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Ochsenfeld (Adelschlag)

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Ochsenfeld
Gemeinde Adelschlag
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(777)&title=Ochsenfeld 48° 51′ N, 11° 10′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(777) 48° 50′ 40″ N, 11° 9′ 39″ O
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Höhe: 465 m
Einwohner: 777 (1. Juni 2023)<ref>Adelschlag – aktuelle Einwohnerzahlen. Abgerufen am 6. Juni 2023.</ref>
Eingemeindung: 1. April 1971
Postleitzahl: 85111
Vorwahl: 08421
Datei:Ochsenfeld (01).jpg
Ochsenfeld
Datei:AIMG 1435 Ochsenfeld St Nikolaus mit Teich.jpg
Ochsenfeld, Weiher mit Kirche

Ochsenfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Adelschlag im Landkreis Eichstätt im Regierungsbezirk Oberbayern.

Lage

Das Pfarrdorf liegt südlich von Eichstätt auf der Hochfläche der Südlichen Frankenalb. Straßenverbindungen gibt es über Moritzbrunn zum Gemeindesitz und damit zur Staatsstraße 2035, über Tempelhof nach Eichstätt-Wasserzell sowie nach Biesenhard (Gemeinde Wellheim).

Geschichte

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts gab es hier für rund einhundert Jahre eine erste dauerhafte Siedlung von Germanen, die am Ort unter anderem Eisen verhüttet haben.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archäologie Aktuell 15 (Memento vom 28. September 2010 im Internet Archive)</ref> Ein seltenes Fundstück aus dieser Epoche ist ein aus dem Mittelfuß eines Pferdes gefertigter, mit Bohrungen für die Bindung versehener Schlittschuh.<ref>Eichstätter Kurier vom 15. April 1998.</ref> Aus Ochsenfeld stammt auch eine um 1450 entstandene, noch voll bespielbare, gebogene Gamshornflöte aus rötlichem Ton mit vier Flötenlöchern.<ref>Bedal, S. 54.</ref>

Im Pappenheimer Urbar von 1214 ist Ochsenfeld erstmals urkundlich erwähnt; das Rodungsdorf aus 17 etwa gleich großen Huben mit Pfostenbauten ist um 1200 vom Eichstätter Bischof angelegt worden.<ref>Bedal, S. 52.</ref> Vom Ortsadel findet 1250 eine Stillind von Ochsenfeld als Gattin des Ulrich von Dollnstein Erwähnung; der nicht mehr lokalisierbare Burgstall ist 1525 und zuletzt 1758 erwähnt.<ref>Sammelblatt HV Eichstätt 92/93 (1999/2000), S. 289.</ref> 1305 wurde im Gaimersheimer Vertrag, geschlossen zwischen den Herzögen von Bayern und dem Eichstätter Bischof, „Ochsenueld“ dem Bischof zugesprochen.<ref>C. H. de Lang: Regesta Boicarum Autographa …, Bd. V., München 1836, S. 89.</ref> Der Ort unterstand dem Hofkastenamt Eichstätt; Vogtei, Dorf- und Gemeindeherrschaft übte bis zur Säkularisation das hochstiftische Amt der Landvogtei aus. Auch das Eichstätter Kollegiatstift „Unsere liebe Frau“ und die Malteserkommende Neuburg an der Donau waren hier begütert.<ref>Historischer Atlas, S. 129.</ref>

Nach der Säkularisation wurde Ochsenfeld 1802 toskanisch, 1806 bayerisch. 1808 kam es zur Bildung des Steuerdistrikts Ochsenfeld im Landgericht (später: Landkreis) Eichstätt, dem noch die Fasanerie, Moritzbrunn, das (später abgegangene) äußere und das innere Parkhaus sowie (die ebenfalls abgegangene) Einsiedelei Wittmes eingegliedert waren.<ref>Historischer Atlas, S. 197.</ref> Das 18. und 19. Jahrhundert veränderte das ursprünglich sehr regelmäßig in West-Ost-Richtung um einen Anger angelegte Dorf durch neue Hausstellen.<ref>Bedal, S. 52.</ref>

Im 19. Jahrhundert entstand beim Bau der Bahnstrecke München–Treuchtlingen an deren Kreuzung mit der Landstraße nach Pietenfeld die Einöde Waldhütte als Kantine.<ref>Leonhard Bergsteiner: Eisenbahnen im Altmühltal. Verlag Kenning, Nordhorn 1989, ISBN 3-9800952-7-4, S. 90.</ref>

1959 wurde die Flur bereinigt. 1966 wurde ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Am 1. April 1971 wurde Ochsenfeld nach Adelschlag eingemeindet.<ref></ref>

Ein 1986 in der Ortsmitte am Dorfweiher, der „“, abgerissenes und archäologisch untersuchtes Bauernhaus von 1455, ein Ständerbau in Fachwerkbauweise,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Mitteilungen der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte, Nr. 42, 1986</ref> ist im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim wiederaufgebaut. 1983 bestand das Dorf mit 593 Einwohnern aus elf landwirtschaftlichen Vollerwerbs- und 23 Nebenerwerbsbetrieben.<ref>Der Eichstätter Raum, S. 257.</ref> In einer 2001 geschlossenen Bankfiliale wurde 2003, zwei Jahre nach der Schließung des letzten Dorfladens, wieder ein neuer eröffnet.

Einwohnerentwicklung

Jahr/Datum Einwohner
1741 252
1801 37 Familien
1830 214
1885 292
1912 307
1938 390
1950 517
1961 522
1970 519
1973 512
1983 593
2007 613
2011 700
2021 731
Datei:Ochsenfeld 0 (2).JPG
Barockes Inneres der Ochsenfelder Kirche
Datei:Ochsenfeld05.JPG
Sakramentsnische in der Ochsenfelder Kirche

Baudenkmäler

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Ochsenfeld

Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus

Die Kirche entstand als typische Chorturmkirche in der Spätgotik 1486 unter dem Eichstätter Bischof Wilhelm von Reichenau, dessen Wappen im Chorraum am Fuß der 1,20 m hohen Sakramentsnische aus Kalkstein zu finden ist.<ref>Held, S. 18.</ref> Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche beschädigt und ausgeplündert, die Wiederherstellung erfolgte 1651. Im 18. Jahrhundert barockisierte man das Innere und veränderte die Fenster. 1871 wurde das Langhaus nach Westen verlängert. 1883 erhöhte man das Chorgewölbe und baute eine Sakristei an.<ref name=autogenerated1>Zecherle, S. 86.</ref> Der viergeschossige Kirchturm im Osten mit seinem Satteldach zwischen Treppengiebeln ist im Untergeschoss noch spätgotisch und wurde 1913 erhöht. In ihm hängen drei Glocken von 1950 und als kleinste eine 1913 gegossene Sterbeglocke.

Die Sakramentsnische wurde um 1600 mit Wandmalereien umgeben. „Mehrere gute Holzschnitzwerke“<ref name=autogenerated1 /> stammen aus der Spätgotik; fünf stehen in Nischen des neugotischen Hauptaltars von 1883: hl. Nikolaus, hl. Willibald, hl. Walburga, eine Bischofsfigur und hl. Jakobus der Ältere. Auf den Seitenaltären von 1728<ref>Mader, S. 251.</ref> sieht man rechts eine spätgotische Figur der hl. Katharina, links eine Madonna, beide um 1500. Ein barockes Kunstwerk sind die Rosenkranzmadonna über dem Chorbogen (um 1700, vielleicht vom Eichstätter Bildhauer Christian Handschuher)<ref>Mader, S. 253.</ref> und vier Büsten von Kirchenvätern (1720–1730) neben den Seitenaltären. Die drei Deckengemälde im alten Teil des Langhauses haben Stuckrahmenwerk und stammen aus der Frühzeit des 18. Jahrhunderts.<ref>Mader, S. 252.</ref> Die Orgel (681 Pfeifen) stammt von 1996 von der Orgelbaufirma Sandtner in Dillingen. Die Weihnachtskrippe von 1998 besteht aus teilweise älteren Südtiroler Figuren.

1985 wurde die Kirche innen und außen renoviert. Der neben der Kirche stehende zweigeschossige Pfarrhof mit Mansarddach ist ein Bau von 1798,<ref>Mader, S. 254.</ref> errichtet von Domenico Maria Salle.<ref>Cesare Santi: Domenico Maria Sala. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 21. Februar 2011, abgerufen am 7. Juni 2019.</ref> Im Pfarrgarten wurde 1983 ein Pfarr- und Jugendheim erbaut.<ref>Der Eichstätter Raum, S. 257.</ref>

Der pfarrliche Kindergarten St. Nikolaus wird seit 1990 betrieben. An der Straße nach Moritzbrunn steht eine Wegkapelle mit einer Marien-Ikone. Zwischen Ochsenfeld und Tempelhof steht das 1996 restaurierte Flurkreuz „Reichertkreuz“. Zur Pfarrei gehört auch das 3 km entfernte Biesenhard mit der Kirche St. Johannes der Täufer und 271 Katholiken im Jahr 2007.<ref>Schematismus der Diözese Eichstätt 2007, S. 100.</ref>

Literatur

  • M. Bacherler: Die Flurnamen der Gemeinde Ochsenfeld. In: Heimgarten, Beilage der Eichstätter Volkszeitung, 1925, Nr. 34f.
  • Felix Mader (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken. II Bezirksamt Eichstätt. München: R. Oldenbourg Verlag 1928 (Nachdruck München, Wien 1982), S. 251–254
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Franken Reihe I Heft 6: Eichstätt, München 1959. Siehe<ref>Historischer Atlas von Bayern – Trefferliste</ref>
  • Ochsenfeld. In: Karl Zecherle: Kirchen und Klöster im Kreis Eichstätt. Eichstätt: Landkreis Eichstätt 1983, S. 86f.
  • Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart. Eichstätt: Sparkasse 1984, S. 163
  • Der Knochen-Schlittschuh des Ur-Ochsenfelders. In: Eichstätter Kurier vom 15. April 1998
  • Konrad Held: Dorfbild von seltener Schönheit. Der Bauernpatron St. Nikolaus ist Schutzheiliger von Ochsenfeld. In: Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 35 vom 1. September 2002, S. 18
  • Thomas Fischer: Ausgrabungen im Bereich eines mittelalterlich-neuzeitlichen Bauernhauses in Ochsenfeld, Gde. Adelschlag, Lkr. Eichstätt, Obb. In: Mitt. der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte, Nr. 42 (1986)
  • Thomas Fischer: Ausgrabungen im Bereich eines mittelalterlich-neuzeitlichen Bauernhauses in Ochsenfeld, Gde. Adelschlag, Lkr. Eichstätt, Obb. In: Ausgrabungen und Funde in Altbayern 1985/86. Ausstellungskatalog Gäubodenmuseum Straubing (1986), S. 99–101
  • Thomas Fischer: Ausgrabungen im Bereich eines mittelalterlich-neuzeitlichen Bauernhauses in Ochsenfeld, Gde. Adelschlag, Lkr. Eichstätt, Obb. In: Franken unter einem Dach, 9 (1986), S. 70f.
  • Birgit Münz: Die Keramik aus einem Bauernhaus in Ochsenfeld, Lkr. Eichstätt. Bamberg 1991 (Magisterarbeit)
  • Konrad Bedal: Doppelhaus aus Ochsenfeld. In: Das Jura-Haus, 6 (2000/2001), S. 52–62

Persönlichkeiten

  • Bernd Bredendiek, Lyriker, * 1965 in Essen, wohnhaft in Ochsenfeld, siehe<ref>Bernd Bredendiek</ref>

Weblinks

Commons: Ochsenfeld (Adelschlag) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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