Musala
Der Musala (bulgarisch Мусала), gelegen im Rila-Nationalpark, ist der höchste Berg Bulgariens und der gesamten Balkanhalbinsel. Auf seiner breiten Kuppe befinden sich zwei wissenschaftliche Beobachtungsstationen der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften<ref>Национален институт по метеорология и хидрология (Website des Nationalen Meteorologischen Instituts, abgerufen am 26. August 2010).</ref><ref>BEO-Moussala (Website des Basic Environmental Observatory, BEO, abgerufen am 26. August 2010).</ref>.
Lage und Namensgebung
Der Musala (auch Mussala geschrieben) bietet Fernsichten auf alle Bergregionen Bulgariens mit dem Witoschagebirge im Nordwesten, dem Balkangebirge, den Rhodopen im Südosten und dem Piringebirge sowie natürlich auf die umgebenden Bergkuppen des Rilagebirges wie der Kleine Musala (Малка Мусала, 2902 m) und der Iretschek (Иречек, 2852 m).
Vor vielen Jahrhunderten benannten die Protobulgaren den Berg nach ihrem Himmelsgott Tangra,<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> dessen Name erst im 15. Jahrhundert durch die Osmanen in Musala (Maşallah: Gottes Lob) umgeändert wurde. Die Bulgaren haben aber noch viele andere Spuren hinterlassen, wie etwa mehrere Felsen, die Runeninschriften mit dem Gottesnamen Tangra tragen. Der Gipfel trug von 1949 bis 1962 den Namen des sowjetischen Diktators Stalin.<ref>Website mit Informationen über den Berg Stalin (Berg Kommunismus) im Pamir; abgerufen am 16. Februar 2010.</ref>
Geographie
Das Bergland um den Musala wurde während der Quartär von Gletschern geformt.<ref>Geographische Berichte (über Untersuchungen von Bergregionen in Bulgarien); Band 29-31; Geographische Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik in der Akademie der Wissenschaften der DDR (Hrsg.), Gotha/Leipzig, Geographisch-Kartographische Anstalt, o. J. (nur eingeschränkte Vorschau) abgerufen am 16. Februar 2010</ref> Dadurch sind auch Bergseen zurückgeblieben wie der auf circa Vorlage:Höhe, also 200 Meter unterhalb des Gipfels, befindliche 20.000 m² große Musala-See.<ref>Foto des Sees; abgerufen am 16. Februar 2010</ref> Drei der größten Flüsse Bulgariens – Iskar, Mariza und Mesta – entspringen im Rilagebirge in der Nähe des Gipfels.
Die Wetterstation auf dem Berg wurde im Jahr 1932 eröffnet, ein Feuer zerstörte 1964 die Holzkonstruktion.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Im Jahr 1999 wurde das benachbarte Umwelt-Observatorium Musala (Basic Environmental Observatory, BEO) erneuert. Sie gehört zur Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, dort führen Wissenschaftler astrophysikalische Beobachtungen durch sowie Messungen der Luftverschmutzung und der Weltraumstrahlung.<ref>E. Slavcheva Malamova, I. Angelov, K. Davidkov, J. Stamenov, I. Kirov: First Results Obtained with Wide-Angle Cerenkov Light Telescope BEO p. Mussala. In: Proceedings of the 28th International Cosmic Ray Conference. July 31-August 7, 2003. Trukuba, Japan. Under the auspices of the International Union of Pure and Applied Physics (IUPAP), Vorlage:Bibcode, S. 225 – Informationen über Messungen mithilfe des Tscherenkow-Teleskops in der Astrophysikalischen Station auf dem Musala.</ref>
Der Berggipfel ist bis zu acht Monate im Jahr von Schnee bedeckt. An sehr vielen Tagen umhüllen starke Nebel die Kuppe. Mit einer mittleren Jahresdurchschnittstemperatur von −3 ℃ ist der Musala der kälteste Ort auf dem Balkan. Am 14. Februar 2004 wurde mit −31,8 ℃ eine der niedrigsten Temperaturen in Bulgarien gemessen.<ref>Unwetter in Griechenland und der Türkei am 13. und 14. Februar 2004</ref>
Fauna und Flora
Bemerkenswert ist die reiche Flora und Fauna in den Wäldern an den Hängen des Berges. Sein Gipfel trägt jedoch keine höhere Vegetation. Beispielsweise sind hier die Rumelische Kiefer und die Bulgarische Tanne (Abies borisii-regis) heimisch. Von den Vögeln ist häufig der Mauerläufer zu beobachten.
Besteigungen
Der erste historisch dokumentierte Besteiger des Berges war König Philipp V. von Makedonien. Der Musala ist am einfachsten vom zehn Kilometer nördlich gelegenen Ort Borowez zu erreichen. Von dort gibt es seit den 1970er-Jahren auch eine Gondelbahn bis zur Berghütte Jastrebez auf einer Höhe von 2369 Meter. In einer Stunde ist die Musalahütte auf 2430 m erreichbar. Über die Everest-Schulter gelangen die Bergsteiger dann in rund ein bis zwei Stunden auf den Gipfel. Die Besteigung erfordert keine besondere Hochgebirgserfahrung und keine besondere Kletterausrüstung.
Namensverwendung
Eine in Bulgarien führende Software-Servicefirma aus Sofia nennt sich Musala Soft.<ref>Homepage von Musala-soft</ref>
Auf der Insel Greenwich Island der Südlichen Shetlandinseln in der Antarktis gibt es den Mussala-Gletscher, der nach diesem bulgarischen Berg benannt ist.<ref>Composite Gazetteer of Antarctica: Musala Glacier (abgerufen am 26. August 2010).</ref>
In der herzegowinischen Stadt Mostar gibt es eine Brücke über den Fluss Neretva, die den Namen Musala trägt. Sie stammte aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1992 während des Bürgerkriegs in Bosnien-Herzegowina zerstört. Im Jahr 2000 wurde die in modernen Formen wieder aufgebaute Brücke eingeweiht.<ref>Zusammenfassung von der 3. Internationalen Konferenz über Brücken; abgerufen am 16. Februar 2010</ref><ref>Vorlage:Webarchiv</ref>
Galerie
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Musala Anfang des 20. Jahrhunderts
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Touristen auf dem Gipfel im Jahr 1940
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Die alte Berghütte Musala im Jahr 1969, abgebrannt 1988
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Die neue Berghütte Musala
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Blick vom Gipfel in Richtung der Bergseen
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Blick Richtung Piringebirge vom Gipfel
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Das Quellgebiet des Flusses Mariza vom Gipfel aus gesehen.
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Die Bergseen am Fuße des Gipfels
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Der Gipfel aus südlicher Richtung
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Triangulationssäule auf dem Gipfel
Literatur
- Heft „Alpin“ Nummer 5 (2001) – Alles über den Musala
- Carl McKeating, Rachel Crolla: Europe’s High Points, Cicerone Taschenbuch, 2009<ref>Seite aus dem Buch Europe’s High Points mit Kurzangaben zum Musala</ref>
Weblinks
- Internetseite der wissenschaftlichen Station auf dem Gipfel
- Videosequenz vom Berg Musala auf youtube, 44 s
- aktuelle Werte der Wetterstation auf dem Gipfel („Mussala“ in der Liste anklicken)
Einzelnachweise
<references> <ref name="peakbagger">Musala auf peakbagger, abgerufen am 3. August 2020</ref>
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