Zum Inhalt springen

Nitrotriazolon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Chemikalie

Nitrotriazolon (kurz NTO) ist eine energetische, heterocyclische Verbindung, die als Komponente in vielen modernen Sicherheitssprengstoffen verwendet wird. Durch Zusatz von Nitrotriazolon kann die Empfindlichkeit von Sprengstoffen beträchtlich verringert werden, ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Nitrotriazolon kann preisgünstig in zwei Schritten hergestellt werden.

Geschichte

NTO wurde erstmals 1905 durch Wilhelm Manchot und R. Noll hergestellt.<ref>W. Manchot, R. Noll: Ueber Derivate des Triazols. In: Justus Liebig's Annalen der Chemie. 343, 1905, S. 1–27, doi:10.1002/jlac.19053430102.</ref>

Gewinnung und Darstellung

NTO lässt sich durch Nitrierung von 1,2,4-Triazol-5-on (TO) mit 65%iger Salpetersäure bei 65–70 °C herstellen. Die Umkristallisation aus Wasser mit Tensiden ergibt die geeignete runde Kornform.

Eigenschaften

NTO bildet farblose Kristalle, die in Wasser, Ethanol, Methanol und Essigsäure löslich sind. In Aceton sowie Ethylacetat ist es schwer löslich.<ref name="echa">Vorlage:Registrierungsdossier</ref> In unpolaren Lösungsmitteln wie Ether, Chloroform und Benzol löst es sich nicht. Die Verbindung kann aus Dimethylsulfoxid oder Methylenchlorid umkristallisiert werden.

NTO kommt in zwei polymorphen Formen vor, wobei die α-Form stabil ist und die β-Form nur durch Umkristallisation gewonnen werden kann.<ref name="Jai Prakash Agrawal">Vorlage:Literatur</ref>

NTO ist eine einbasige schwache Säure. Es bildet mit Silber-Ionen ein hellgelbes Silbersalz, das beim Erhitzen verpufft. Der Wert für die Bildungsenthalpie liegt bei ΔHf = −996 kJ/kg; NTO ist also eine exotherme Verbindung. Die Detonationsgeschwindigkeit bei maximaler Dichte liegt bei etwa 8600 m/s.<ref name="chemringnobel">Chemring Nobel: Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 1. März 2015.</ref> Bei einer Dichte von 1,91 g/cm3 hat es eine Detonationsgeschwindigkeit von 8400 m/s<ref name="eurenco">eurenco: Vorlage:Webarchiv, abgerufen am 1. März 2015.</ref> und ein Detonationsdruck von 294 kbar.<ref name="chemringnobel" />

Verwendung

NTO ergibt mit TNT gießbare Mischungen, die deutlich unempfindlicher sind als vergleichbare RDX-TNT-Mischungen. Im Gemisch mit Thermoplast-Binder wird NTO in Pressladungen für unempfindliche Munition verwendet. Mit NTO können gießbare Sprengstoffe mit günstigen Sicherheitseigenschaften und guten Leistungswerten hergestellt werden.

NTO wird als Bestandteil der Explosivmischungen IMX-101 und IMX-104 zum Beispiel in den amerikanischen 155-mm-Artilleriegeschossen vom Typ M795 verwendet.<ref name="Army">Timothy E. Dawag, Dr. Jacob Morris: Vorlage:Webarchiv. U.S. Army Research, Development and Engineering Command, 15. Mai 2012, abgerufen am 1. März 2015.</ref>

Rechtliche Bestimmungen

Die Herstellung und Verarbeitung von NTO ist in Deutschland ohne Genehmigung nach dem Sprengstoffgesetz verboten.

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />