Muspellsheim
Muspellsheim, auch Muspell (altnordisch Muspellr, Muspellzheimr „Welt des Muspell“), ist in der Schöpfungsgeschichte der nordischen Mythologie ein feuriges Gebiet, das im Süden liegt und den Gegenpol zum eisigen und dunklen Niflheim im Norden bildet.
In der Vorzeit schmolz die Wärme Muspellsheims das Eis Niflheims im Ginnungagap, woraus sich der Riese Ymir, das erste Wesen der Welt, bildete.<ref>Snorri Sturluson: Prosa-Edda, Gylfaginning. Kapitel 4 f. (Zitation der Prosa-Edda nach Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-15-000782-2)</ref> Alle Himmelskörper, Sonne, Mond und Sterne, entstanden aus den umherfliegenden Funken Muspellsheims, welche die Götter am Himmel befestigten.<ref>Snorri Sturluson: Prosa-Edda, Gylfaginning. Kapitel 8 und 11</ref>
Muspellsheim als Gegend ist nur bei Snorri Sturluson in der Prosa-Edda überliefert.<ref>Snorri Sturluson: Prosa-Edda, Gylfaginning. Kapitel 5, 8 und 11 als Muspellsheim und Kapitel 4, vielleicht auch 51 als Muspell</ref> Wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine volkstümliche Vorstellung, sondern um eine Eigenschöpfung Snorris. Der zugrunde liegende kontinentalgermanische Begriff, der in etwa „Weltuntergang (durch Feuer)“ bedeutet, wurde offenbar in nordischer Zeit umgedeutet und als Riese Muspell personifiziert, den Snorri mit dem Feuerriesen Surtr gleichsetzte<ref>Vergleiche Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 290 f.</ref> und dessen Aufenthaltsort er nach Muspell Muspellsheim benannte.
Eine weitere Umdeutung erfährt in Snorris Kosmogonie auch die Konnotation von Muspell, in dessen Wortsinn das Verderben durch Feuer mitschwingt. Die wandelt sich bei ihm in etwas Positives (eine Welt der Wärme und des Lichts), vermutlich gemäß einer nördlichen Vorstellung, wonach der Süden eine Welt des Heils ist.<ref>Vergleiche Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. 2. Auflage. Verlag de Gruyter, Berlin – New York 1957, § 580</ref>
Literatur
- Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.
Einzelnachweise
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