Zum Inhalt springen

Moryń

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen Moryń (Vorlage:DeS Mohrin, früher Morin) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis). Sie ist zugleich Sitz einer Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in der Neumark, etwa 40 Kilometer östlich von Eberswalde am Jezioro Morzycko (Mohriner See) und der Słubia (Schlibbe), einem Nebenflüsschen der Oder. Der 3,62 km² große Mohriner See ist mit seiner Wassertiefe von 58,5 m einer der tiefsten Seen der Pommerschen Seenplatte.

Geschichte

Datei:Brandenburg Kr Königsberg.png
Mohrin nordöstlich des Oderbruchs und nordwestlich der Stadt Bärwalde auf einer Landkarte von 1905.
Datei:Moryn rynek.jpg
Stadtzentrum mit Rathaus und Krebs-Denkmal
Datei:Moryń – church.jpg
Stadtkirche (14. Jh., bis 1945 evangelische Pfarrkirche)

Am westlichen Ufer des Mohriner Sees befand sich auf einer Halbinsel einst eine frühzeitliche Burganlage, an deren Stelle Markgraf Otto V. etwa 1365 die Stolzenburg errichten ließ. Die Existenz dieser zweiten Burg war nur von kurzer Dauer, bereits 1399 lag sie wieder wüst.

Der Entstehungszeitpunkt der südlich der Halbinsel gelegenen Stadt ist unbekannt. Als Gründer wird der Ritter Otto von Barmenstede angesehen, der 1265 das Patronat über die Kirche abgab. Seit 1306 wurde Mohrin als Stadt genannt. Sie besaß die Rechte einer Immediatstadt, wie das Münzrecht und eigene Gerichtsbarkeit. Mohrin war von einer Stadtmauer mit 28 Weichhäusern umgeben und besaß drei Tore.

Zwischen 1402 und 1454 befand sie sich im Besitz des Deutschen Ordens. Mehrfach durch Stadtbrände verwüstet und im Jahre 1433 von den Hussiten zerstört, entwickelte sich Mohrin wegen seiner Lage abseits aller Handelswege kaum. Im Laufe des 15. Jahrhunderts verlor sie viele Rechte und wurde zu einer adligen Mediatstadt, deren Bewohner vorwiegend Ackerbürger waren. Das Handwerk bestand aus Schuhmachern und Leinewebern. 1783 wütete der letzte große Stadtbrand.

Im 20. Jahrhundert gewann in Mohrin der Tourismus wirtschaftlich an Bedeutung.

Mohrin gehörte bis 1945 zum Landkreis Königsberg Nm. im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete ein Großteil der Bewohner 1945 vor der herannahenden Front. Nach Kriegsende wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Zu diesem Zeitpunkt lebten nur noch hundert Einwohner in der Stadt, davon sechzig Deutsche. Es begann die Zuwanderung polnischer Bevölkerung. Den Kriegsflüchtlingen Mohrins wurde nach Kriegsende von der polnischen Verwaltungsbehörde die Rückkehr in ihre Häuser in der Stadt verweigert. Die in der Stadt verbliebenen Deutschen wurden in der darauf folgenden Zeit vertrieben.

Die Stadt mit dem Mohriner See wird von Wassersportlern und Urlaubern besucht.

Demographie

Anzahl Einwohner
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1750 Vorlage:0637 <ref name="RS"> W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 411–412.</ref>
1801 Vorlage:0939 darunter eine zehnköpfige Schutzjuden-Familie (216 aktive Militärpersonen)<ref name="Bratr">Friedrich Wilhelm August Bratring: Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg, Berlin 1809, S. 107 (online).</ref>
1840 1206 <ref name="RS" />
1850 1427 darunter zwei Katholiken und 64 Juden<ref name="HB">Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 399–401.</ref>
1858 1524 darunter ein Katholik und 52 Juden<ref name="RS" />
1867 1577 am 3. Dezember<ref name="KSB">Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 118–119, Nr. 5 (online).</ref>
1871 1559 am 1. Dezember, darunter 1499 Evangelische, fünf Katholiken, sechs sonstige Christen, 49 Juden<ref name="KSB" />
1905 1198 meist Evangelische<ref name="MKL14S24">Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig/Wien 1908, S. 24 (online).</ref>
1933 1285 <ref name="Vwg">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1939 1230 <ref name="Vwg" />

|Einwohnerentwicklung von Moryń |}

Verkehr

Schiene

Zwischen 1892 und 1991 war die Stadt über den Bahnhof Butterfelde-Mohrin (pl. Przyjezierze-Moryń) an die Bahnstrecke Wriezen–Jädickendorf mit direkten Verbindungen nach Berlin und Königsberg in der Neumark angeschlossen. Nach 1945 war der Schienenstrang über die Oderbrücke unterbrochen, sodass bis 1991 ein Pendelverkehr zwischen Siekierki (ehem. Zäckerick-Alt-Rüdnitz) und Godków (ehem. Jädickendorf) verblieb.

Städtepartnerschaften

Sehenswürdigkeiten

Die romanische Stadtkirche ist ein dreischiffiger Feldsteinbau mit freistehendem Turm aus dem 13. Jahrhundert. Das Eichenholz eines alten Holzfensterrahmens im Ostgiebel wurde „um/nach 1260“ gefällt. In ihr befindet sich ein Altar aus Granit, der zuweilen älter als die Kirche angesehen wird, was aber wissenschaftlich umstritten ist.<ref>Friske, Matthias, Heußner, Karl-Uwe & Walther, Eckhart (2013): Neue Erkenntnisse zu den Kirchen von Mohrin (Moryn) und Dölzig (Dolsko) in der Neumark, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, 59, S. 3–22. Vorlage:ISSN</ref> Die Kirche gilt als ein wertvolles Kulturdenkmal in Westpommern.

Vor der Fassade des Pflegehauses, damals Erziehungsanstalt für Kinder, steht ein dem Stifter Christian Friedrich Koch gewidmetes Denkmal des Bildhauers Heinrich Wefing. Das Denkmal gehört zu den seltenen erhaltenen Werken dieser Art in der Woiwodschaft Westpommern.

Die Stadtmauer ist erhalten, jedoch ohne die Weichhäuser und Tore. Das letzte der ehemals drei Tore, der Spitzbogen der Seepforte ging während oder nach dem Zweiten Weltkrieg verloren.

Wegen der geringen Entwicklung der Stadt blieb der mittelalterliche Stadtgrundriss gut erhalten.

Gemeinde

Das Gebiet der Stadt- und Landgemeinde hat eine Fläche von 125 km², auf denen etwa 4400 Einwohner leben. Sie umfasst die neun Schulzenämter Bielin (Bellin), Dolsko (Dölzig), Gądno (Guhden), Klępicz (Klemzow), Mirowo (Woltersdorf), Nowe Objezierze (Groß Wubiser), Przyjezierze (Butterfelde), Stare Objezierze (Klein Wubiser) und Witnica (Vietnitz).

Persönlichkeiten

Literatur

  • Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3, Berlin 1809, S. 106–108.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 399–401.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 411–412.
  • August Kopisch, Der große Krebs im Mohriner See, Volkssage<ref>[1], digitalisiert auf literaturport.de</ref>

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Gryfiński

Vorlage:Normdaten