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Neue Deutsche Todeskunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Entstehungsphase: Ende der 1980er-Jahre

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Herkunftsort: Deutschland

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Stilistische Vorläufer
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Pioniere
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Genretypische Instrumente
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Stilistische Nachfolger

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Regionale Szenen
Bayreuth

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Die Neue Deutsche Todeskunst, kurz NDT, war eine deutschsprachige, stark literarisch geprägte Musikströmung, die sich Ende der 1980er-Jahre im Dark-Wave-Umfeld entwickelte.<ref name="Schilz92">Andrea Schilz: Flyer der Schwarzen Szene Deutschlands: Visualisierungen, Strukturen, Mentalitäten. Waxmann Verlag, 2010, ISBN 3-8309-2097-0, S. 92.
„[…] Ein maßgebliches Zentrum solcher Aktivitäten war das ansonsten im 20. Jahrhundert kaum für Avantgardismen bekannte Bayreuth. Hier formierte sich im letzten Viertel der 1980er-Jahre der Nukleus einer Bewegung, die sich im Laufe der kommenden Dekade zu einer der größten und markantesten Popkulturen Deutschlands entwickeln sollte.“</ref> Einigendes Element des Genres war das Rezitieren von zumeist selbstverfassten Liedtexten unter Hinzunahme eines musikalischen Überbaus. Die Themen wiesen epochale Bezüge auf, bspw. zum Barock, zur Romantik oder zur Literatur der Moderne. Inhaltlich erfolgte häufig eine Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit (d. h. auch dem Vorgang des Sterbens), aber auch Weltschmerz, Religionskritik, Existenzphilosophie, Nihilismus, Surrealismus, soziale Isolation, Nekrophilie und Wahnsinn waren zentrale Themen.

Der Neuen Deutschen Todeskunst wird die Popularisierung der deutschen Sprache innerhalb der Dark-Wave-Bewegung zugesprochen,<ref name="Matzke311">Peter Matzke, Tobias Seeliger: Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-277-6, S. 311.</ref> obgleich es zuvor schon Bands wie Xmal Deutschland, Geisterfahrer oder Malaria! gab, die schwerpunktmäßig deutschsprachige Liedtexte vertonten.

Namensherkunft

Die Genrebezeichnung Neue Deutsche Todeskunst trat erstmals Ende 1991 in Bezug auf die Band Relatives Menschsein in Erscheinung. Als Urheber gilt Horst Braun, einer der Koproduzenten und Toningenieure des Danse-Macabre-Labels, der die Band in einem Label-Info als Neue Deutsche Todeskünstler beworben hatte.<ref name="Kramm220">Bruno Kramm: Danse Macabre – Die Neue Deutsche Todeskunst. In: Peter Matzke, Tobias Seeliger (Hrsg.): Gothic! Die Szene in Deutschland aus der Sicht ihrer Macher. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-332-2, S. 220.</ref> In der Folge griff der Journalist Sven Freuen die Bezeichnung auf, um in der Dezember-Ausgabe des Zillo-Magazins das Erstlingswerk „Moritat“ von Relatives Menschsein zu umschreiben und weitere Interpreten des Stils, wie Das Ich und Goethes Erben, zu kategorisieren.<ref>Sven Freuen: Kassettenbestellmarkt, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 12/91, Dezember 1991, S. 6.</ref>

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Vorrangig wurde die Bezeichnung mit den Künstlern des Danse-Macabre-Labels assoziiert<ref name="Matzke311" /> und von der Plattenfirma selbst sporadisch genutzt – so z. B. im Zusammenhang mit dem Audio-Medium magazinOphon, das zu Beginn des Jahres 1992 als Musiksendung konzipiert auf Tonbandkassette erschien.<ref>MagazinOphon No.1: Studioreport. Interviews. Szenebericht. Plattenbesprechungen. Hörspiel. MCine No.1, 1991.</ref> Eine Vielzahl von Künstlern, wie Goethes Erben<ref>Volkmar Kuhnle: Das Gothic-Lexikon, Imprint Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89602-203-2, S. 117.
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}} (Oswald Henke)</ref> oder Syria,<ref>Mike Litt: Interview mit Syria (alias Christian Dörge), Zillo Musikmagazin, Ausgabe 11/95, November 1995, S. 68.
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}}</ref> konnte sich mit dieser Titulierung, die in der Tradition der Neuen Deutschen Welle, der Neuen Deutschen Post-Avantgarde<ref>Verschiedene Künstler: Neue Deutsche Post-Avantgarde, 1988.</ref> bzw. der Neuen Slowenischen Kunst steht, allerdings nicht anfreunden.<ref name="Kramm220" />

Geschichte

Frühe Ansätze

Nach dem Niedergang der Neuen Deutschen Welle wandten viele Musiker sich der anglo-amerikanischen Musikszene zu.<ref>Günter Sahler: Neue Deutsche Welle – Protokoll einer Entwicklung. Parapluie, 1997</ref> Gruppen wie Malaria!, X-mal Deutschland und Belfegore konzentrierten sich verstärkt auf die Vertonung englischsprachiger Texte. Ausgenommen davon waren Deutschpunk-Bands wie EA80, Razzia und Fliehende Stürme, Post-Punk-Interpreten der zweiten Generation, vgl. Stimmen der Stille, und die Avantgarde-Musik von Künstlern wie Einstürzende Neubauten, Kowalski und Hirsche nicht aufs Sofa (H.N.A.S.), die speziell in der heranwachsenden Independent-Kultur für Aufmerksamkeit sorgten. Aus der Grauzone zwischen Punk, Wave und Avantgarde gingen Gruppen wie Walls Have Ears, Die Erde, Am Tag unter Null, Nagorny Karabach, Toeten alle Lust, Verbrannte Erde und Krankheit der Jugend hervor, die sich bereits einer abstrakten, zu Teilen metaphorisch unterlegten Kunstsprache bedienten.<ref>Kirsten Borchardt: Einstürzende Neubauten. Das Vermächtnis. Hannibal Verlag, 2003, ISBN 3-85445-216-0, S. 203.</ref><ref name="Stücker176-177">Bianca Stücker: Die Funktionalisierung von Technik innerhalb des subkulturellen Kontexts. Europäischer Hochschulverlag, 2013, ISBN 978-3-86741-863-8, S. 176–177.
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Gleichzeitig wuchs in der Punk- und Wave-Szene das Interesse an deutschsprachiger Lyrik. Punk-Fanzines begannen damit, die prosaisch niedergeschriebenen Gedanken, selbstverfassten Gedichte und Geschichten ihrer Leserschaft zu publizieren. Eines dieser Print-Medien war Der Trümmerhaufen, aus dem sich 1987 das bundesweit vertriebene Literaturmagazin Ikarus entwickelte. Viele der darin enthaltenen Texte waren deskriptiver und introspektiver Natur und handelten von Tod, Sinn- und Hoffnungslosigkeit, Kälte, Einsamkeit, Leid und Verzweiflung. Die Bebilderung erfolgte z. B. durch Künstler wie Sabine Döhm, die das Heft mit dark-wave-typischen Motiven und Porträts ausschmückte.<ref>Stefan Schulz-Hardt, Jens Neumann: Editorial. In: Ikarus, Magazin für Kunst und Literatur. Ausgabe 1, Frühling/Sommer 1987, S. 3.</ref><ref>Stefan Schulz-Hardt, Jens Neumann: Autoren und Zeichner. In: Ikarus, Magazin für Kunst und Literatur. Ausgabe 2, Dezember 1987, S. 4.</ref><ref name="Stücker176-177" />

Das neu entfachte Selbstverständnis im Umgang mit deutscher Sprache und Lyrik war im Wesentlichen die Triebkraft für die Entstehung der Neuen Deutschen Todeskunst<ref name="Walther323">Christian Walther: Songtexte und Lyrik in der Gothic-Szene. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel: Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 323.
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}}</ref> und für Gruppen, die aus den Ruinen der kommerzialisierten NDW heraus die deutsche Sprache mithilfe expressionistischer Stilmittel zu rehabilitieren versuchten.<ref>Dirk Hoffmann: Relatives Menschsein, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 2/93, Februar 1993, S. 9.</ref><ref name="Stücker176-177" />

Stilentwicklung

Datei:Dasich.jpg
Das Ich sind neben Goethes Erben die Hauptinitiatoren der NDT.

In den späten 1980er-Jahren<ref name="Schilz92" /> arbeiteten vorrangig Musiker aus dem süddeutschen Raum daran, eine stilistische Bandbreite aus Electro Wave, Neoklassik, Gothic Rock und Cold Wave<ref name="Matzke311" /> mit abstrakten Texten auf poetischer Basis zu verknüpfen<ref name="Stücker83">Bianca Stücker: Die Funktionalisierung von Technik innerhalb des subkulturellen Kontexts. Europäischer Hochschulverlag, 2013, ISBN 978-3-86741-863-8, S. 83.
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}}{{#if: Neue Deutsche Todeskunst bezeichnet ein Subgenre, das zu seiner Blütezeit zwischen Anfang und Mitte der Neunzigerjahre deutsche, häufig gesprochene/rezitierte Texte mit düster-melancholischer Musik verknüpfte. Die Stücke beschäftigen sich mit philosophischen, emotionalen und selbstreflektierenden Themen, sie handeln von Schmerz, Tod und metaphysischen Phänomenen.

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}}</ref> und in einer aufwändigen Bühnenschau darzubieten.<ref>Kirsten Wallraff: Die Gothics. Musik und Tanz. Musik als Kunst. Thomas Tilsner Verlag, Bad Tölz 2001, ISBN 3-933773-09-1, S. 50.
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}}</ref><ref name="Matzke311" /><ref name="Stücker83" /> Inhaltliche und textstrukturelle Bezüge zeigten sich beispielsweise zum Existentialismus,<ref name="Borchardt204">Kirsten Borchardt: Einstürzende Neubauten. Das Vermächtnis. Hannibal Verlag, 2003, ISBN 3-85445-216-0, S. 204.</ref> zum Expressionismus,<ref name="Kusmanow22">Torsten Kusmanow: Interview mit Das Ich. In: PopNoise. Ausgabe 1/91, Frühjahr 1991, S. 22.</ref> zum Symbolismus<ref name="Kusmanow22" /> und zur Schwarzen Romantik sowie zum Surrealismus.

Als Protagonisten der Stilrichtung gelten Das Ich und Goethes Erben,<ref name="Schilz93">Andrea Schilz: Flyer der Schwarzen Szene Deutschlands: Visualisierungen, Strukturen, Mentalitäten. Waxmann Verlag, 2010, ISBN 3-8309-2097-0, S. 93.
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}}</ref> beide stark geprägt durch die Musik und den Expressionismus der Einstürzenden Neubauten.<ref name="Borchardt204" /> Knotenpunkt der Bewegung wurde die fränkische Kulturmetropole Bayreuth, die sich zum Schmelztiegel der NDT, des Danse-Macabre-Labels und des Szene-Clubs Etage (eigtl. Danse Macabre Dancehall) entwickelte.<ref name="Matzke248">Peter Matzke, Tobias Seeliger: Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-277-6, S. 248.
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Zeitgleich traten Relatives Menschsein<ref>Oliver Köble: Relatives Menschsein – Moritat. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 29, September/Oktober 1991, S. 41.
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}}</ref> und Endraum ins Rampenlicht, die zusammen mit Das Ich und Goethes Erben eine „Quadriga“ des noch jungen Genres bildeten.<ref name="Matzke311" />

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Der Schweizer Tilo Wolff wurde zeitweise mit der NDT assoziiert,<ref>Sven Freuen: Zillo Open Air. In: Zillo Musikmagazin. Ausgabe 5/93, Mai 1993, S. 18.
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}}</ref> zuletzt 1993 bezüglich eines Gemeinschaftsprojekts des Schriftstellers Christian Dörge und dessen Werk Lycia, an dem auch Oswald Henke und Bruno Kramm als Gastmusiker und Produzent mitwirkten.<ref>Stefan Faltus: Christian Dörge – Lycia, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 6, Winter 1993, S. 48.
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}}</ref> Im Gegensatz zu den eingangs genannten Interpreten stammte Lacrimosa allerdings nicht aus dem Umfeld des Danse-Macabre-Labels und findet auch in vielen Abhandlungen zur NDT keinerlei Erwähnung.<ref name="Matzke311" /><ref name="Borchardt204" /><ref name="Schilz93" />

Ihre Blütezeit erlebte die Neue Deutsche Todeskunst in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre.<ref name="Stücker83" /> Durch den Erfolg des Albums Die Propheten von Das Ich verlagerten einige NDT-Interpreten ihre Aktivitäten nach Bayreuth.<ref>Im Ich – Interview mit Das Ich. In: Kreuzer, Das Leipziger Stadtmagazin. Verlag Moderne Zeiten Medien, 1995, S. 64.</ref> Clubhits feierte das Genre mit Liedern wie Gottes Tod und Von der Armut von Das Ich,<ref name="Kuhnle133">Volkmar Kuhnle: Das Gothic-Lexikon, Imprint Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89602-203-2, S. 133.</ref> Das Ende, Der Weg, Der Spiegel und später Marionetten und Zinnsoldaten von Goethes Erben, Verflucht und Tempel von Relatives Menschsein,<ref>Peter Matzke, Tobias Seeliger: Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-277-6, S. 357.</ref> Die Stille der Nacht und Regentanz von Endraum sowie Seele in Not von Lacrimosa.

Weitere Interpreten, die im Verlauf dieser ersten Welle vereinzelt Anklang fanden, waren Mental Inquisition, Lore of Asmoday und Silently Down (vgl. Die Erben der Dunkelheit).

Schon 1993 folgte eine zweite Generation von Künstlern, die sich in der seinerzeit noch lebhaften Tape-Szene einen Namen machen konnten, darunter Misantrophe,<ref name="Peller15">Christian Peller: Misantrophe – Der Tod zerfraß die Kindlichkeit. In: Aeterna Musikmagazin. Ausgabe 4, Sommer 1994, S. 15.
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Niedergang

Ab der Mitte der 1990er-Jahre geriet die Neue Deutsche Todeskunst besonders durch die Stiländerung ihrer Hauptvertreter (Goethes Erben, Endraum)<ref name="Welt281">Judith Platz: Neue Deutsche Todeskunst. In: Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun: Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 281.</ref> und die Auflösung des Plattenlabels Danse Macabre in Vergessenheit,<ref name="Kramm220" /> obwohl Künstler wie Law of the Dawn, eXplizit einsam, Adiaphora und Other Day die Musikbewegung in den kommenden Jahren überwiegend im Untergrund weiterführten.<ref>Astan Magazin, 2004
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}}</ref> Relatives Menschsein stellten im August 1993<ref>Zillo Musikmagazin, Kurz-Infos, Ausgabe 7/8/93, Juli/August 1993, S. 6.</ref> die Produktion nachfolgender Alben im Zuge einer Line-Up-Umstellung offiziell ein.<ref>Vertigo Musikmagazin: Danse Macabre Facts & Backgrounds – Herbst 1993, Ausgabe 6, Winter 1993/1994, S. 31.
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}}</ref> Goethes Erben verließen 1994 den eingeschlagenen Pfad mit der Vollendung ihrer Album-Trilogie (vgl. Das Sterben ist ästhetisch bunt, Der Traum an die Erinnerung, Tote Augen sehen Leben) – das Thema Tod trat unmittelbar in den Hintergrund.<ref>Michael Wehmeier: Goethes Erben. Tour-Bericht. In: Entry – Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde. Ausgabe 3/95, Juni/Juli 1995, S. 26.
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Das Ich führten Danse Macabre als Privatunternehmen weiter, nachdem sämtliche Bands und Angestellte infolge finanzieller Schwierigkeiten 1994 entlassen worden waren.<ref name="Kramm220" /> Einen Nachteil stellte überdies die Veröffentlichungspolitik von Das Ich dar. Schon die Terminverschiebung ihres Debüts Die Propheten sorgte bei Fans und Presse gleichermaßen für Unmut. Über die Jahre wurden wiederholt Termine verschoben oder gänzlich verworfen (bspw. für die EP Sonne, Mond und Sterne,<ref name="Asmodo69">Joe Asmodo: Das Ich und seine Identität – Exklusivinterview mit Bruno Kramm. In: Sub Line Magazin. Ausgabe 9/93, September 1993, S. 69.</ref> deren Veröffentlichung wider Erwarten zurückgezogen wurde). Als im Mai 1994 nach einer dreijährigen Veröffentlichungspause die MCD Stigma erschien,<ref>Christian Peller: Das Ich – Stigma, Aeterna Musikmagazin, Ausgabe 4, Sommer 1994, S. 23.
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}}</ref> hatte die Neue Deutsche Todeskunst ihren Zenit längst erreicht.<ref name="Welt281" /> Das Ich konnten seinerzeit vor allem im Ausland zunehmend Erfolge verbuchen.<ref name="Asmodo69" /><ref>Oliver Köble: Das Ich – Staub. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 44, November/Dezember 1994, S. 27.
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}}</ref> Das Genre selbst blieb dort weitgehend unbekannt.

Die INTRO-Mitarbeiterin Judith Platz bemängelte das Fehlen neuer Impulse in der Musik, unter anderem bedingt durch den Verlust ihrer stilprägenden Protagonisten.<ref name="Welt281" /> Zillo-Journalistin und Buchautorin Kirsten Borchardt kritisierte die Hinwendung diverser Interpreten und Nachzügler zu schlagerhaften Kompositionen (vgl. Lacrimosa, Illuminate usw.) – eine Richtung, aus der Bands wie die Einstürzenden Neubauten „deutschsprachige Musik gerade erst mühsam herausgelockt hatten.“<ref name="Borchardt204" /> Auch der Musikjournalist Manfred Thomaser warf jungen Nachwuchsgruppen mangelnde Eigenständigkeit vor. Diese kämen über ein Mittelmaß oft kaum hinaus.<ref name="Thomaser66">Manfred Thomaser: Misantrophe – Der Schädel des Denkers. In: INTRO Musikmagazin. Ausgabe 25, Juni 1995, S. 66.</ref>

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Wenngleich die Neue Deutsche Todeskunst nur einige wenige Künstler hervorbrachte und die Anzahl der Veröffentlichungen überschaubar blieb,<ref name="Welt281" /> prägte sie die Dark-Wave-Bewegung der 1990er-Jahre wesentlich.<ref name="Matzke311" /><ref>Birgit Richard: German Gothic, In: Michael Ahlers, Christoph Jacke: Perspectives on German Popular Music. Routledge/Taylor & Francis Group, London/New York 2016, ISBN 978-1-4724-7962-4, S. 133.
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}}</ref> Bands wie Neuzeit Syndrom, Dorsetshire, Untoten, Sanguis et Cinis und Sopor Aeternus<ref name="Welt281" /> experimentierten stilübergreifend mit den für die NDT üblichen Mitteln sowie deren lyrischen Texten. Selten folgten Interpreten wie Sinnflut oder Schatten Muse nach dem Abebben des Genres, die sich noch Jahre nach der Hochphase der NDT dem Stil verschrieben.

Stilistische Merkmale

Musik

Die Neue Deutsche Todeskunst ist überwiegend (neo-)klassisch inspiriert,<ref name="Matzke311" /> das Klangbild wird meist synthetisch erzeugt,<ref name="Kusmanow23">Torsten Kusmanow: Interview mit Das Ich. In: PopNoise. Ausgabe 1/91, Frühjahr 1991, S. 23.
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}} (Bruno Kramm)</ref> aber auch durch klassisches Instrumentarium ergänzt. Es kommen sowohl elektronische als auch chordophone Instrumente zum Einsatz. Üblich ist der Gebrauch von Synthesizern, z. B. elektronisch generierten Streichern (vgl. Violine und Cello),<ref name="Welt281" /> und Sequenzern zur Erstellung und Wiedergabe einer programmierten, zumeist den Rhythmus begleitenden Grundmelodie, sowie perkussiven Elementen (vgl. Drumcomputer und elektronisches Schlagwerk, bspw. in Form einer Marschtrommel oder von Idiophonen wie Becken, Schellenring und Glockenspiel, die auf dem Synthesizer bereits als Preset gespeichert wurden und zum Abruf bereitstehen). Weit verbreitet ist darüber hinaus der Einsatz von Samples, wie etwa Umweltgeräuschen, aber auch unkonventionellen Klangerzeugern (vgl. Spieluhr und Totenglocke). Als Basis-Instrument ebenso häufig anzutreffen ist das Klavier (vgl. Das Ich – Jericho / Goethes Erben – Abseits des Lichtes) – unter anderem für die Realisierung balladesker Stücke und den Aufbau einer elegischen Grundstimmung.<ref>Oliver Köble: Goethes Erben – Das Sterben ist ästhetisch bunt. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 32, März/April 1992, S. 40.</ref>

Neben der Vielzahl von Einflüssen aus Electro Wave und Neoklassik werden die Kompositionen gelegentlich um den Einsatz von E-Gitarre und E-Bass erweitert. Dieser erfolgt oft subtil mit einfachen Akkordfolgen oder Einzelnotenspiel und entspricht post-punk-/gothic-rock-artigen Klangschemata (vgl. Relatives Menschsein – Androiden / Endraum – Die Stille der Nacht).<ref name="Welt281" />

Die Verwendung atonaler, avantgardistischer Elemente, insbesondere von Lärm- und Maschinengeräuschen, dient zuweilen der Übermittlung eines themenbezogenen Stimmungsbildes (vgl. Misantrophe – In Zeit und Raum).

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Das Konträre zwischen Geräusch und Harmonie ist auch das, was von den Neubauten aufgegriffen wurde. Sie haben das Geräusch verwendet, um Harmonien zu zerstören und damit vielleicht einen neuen Musikgedanken oder eine neue Musikkultur zu erschaffen. Wir wollen diese Dinge eher zueinander stellen, um mehr artikulieren zu können, Musik wirklich bildlich zu machen.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Das Konträre zwischen Geräusch und Harmonie ist auch das, was von den Neubauten aufgegriffen wurde. Sie haben das Geräusch verwendet, um Harmonien zu zerstören und damit vielleicht einen neuen Musikgedanken oder eine neue Musikkultur zu erschaffen. Wir wollen diese Dinge eher zueinander stellen, um mehr artikulieren zu können, Musik wirklich bildlich zu machen.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Das Konträre zwischen Geräusch und Harmonie ist auch das, was von den Neubauten aufgegriffen wurde. Sie haben das Geräusch verwendet, um Harmonien zu zerstören und damit vielleicht einen neuen Musikgedanken oder eine neue Musikkultur zu erschaffen. Wir wollen diese Dinge eher zueinander stellen, um mehr artikulieren zu können, Musik wirklich bildlich zu machen. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Das Konträre zwischen Geräusch und Harmonie ist auch das, was von den Neubauten aufgegriffen wurde. Sie haben das Geräusch verwendet, um Harmonien zu zerstören und damit vielleicht einen neuen Musikgedanken oder eine neue Musikkultur zu erschaffen. Wir wollen diese Dinge eher zueinander stellen, um mehr artikulieren zu können, Musik wirklich bildlich zu machen.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Bruno Kramm, Das Ich, 1993 || <ref name="Asmodo69" /> }}

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Texte

Die Inhalte der NDT lassen sich in mehrere Themenbereiche unterteilen. Dazu gehören morbide Texte über Tod und Zerfall sowie die Deskription sexueller Tabus (vgl. Nekrophilie<ref name="Peller15" />),<ref name="Welt281" /><ref name="Walther324-327">Christian Walther: Songtexte und Lyrik in der Gothic-Szene. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel: Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 324–327.</ref> die Reflexion persönlicher Emotionen und Gemütszustände (Angst, Wut, Trauer, Isolation, Einsamkeit, Melancholie, [Todes-]Sehnsucht, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung, Selbstzweifel, Wahnsinn<ref name="Walther324-327" />), philosophische, oft metaphysische<ref>Dirk Hoffmann: Interview mit Das Ich, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 12/90, Dezember 1990, S. 24.</ref> Gedankenkreise (z. B. bezüglich der Sinnhaftigkeit des Seins),<ref name="Stücker83" /> aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen (insbesondere Gesellschafts- und Religionskritik<ref name="Kusmanow23" /><ref name="Matzke311" />).<ref name="Welt281" />

Markant ist die drastische, mitunter detaillierte Darstellung des Todes, speziell der Vorgang des Sterbens unter Verwendung naturalistischer Wortgebilde und Metaphern, die den Prozess der Verwesung, des Verfaulens, Verhungerns und Verdorrens beschreiben.<ref>Oliver Köble: Goethes Erben – Der Traum an die Erinnerung. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 35, September/Oktober 1992, S. 33.</ref><ref name="Welt281" />

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|[…] Mit schockierender Direktheit zeichnen die rezitierten Worte jene Brutalität auf, die der Tod in all seinen Aspekten mit sich bringt. Dabei wird er in Zusammenhängen dargestellt, die ihn eigentlich als ganz alltägliche Erscheinung auftreten lässt, die zum natürlichen Lauf der Dinge auf dieser Welt gehört.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|[…] Mit schockierender Direktheit zeichnen die rezitierten Worte jene Brutalität auf, die der Tod in all seinen Aspekten mit sich bringt. Dabei wird er in Zusammenhängen dargestellt, die ihn eigentlich als ganz alltägliche Erscheinung auftreten lässt, die zum natürlichen Lauf der Dinge auf dieser Welt gehört.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| […] Mit schockierender Direktheit zeichnen die rezitierten Worte jene Brutalität auf, die der Tod in all seinen Aspekten mit sich bringt. Dabei wird er in Zusammenhängen dargestellt, die ihn eigentlich als ganz alltägliche Erscheinung auftreten lässt, die zum natürlichen Lauf der Dinge auf dieser Welt gehört. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|[…] Mit schockierender Direktheit zeichnen die rezitierten Worte jene Brutalität auf, die der Tod in all seinen Aspekten mit sich bringt. Dabei wird er in Zusammenhängen dargestellt, die ihn eigentlich als ganz alltägliche Erscheinung auftreten lässt, die zum natürlichen Lauf der Dinge auf dieser Welt gehört.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Oliver Köble, „Glasnost Wave Magazin“, 1992 || <ref>Oliver Köble: Goethes Erben – Das Sterben ist ästhetisch bunt. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 32, März/April 1992, S. 40.</ref> }}

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Viele Textschreiber und Rezitatoren der Neuen Deutschen Todeskunst zogen ihre Inspirationen aus den expressionistischen Werken von Georg Trakl, Gottfried Benn, Georg Heym, Walter Hasenclever oder Franz Werfel. Das Stück Von der Armut der NDT-Band Das Ich bedient sich bspw. verstärkt Versatzstücken aus den Gedichten und der Prosa Hasenclevers und Werfels (vgl. „Kriege werden nie Gewalt vernichten“ / „Unsere Mutter Erde hängt am letzten zuckend Nerv“).<ref name="Walther324-327" /> Beachtlichen Einfluss übten außerdem die Vertreter des französischen Symbolismus, besonders Charles Baudelaire (vgl. Les Fleurs du Mal)<ref>Oliver Köble: Interview mit Relatives Menschsein. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 32, März/April 1992, S. 15.</ref><ref name="Walther324-327" /> und Arthur Rimbaud, aber auch Lyriker der deutschen Romantik, wie Novalis,<ref name="Welt281" /> E. T. A. Hoffmann und Ludwig Tieck,<ref name="Walther324-327" /> und Philosophen wie Friedrich Nietzsche<ref name="Walther324-327" /> auf die Liedtextgestaltung aus.

Ferner finden sich Redensarten mit einer sprachlichen Nähe zur Epoche des Barocks, z. B. in Das Ende von Goethes Erben („…hat der Teufel die Schlacht gewonnen“ / „bei lebendigem Leib verfaulen“)<ref>Daniel Cramer: Biblia. Das ist Die gantze H. Schrifft. Verlag Zetzner, Straßburg 1625, S. 261.</ref><ref>Veltlinisch Martyrbüchlein: Das ist, warhaffte außführliche Beschreibung deß oberauß grausamen Mords so an den Kindern Gottes im Veltlin Anno 1620 im Julio verübt worden. 1621, S. 57.</ref> sowie Dichtern der Weimarer Klassik, vgl. Johann Gottfried Herder („Chaos ohne Sinn“).<ref>Johann Gottfried Herder: Werke. Erster Theil. Gedichte. Berlin 1879, S. 208–212.</ref>

In vielen Texten wird eine ablehnende Haltung gegenüber Religion transportiert.<ref name="Matzke311" /> Hierbei stehen besonders abrahamitische Religionen im Fokus der Kritik.<ref name="Kusmanow23" />

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Wogegen wir sprechen, das ist der konfektionierte Glaube, der eigentlich erst die Gefahr bringt: weil er nicht sehr individuell ist, weil er nicht auf den Menschen selber eingeht, weil er jedem Menschen dasselbe Gottesbild aufpropft, sodass dieser Glaube dann ziemlich schnell eine faschistoide Tendenz annimmt und keine anderen Glaubensformen akzeptiert – siehe das Christentum und der Islam, wo es sogar zum Krieg kommen kann und Menschen sinnlos sterben. Das Christentum oder der Islam sind extrem gefährlich. Das Ganze ist erstarrt. Ein Mensch entwickelt sich immer geistig, deswegen kann der Glaube nicht erstarrt und in einem festen Gottesbild da sein. Das ist eine Problematik, die sehr tief greift, vor allem weil sie sehr tief in der Kindheit verwurzelt ist.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Wogegen wir sprechen, das ist der konfektionierte Glaube, der eigentlich erst die Gefahr bringt: weil er nicht sehr individuell ist, weil er nicht auf den Menschen selber eingeht, weil er jedem Menschen dasselbe Gottesbild aufpropft, sodass dieser Glaube dann ziemlich schnell eine faschistoide Tendenz annimmt und keine anderen Glaubensformen akzeptiert – siehe das Christentum und der Islam, wo es sogar zum Krieg kommen kann und Menschen sinnlos sterben. Das Christentum oder der Islam sind extrem gefährlich. Das Ganze ist erstarrt. Ein Mensch entwickelt sich immer geistig, deswegen kann der Glaube nicht erstarrt und in einem festen Gottesbild da sein. Das ist eine Problematik, die sehr tief greift, vor allem weil sie sehr tief in der Kindheit verwurzelt ist.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Wogegen wir sprechen, das ist der konfektionierte Glaube, der eigentlich erst die Gefahr bringt: weil er nicht sehr individuell ist, weil er nicht auf den Menschen selber eingeht, weil er jedem Menschen dasselbe Gottesbild aufpropft, sodass dieser Glaube dann ziemlich schnell eine faschistoide Tendenz annimmt und keine anderen Glaubensformen akzeptiert – siehe das Christentum und der Islam, wo es sogar zum Krieg kommen kann und Menschen sinnlos sterben. Das Christentum oder der Islam sind extrem gefährlich. Das Ganze ist erstarrt. Ein Mensch entwickelt sich immer geistig, deswegen kann der Glaube nicht erstarrt und in einem festen Gottesbild da sein. Das ist eine Problematik, die sehr tief greift, vor allem weil sie sehr tief in der Kindheit verwurzelt ist. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Wogegen wir sprechen, das ist der konfektionierte Glaube, der eigentlich erst die Gefahr bringt: weil er nicht sehr individuell ist, weil er nicht auf den Menschen selber eingeht, weil er jedem Menschen dasselbe Gottesbild aufpropft, sodass dieser Glaube dann ziemlich schnell eine faschistoide Tendenz annimmt und keine anderen Glaubensformen akzeptiert – siehe das Christentum und der Islam, wo es sogar zum Krieg kommen kann und Menschen sinnlos sterben. Das Christentum oder der Islam sind extrem gefährlich. Das Ganze ist erstarrt. Ein Mensch entwickelt sich immer geistig, deswegen kann der Glaube nicht erstarrt und in einem festen Gottesbild da sein. Das ist eine Problematik, die sehr tief greift, vor allem weil sie sehr tief in der Kindheit verwurzelt ist.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Bruno Kramm, Das Ich, 1991 || <ref>Oliver Köble: Interview mit Das Ich. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 26, März/April 1991, S. 15.</ref> }}

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Die Todeskunst: Historische Bezüge

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Hinter der Maske der Schönheit lauert der Tod: barockes Vanitas-Motiv aus dem späten 18. Jahrhundert, das die „Endlichkeit allen Glanzes“ betont.

Im historischen Kontext ist der Ausdruck Todeskunst häufig für die Literatur und die allegorische Kunst aus der Zeit des Barocks und des Mittelalters verwendet worden (vgl. Ars moriendi, Totentanz, Vanitas und Memento mori).<ref name="Schipperges">Heinrich Schipperges: Der Garten der Gesundheit. Medizin im Mittelalter, Artemis Verlag, 1985, ISBN 3-7608-1911-7, S. 56–58.
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}}</ref><ref>Konrad Paul Liessmann: Ruhm, Tod und Unsterblichkeit. Über den Umgang mit der Endlichkeit. Paul Zsolnay Verlag, 2004, ISBN 3-552-05299-2, S. 34.</ref>

Frühe Verwendung im Rahmen deutschsprachiger Lyrik fand er schon 1721 durch Georg Conrad Pregitzer, einen Professor der Universität Tübingen, der sich neben seiner Tätigkeit als Theologe auch für Poesie begeistern konnte:

<poem style="font-style:italic; margin-left:2em;"> Mensch gedenck, du must doch endlich sterben Ach edle Wissenschafft! du bist es doch allein Die auf dem Todten-Bett den letzten Trost muß geben Was man sonst hat erlernt, bleibt auff den Lippen schweben Es ist ein leerer Dunst, ein falschgeborgter Schein Du aber kanst zuletzt, wann alles muß vergehen O edle Todes-Kunst! auch nach dem Tod bestehen.<ref>Georg Conrad Pregitzer: Neues Denckmal der Güte/ Weißheit/ Gerechtigkeit/ Allmacht/ Wahrheit und Allgegenwart des Grossen GOTTes / Auff das Jahr 1721. Oder Fort-gesetzte gott-geheiligte Poesie. Hornung 1721, S. 82.</ref> </poem>

Nach einer Ära der Mitigation des Makabren bzw. der Verdrängung des Todes in der Kunstepoche des Klassizismus bemerkte der Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Gustav René Hocke in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts einen Rekurs auf die Zeit des Barocks:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Diese manieristisch-barocke Todeskunst und -literatur erlebt exakt am Beginn der zeitgenössisch modernen Literatur ihre literarische Wiederauferstehung. Hugo Ball sprach von ‚moderner Nekrophilie‘. Angesichts einer Anatomiezeichnung von Vesalius (1555) schrieb Charles Baudelaire: Geheimnisvolle und abstrakte Schönheit in diesem mageren Gerippe, welchem das Fleisch als Kleid dient. – Die Landkarte zu einer Dichtung über den Menschen.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Diese manieristisch-barocke Todeskunst und -literatur erlebt exakt am Beginn der zeitgenössisch modernen Literatur ihre literarische Wiederauferstehung. Hugo Ball sprach von ‚moderner Nekrophilie‘. Angesichts einer Anatomiezeichnung von Vesalius (1555) schrieb Charles Baudelaire: Geheimnisvolle und abstrakte Schönheit in diesem mageren Gerippe, welchem das Fleisch als Kleid dient. – Die Landkarte zu einer Dichtung über den Menschen.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Diese manieristisch-barocke Todeskunst und -literatur erlebt exakt am Beginn der zeitgenössisch modernen Literatur ihre literarische Wiederauferstehung. Hugo Ball sprach von ‚moderner Nekrophilie‘. Angesichts einer Anatomiezeichnung von Vesalius (1555) schrieb Charles Baudelaire: Geheimnisvolle und abstrakte Schönheit in diesem mageren Gerippe, welchem das Fleisch als Kleid dient. – Die Landkarte zu einer Dichtung über den Menschen. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Diese manieristisch-barocke Todeskunst und -literatur erlebt exakt am Beginn der zeitgenössisch modernen Literatur ihre literarische Wiederauferstehung. Hugo Ball sprach von ‚moderner Nekrophilie‘. Angesichts einer Anatomiezeichnung von Vesalius (1555) schrieb Charles Baudelaire: Geheimnisvolle und abstrakte Schönheit in diesem mageren Gerippe, welchem das Fleisch als Kleid dient. – Die Landkarte zu einer Dichtung über den Menschen.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Gustav René Hocke, „Tod = Abstrakte Schönheit“, 1957 || <ref>Gustav René Hocke: Tod = Abstrakte Schönheit. In: Die Welt als Labyrinth, Manier und Manie in der europäischen Kunst. Beiträge zur Ikonographie und Formgeschichte der europäischen Kunst von 1520 bis 1650 und der Gegenwart. Rowohlt Verlag, Hamburg 1957.</ref> }}

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Neben Charles Baudelaire ist die „weltmüde Todeskunst“<ref name="Delbrück53">Hans Delbrück: Preussische Jahrbücher, Band 131, Verlag Georg Stilke, Berlin 1908, S. 53.</ref> von Maurice Maeterlinck und Georges Rodenbach Gegenstand der Rezeption symbolistischer Literatur.<ref>Berthold Litzmann: Mitteilungen der literarhistorischen Gesellschaft, Friedrich Wilhelm Ruhfus, Bonn 1906, S. 121.</ref><ref name="Delbrück53" /> Die „heimliche Hauptfigur“ in Maeterlincks Theaterstücken ist der Tod, der „die deutlichste Manifestation der Schicksalsmacht im Leben der Menschen darstellt.<ref name="Kolbus36">Anita Kolbus: Maeterlinck, Debussy, Schönberg und andere: Pelléas et Mélisande. Zur musikalischen Rezeption eines symbolistischen Dramas. Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 3-8288-8313-3, S. 36.</ref> Fünf Dramen befassen sich mehrheitlich mit dem Thema (L'intruse, Les Aveugles und Les Sept Princesses, auch als „Todestrilogie“ bezeichnet, sowie L'Intérieur und La Mort de Tintagiles).“<ref name="Kolbus36" />

Laut dem Lyriker Gottfried Benn ergaben sich außerdem Anknüpfungspunkte zwischen dem literarischen Expressionismus à la Georg Heym und dem Barock.<ref>Gustav René Hocke: Manierismus in der Literatur. Zeitgenössische Monstren. Rowohlt Verlag, 1959</ref> Kritiker beanstandeten die „barocke Wucht“<ref name="Benn381">Gottfried Benn, Dieter Wellershoff: Gesammelte Werke in vier Bänden. Autobiographische und vermischte Schriften. Limes Verlag, 1961, S. 381.</ref> in Heyms Werken sowie die „Gräßlichkeit seiner Visionen“<ref name="Benn381" /> – in den Augen Benns „alles Stigmata der kosmischen Entgrenzung und der visionären Ekstase, die man dem Expressionismus zuspricht.“<ref name="Benn381" /> Der Dichter Jakob van Hoddis charakterisierte den zweiteiligen Band Verfall und Triumph seines expressionistischen Mitstreiters Johannes R. Becher gar als „fäkalisches Barock“.<ref>Jakob van Hoddis: Mein Gedicht. Weltende. Die Zeit, Ausgabe 53, 1960, Online-Artikel</ref>

Die Anwendung des Ausdrucks Todeskunst lässt sich bis in die Mitte der 1980er-Jahre verfolgen. So erwähnte der Historiker Heinrich Schipperges in seinen Werken die „Todeskunst mit ihrer barocken Stilistik des Sterbens“<ref name="Schipperges" /> und legte einen Verweis auf die Ars moriendi des Spätmittelalters.<ref name="Schipperges" />

Auch in der Neuen Deutschen Todeskunst finden sich unzählige Bezüge zum Barock, zu dessen Kunst und Ästhetik sowie zu den Lyrikern des Symbolismus und des Expressionismus.<ref name="Kusmanow22" /> Oswald Henke (Goethes Erben) brachte seine Bewunderung für die Zeit des Barocks zum Ausdruck<ref>Diethard Tauschel, Sandra Teschke, Oliver Köble: Ein Spiegel der Seelen – Interview mit Goethes Erben. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 31, Januar/Februar 1992, S. 22.</ref> und trug zu seinen frühen Live-Shows fast ausschließlich barocke Bühnenkleidung.<ref name="Glasnost27">Diethard Tauschel, Sandra Teschke, Oliver Köble: Ein Spiegel der Seelen – Interview mit Goethes Erben. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 31, Januar/Februar 1992, S. 27.</ref> Genauso wie Henke betonte Bruno Kramm (Das Ich) nicht nur inhaltliche und visuelle Affinitäten, sondern erkannte dahinter auch ein weltanschauliches Konzept.<ref name="Glasnost27" />

Endzeitromantik

Im Kontext der NDT trat die Bezeichnung Endzeitromantik in den Mittelpunkt, bspw. in Bezug auf das Album Morgenröte von Endraum.<ref>Zillo Musikmagazin, Kurz-Infos, Ausgabe 12/94, Dezember 1994, S. 4.
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}}</ref> Musiker und Hörerschaft der Neuen Deutschen Todeskunst wurden in den Musikzeitschriften der 1990er als Endzeitromantiker klassifiziert.<ref>Kirsten Wallraff: Die Gothics. Musik und Tanz. Musik als Kunst. Thomas Tilsner Verlag, Bad Tölz 2001, ISBN 3-933773-09-1, S. 16–17.</ref>

Veröffentlichungen mit Schlüsselqualitäten

  • 1993: Rue du Mort: Blut und Ehre
  • 1993: Endraum: Zeitenlicht
  • 1993: Christian Dörge: Lycia
  • 1994: Misantrophe: Der Tod zerfraß die Kindlichkeit …
  • 1995: Adiaphora: Kaltgrau
  • 1996: Sanguis et Cinis: Schicksal
  • 1996: Other Day: Sodium Amnital
  • 1997: eXplizit einsam: Erben des Vergessens
  • 1997: Law of the Dawn: Dämmerung der kalten Schatten
  • 1997: ES: Passion
  • 1998: Leib & Seele: Amada
  • 1999: Sopor AeternusDead Lovers’ Sarabande

Weitere, mit der NDT assoziierte Interpreten sind Lore of Asmoday, Silently Down, Leichenblass, Der hoffnungslose Tänzer, Trauma Syndrom, Illuminate,<ref>Frank Rummeleit: Illuminate – Mut zum Gefühl. In: Zillo Musikmagazin. Ausgabe 6/99, Juni 1999, S. 49.
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}} (Johannes Berthold)</ref> Seelenfeuer, Xrossive, Verlustprinzip und Niemandsvater.

Öffentliche Wahrnehmung

Die Neue Deutsche Todeskunst war lange Zeit umstritten und wurde innerhalb der Dark-Wave-Bewegung stark polarisierend wahrgenommen. Einerseits galt sie als Novum und Träger einer musikkulturellen Aufbruchstimmung in Deutschland, in deren Wirkungskreis besonders eine noch junge Dark-Wave-Gemeinde sozialisiert worden war.<ref name="Schilz93" /> Demgegenüber konnte die NDT bei traditionellen, in der britischen und US-amerikanischen Gothic-Musik verhafteten Szeneanhängern kaum Anklang finden, wurde dort wiederholt als pseudo-intellektuell und „inhaltlich und formal plakativ“ mit einem Hang zur „unfreiwilligen Komik“<ref name="Schilz93" /> abgelehnt. Judith Platz führte als möglichen Grund die auf den Hörer ungewohnt wirkenden, sprachlichen Stilmittel an.

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Kritik wurde auch an den Textinhalten geübt. Dem Vorwurf des sorglosen Umgangs mit Themen wie Selbstmord mussten sich bspw. Goethes Erben stellen.<ref>Diethard Tauschel, Sandra Teschke, Oliver Köble: Ein Spiegel der Seelen – Interview mit Goethes Erben. In: Glasnost Wave-Magazin. Ausgabe 31, Januar/Februar 1992, S. 25.</ref> Nach dem Freitod eines Fans – für den das Lied Keiner weint verantwortlich gemacht wird – wuchs der Druck auf die Band, die sich Mitte der 1990er-Jahre krisengebeutelt in einem Auflösungsprozess befand.<ref>Robert Rosowski: Interview mit Goethes Erben. In: Entry – Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde. Ausgabe April/Mai 1998, S. 46.
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}} (Oswald Henke)</ref>

Mediale Aufmerksamkeit erfuhr die NDT außerhalb der Szene durch den Mordfall von Sondershausen. Das 15-jährige Opfer Sandro Beyer war als glühender Verehrer von Gruppen wie Goethes Erben und Relatives Menschsein bekannt, deren Musik von Sebastian Schauseil, einem der Haupttäter und damaligen Mitglied der Neonazi-Combo Absurd, verspottet wurde.<ref>Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene. Christoph Links Verlag, 2001, ISBN 3-86153-232-8, S. 58/59.</ref><ref name="Billerbeck141–143">Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene. Christoph Links Verlag, 2001, ISBN 3-86153-232-8, S. 141–143.</ref> Nachdem Schauseil und die restlichen Bandmitglieder zunächst versucht hatten, musikalisch in der Schwarzen Szene Fuß zu fassen, entwickelten sie infolge einer privaten Fehde mit Beyer eine starke Antipathie gegen Gothic. Dies äußerte sich durch Beleidigungen und Herabwürdigungen; die Fehde gipfelte im April 1993 schließlich in der Ermordung Sandro Beyers.<ref name="Billerbeck141–143" />

Einzelnachweise

<references />