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Okonek

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{{#if: behandelt die polnische Stadt. Zu weiteren Bedeutungen siehe Okonek (Begriffsklärung).

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}} Vorlage:Infobox Ort in Polen

Okonek (Vorlage:DeS Ratzebuhr) ist eine Kleinstadt mit Sitz einer Stadt-und-Land-Gemeinde im Powiat Złotowski der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in Hinterpommern, an der Zarne, am östlichen Ende der Stettiner Seenplatte, etwa 15 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Neustettin (Szczecinek) und sechs Kilometer westlich von Landeck in Westpreußen (Lędyczek). Der Fluss Zarne (poln. Czarna), ein Nebenfluss der Küddow (Gwda), fließt durch die Stadt.

Datei:Pommern Kr Neustettin.png
Ratzebuhr südöstlich der Stadt Neustettin auf einer Landkarte von 1905
Datei:Okonek - stacja kolejowa (2013) (33464122006).jpg
Bahnhof
Datei:UM w Okonku - panoramio.jpg
Rathaus
Datei:MOs810, WG 2015 54 Okonecczyzna (Church of Our Lady of Redemption of Slaves in Okonek) (4).JPG
Stadtkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Ratzebuhr
Datei:Wieża Bismarcka, niem. Bismarckturm, obecnie Tecława 01.JPG
Bismarckturm

Geschichte

Der Herzog Barnim IX. von Pommern-Stettin erteilte im Jahre 1554 die Order, im äußersten Südosten seines Herrschaftsgebietes an der Grenze zu Polen ein ihm unterstelltes Amtsdorf anzusiedeln. Für das Jahr 1563 ist überliefert, dass ein Jakob Woyke das Schulzenamt innehatte. Die Marktgerechtigkeit für zwei Jahrmärkte erteilte 1592 der Pommernherzog Johann Friedrich. Fünf Jahre später wurde das Recht auf jährlich drei Märkte erweitert. 1628 hatte sich der Ort zu 45 Bauernhöfen, sechs Katen, zwei Mühlen und einer Schenke entwickelt. Bis auf zwei Höfe brannte alles während des polnisch-schwedischen Krieges 1658 ab. 1663 konnte die als Fachwerkbau errichtete neue Kirche geweiht werden.

Nachdem Pommern 1653 unter brandenburgische Herrschaft gekommen war, unterstand Ratzebuhr administrativ dem Neustettinschen Kreis.

1656 brachen Polen unter dem Anführer Babomoski in die Region ein, wurden jedoch zurückgeschlagen.<ref>Julius Adolph Wilcke: Chronik der Stadt Neustettin – Nach urkundlichen und amtlichen Quellen. Eckstein, Neustettin 1862, S. 35. </ref> Bei dem Einfall der Polen 1658 wurde Ratzebuhr samt der Kirche gänzlich eingeäschert.<ref name="GK"> Kratz (1865), S. 320–321.</ref> 1748 erlitt die Stadt erneut eine Feuersbrunst.<ref name="GK" />

1720 wurde in der Stadt eine damals so bezeichnete Akzisestation (später Finanzamt) eingerichtet. Um den Grenzort gegenüber Polen zu stärken, erhob der preußische König Friedrich II. Ratzebuhr 1754 zur Stadt nach lübischen Recht und veranlasste auswärtige Tuchmacher, sich dort niederzulassen. Während des Siebenjährigen Krieges zogen 1758 russische Truppen plündernd durch die Stadt. In den Jahren 1781 bis 1782 wurde im Rahmen des preußischen Trockenlegungsprogramms das westlich der Stadt gelegene Tiefe Bruch urbar gemacht.

Als nach dem Wiener Kongress 1815 wieder eine Zollgrenze zum russischen Kongresspolen entstand, gerieten die Ratzebuhrer Tuchmacher so sehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass viele von ihnen nach Kongresspolen auswanderten. Erst mit dem 1878 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz konnte sich die Wirtschaft wieder erholen. Neben den noch bestehenden zwei Tuchfabriken (der Familien Adler und Saecker) siedelten sich zwei Sägewerke, eine Ziegelei und eine Möbelfabrik an. 1914 wurde eine Großversandgärtnerei gegründet, die später zu Europas größter Edelweißzüchterei expandierte.

Um 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Ratzebuhr eine Flächengröße von 44,6 km², und im Stadtgebiet standen zusammen 286 bewohnte Wohnhäuser an 18 verschiedenen Wohnorten:<ref name=stuebs /> Vorlage:Mehrspaltige Liste Ratzebuhr gehörte 1945 zum Landkreis Neustettin im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Kurz darauf wurde Ratzebuhr – wie ganz Hinterpommern – seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration vertrieben. Ratzebuhr wurde in Okonek umbenannt.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 Vorlage:0864 <ref name="GK" />
1782 Vorlage:0974 darunter elf Juden<ref name="GK" />
1794 1029 darunter 15 Juden<ref name="GK" />
1812 1060 darunter sechs Katholiken und 47 Juden<ref name="GK" />
1816 1132 darunter zehn Katholiken und 74 Juden<ref name="GK" />
1831 1322 darunter fünf Katholiken und 13 Juden<ref name="GK" />
1843 1579 darunter sechs Katholiken und 78 Juden<ref name="GK" />
1852 1850 darunter sechs Katholiken und 99 Juden<ref name="GK" />
1861 2063 darunter fünf Katholiken und 99 Juden<ref name="GK" />
1875 2248 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 2432 <ref name="MR" />
1905 2192 Stadt an der Zarne, mit einer evangelischen und einer katholischen Kirche, einer Synagoge sowie einem Amtsgericht<ref name="MGaz">Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig/Wien 1908, S. 351 (Zeno.org).</ref>
1925 2611 darunter 23 Katholiken und 30 Juden<ref name=stuebs >Die Stadt Ratzebuhr im ehemaligen Kreis Neustettin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).

</ref>

1933 2960 <ref name="MR" />
1939 2941 <ref name="MR" />

Verkehr

Sehenswürdigkeiten

  • Rathaus Okonek, erbaut 1883
  • Katholische Kirche Unserer Lieben Frau von der Erlösung der Sklaven in Okonek, 1856 im neoromanischer Stil als evangelische Kirche erbaut und am 5. August 1945 katholisch geweiht. Die Ausstattung des Gebäudes ist modern vom Ende der 1970er Jahre. Es ist die einzige dieser Anrufung gewidmete Kirche in Polen.
  • Der Bismarckturm von Ratzebuhr auf dem Tetzlaffsberg (Tecławska Góra) entstand auf Initiative des Vereins der Stadtwerke. Der Grundstein wurde am 1. April 1908 gelegt. Die Eröffnungsfeier fand am 23. August 1908 statt. Vor dem Turm wurde ein 4 Meter hohes Denkmal zum Gedenken an die Gefallenen errichtet. Bis 2019 wurde der Turm für das Mobilfunknetz genutzt.

Persönlichkeiten

  • Hermann Haken (1828–1916), deutscher Politiker, war seit 1857 Kreisrichter in Ratzebuhr

Städtepartnerschaft

Gemeindegliederung

Zur Stadt- und Landgemeinde Okonek gehören außer geschlossenen Ortschaften auch Streusiedlungen.

Geschlossene Ortschaften:

Name deutscher Name (bis 1945)
Borki Barken
Borucino Burzen
Brokęcino Bahrenbusch
Chwalimie Wallachsee
Ciosaniec Hasenfier
Drzewice Hohenholz
Glinki Mokre Naßglienke
Glinki Suche Trockenglienke
Lędyczek Landeck
Łomczewo Lümzow
Lotyń Lottin
Lubniczka Klein Hertzberg
Okonek Ratzebuhr
Pniewo Pinnow
Podgaje Flederborn
Węgorzewo Szczecineckie Vangerow

Verstreute Siedlungen: Anielin (Karolinenhof), Babi Dwór (Babylon), Brzozówka (Birkenhof), Ciosaniec-Bolkowo (Hasenfier), Czersk (Marienwalde), Kruszka (Kruschke), Lubnica (Groß Hertzberg), Lubnicki Młyn, Przybysław (Ewaldshof), Rydzynka (Krügershof), Skoki (Mückenmühle), Wojnówko.

Literatur

  • Ratzebuhr, Stadt, an der Zarne, Kreis Neustettin, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Ratzebuhr (meyersgaz.org).
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 320–321 (Google Books)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 707–711.

Weblinks

Fußnoten

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Złotowski Vorlage:Normdaten