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Mozarts Briefe

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Wolfgang Amadeus Mozart an Leopold Mozart, Wien 17. März 1781, Seite 4 (Adresse)

Die Korrespondenz von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Familie stellt eines „der faszinierendsten Briefcorpora der Musikgeschichte“ dar,<ref>Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 7.</ref> eine „im musikgeschichtlichen Kontext des 18. Jahrhunderts beispiellos[e]“<ref name="Lütteken-s118">Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 118.</ref> Sammlung biographischer, zeit- und sprachgeschichtlicher Dokumente. „Keine Musiker-Briefschaften vor diesen und nur wenige parallel zu ihnen enthalten einen vergleichbaren Reichtum an Mitteilungen über die handelnden Personen, ihre Empfindungen, ihre musikalischen Ansichten und die Umstände ihres Alltags. […] Ohne diese Briefe und Aufzeichnungen wüßten wir so gut wie nichts, jedenfalls kaum etwas Zusammenhängendes“ über diesen weltberühmten Komponisten, „sein Leben und seine schöpferische Tätigkeit“. (Ulrich Konrad).<ref name="KonradEinf-s41">Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41.</ref> „Mozart partizipierte […] an der Briefkultur seines Jahrhunderts, aber auf eine uneigentliche und eigenwillige Weise, die Zuordnungen nicht einfach macht.“ (Laurenz Lütteken).<ref name="Lütteken-s118" />

Geschichte der Briefsammlung

Die Existenz der umfassenden Briefsammlung ist mehreren Familienmitgliedern zu verdanken: zuerst Mozarts Vater Leopold Mozart, der einen großen Teil der Dokumente gerade auch aus der Feder seines Sohnes gewissenhaft aufbewahrte,<ref name="Lütteken-s119">Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 119.</ref> und dann Mozarts Witwe Constanze und seiner Schwester Maria Anna („Nannerl“) Mozart.<ref>Anja Morgenstern: Das Verhältnis zwischen den Schwägerinnen Constanze und Maria Anna Mozart. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, S. 92–97.</ref> Maria Anna Mozart stellte ihrer Schwägerin und ihrem Schwager Georg Nikolaus Nissen kurz nach deren Übersiedlung nach Salzburg im Jahr 1824 „400 Briefe der bis dahin sorgsam aufbewahrten Familienkorrespondenz“, zahlreiche Dokumente aus Mozarts Jugendzeit, Reiseaufzeichnungen „sowie die 130 Privatbriefe des Vaters an sie nach St. Gilgen zur Verfügung.“<ref>Anja Morgenstern: Das Verhältnis zwischen den Schwägerinnen Constanze und Maria Anna Mozart. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, S. 97.</ref> Schon Nissen hat in seiner 1828 posthum erschienenen Mozart-Biographie<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen; mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Facsimile. Leipzig 1828.</ref> „ganz wesentlich aus den Familienbriefen geschöpft und diese in extenso abgedruckt“.<ref name="KonradEinf-s41">Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41.</ref>

Nachdem bereits 1914, herausgegeben von Ludwig Schiedermair, und 1942, herausgegeben von Erich Hermann Müller von Asow, umfassende Briefsammlungen publiziert worden waren, erschien mit der zwischen 1961 und 1975 von der der Internationalen Stiftung Mozarteum veröffentlichten, im Bärenreiter-Verlag publizierten Gesamtausgabe<ref>Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe in 7 Bänden. ... erläutert von Joseph Heinz Eibl. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg. Bärenreiter, Kassel u. a. 1962 ff., ISBN 3-7618-1749-5.</ref> erstmals eine „wissenschaftlich fundierte [vollständige] Edition dieses Materials“. Die vier Textbände wurden von Otto Erich Deutsch und Wilhelm A. Bauer (1888–1968) herausgegeben, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch hat sich die Zitierform „Bauer/Deutsch“ durchgesetzt,<ref>Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41–42.</ref> während die textkritischen Kommentare in drei Bänden und das Register im Wesentlichen von dem Bankkaufmann, Juristen und Mozart-Forscher Joseph Heinz Eibl (1905–1982) erarbeitet wurden.<ref>Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41.</ref> 2005 erschien ein schmaler 8. Band mit einer Einführung und Ergänzungen, herausgegeben von Ulrich Konrad. Auch verschollene Briefe, deren Existenz sich aus den erhaltenen Dokumenten erschließen lässt, sind in der Edition nachgewiesen.<ref name="KonradEinf-s43">Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 43.</ref> Die neben den Briefen enthaltenen Aufzeichnungen umfassen „Tagebucheintragungen, Reisenotizen, Werkverzeichnisse, Stammbucheintragungen, literarische Arbeiten, Empfehlungsschreiben, Rechnungen und anderes mehr“.<ref name="KonradEinf-s43" /> Ein großer Teil der Briefe liegt inzwischen auch in elektronischer Form unter dem Titel Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition, herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg, vor.<ref>Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg.</ref> Sie wird ständig, auch über den Bestand der Ausgabe von Bauer/Deutsch und Eibl hinaus, erweitert.

Inhalt der Sammlung

Die Familien-Korrespondenz aus der Lebenszeit Wolfgang Amadeus Mozarts lässt sich in mehrere Abteilungen untergliedern:

  • Reiseberichte Leopold Mozarts an seinen Freund und Hausherrn Lorenz Hagenauer (1712–1792) aus dem Zeitraum 1762–1771.
  • Reisebriefe von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart während ihrer Italienreisen von Dezember 1769 bis Dezember 1772 und der Reise nach Wien 1773 sowie Familienbriefe aus München an die daheimgebliebene Mutter aus der Zeit der Uraufführung von La finta giardiniera im Winter 1774/1775. Antwortbriefe der Adressatin(en) sind nicht erhalten.
  • Briefe aus der Zeit der großen Reise Mozarts mit seiner Mutter Anna Maria Mozart nach München, Augsburg, Mannheim und Paris. Dieser Teil der Korrespondenz umfasst Schriftstücke aller Familienmitglieder.
  • Die „Bäsle-Briefe“ Mozarts an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Die Briefe der Adressatin sind nicht überliefert.
  • Austausch zwischen Wolfgang Amadeus Mozart in München und seinem Vater in Salzburg während der Zeit der Entstehung der Oper Idomeneo, November 1780 bis Februar 1781. Zahlreiche Schreiben beider Briefpartner sind erhalten.
  • Briefe Mozarts aus der Wiener Zeit von März 1781 bis April 1787 an seinen Vater Leopold und gelegentlich an seine Schwester Maria Anna („Nannerl“) Mozart. Alle Briefe Leopolds an seinen Sohn aus dieser Zeit sind verschollen, ebenso dessen Briefe aus dem Zeitraum Juli 1784 bis März 1787.
  • Briefe Leopold Mozarts an seine Tochter Maria Anna nach ihrer Vermählung mit Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg aus dem Zeitraum August 1784 bis Mai 1787. Die Briefe Maria Annas sind verschollen.
  • Briefe Mozarts an Johann Michael Puchberg mit der Bitte um finanzielle Unterstützung (sogenannte „Bettelbriefe“) aus den Jahren 1788 bis 1791.
  • Briefe Mozarts an seine Frau, darunter wenige Schriftstücke aus der Zeit vor ihrer Vermählung, im übrigen Reisebriefe und Briefe an Constanze während ihrer Kuraufenthalte in Baden bei Wien aus den Jahren 1789 bis 1791. Von Constanze sind nur wenige Briefe beziehungsweise Postscripta an Maria Anna und Leopold Mozart aus den Jahren 1782 und 1783 überliefert. Ihre späteren Ehebriefe sind verschollen.

Hinzu kommen einzelne Briefe und Briefnachschriften von anderen und an andere Korrespondenten, z. B. Franz Fridolin Weber,<ref>Brief Wolfgang Amadé Mozarts vom 29. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 469)</ref> Joseph Bullinger, Friedrich Melchior Grimm,<ref>Friedrich Melchior Grimm an Leopold Mozart, 21. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 427).</ref> Johann Baptist Becké (1743–1817), die Baronin Martha Elisabeth von Waldstätten (1744–1811), Maria Margarethe Marchand oder Gottfried von Jacquin (1767–1792). Darüber hinaus umfasst die von Bauer und Deutsch herausgegebene Sammlung zahlreiche Briefe Leopold Mozarts an den Augsburger Musikverleger Johann Jakob Lotter (1726–1824) aus den Jahren 1755 bis 1763 sowie Schriftstücke aus der Zeit nach Mozarts Tod von seiner Witwe und deren späteren Ehemann Georg Nikolaus Nissen, von seiner Schwester Maria Anna sowie seinen Söhnen Carl Thomas Mozart und Franz Xaver Wolfgang Mozart im Austausch mit verschiedenen Korrespondenten, darunter den Verlegern Breitkopf & Härtel und Johann Anton André.

Postverkehr

Die Mozarts ließen sich ihre Briefwechsel einiges kosten, die Postgebühren waren hoch und des Öfteren Thema. „Ob franko bezahlt wurde (vom Absender), porto (vom Empfänger) oder halb frankiert (hälftig von beiden), war auszuhandeln.“<ref>Bruno Preisendörfer: Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit. Galiani Berlin, Köln 2015, ISBN 978-3-86971-110-2, S. 66.</ref> In Mannheim war offenbar die Variante „halb-frankiert“ üblich, denn Mozarts Mutter schrieb im Dezember 1777 an ihren Mann: „wür müssen für ieden brief, den wür bekommen, und den wür auf geben, 12 X bezahlen, und wenn er gros ist 18 X wür haben weill wür hier sind schon über 6 f Postgeld bezahlt“.<ref>Anna Maria Mozart an ihren Mann, 18. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 393), Zeile 6–8.</ref> Nach dem knapp zweimonatigen Aufenthalt von Mutter und Sohn waren das grob geschätzt etwa anderthalb Prozent von Leopold Mozarts Jahresgehalt. Gelegentlich wurden „Einschlüsse“ oder „Beischlüsse“ von und an andere(n) Personen mitgeschickt.<ref>Vergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 20. April 1768 (Bauer/Deutsch Nr. 129), Zeile 5.</ref>
Es gab bestimmte Posttage, an denen Briefe ankamen und abgingen, meistens zweimal in der Woche.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 27. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 380), Zeile 9–10. Original mit Unterstreichungen.</ref> Nachdem zwischen Salzburg und Mannheim zunächst in der Regel an jedem dieser Posttage jeweils ein Brief auf den Weg geschickt worden war, einigte sich die Familie am Ende des Jahres 1777 darauf, nur noch alle 8 Tage zu schreiben, wenn nichts Besonders mitzuteilen war.<ref>Siehe Leopold Mozarts Brief an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 29. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 399), Zeile 37–41.</ref>
Auch die Transportdauer war lang. Zwischen Salzburg und Mannheim waren Briefe etwa 5 bis 7 Tage unterwegs,<ref>Vergleiche Brief Leopold Mozarts an seinen Sohn, 27. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 380), Zeile 4–8. Original mit Unterstreichungen.</ref> zwischen Neapel und Salzburg rund 14 Tage,<ref>Leopold Mozart an seine Frau, 29. Mai 1770 (Bauer/Deutsch Nr. 188), Zeile 7–8.</ref> und zwischen Salzburg und Paris etwa 9 bis 10 Tage.<ref>Siehe Brief Leopold Mozarts an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 12./20. April 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 446), Zeile 109–110 und Brief Leopold Mozarts an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 12./13. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 464), Zeile 39–40. Original mit Unterstreichung. Mozarts Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.</ref> Bei geringeren Entfernungen waren die Zustellzeiten kürzer, und es gab eventuell andere Verkehrswege. Der intensive Brief- und Warenverkehr zwischen Leopold Mozart in Salzburg und seiner Tochter in St. Gilgen nach deren Heirat erfolgte zumeist durch eine Glasträgerin, „die Produkte aus einer bei St. Gilgen gelegenen Glashütte nach Salzburg lieferte und dabei private Sendungen mitnahm“.<ref>Eva Rieger: Nannerl Mozart. 2. Auflage. Frankfurt am Main, 1991, S. 202.</ref> Während der Kuraufenthalte von Constanze in Baden bei Wien schrieben Mozart und seine Frau sich täglich; die Briefe erreichten in der Regel schon am nächsten Tag das Ziel.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 403. Vergleiche etwa auch Wolfgang Amadé Mozarts Brief an seine Frau, 7. Juni 1791 (Bauer/Deutsch Nr. 1159), Zeile 6, wo er sich auf einen Brief von ihr vom Vortag bezieht.</ref>

Öffentlichkeit und Privatheit

Während ein Teil der Dokumente, besonders die Reiseberichte Leopold Mozarts an seinen Vermieter, Finanzberater und Freund Lorenz Hagenauer, nicht nur dazu gedacht waren, „im Freundes- und Bekanntenkreise herumgereicht“, sondern auch von der Obrigkeit gelesen,<ref>Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 22.</ref><ref name="Lütteken-s119" /> und vielleicht sogar veröffentlicht zu werden, waren andere Briefe sehr persönliche, intime, nur an den jeweiligen Adressaten oder die Adressatin gerichtete Schreiben. Wahrscheinlich galt das für fast alle Briefe Wolfgang Amadé Mozarts<ref>Hans Maier: Mozart in seinen Briefen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio. Band 21, Heft 1. 1992, S. 88.</ref> – mit Sicherheit für die an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart und an seine (spätere) Frau Constanze, aber wohl auch für die meisten anderen Familienbriefe. Sein Brief an Joseph Bullinger vom 3. Juli 1778, dem Todestag seiner Mutter, beginnt mit den Worten „für sie ganz allein“ (unterstrichen).<ref name="mozart-bd459">Wolfgang Amadé Mozart an Abbé Joseph Bullinger in Salzburg, Paris, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 459). Abgerufen am 5. Januar 2026.</ref> „Mit der Lektüre dieser Lebenszeugnisse erlauben sich die Nachgeborenen wie selbstverständlich neugierige, indiskrete und nur zu oft besserwisserische Blicke in private Angelegenheiten fremder Menschen – Blicke, die sie sich in ihrer eigenen Gegenwart meist energisch verbitten würden. Nur die historische Ferne rechtfertigt die wissende Teilhabe an historischen Dokumenten auch intimster Art“ – verbietet aber „interpretatorische Vereinnahmungen“. (Ulrich Konrad).<ref>Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 13.</ref>

Leopold Mozarts Briefe

Leopold Mozart hat seine „quasi-literarischen“<ref name="Lütteken-s119" /> Berichte an Lorenz Hagenauer möglicherweise sogar bewusst in Gedanken auf eine spätere Buchveröffentlichung über die Reisen verfasst.<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 128.</ref> Sie können über den biographischen Zusammenhang hinaus als zeitgeschichtliche Dokumente gelesen werden.

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|In den Briefen, die Leopold Mozart auf seinen Reisen schrieb, offenbart sich ein Mensch, dessen Neugier auf alles unstillbar zu sein scheint – auf Religion und Medizin, auf Esskultur und Trinkgewohnheiten, auf Mode und Hygiene, auf Landschaft und Klima. Und vor allem auf Menschen, Weggefährten, Auftraggeber, mögliche Förderer und Mäzene, Könige und Königinnen, Gelehrte und Musiker. Leopold Mozarts Briefe sind eine Fundgrube nicht nur für Informationen über seinen Sohn, sondern auch für die Alltagsgeschichte seiner Zeit.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|In den Briefen, die Leopold Mozart auf seinen Reisen schrieb, offenbart sich ein Mensch, dessen Neugier auf alles unstillbar zu sein scheint – auf Religion und Medizin, auf Esskultur und Trinkgewohnheiten, auf Mode und Hygiene, auf Landschaft und Klima. Und vor allem auf Menschen, Weggefährten, Auftraggeber, mögliche Förderer und Mäzene, Könige und Königinnen, Gelehrte und Musiker. Leopold Mozarts Briefe sind eine Fundgrube nicht nur für Informationen über seinen Sohn, sondern auch für die Alltagsgeschichte seiner Zeit.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| In den Briefen, die Leopold Mozart auf seinen Reisen schrieb, offenbart sich ein Mensch, dessen Neugier auf alles unstillbar zu sein scheint – auf Religion und Medizin, auf Esskultur und Trinkgewohnheiten, auf Mode und Hygiene, auf Landschaft und Klima. Und vor allem auf Menschen, Weggefährten, Auftraggeber, mögliche Förderer und Mäzene, Könige und Königinnen, Gelehrte und Musiker. Leopold Mozarts Briefe sind eine Fundgrube nicht nur für Informationen über seinen Sohn, sondern auch für die Alltagsgeschichte seiner Zeit. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|In den Briefen, die Leopold Mozart auf seinen Reisen schrieb, offenbart sich ein Mensch, dessen Neugier auf alles unstillbar zu sein scheint – auf Religion und Medizin, auf Esskultur und Trinkgewohnheiten, auf Mode und Hygiene, auf Landschaft und Klima. Und vor allem auf Menschen, Weggefährten, Auftraggeber, mögliche Förderer und Mäzene, Könige und Königinnen, Gelehrte und Musiker. Leopold Mozarts Briefe sind eine Fundgrube nicht nur für Informationen über seinen Sohn, sondern auch für die Alltagsgeschichte seiner Zeit.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Silke Leopold || <ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 8.</ref> }}

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}} Weitgehend trifft das auch für die, nun aber häufig durch persönlichere Postscripta Wolfgangs ergänzten Reisebriefe an Frau und Tochter aus Italien und Wien zu, als Leopold mit seinem Sohn unterwegs war, um Produktionsverträge (Scritture) an italienischen Opernhäusern abzuschließen.<ref>Vergleiche Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 47.</ref> Daneben wurde aber auch der private emotionale Kontakt in der Familie wachgehalten. Leopold beschließt die Briefe an seine Frau mit Wendungen wie „ich bin dein alter Mozart“. Es werden „viel[e] 10.000“, 1 Millionen oder sogar 10 Milliarden Küsse an die Daheimgebliebenen übersandt.<ref>Vergleiche Briefe Leopold Mozarts an seine Frau aus Mailand, 12. Januar 1771 (Bauer/Deutsch Nr. 228) und 28. September 1771 (Bauer/Deutsch Nr. 247) und Postscriptum Wolfgang Amadé Mozarts vom 16. August 1771 (Bauer/Deutsch Nr. 240) sowie zahlreiche andere.</ref>
Sicherlich wurden die Briefe von allen Familienmitgliedern und wahrscheinlich auch von den „freunden und freundinen in und ausser dem hauß“<ref>Vergleiche z. B. Leopold Mozart an seine Frau, 18. September 1770 (Bauer/Deutsch Nr. 209), Zeile 50–51.</ref> gelesen, an die regelmäßig Grüße („Empfehlungen“) mitgeschickt wurden.<ref name="Lütteken-s119" /> Passagen, die nicht für einen größeren Leserkreis bestimmt waren oder vor der Zensur geschützt werden sollten, wurden durch einen familieneigenen „Geheimcode“ chiffriert.<ref>Dabei wurden zehn Buchstaben des Alphabets durch andere ausgetauscht. Vergleiche Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 20.</ref>

Eine neue Situation entstand, als Wolfgang und seine Mutter im Herbst 1777 ohne Vater Leopold auf die Reise gingen, der sich bis dahin „auf allen Reisen unentbehrlich gemacht“ hatte.<ref name="Leopold.Leopold-s197">Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 197.</ref> Nun war er „gefangen in Salzburg“, konnte nur noch aus der Ferne versuchen, Einfluss zu nehmen.<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 196.</ref> Er schreibt „pro Woche mindestens einen – oft sehr langen – Brief. Es sind Briefe voller Ratschläge und Anweisungen, Ermahnungen und Vorwürfen bis hin zu Strafpredigten […] aber auch Briefe voller Zärtlichkeit und Empathie, Neugier und Hilfsbereitschaft, politischer und religiöser Betrachtungen, Witz und Tratsch“.<ref name="Leopold.Leopold-s197" /> Auch Salzburger Lokal- und Tagesereignisse werden berichtet, gelegentlich sind Postscripta der Tochter Maria Anna und auch des Freundes Abbé Joseph Bullinger beigefügt, auch das Bölzelschießen (ein Spiel mit einer Windbüchse, einer Vorform des Luftdrucksgewehrs) ist in der Familie regelmäßig Thema, und ebenso die Familienhündin „Pimperl“.<ref>Zwei Beispiele von vielen: Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 12./13. Oktober 1777, mit Nachschrift von Joseph Bullinger (Bauer/Deutsch Nr. 348) und Leopold Mozarts Brief an Anna Maria Mozart, mit Nachschriften von ihm selbst, Joseph Bullinger, Maria Anna Mozart und Rosalia Joly an Wolfgang Amadé Mozart, 23. Oktober 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 354).</ref>
In die Vorwürfe, dass sie zu viel Geld ausgeben, eine falsche Reiseroute nehmen, unterwegs zu viel Zeit vergeuden würden, bezieht Leopold gelegentlich auch seine Frau mit ein.<ref>Vergleiche Leopolds Brief vom 24. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 378).</ref> Als der Sohn weder in München noch während des langen Aufenthalts in Mannheim etwas erreichen kann und erst recht, als er die Familie Weber kennengelernt hat und mit ihnen „seine eigenen Ideen verfolgt“,<ref name="Leopold.Leopold-s197" /> sieht Leopold seine Kontrolle entschwinden. Die Vorstellung, sein Sohn könne „seine Jahrhundertbegabung um einer [verliebten] Laune willen wegwerfen“<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 203.</ref> ist ihm unerträglich. Im Februar 1778 setzt Mozarts Mutter ausnahmsweise an ihrem Sohn vorbei eine Briefnachschrift aus Mannheim an Leopold ab, in der auch sie seine Wankelmütigkeit beklagt und vorschlägt, ihn selbst nach Paris zu begleiten.<ref>Mozart an seinen Vater, 4./5. Februar 1778. Nachschrift Anna Maria Mozarts (Bauer/Deutsch Nr. 416), Zeile 129–139. Abgerufen am 5. Januar 2026.</ref> Das geschah dann auch. Leopold schickte eine Liste mit Namen und Adressen alter Pariser Bekannter nach Mannheim.<ref>Leopold Mozart an seine Frau, Beilage an seinen Sohn, 5. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 417). Verzeichnis der Pariser Bekanntschaften nach einer Abschrift von Josef Hauer (um 1850), Zeile 143–212. Mit zahlreichen Unterstreichungen.</ref> An Friedrich Melchior Grimm wandte er sich direkt.<ref>Siehe dazu Grimms Antwort an Leopold Mozart vom 21. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 427).</ref> Seinem Sohn machte er weiterhin Vorhaltungen.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Briefe an seinen Sohn bzw. an Frau und Sohn vom 11./12. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 422), vom 16. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 425), vom 23. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 429), vom 25./26. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 430).</ref><ref>Siehe auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 74.</ref>

Als am 3. Juli 1778 Mozarts Mutter in Paris starb, bat er den Familienfreund Abbé Joseph Bullinger, seinen Vater in Salzburg auf die Todesnachricht vorzubereiten,<ref name="mozart-bd459" /> die er selbst anschließend am 9. Juli abschickte.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Paris, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462). Abgerufen am 5. Januar 2026.</ref><ref>Vergleiche dazu auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 77–78.</ref> Leopold ist „im Innersten getroffen, bewahrt […] dennoch Haltung nach außen. […] Er fügt sich in den göttlichen Ratschluss und macht doch alle Welt […] verantwortlich – das Klima in Paris […], sie selbst […], seinen Sohn [… und] die Ärzte.“<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 212.</ref>
Nachdem Leopold anschließend erfolgreich mit Erzbischof Hieronymus von Colloredo über eine Anstellung seines Sohnes in Salzburg verhandelt hatte und diesem am 31. August 1778 das Ergebnis mitteilte, blieb Mozart keine Wahl. Da er dennoch die Heimreise „vertrödelte“,<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 70.</ref> 10 Tage in Nancy verschwunden war,<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 19. Oktober 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 500), Zeile 62–89. Original mit Unterstreichungen.</ref> dann gegen den Willen seines Vaters noch einmal nach Mannheim fuhr und neue Pläne schmiedete,<ref>Vergleiche Brief Mozarts an seinen Vater, 12. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 504), Zeile 13–15.</ref> verschärften sich die brieflichen Auseinandersetzungen,<ref>Siehe Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 23. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 506), Zeile 54–55 und 59. Vergleiche auch Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 209–210.</ref> ehe Mozart im Januar 1779 nach Salzburg zurückkehrte, die Stelle des Hoforganisten übernahm und bis November 1780 wieder mit seinem Vater und seiner Schwester zusammenlebte.

Am 5. November 1780 ging Mozart nach München, um die Opera seria Idomeneo, re di Creta zu komponieren und mit den beteiligten Sängern und Musikern einzustudieren; Leopold begleitete diese Arbeit voller Engagement von Salzburg aus, führte auch Verhandlungen mit dem dort ansässigen Librettisten Giambattista Varesco. In zahlreichen Briefen erörterten Vater und Sohn Fragen der Dramaturgie, der musikalischen Gestaltung, der Anforderungen an die Sänger usw. „Diese Briefe atmen einen völlig anderen Geist als die Briefe zuvor; es ist, als bekäme man Einblick in eine künstlerische Partnerschaft auf Augenhöhe.“<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 215. Vergleiche den Briefwechsel zwischen Mozart und seinem Vater, 8. November 1780 bis 22. Januar 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 535–581).</ref>

Der letzte erhaltene Brief Leopold Mozarts an seinen Sohn datiert vom 22. Januar 1781 und ging von Salzburg nach München.<ref>(Bauer/Deutsch Nr. 581).</ref> Auch als es zum Bruch mit Erzbischof Colloredo kam und Mozart sich entschloss, in Wien zu bleiben, wurde der Briefwechsel fortgesetzt, doch alle Briefe Leopolds von diesem Zeitpunkt an sind verschollen. Über die Gründe gibt es unterschiedliche Vermutungen. Laurenz Lütteken nimmt an, dass Mozart einfach weniger sorgfältig war als sein Vater,<ref name="Lütteken-s119" /> während u. a. Silke Leopold davon ausgeht, „dass Constanze diese Briefe, die vermutlich wenig Schmeichelhaftes über sie selbst enthielten, vernichtet hat.“<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, Einleitung, S. 14.</ref> Allerdings lassen sich Leopolds Reaktionen aus den weiterhin ausführlichen Briefen und Reaktionen seines Sohnes oftmals erschließen.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 49.</ref> Er versuchte, Mozart von der Entscheidung für Wien abzubringen und widersetzte sich, letztlich vergeblich, dessen Verbindung mit Constanze Weber.<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 221–222.</ref>

Nachdem seine Tochter Maria Anna am 23. August 1784 geheiratet hatte und nach St. Gilgen gezogen war, begann eine neue Serie von Briefen Leopold Mozarts. Er schreibt ihr „alle paar Tage“, berichtet vom Salzburger Musikleben, von „Hof- und Stadtklatsch“, der „große[n] Politik und ihre[n] Folgen für den kleinen Mann“,<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 224.</ref> und ab September 1785 regelmäßig und ausführlich vom Ergehen seines Enkelkinds Leopold Alois Panthaleon („Leopoldl“), das er kurz nach seiner Geburt zu sich genommen hatte. Zwar informiert er Maria Anna immer wieder auch stolz über Wolfgangs Erfolge, auch nach seinem Besuch in Wien Anfang 1785, und schickt Klavierkompositionen von ihm an sie weiter.<ref>Vergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an seine Tochter, 4./5. Januar 1786 (Bauer/Deutsch Nr. 916), Zeile 64–68. Original mit Unterstreichungen.</ref> Doch nennt er fast nie mehr seinen Namen, tituliert ihn in den Briefen fast nur noch als „deinen Bruder“.<ref>Eva Rieger: Nannerl Mozart. 2. Auflage. Frankfurt am Main, 1991, S. 204.</ref>

Wolfgang Amadeus Mozarts Briefe

Für Wolfgang Amadé Mozart war sein Vater bis in die Wiener Zeit hinein der wichtigste Ansprech- und Briefpartner. „Der Umstand, daß Leopold Mozart die Schreiben seines Sohnes archiviert hat, läßt darauf schließen, daß er sie nicht nur mehrfach gelesen, sondern wohl für überlieferungswürdig erachtet hat.“<ref name="Lütteken-s119" /> Mozarts Briefe an seinen Vater „kreisen um Persönliches, im Falle der Heirat mit Constanze auch um Allerpersönlichstes, weisen aber […] auch darüber hinaus, […] wenn es um die Ansprüche des Komponisten an sich und an seine Werke geht“.<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 119–120.</ref> Nach den vorherigen Spannungen ist der kooperative Briefwechsel aus der Zeit der Entstehung des Ideomeneo noch einmal von gegenseitiger Achtung und Nähe geprägt. „Mozarts erster Brief aus Wien, mit dem die lange Reihe der Schilderungen über die Unzuträglichkeiten mit dem Erzbischof beginnt, ist [dann] mit der ungewöhnlichen Anrede ‚Mon trés cher amy!‘“ überschrieben:<ref>Wolfgang Amadé Mozart an seinen Vater, 17. März 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 583).</ref><ref name="braunbehrens-s31">Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 31.</ref> er appelliert an die Hilfe und das Verständnis seines Vaters als Freund. „Die Briefe der folgenden Wochen werben geradezu mit immer deutlicheren Worten um Zuspruch und Bestätigung; je häufiger diese ausbleiben, desto mehr geht das Werben über in die Bitte um wenigstens den väterlichen Segen.“<ref name="braunbehrens-s31" /> Doch Leopold zog sich zurück, „verweigerte sich [… auch den] von Wolfgang nachdrücklich in Gang gehaltenen Diskussionen um seine kompositorischen Überlegungen und seinen Schaffensprozess.“<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, Einleitung, S. 15.</ref>
Dreimal hat Mozart im Dialog mit seinem Vater Unterstützung von Außenstehenden gesucht: von Abbé Bullinger, der Mozarts Vater auf die Nachricht vom Tod der Mutter vorbereiten sollte,<ref name="mozart-bd459" /> von dem vertrauten Münchner Flötisten Johann Baptist Becké (1743–1817), der am 29. Dezember 1778 einen Brief an Leopold schrieb, um für einen freundlichen Empfang bei Mozarts Rückkehr nach Salzburg zu werben,<ref>Johann Baptist Becké an Leopold Mozart, 29. Dezember 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 514). Abgerufen am 9. Januar 2026. Dazu Kommentar in: Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Erweiterte Ausgabe, herausgegeben von Ulrich Konrad. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, Bd. V, S. 578.</ref> und von Martha Elisabeth Baronin von Waldstätten, die bei Mozarts Heirat mit Constanze zwischen ihm und seinem Vater vermittelte.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts vertraulichen Brief an Baronin Waldstätten vom 23. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 687), in dem er ihr für die Ausrichtung der Hochzeit seines Sohnes dankt.</ref>
Mozarts letzter Brief an seinen Vater stammt vom 4. April 1787. „Es ist der einzige Brief seit Mitte 1784 […], der sich in der Korrespondenz zwischen Vater und Sohn aus der Feder Wolfgang Mozarts erhalten hat.“ Mozart hatte erfahren, dass Leopold ernsthaft erkrankt war. Er versucht in diesem Brief „noch einmal so etwas wie persönliches Einvernehmen, menschliche Nähe herzustellen und dem Vater seine Gedanken über Tod und Sterben mitzuteilen“.<ref name="Leopold.Leopold-s239">Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 239.</ref>

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Mozarts Schreibstil

„Mozart war ein virtuoser Briefschreiber“,<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 120.</ref> „unter den Musikern seiner Zeit der sprachmächtigste, von einer Vitalität des Wortes und einer Anschaulichkeit des Schreibens wie kaum ein zweiter“.<ref name="KonradEinf-s10"> Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 10.</ref> Seine Briefe „schlagen den empfänglichen Leser“ wegen ihrer Prägnanz und Lakonik, „ihres [hastig ausgestoßenen] Atem[s], der gelebtes Leben ausströmt, [in den Bann]“. (Ulrich Konrad).<ref name="KonradEinf-s10" /> Weniger theoretische Gedanken als präzise Beobachtungen kümmerten ihn: „Eine Begegnung, ein schiefes Maul, ein dummes Gesicht, eine lustige oder groteske Szene, das hält er fest. Gegenüber Autoritäten ist er von einer erfrischenden und manchmal gefährlichen Respektlosigkeit.“ (Hans Maier).<ref>Hans Maier: Mozart in seinen Briefen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio. Band 21, Heft 1. 1992, S. 92.</ref> Er schrieb sozusagen im Staccato, reihte verschiedene Themen getrennt durch Gedankenstriche aneinander. Mit den Jahren „hatte sich Mozart so sehr angewöhnt, Gedankenstriche zu machen, dass ihrer in allen seinen Briefen unendliche sind“, so Nissen.<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen; mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Facsimile. Leipzig 1828, S. XXIV.</ref>
Er jonglierte mit der Sprache, liebte Wortspiele, Anagramme, Wort- und Zahlenverdrehungen, Nonsens-Reime und -Texte.<ref>Vergleiche Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 16.</ref> „Fast wichtiger als die Bedeutung der Wörter ist [oft] ihr Klangsinn, ihre Tongestalt, ihre Vokalisation.“<ref name="MaierBriefe-s90">Hans Hans Maier: Mozart in seinen Briefen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio. Band 21, Heft 1. 1992, S. 90.</ref> Solche Sprachspiele pflegte er als Jugendlicher während der Italienreisen in Briefen und Postscripta an seine Schwester. Eine Nachschrift aus Wien unterzeichnete er 1773: „oidda. – gnagflow Trazom. neiw ned 12 tsugua 3771 [addio – wolfgang Mozart, wien den 21 august 1773]“.<ref>Nachschrift zu Leopold Mozarts Brief an seine Frau, 21. August 1773 (Bauer/Deutsch Nr. 291), Zeile 43–44. In einem Brief an Joseph Bullinger verdrehte er seinen Namen in „Wolfgang Romatz“. 7. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 475), Zeile 156. Vergleiche Emanuel Winternitz: Gnagflow Trazom: an essay on Mozart’s script, pastimes, and nonsense letters. In: Journal of the America Musicological Society. Vol. 11 (1958), Nr. 2–3, S. 208–209.</ref> Er wechselte zwischen verschiedenen Sprachen: „hodie nous avons begegnet per strada Dominum Edlbach welcher uns di voi compliments ausgericht hat, et qui sich tibi et ta mere Empfehlen läst. Adio. W. M.“,<ref>Nachschrift zu Leopold Mozarts Brief an seine Tochter, 12. August 1773 (Bauer/Deutsch Nr. 289), Zeile 48–49.</ref> und schrieb auch ganze Briefe an Maria Anna auf Italienisch.<ref>Vergleiche z. B. Wolfgang Amadé Mozarts Brief an seine Schwester, Rom, 25. April 1770 (Bauer/Deutsch Nr. 179).</ref>

Datei:Mozart Bäsle-Brief.jpg
Mozart an Maria Anna Thekla Mozart, Salzburg, 10. Mai 1779

Die Passion für Sprachspiele steigerte er noch in den Briefen an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart ab Ende Oktober 1777. Hier „errichtet Mozart die Bühne des Possenreißers und Wortakrobaten, und […] übernimmt […] vornehmlich die Rolle eines hemmungslos schwadronierenden Witzboldes.“<ref>Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 11.</ref> Die „fäkalerotischen“<ref name="KonradEinf-s12">Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 12.</ref> Bäsle-Briefe „waren der Schrecken der Mozart-Biographen des neunzehnten Jahrhunderts“,<ref name="MaierPotz-s40">Hans Maier: Potz sapperment! Schreiben konnte er auch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. März 2003, Nr. 63, S. 40.</ref> ehe, nachdem sie „in der Gesamtausgabe und in Sonderpublikationen allgemein zugänglich waren, [...] ihre Wahrnehmung um[schlug] […] in begeisterte Aufnahme und hingebungsvoll psychologisierende Deutung“,<ref name="KonradEinf-s12" /> und sie „das Entzücken der Mozart-Dramatiker und Filmemacher des zwanzigsten Jahrhunderts“ wurden.<ref name="MaierPotz-s40" /> „Das […] läßt sich in Hinblick auf die gesellschaftlichen und wertebezogenen Veränderungen in den späten 1960er Jahren […] nachvollziehen. Aber in den Bäsle-Briefen […] ein aussagekräftiges Psychogramm der Persönlichkeit Mozarts sehen zu wollen, wird […] wohl niemanden mehr überzeugen können.“ (Ulrich Konrad).<ref name="KonradEinf-s12" />

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je vous baise vos mains, votre visage, vos genoux et votre – – afin, tout ce que vous me permettés de baiser. Mannheim le 13 Nomv: je suis de tout mon cœur votre Mannheim le 13 Nomv: Neveu et Cousin Wolfg: Amadé Mozart manu propria. | {{

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Doch auch andere Mitglieder der Familie Mozart benutzten fäkale Kraftausdrücke in Liebesgrüßen: „adio ben mio leb gesund, Reck den arsch zum mund. ich winsch ein guete nacht, scheiss ins beth das Kracht. es ist schon über oas iezt kanst selber Reimen.“ schrieb Anna Maria Mozart in einem Postscript aus München am 26. September 1777 an ihren Mann.<ref>Nachschrift zu Wolfgang Amadé Mozarts Brief an seinen Vater, 26. September 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 333), Zeile 90–92.</ref> Es scheint sich dabei um einen feststehenden Spruch in der Familie gehandelt zu haben,<ref>"Das Tourettesyndrom hatte er ganz bestimmt nicht". In: Die Zeit, 12. Februar 2020.</ref> denn Mozart zitiert ihn wörtlich auch in einem Brief an seine Cousine.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna Thekla Mozart, 5. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 364), Zeile 28–29. Unterzeichnet hat er diesen Brief mit „wolfgang Amadé Rosenkranz“.</ref>

Sein „spielerisches, im Vokalen und Vitalen, im Vor- und Paralogischen liegendes Einverständnis mit der Welt sucht[e] Mozart vor allem in seinen Briefen an Frauen“.<ref name="MaierBriefe-s90" /> Aber der Spaß an (harmloseren) Wortspielen und Verballhornungen ist auch in Briefen an den Vater zu finden. Nachdem er, unter Einbeziehung eines Augsburger Kaufmanns versucht hatte, bei dem Mannheimer Bankier Dietrich Heinrich Schmalz (1720–1797) einen Kredit zu bekommen, scherzt er, vielleicht auch seine Verlegenheit überspielend, über dessen Namen: „sie müssen wissen, daß ich, […] doch nicht hab unterlassen können, ihn im brief zu bitten, er möchte mir doch eine anweisung an h: schmalz, oder butter, milch, käß, oder an wen er nur wollte, schicken.“<ref>Mozart an seinen Vater, 22./23. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 377), Zeile 13–16.</ref> Leopold reagierte auf diesen Brief allerdings nicht amüsiert.<ref>Vergleiche Leopolds Brief vom 24. November 1777, (Bauer/Deutsch Nr. 378).</ref>

„Die sprachschöpferische Phantasie Mozarts auf der Ebene der Wörter findet ihre Fortsetzung in frei erfundenen Geschichten. Deren Witz liegt zumeist darin, daß ein mit großem Aufwand geschlagener Spannungsbogen am Ende in der Luft hängen bleibt, und die Pointe sich als Nichtigkeit darstellt oder gar völlig fehlt. […] Geradezu ein Exemplum früher deutschsprachiger Nonsens-Literatur liefert das Märchen von den 11.000 Schafen“ in einem Brief an Maria Anna Thekla Mozart.<ref name="KonradEinf-s16">Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 16.</ref><ref>Das Märchen steht in dem Brief an Maria Anna Thekla Mozart vom 28. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 432), Zeile 39–70.</ref>

Konflikthafte Gespräche, Auseinandersetzungen gerade „mit einflußreichen Persönlichkeiten, [...] Herrschern, Vorgesetzten und Personen von Stand“, schilderte Mozart, der genuine Opernkomponist, seinen Adressaten – zumeist seinem Vater – satirisch und sarkastisch in kleinen „Bühnenszenen“, wahren „Dramoletten“.<ref name="KonradEinf-s21"> Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 21.</ref> Sein Bericht von einem Disput mit Erzbischof Colloredo im Mai 1781:

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Und er verfügte über weitere Ausdrucksmittel, die er „auf den jeweiligen Empfänger abstimmte“.<ref>Christian Gohlke: Der „dumste Brief“, den Mozart im Leben schrieb. Das Mozarteum präsentiert Neuerwerbungen in einer Sonderausstellung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Dezember 2025, S. 13.</ref> Über seine Braut erfand er, um den Vater günstig zu stimmen, eine fabulöse „Aschenputtel“-Geschichte<ref name="KonradEinf-s16" /> mit „auf die [angenommene] Erwartungshaltung des Vaters […] zugeschnitten[en]“ Lobeshymnen auf ihre „Häuslichkeit, Ehrbarkeit und Bedürfnislosigkeit.“<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, S. 15.</ref><ref>Vergleiche Wolfgang Amadé Mozarts Brief an seinen Vater, 15. Dezember 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 648), Zeile 55–58.</ref>
Auch Mozarts Bittbriefe an Puchberg könnten zum Teil artifiziell überspitzt, das „theatralische Crescendo, das […sie] kennzeichnet“, mitunter etwas übertrieben gewesen sein.<ref name="Leopold.Handbuch-s16">Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, S. 16.</ref><ref>Zu den Puchberg-Briefen {{#invoke:Vorlage:Siehe auch|f}}</ref>
Solche in Konfliktsituationen geschriebenen Briefe sind stets auch in Hinblick auf ihre Intention, „gleichsam gegen den Strich“ zu lesen (Silke Leopold).<ref name="Leopold.Handbuch-s16" />

Eine Sonderstellung haben Mozarts Briefe an seine Frau, die er in Zeiten reisebedingter Trennungen und während ihrer Kuren an sie schrieb: zärtliche Liebesbriefe, „in denen er sich mit [… ihr] auf eine heiter-verspielte, manchmal auch sehr freizügige, kaum für die Augen prüder Biographen bestimmte Weise unterhält“.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 113. Vergleiche auch Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 29.</ref> Die Anrede lautet meistens „(Aller)liebstes, bestes (Herzens)weibchen!“, ein Kosename für sie war „Stanzi-Marini“.<ref>Z. B. im Brief vom 6. Juni 1791 (Bauer/Deutsch Nr. 1157), Zeile 12.</ref> Auf seinen Reisen hatte er ein kleines Porträt von ihr bei sich:

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Liebstes bestes Weibchen!
[...] keinen Brief habe ich dir noch geschrieben, wo ich nicht dein liebes Portrait vor meiner gestellt hätte. […] Nun lebe wohl, liebste, beßte, – Denke daß ich alle Nacht ehe ich ins Bett gehe eine gute halbe Stunde mit deinem Portrait spreche, und so auch beÿm erwachen. – […] O stru! stri! – ich küsse und drücke dich 1095060437082 mal (hier kannst du dich im aussprechen üben) und bin ewig Dein treuester Gatte und freund W. A. Mozart manu propria.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Dresden den 16t Aprill 1789. Nachts um 1/2 12 Uhr
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Liebstes bestes Weibchen!
[...] keinen Brief habe ich dir noch geschrieben, wo ich nicht dein liebes Portrait vor meiner gestellt hätte. […] Nun lebe wohl, liebste, beßte, – Denke daß ich alle Nacht ehe ich ins Bett gehe eine gute halbe Stunde mit deinem Portrait spreche, und so auch beÿm erwachen. – […] O stru! stri! – ich küsse und drücke dich 1095060437082 mal (hier kannst du dich im aussprechen üben) und bin ewig Dein treuester Gatte und freund W. A. Mozart manu propria. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Dresden den 16t Aprill 1789. Nachts um 1/2 12 Uhr
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In seinem letzten Brief vom 14. Oktober 1791 berichtete Mozart seiner Frau von einer Aufführung der Zauberflöte, die nicht nur Antonio Salieri und Caterina Cavalieri, sondern auch seine Schwiegermutter und sein 7-jähriger Sohn Karl Thomas am Tag zuvor besucht hatten:

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Bedeutung für die Forschung

„Über keinen anderen Komponisten sind wir so gut informiert wie über Mozart, keinem anderen können wir in ähnlicher Weise beim Komponieren gleichsam über die Schulter schauen, keiner gewährt uns auch einen derart intimen Blick in sein privates Leben.“ (Silke Leopold).<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, S. 14.</ref> Zugleich wird die Vielzahl der gleichwohl lückenhaften Zeugnisse überlagert von den Legenden der Nachwelt: „Fakten und Fiktion haben sich im Laufe von Generationen zu einem Mozart-Bild vermischt, das zwischen dem einen und dem anderen kaum mehr unterscheiden kann.“<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, S. 12.</ref> So bleiben sowohl die Edition der Gesamtausgabe der „Mozart-Briefe“ als auch deren Auswertung und Interpretation weiterhin Herausforderungen an Wissenschaftler und Biographen.<ref>Vergleiche Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41–42.</ref>

Nicht zuletzt sind die Briefe der Mozart-Familie – „von der Germanistik noch immer nicht entdeckt“ (Hans Maier, 2003)<ref name="MaierPotz-s40" /> – auch sprachgeschichtliche Dokumente, faszinierende Zeugnisse (süd)deutscher Alltagssprache im 18. Jahrhundert.

Literatur

Gesamtausgabe

Teilausgaben und Sekundärliteratur

  • Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen; mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Facsimile. Leipzig 1828. (archive.org) Reprint herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Rudolph Angermüller. Olms, Hildesheim/Zürich u. a. 2010, ISBN 978-3-487-08493-0.
  • Roland Tenschert: Mozart schreibt Briefe, Wilhelm Frick Verlag, Wien 1941.
  • Willi Reich (Hrsg.): Mozarts Briefe, Manesse Verlag, Zürich 1991, ISBN 3-7175-1296-X.
  • Jean-Jacques Greif: Wolfgang Amadeus Mozart. Bertelsmann, München 2003, ISBN 3-570-12742-7.
  • Horst Wandrey (Hrsg.): Wolfgang Amadeus Mozart Briefe. Eine Auswahl. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin, 1964 (mit Vignetten von Heiner Vogel). Taschenbuchausgabe Diogenes Verlag, Zürich 1988. ISBN 3-257-216106.
  • Joseph Heinz Eibl, Walter Senn (Hrsg.): Mozarts Bäsle-Briefe. Bärenreiter, Kassel 1978, ISBN 3-7618-0591-8.
  • Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7. (archive.org)
  • Hans Maier: Mozart in seinen Briefen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio. Band 21, Heft 1. 1992, S. 88–96.
  • Hans Maier: Potz sapperment! Schreiben konnte er auch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. März 2003, Nr. 63, S. 40.
  • Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1.
  • Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0.
  • Laurenz Lütteken: Mozart: Leben und Musik im Zeitalter der Aufklärung. C.H. Beck, München [2017], ISBN 978-3-406-71171-8.
  • Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8.
  • Christian Gohlke: Der „dumste Brief“, den Mozart im Leben schrieb. Das Mozarteum präsentiert Neuerwerbungen in einer Sonderausstellung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Dezember 2025, S. 13.

Weblinks

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Einzelnachweise

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