheitsmittel.<ref>Erläuterungen zum Kapitel 22 des Harmonisierten Systems / Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif) RZ 08.5 – 10.1.</ref>
Alkoholfreie Getränke
Als alkoholfrei bezeichnete Erzeugnisse dürfen maximal 0,5 Volumenprozent Alkoholgehalt aufweisen (Traubensaft bis zu einem Volumenprozent<ref name="Lutz Bertling">Lutz Bertling: Erlaubt – Verboten in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung 2010/2011. Behr’s, 2011, ISBN 3-89947-989-0, S. 372 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Eintrag zu Traubensaft. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>). Eine Besonderheit sind alkoholreduzierte Getränke, die bis zu vier Volumenprozent Alkohol enthalten dürfen.<ref>Eintrag zu Weinähnliche Getränke. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>
In der Europäischen Union besteht laut Lebensmittel-Informationsverordnung allgemein eine Verpflichtung zur Kennzeichnung des Alkoholgehalts ab 1,2 Vol.-%.<ref>Gerald Rimbach, Jennifer Nagursky, Helmut F. Erbersdobler: Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger. Springer, 2015, S. 319.</ref>
Wasser
- gewöhnliches Wasser, nicht jedoch destilliertes Wasser
- Mineralwasser und kohlensäurehaltiges Wasser
- Eis und Schnee, natürlich oder künstlich hergestellt
- Wasser, einschließlich Mineralwasser und kohlensäurehaltigem Wasser, mit Zusatz von Zucker, anderen Süßmitteln und/oder Aromastoffen<ref>Erläuterungen zur Position 2202 des Harmonisierten Systems/Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif).</ref><ref>Erläuterungen zur Position 2201 des Harmonisierten Systems/Kombinierte Nomenklatur (Zolltarif) RZ 01.0 – 18.0 und 05.0 – 06.0.</ref>
Andere
- Getränke auf der Grundlage von Milch und Kakao (siehe Kakao (Getränk))
Teilweise hinzugezählt wird:
- Trinkjoghurt, flüssige fermentierte Milch und Sauermilchprodukte
Alkoholische Getränke
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Alkoholische Getränke oder alkoholhaltige Getränke, auch Alkoholika oder (vor allem in Bezug auf Spirituosen) geistige Getränke genannt,<ref>Gerhard Eisenbrand, Peter Schreier, Alfred Hagen Meyer: RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-13-736602-7, S. 34, S. 323.</ref> enthalten Trinkalkohol (Ethanol). In Lebensmitteln wird dieser meist nur als Alkohol bezeichnet.
Im chemischen Sinn bilden Alkohole eine ganze Stoffgruppe. Alkoholische Getränke werden aus kohlenhydrathaltigen Flüssigkeiten durch alkoholische Gärung erzeugt.<ref name="belitz_921">Hans-Dieter Belitz, Werner Grosch, Peter Schieberle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 6. Auflage, Springer, 2007, ISBN 978-3-540-73201-3, S. 921.</ref> Nach geltendem Lebensmittelrecht kommen als Rohstoffe für den Alkohol nur landwirtschaftliche Produkte in Frage. Alkoholische Getränke dürfen also weder Alkohol synthetischen Ursprungs noch anderen Alkohol nicht landwirtschaftlichen Ursprungs enthalten.<ref>Verordnung (EG) Nr. 110/2008 („EU-Spirituosenverordnung“)Vorlage:Abrufdatum, Kap. 1, Art. 3.</ref>
Zu den alkoholischen Getränken gehören Getränke, deren Alkohol lediglich durch alkoholische Gärung entstanden ist (zum Beispiel Bier und Wein), Destillate aus solchen Getränken oder aus vergorenen Maischen sowie deren Mischprodukte. Getränke, deren Alkoholgehalt direkt oder indirekt auf Destillation zurückgeht und mindestens 15 % vol. beträgt, werden in der EU als Spirituose bezeichnet.<ref>Verordnung (EG) Nr. 110/2008 („EU-Spirituosenverordnung“)Vorlage:Abrufdatum, Kap. 2, Art. 1.</ref>
Alkoholische Getränke sind gesundheitsschädlich, weil das giftige Ethanol auf das zentrale, das periphere Nervensystem, die Leber und andere Organe wirkt. Einen risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht<ref>Mäßiger Alkoholkonsum verkürzt Lebenszeit: Limits senken. In: Pharmazeutische Zeitung. 13. April 2018, abgerufen am 16. September 2025.</ref>, selbst ein mäßiger Konsum hat keine gesundheitsfördernden Eigenschaften.<ref>Teresa König: Alkohol auch in kleinen Mengen nicht gesund. In: Medizin transparent. 6. Mai 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref> Alkohol verkürzt den REM-Schlaf messbar: Wer vor dem Zu-Bett-Gehen Alkohol trinkt, verschlechtert damit die Qualität seines Schlafs.<ref></ref>
Als es noch keine Narkotika zur Anästhesie bei Operationen gab, tranken Patienten viel Alkohol, weil dieser das zentrale Nervensystem dämpft und dadurch schmerzlindernd wirkt, solange der Alkoholrausch anhält.<ref>H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 1 f. und 5.</ref> Regelmäßiger und hoher Alkoholkonsum kann eine Alkoholkrankheit und ernsthafte Folgekrankheiten verursachen.
Regelmäßiger Alkoholkonsum von mehr als 36 Gramm täglich führt dazu, dass der Gedächtnisverlust durchschnittlich fast sechs Jahre früher eintritt bzw. voranschreitet als bei Abstinenzlern.<ref name="DOI10.1212/WNL.0000000000000063">S. Sabia, A. Elbaz, A. Britton, S. Bell, A. Dugravot, M. Shipley, M. Kivimaki, A. Singh-Manoux: Alcohol consumption and cognitive decline in early old age. In: Neurology, doi:10.1212/WNL.0000000000000063.</ref> Auch die exekutiven Funktionen des Gehirns leiden unter dem Alkoholkonsum. Bei einer Depression oder Angststörung kann der Konsum von Alkohol eine symptomverstärkende Wirkung haben.<ref name="Depression/Angst">Janett Menzel: Angstzustände nach Alkohol: Wie Alkohol Angst auslöst. 8. März 2016, abgerufen am 22. März 2020.</ref>
Da Alkohol desinfizierend wirkt, wurde Alkoholkonsum früher mit der Vorbeugung gegen durch unsauberes Wasser übertragene Krankheiten gerechtfertigt. Die desinfizierende Wirkung von Ethanol-Wasser-Mischungen ist jedoch nur bei einem Alkoholgehalt zwischen 50 und 80 % signifikant;<ref name="frey">H.-H. Frey, F. R. Althaus: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. S. 469, Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-1070-6.</ref> bei unter 20 % Ethanolgehalt fehlt sie völlig.
Inhaltsstoffe
In alkoholischen Getränken sind neben Ethanol und Wasser auch die bei der Gärung entstehenden Nebenprodukte enthalten, etwa Aldehyde, die Alkohole Glycerin, Methanol und 1-Propanol sowie auch höhere einwertige Alkohole. Zusätzlich finden sich aliphatische Carbonsäuren, Milch- und Bernsteinsäure sowie Carbonsäureester darin. Diese Stoffe beeinflussen das Aroma der Getränke. Beim Brennen alkoholhaltiger Flüssigkeiten oder von Maische entstehen Spirituosen mit einem Alkoholgehalt ab 15 % – mit Ausnahme von Eierlikör, der mindestens 14 Volumenprozent haben muss.<ref name="roemppag">Eintrag zu Alkoholische Getränke. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>
Siehe auch
Weblinks
- Literatur von und über Getränk im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references />