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Modellbau zu Malsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Modellbau zu Malsch bezeichnet man einen in den Jahren 1909 bis 1910 errichteten kuppelförmigen Saalbau, der als Vorentwurf zum Goetheanum gilt<ref>Eintrag zum Modellbau in Malsch im AnthroWiki, abgerufen am 25. April 2026.</ref> und vom Waldorflehrer Ernst August Karl Stockmeyer<ref>Biografie zu Ernst August Karl Stockmeyer, Text der Forschungsstelle Stiftung Kulturimpuls, Heidelberg</ref> gemeinsam mit seinem Vater Karl Stockmeyer nach Ideen von Rudolf Steiner in Malsch bei Karlsruhe entworfen wurde. Der Bau wurde jedoch erst in den Jahren 1958 bis 1965 durch den Architekten Albert von Baravalle<ref>Biografie zu Albert von Baravalle, Text der Forschungsstelle Stiftung Kulturimpuls, Heidelberg</ref> vollendet und ist seit 1976 vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg als Kulturdenkmal anerkannt.<ref>Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 69.</ref> Um die Unterhaltung des Bauwerks kümmert sich der Modellbauverein Malsch, der auf Anfrage Führungen anbietet.

Geschichte

Der damals 21-jährige Ernst August Karl Stockmeyer war als Teilnehmer der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft am Münchener Kongress 1907 beeindruckt von der künstlerischen Einrichtung des gemieteten Veranstaltungssaals. Dieser inspirierte ihn zu einem eigenen Kuppelbau, der durch tragende Säulen gegliedert sein sollte. Durch eine Anfrage an Steiner im Sommer 1908 angeregt, entstand die Idee, einen kryptaartigen Innenbau mit elliptischem Grundriss zu gestalten.<ref>Biesantz, Klingborg: Das Goetheanum. Der Bauimpuls Rudolf Steiners. S. 12.</ref> Im August 1908 legte Stockmeyer einen Entwurf für einen Saalbau vor, der eine Säulenhöhe von drei Metern vorsah. Nachdem Steiner am 20. August in Malsch einen Besuch abgestattet hatte, verringerte Stockmeyer seinen Entwurf auf eine Säulenhöhe von nur noch 87 Zentimetern bei einer Gesamthöhe der Säulen mit Mäuerchen von 174 Zentimetern. Möglicherweise war Steiner mit einer Errichtung eines monumentalen Bauwerks, wie es Stockmeyer erwogen hatte, nicht einverstanden. Zum einen bot der Entwurf keine geeignete Bühnenfläche und Zuschauerraum für Aufführungen. Zum anderen war der Ort im einsamen Malscher Waldgebiet auch verkehrstechnisch schwer erreichbar.<ref name="Ohlenschläger, S. 65">Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 65.</ref>

Am Rohbau mit offenem Dach wurde in einer bewusst ausgewählten Vollmondnacht vom 5. auf den 6. April 1909 unter Teilnahme von Rudolf Steiner und seiner späteren Frau Marie von Sivers die Grundsteinlegung vollzogen. Nach Fertigstellung im Jahr 1910 diente der Bau Hilde Stockmeyer, der Schwester von Ernst August Karl Stockmeyer, als Versammlungsort für die Malscher Loge Franz von Assisi der Theosophischen Gesellschaft. Seit 1913 war diese Loge ein Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft. Danach verwaiste der Bau lange Zeit und diente während des Zweiten Weltkriegs als Übernachtungscamp für Soldaten.<ref>Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 212 (Anmerkung 180).</ref> In den Jahren von 1958 bis 1965 wurde der Bau auf private Initiative von der Anthroposophin Klara Boerner und dem Dornacher Architekten Albert von Baravalle restauriert und endgültig fertiggestellt. Seither kümmert sich ein Verein um den Erhalt des Bauwerks, der 1976 durch das Landesdenkmalamt als Kulturdenkmal eingestuft wurde.

Beschreibung

Das Malscher Modell weist einige Ähnlichkeiten zur künstlerischen Dekoration und Gestaltung des Saals auf, in dem 1907 die Münchener Pfingstkonferenz der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft stattfand. Die Ost-West-Orientierung des Baus in der Längsachse ist nach Steiner ein besonderes Charakteristikum eines Rosenkreuzertempels.<ref>Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 66.</ref>

Das Innere des Bauwerks mit elliptischem Grundriss wird von 14 jeweils 87 Zentimeter hohen, tragenden Säulen gebildet. Diese sind auf ein hüfthohes, umlaufendes Mäuerchen gesetzt, wodurch innen ein optisch fast abgeschlossener Raum entsteht, um welchen herum eine Art Wandelgang führt. Von jedem dieser beiden Raum-Teile aus ist der Blick zwischen den Säulen hindurch auf den jeweils anderen Teil möglich. Der Innenraum, der kleinere Versammlungen beherbergen kann, weist eine Scheitelhöhe von 261 Zentimetern auf. Die als halber Ellipsoid gestaltete Hauptkuppel misst in der Senkrechten 174 Zentimeter und in der Länge 281 Zentimeter – diese Maße stehen im Verhältnis des Goldenen Schnitts – sowie 232,3 Zentimeter in Nord-Süd-Richtung, was dem geometrischen Mittel der beiden anderen Achsmaße entspricht.<ref name="Ohlenschläger, S. 65" /> Die Säulen sind von einem Umgang mit Gewölbedecke umgeben. Im Zentralgewölbe ist ziemlich weit oben ein kleines rundes Fenster – ein sogenanntes Ochsenauge – so angebracht, dass zum Frühlingsanfang gegen 9 Uhr das Sonnenlicht auf die erste nördliche Säule fällt. Die Innenwände des Bauwerks sind krapprot gefärbt und mit den sieben Planetensymbolen verziert. An der indigoblau bemalten Innenwand der Kuppel sind die zwölf Tierkreiszeichen dargestellt.

Rezeption

Zeitgleich mit dem Goetheanum-Arboretum Lichtberg im Taunus<ref>Bernhard Jarman: The Green Goetheanum Project. In: Star & Furrow, Nr. 114, Winter 2011, S. 39, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1472-4634|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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}} (englisch) (Digitalisat)</ref> wurde 2001 ein kleinerer Baumkreis, der die Maßverhältnisse des Malscher Modellbaus trägt, am Fuschlsee gepflanzt.<ref>In: Das Goetheanum (Zeitschrift für Anthroposophie), Ausgabe Juli 2010.</ref>

Literatur

  • Erich Zimmer: Der Modellbau von Malsch und das erste Goetheanum. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1979, ISBN 978-3-7725-0694-9.
  • Sonja Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. Imhof, Petersberg 1999, ISBN 3-932526-37-6 (= Diss. Bonn 1991), S. 64–69.
  • Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-55452-4. (Habilitationsschrift), Band 1, S. 1076–1078.
  • Hagen Biesantz, Arne Klingborg: Das Goetheanum. Der Bauimpuls Rudolf Steiners. Verlag am Goetheanum, Dornach 1978, ISBN 3-7235-0211-3, S. 11–12.
  • Isolde Dautel: Urhütte der Anthroposophie. Der Modellbau von Malsch. Am Kaufmannsbrunnen 17. (PDF; 5,8 MB) In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 41. Jg. 2012, Heft 3, S. 158–162

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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