Ngindo (Volk)
Die Ngindo (auch Njindo oder Magindo) sind eine Ethnie im Südosten Tansanias. Ihre Sprache ist die Bantusprache Ngindo (Kingindo). Ihre Bevölkerungszahl wurde 1987 auf 220.000 geschätzt.<ref>Ethnologue.com zur Sprache Ngindo</ref>
Die Ngindo und die Mwera sind wahrscheinlich erst in jüngerer Zeit aus dem Süden in ihr heutiges Gebiet eingewandert.<ref name=ILIFFE67>John Iliffe: The Organization of the Maji Maji Rebellion, in: The Journal of African History, Vol. 8, No. 3 (1967)</ref> Sie haben traditionell keine zentralisierte politische Ordnung und sind sogenannt „staatslos“.
Im 19. Jahrhundert waren die Ngindo vom ostafrikanischen Sklavenhandel betroffen<ref>Frederick Cooper: Plantation Slavery on the East Coast of Africa, 1977, ISBN 0-300-02041-4 (S. 120)</ref>. Zudem wurden sie von den zentralisierten und kriegerischen Ngoni bedrängt, die infolge der Mfecane in das südliche Hochland Tansanias vordrangen. Der Druck der Ngoni veranlasste die Ngindo und andere Volksgruppen wie die Mwera und Makonde, sich in besser geschützte Gebiete auf den Plateaus zurückzuziehen.<ref>John Iliffe: A Modern History of Tanganyika, African Studies Series 25, Cambridge University Press 1979, ISBN 978-0-521-29611-3 (S. 54–56)</ref> Die Ngindo, die zuvor in weit verstreuten Siedlungen gelebt hatten, mussten sich in den Busch zurückziehen oder in größere Dörfer ziehen. Ihr Siedlungsgebiet verlagerte sich vom Quellgebiet der Flüsse Sasarawa, Luwegu und Mbemkuru weiter nach Osten in die Gegend um Liwale und Madaba.<ref>Jigal Beez: Karawanen und Kurzspeere. Die vorkoloniale Zeit im heutigen Südtansania, Felicitas Becker, Jigal Beez (Hrsg.): Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, 1905-1907, Schlaglichter der Kolonialgeschichte Band 3, 2005, ISBN 978-3-86153-358-0 (S. 20)</ref>
Nach dem Ende der Überfälle von Sklavenjägern und Ngoni wurden die Ngindo in den 1890er Jahren unter der beginnenden deutschen Kolonialherrschaft durch den Verkauf von Kautschuk relativ wohlhabend.<ref>Iliffe 1979 (S. 129–130)</ref> 1905 schlossen sie sich als Erste dem von den Matumbi begonnenen Maji-Maji-Aufstand an.<ref>Iliffe 1979 (S. 172)</ref> Unmittelbarer Grund dafür war die Einführung eines Programms, das Dorfgemeinschaften verpflichtete, gemeinsam Baumwolle für die Kolonialmacht anzubauen.<ref name=ILIFFE67/>
Das Versagen des Maji-Maji-Kultes – dessen Anhänger glaubten, magisches Wasser (maji) würde sie vor Gewehrkugeln schützen – trug wohl dazu bei, dass die Ngindo, wie auch andere Gruppen, nach dem Aufstand ihre traditionelle Religion aufgaben und zum Islam übertraten. Aufgrund der Vernachlässigung der Landwirtschaft während des Aufstandes und der Bevölkerungsverluste im Aufstand und der anschließenden Hungersnot verwilderte ihr Land und wurde Teil des Selous-Wildreservats<ref>Iliffe 1979 (S. 201–202)</ref><ref>Jigal Beez: Die Folgen des Maji-Maji-Krieges, 2005 (Vortrag), {{#switch:
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Quellen
<references/>