Mutunus Tutunus
Mutunus Tutunus oder Mutinus Titinus war eine römische Gottheit, der mit dem Hochzeitsritus der Confarreatio verknüpft war. Er scheint ithyphallisch oder als Phallus dargestellt worden zu sein und entsprach insofern dem Priapos der griechischen Mythologie. Vermutlich war aber sein Kultbild keine menschliche Gestalt oder Herme, sondern ein Phallus mit ausgeprägten Hoden. Man hat vermutet, dass das Fascinum zu Mutunus Tutunus in ähnlicher Beziehung steht wie die Herme zu Merkur.
Auf sein Kultbild soll sich christlichen Autoren zufolge die Braut im Laufe der Hochzeitszeremonien gesetzt haben, damit der Gott sie defloriere. Insbesondere die Größe des Phallus wird ausgemalt. So steht bei Augustinus:
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Wie vieles aus diesen polemischen Berichten<ref>Arnobius der Ältere: disputationum adversus gentes 4,7</ref><ref>Tertullian: apologeticum 25,3</ref><ref>Lactantius: divinae institutiones 1,20,36</ref> tatsächlich auf Varro zurückgeht, ist schwer zu entscheiden.<ref>Varro: antiquitates rerum divinarum fr. 151b Cardauns</ref>
Unsicher ist auch, ob tatsächlich ein Doppelname vorliegt, da Varro von einem Mutunus vel („oder“) Tutunus, die christlichen Autoren dagegen von Mutunus et („und“) Tutunus schreiben, d. h., dass eigentlich Mutunus und Tutunus zwei überlieferte Namensformen des Gottes sind, worüber schon zu Varros Zeit Unklarheit bestand. Möglicherweise hängt der Name Mutunus zusammen mit mutto, mit der Bedeutung „Penis“ bezeugt und muttonium, der Bezeichnung für ein phallisches Amulett.
Nach Festus gab es ein Heiligtum des Mutunus Tutunus auf der Velia, das von römischen Damen allein aufgesucht wurde, wobei sie eine toga praetexta, ein eigentlich hochgestellten Personen und Priestern vorbehaltenes Zeremonialkleidungsstück trugen, woraus man schließen kann, dass es sich um Vertreterinnen eines patrizischen Priestertums handelte.
Eine andere mögliche Deutung hängt wiederum mit den Hochzeitsbräuchen zusammen: Nicht nur Priester und Würdenträger trugen die Toga mit dem Purpurstreifen, sondern auch Knaben bis zum Tag ihrer Mannwerdung und dem Anlegen der toga virilis. Für Mädchen war der entsprechende Tag der Hochzeitstag, an dem sie ihre Kinderkleidung ablegten und verschleiert (capite velato) in der toga praetexta ein Opfer darbrachten, möglicherweise eben im Heiligtum des Mutunus Tutunus, wo denn auch die oben beschriebene symbolische Defloration hätte stattfinden können, das kann man aber wegen des Zustands des überlieferten Textes nicht mehr genau sagen.
Unklar ist auch das Schicksal des Heiligtums: Dieser altehrwürdige Schrein scheint von Gnaeus Domitius Calvinus niedergerissen und an dessen Stelle eine Badeanlage errichtet worden zu sein, sicherlich nicht ohne Zustimmung des Augustus, dessen getreuer Anhänger Domitius Calvinus war. Die Stelle bei Festus ist stark verdorben und der bei Paulus Diaconus überlieferte Auszug nur sehr kurz.<ref>Festus 142,20–30; Paulus Diaconus epitome 143,10f. L.</ref>
Literatur
- Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer. C.H. Beck, München 1902; 2. Aufl. 1912, davon Nachdruck 1971, ISBN 3-406-03406-3
- Ingemar König: Vita romana. WBG, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17950-1, S. 35f
- Kurt Latte: Römische Religionsgeschichte. 2. Aufl. (1967), Beck, München (Handbuch der Altertumswissenschaft, Abt. 5, Teil 4), ISBN 3-406-01374-0.
- {{ #if:C. Robert Phillips|C. Robert Phillips: |}}{{ #if:Mutunus Tutunus|Mutunus Tutunus|Mutunus Tutunus }}. In: {{#if:Vorlage:Str match|{{#switch: 8
| Suppl. 1 = Walter Eder, Johannes Renger (Hrsg.): Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien | Suppl. 2 = Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon | Suppl. 3 = Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak (Hrsg.): Historischer Atlas der antiken Welt | Suppl. 4 = Manfred Landfester, Brigitte Egger (Hrsg.): Register zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. Register zu den Bänden 13–15/3 des Neuen Pauly | Suppl. 5 = Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart | Suppl. 6 = Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon | Suppl. 7 = Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon | Suppl. 8 = Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik | Suppl. 9 = Manfred Landfester (Hrsg.): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption | Suppl. 10 = Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch | Suppl. 11 = Falko Daim (Hrsg.): Byzanz. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch | Suppl. 12 = Leonhard Burckhardt, Michael A. Speidel (Hrsg.): Militärgeschichte der griechisch-römischen Antike. Lexikon | Suppl. 13 = Joachim Jacob, Johannes Süßmann (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Lexikon zur Antikerezeption in Aufklärung und Klassizismus | Suppl. 14 = Konrad Vössing, Matthias Becher, Jan Bemmann (Hrsg.): Die Germanen und das Römische Reich. Historisch-archäologisches Lexikon }} (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band {{#invoke:Str|cropleft|8|7}}). Metzler, Stuttgart/Weimar|Der Neue Pauly (DNP). {{#if:8|Band 8,|}} Metzler, Stuttgart}} {{#switch: 8 | 1 = 1996 | 2 = 1997 | 3 = 1997 | 4 = 1998 | 5 = 1998 | 6 = 1999 | 7 = 1999 | 8 = 2000 | 9 = 2000 | 10 = 2001 | 11 = 2001 | 12/1 = 2002 | 12/2 = 2002 | 13 = 1999 | 14 = 2000 | 15/1 = 2001 | 15/2 = 2002 | 15/3 = 2003 | 16 = 2003 | Suppl. 1 = 2004 | Suppl. 2 = 2007 | Suppl. 3 = 2007 | Suppl. 4 = 2005 | Suppl. 5 = 2008 | Suppl. 6 = 2012 | Suppl. 7 = 2010 | Suppl. 8 = 2013 | Suppl. 9 = 2014 | Suppl. 10 = 2015 | Suppl. 11 = 2016 | Suppl. 12 = 2022 | Suppl. 13 = 2018 | Suppl. 14 = 2023 | #default = 1996–2023 }}, ISBN {{#switch: 8 | 1 = 3-476-01471-1 | 2 = 3-476-01472-X | 3 = 3-476-01473-8 | 4 = 3-476-01474-6 | 5 = 3-476-01475-4 | 6 = 3-476-01476-2 | 7 = 3-476-01477-0 | 8 = 3-476-01478-9 | 9 = 3-476-01479-7 | 10 = 3-476-01480-0 | 11 = 3-476-01481-9 | 12/1 = 3-476-01482-7 | 12/2 = 3-476-01487-8 | 13 = 3-476-01483-5 | 14 = 3-476-01484-3 | 15/1 = 3-476-01485-1 | 15/2 = 3-476-01488-6 | 15/3 = 3-476-01489-4 | 16 = 3-476-01486-X | Suppl. 1 = 3-476-01912-8 | Suppl. 2 = 978-3-476-02030-7 | Suppl. 3 = 978-3-476-02031-4 | Suppl. 4 = 3-476-02051-7 | Suppl. 5 = 978-3-476-02032-1 | Suppl. 6 = 978-3-476-02033-8 | Suppl. 7 = 978-3-476-02034-5 | Suppl. 8 = 978-3-476-02468-8 | Suppl. 9 = 978-3-476-02469-5 | Suppl. 10 = 978-3-476-02470-1 | Suppl. 11 = 978-3-476-02422-0 | Suppl. 12 = 978-3-476-02471-8 | Suppl. 13 = 978-3-476-02472-5 | Suppl. 14 = 978-3-476-02473-2 | #default = 3-476-01470-3 }}{{#if:564|, {{#switch: 8 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 = S. | #default = Sp. }}564{{#if:565|{{#ifexpr: 564 <> 565|–565|}}|}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if:| ({{{6}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:DNP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNP |format=@@@ |1=1=* |2=2=n |3=3=n |4=4=* |5=5=* |6=6=* |7=Fundstelle=*}}{{#if: 8|{{#switch: 8 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12/1 | 12/2 | 13 | 14 | 15/1 | 15/2 | 15/3 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 | Suppl. 6 | Suppl. 7 | Suppl. 8 | Suppl. 9 | Suppl. 10 | Suppl. 11 | Suppl. 12 | Suppl. 13 | Suppl. 14 = | #default = Vorlage:DNP: Ungültige Bandnummer. }}|}}
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />