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Niklas Frank

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Niklas Frank (* 9. März 1939 in München) ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Bekannt wurde er für seine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit seines Vaters – des Politikers und verurteilten Kriegsverbrechers Hans Frank.

Leben und Wirken

Herkunft und Werdegang

Der Sohn von Hans Frank (1900–1946) und dessen Frau Brigitte (geb. Herbst, 1895–1959) hatte vier Geschwister – zwei Brüder und zwei Schwestern. Sein Vater, im Zweiten Weltkrieg als Generalgouverneur für die von Deutschland besetzten polnischen Gebiete an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt, wurde als „Schlächter von Polen“ bekannt; seine Mutter nannte sich „Königin von Polen“.<ref name="sz">Im Interview: Niklas Frank. Süddeutsche Zeitung Magazin, 14. März 2014, S. 50 ff.</ref> Sein Vater wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1946 zum Tode verurteilt.

Niklas Frank besuchte vom zwölften Lebensjahr bis zum Abitur das Carl-Hunnius-Internat in Wyk auf Föhr. Zu seinen Mitschülern gehörten die beiden Söhne des ebenfalls in Nürnberg gehenkten Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop.<ref name="sz" /> Seine Mutter starb an seinem zwanzigsten Geburtstag. Frank studierte dann Germanistik, Soziologie und Geschichte, wurde Journalist und arbeitete ab 1973 für den deutschen Playboy;<ref name="sz" /> 1979 wechselte er als Reporter zum Wochenmagazin Stern.

Beiträge zur Vergangenheitsbewältigung am Beispiel der eigenen Familie

1987 sorgte Frank mit dem Buch Der Vater. Eine Abrechnung für Aufsehen. Er rekonstruierte das Leben seines Vaters nach langer Recherche, die ihm das ungeheure Ausmaß von dessen Verbrechen klar machten. Das Buch wurde zunächst im Stern als Serie Mein Vater, der Nazimörder veröffentlicht und löste heftige Kontroversen aus, u. a. weil er behauptete, als Jugendlicher zu Fantasien über die Hinrichtung seines Vaters aus Hass auf ihn masturbiert zu haben.<ref name="sz" />

Niklas Frank schreibt dazu:

„Es gibt Väter, die zeugen einen täglich neu. So, wie der meine mich. Ich schlug mich mit ihm herum, ein Leben lang. Erst innerlich. Dann exhibitionierte ich, schrieb einen wüsten Text, ungefiltert durch bürgerlichen Geschmack, genau so ekelhaft, wie deutsche und österreichische Bürger während des ‚Dritten Reiches‘ ihren Verbrechen nachgingen, oder Hitler und seine Verbrecher schützten, stützten, verehrten, liebten – und die große Zeit bis heute nicht vergessen haben. (…) Wenn man seinen Vater verfolgt, wie ich, wenn man in sein Hirn hineinkriecht, wie ich, wenn man seine Feigheiten studiert, und sie wieder findet, wie ich bei mir, wenn man bei den Recherchen sieht, welch Gierzapfen meine Mutter war, wie sie das Generalgouvernement Polen als Supermarkt auffasste, in dem sie als ‚Frau Generalgouverneur‘ die Preise selbst bestimmen konnte, wenn man, wie ich mit ihr, durch die Gettos fuhr und Pelze auflud aus den jüdischen Geschäften, deren Inhaber fälschlicherweise glaubten, durch Brigitte Frank ihr Leben retten zu können, dann kann aus all dem Leid und Hass zwischen den Leichenbergen nur eines entstehen: Die Groteske.“

Als Teil seiner Vergangenheitsbewältigung ließ Frank 1985 den Sarg des NS-Juristen Carl Schmitt kurz vor dessen Beisetzung in der Friedhofskapelle öffnen, da er ihn als leiblichen Vater vermutete und sich dessen durch Augenschein vergewissern wollte.<ref>Reinhard Mehring: Carl Schmitt. Aufstieg und Fall. Eine Biographie. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59224-9, S. 578.</ref>

2005 und 2013 folgten in den Büchern Meine deutsche Mutter und Bruder Norman ebenso schonungslose Auseinandersetzungen mit der eigenen Mutter und dem älteren Bruder.

2015 war Niklas Frank neben Horst Wächter, dem Sohn von Otto Wächter, SS-Gruppenführer und Gouverneur von Krakau, Protagonist in dem Dokumentarfilm What Our Fathers Did: A Nazi Legacy. Für den Film reisten die beiden ehemaligen Jugendfreunde gemeinsam nach Polen und in die Ukraine, wo Frank versuchte, Wächter davon zu überzeugen, die Schuld seines Vaters einzugestehen.<ref>Kritik zu What Our Fathers Did: A Nazi Legacy epdfilm.de, 28. August 2017.</ref>

2016 erschien sein Buch Dunkle Seele – feiges Maul, in dem Frank anhand von Entnazifizierungsakten aus verschiedenen Landesarchiven einen weiteren Blick auf die Schuld der Deutschen und den Umgang mit dieser nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wirft. Frank vertritt darin die These, dass „ein direkter Weg von der missglückten Entnazifizierung in das schwer rechtslastige Verhalten der schweigenden Mehrheit der Deutschen von heute führt“.<ref>Autorengespräch mit Niklas Frank über sein Buch Dunkle Seele, Feiges Maul, buchmarkt.de, 21. Oktober 2016.</ref>

Werke

Schriften

  • Der Vater. Eine Abrechnung. C. Bertelsmann, München 1987; Neuausgabe 2014, ISBN 978-3-00-046307-5.
  • Raubritter. Reichtum aus dem Hinterhalt. Das erschröckliche und geheime Leben der Heckenreiter und Wegelagerer. C. Bertelsmann, München 2002, ISBN 3-570-02157-2; Marixverlag, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-86539-034-9.
  • Meine deutsche Mutter. C. Bertelsmann, München 2005; Neuausgabe 2014, ISBN 978-3-00-045080-8.
  • Bruder Norman! „Mein Vater war ein Naziverbrecher, aber ich liebe ihn“. J.H.W. Dietz, Bonn 2013, ISBN 978-3-8012-0438-9.
  • Dunkle Seele, feiges Maul. Wie absurd, komisch und skandalös sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen. J.H.W. Dietz, Bonn 2016, ISBN 978-3-8012-0405-1.
  • Auf in die Diktatur! Die Auferstehung meines Nazi-Vaters in der deutschen Politik. Ein Wutanfall. J.H.W. Dietz, Bonn 2020, ISBN 978-3-8012-0566-9.
  • Meine Familie und ihr Henker: Der Schlächter von Polen, sein Nürnberger Prozess und das Trauma der Verdrängung. J.H.W. Dietz, Bonn 2021, [1] ISBN 978-3-8012-0610-9.
  • Zum Ausrotten wieder bereit? Wir deutschen Antisemiten – und was uns blüht. J.H.W. Dietz, Bonn 2023, ISBN 978-3-8012-0661-1.

Hörspiel

Rezeption

Literatur

  • Philippe Sands: Die Rattenlinie. Ein Nazi auf der Flucht, Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit. Übersetzung Thomas Bertram. S. Fischer, Frankfurt am Main 2020, ISBN 978-3-10-397443-0, S. 153–156.
  • Stephan Lebert: Jäger der Verlogenheit. Niklas Frank arbeitet sich seit Jahrzehnten an seinem Vater ab, einem der übelsten Verbrecher des Zweiten Weltkriegs. Jetzt hat er in seinem Garten ein sehr ungewöhnliches Mahnmal aufgestellt. In: Die Zeit, Nr. 49, 23. November 2023, S. 20. (Online auf zeit.de, abgerufen am 26. November 2023; Bezahlschranke)

Weblinks

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Einzelnachweise

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