Oropharynxkarzinom
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| C09 | Tonsillenkarzinom |
| C10 | Bösartige Neubildung des Oropharynx |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Das Oropharynxkarzinom (Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:lang“ ist nicht vorhanden. Mundrachenkrebs) ist eine Krebserkrankung im Mundrachen (Pars oralis pharyngis, Oropharynx oder auch Mesopharynx genannt). Zusammen mit dem Hypopharynxkarzinom und dem Nasopharynxkarzinom gehört das Oropharynxkarzinom zu der Gruppe der Rachenkrebse (Pharynxkarzinome), die wiederum zur Klasse der Kopf-Hals-Tumoren gehören. Es handelt sich meist um Plattenepithelkarzinome. Daneben treten noch maligne Lymphome, adenoid-zystische und Adenokarzinome, sowie Mukodermoidkarzinome auf.<ref>N. C. Gellrich u. a.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 14. Juli 2006 im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. 1. Auflage. Tumorzentrum Freiburg, April 2004.</ref>
Oropharynx
Zum Oropharynx zählen die Bereiche ab dem weichen Teil des Gaumens, die Mandeln und der Zungengrund (der Bereich an dem die Zunge angewachsen ist). Am häufigsten sind die Mandeln von der Krebsentstehung betroffen (Tonsillenkarzinom).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 14. Juni 2006 im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.</ref>
Epidemiologie
Die Inzidenz für Oropharynxkarzinome liegt zwischen 0,5 und 2 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dabei erkranken Männer etwa drei- bis viermal so häufig wie Frauen. Die Erkrankung bricht meist zwischen dem sechzigsten und siebzigsten Lebensjahr aus.<ref>M. T. Canto, S. S. Devesa: Oral cavity and pharynx cancer incidence rates in the United States, 1975–1998. In: Oral Oncol. 6/2002, S. 610–617.</ref>
Ätiologie
Bei der Entwicklung eines Oropharynxkarzinom spielen der Lebensstil sowie umwelt- und genetische Faktoren eine große Rolle.<ref name="brennan">J. A. Brennan u. a.: Association between cigarette smoking and mutation of the p53 gene in squamous-cell carcinoma of the head and neck. In: N Engl J Med. 11/1995, S. 712–717.</ref> Die meisten Patienten mit einem Oropharynxkarzinom waren viele Jahre kanzerogenen, das heißt krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt (exponiert). Für Tabakkonsum in Form von Zigaretten, Pfeifentabak und Zigarren besteht eine unmittelbare Dosis-Wirkung-Beziehung. Sie lässt das Risiko für eine Krebserkrankung im Hals- und Rachenraum erheblich ansteigen.<ref>P. A. Newcomb, P. P. Carbone: The health consequences of smoking. In: Cancer Med Clin North Am. 76/1992, S. 305–331.</ref> So konnte bei 85 Prozent der an Kopf-Hals-Krebs erkrankten Patienten ein erhöhter Konsum von Alkohol und Tabak festgestellt werden.<ref>Jaber u. a.: Risk factors for oral epithelial dysplasia – the role of smoking and alcohol. In: Oral Oncol. 35/1999, S. 151–156.</ref>
Speziell Alkoholmissbrauch stellt einen Kofaktor bei der Ausbildung eines Oropharynxkarzinoms dar.<ref>H. Maier u. a.: Chronic alcohol consumption – the key risk factor for pharyngeal cancer. In: Otolaryngology – Head and Neck Surgery. 110/1994, S. 168–173.</ref> Der Wirkungsmechanismus des Alkohols ist dabei noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Modelle werden zurzeit diskutiert: eine Ansammlung der Karzinogene an den Schleimhäuten<ref name="brennan" /> und systemische Effekte des Alkoholmissbrauchs, wie allgemeine Immunschwäche und Schädigung der Leber.<ref>T. M. Perkins, I. Perkins: Chronic alcoholism: a common risk factor in oral cancer and alcoholic cirrhosis. In: Compend Contin Educ Dent. 2001, S. 49–51.</ref> Außerhalb Europas spielt noch der Konsum von Kautabak eine erhebliche Rolle bei der Entstehung von Oropharynxkarzinomen.<ref>D. M. Winn u. a.: Snuff dipping and oral cancer among women in the southern United States. In: N Engl J Med. 304/1981, S. 745–749.</ref>
Ob eine schlechte Mundhygiene oder schlecht sitzende Zahnprothesen bei der Entwicklung eines Oropharynxkarzinoms einen Einfluss haben, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.<ref>B. Singh u. a.: Chromosomal aberrations in patients with head and neck squamous cell carcinoma do not vary based on severity of tobacco/alcohol exposure. In: BMC Genet. 3/2002, S. 22.</ref><ref>W. Thumfart u. a.: Chronic mechanical trauma in the aetiology of oro-pharyngeal carcinoma. In: J Maxillofac Surg. 1978, S. 217–221.</ref>
Offensichtlich besteht auch ein Zusammenhang mit Infektionen mit dem HP-Virus. Eine Fall-Kontroll-Studie fand bei Patienten, die an einem Oropharynxkarzinom erkrankt waren, signifikant gehäuft eine vorausgegangene Infektion mit einem HP-Virus (Typ 16 und andere) im Vergleich zur nicht erkrankten Kontrollgruppe. Der Zusammenhang war unabhängig vom Alkohol- oder Tabakkonsum.<ref>Silke Tribius, Markus Hoffmann: Humane Papillomviren – ein Risikofaktor für Oropharynxkarzinome. In: HIV & more. 2/2013.</ref> Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine HPV-Infektion «hochgradig mit dem Auftreten eines Oropharynxkarzinoms bei Patienten mit oder ohne die bekannten Risikofaktoren von Tabak- oder Alkoholkonsum assoziiert.»<ref>G. D’Souza u. a.: Case–Control Study of Human Papillomavirus and Oropharyngeal Cancer. In: The New England Journal of Medicine. 356/2007, S. 1944–1956.</ref>
Diagnose
Oropharynxkarzinome können häufig schon durch eine Spiegeluntersuchung diagnostiziert werden. In aller Regel erfolgt zusätzlich eine Panendoskopie des gesamten Rachenraums mit Intubationsnarkose. Dem Patienten werden dabei per Biopsie kleine Gewebeproben entnommen, die zur Absicherung der Diagnose feingeweblich untersucht werden.
Für das Tumorstaging und die Therapieplanung werden bildgebende Verfahren, wie Sonographie (Ultraschall), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), eingesetzt. Während die Sonographie einen guten Überblick über einen eventuellen Befall der Lymphknoten verschafft, können mit den beiden anderen bildgebenden Verfahren auch die Tumorausdehnung in die Tiefe bestimmt und eine Infiltration weiterer Strukturen wie z. B. der Halsgefäße beurteilt werden. Zur Untersuchung auf Fernmetastasen wird in der Regel eine Röntgen- oder CT-Aufnahme der Lunge sowie eine Ultraschalluntersuchung der Leber erfolgen. Zum Ausschluss von Tochtergeschwülsten im Knochen kann eine Szintigraphie erfolgen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 28. Mai 2013 im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.</ref>
Ein Oropharynxkarzinom wird nach dem Tumordurchmesser in seiner größten Ausbreitung wie folgt klassifiziert:<ref>M. Bremke: Wertigkeit der geplanten Neck dissection nach primärer Radio-chemotherapie oro- und hypopharyngealer Karzinome im Stadium IV. Dissertation. Philipps-Universität Marburg, 2007. (PDF; 1,1 MB)</ref>
- T1 Tumor 2 cm oder kleiner
- T2 Tumor größer als 2 cm, aber nicht größer als 4 cm
- T3 Tumor größer als 4 cm in seiner größten Ausdehnung
- T4 Tumorinfiltration in umliegende Strukturen, wie beispielsweise Knochen, Halsweichteile oder tiefe Zungenmuskulatur, unabhängig von der Tumorgröße
Weder Diagnosestellung noch -ausschluss sind über eine Blutuntersuchung möglich.
Therapie
Für die Therapie eines Oropharynxkarzinoms ist die Lage des Tumors ausschlaggebend. So werden Karzinome der Tonsillen (Mandeln) in erster Linie operiert. Bei größeren Tumoren erfolgt meist noch eine Strahlentherapie. Bei Gaumen- oder Zungenkarzinomen ist eine hochdosierte Strahlentherapie oft das Mittel der Wahl. Sie erfolgt meist fünfmal pro Woche über einen Zeitraum von sieben Wochen. Die Wirksamkeit der Therapie wird durch eine zusätzliche Chemotherapie noch deutlich gesteigert.<ref>Vorlage:Toter Link/CoreKlinikum Dritter Orden, München Nymphenburg, Rachenkrebs – Behandlung (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden., abgerufen am 28. Dezember 2007</ref>
Für die Behandlung der regionären Lymphknoten werden verschiedene chirurgische Formen der Dissektion und En-bloc-Resektion angewendet.<ref>W. Millesi u. a.: Regionale Diagnostik und Therapie bei Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle und des Oropharynx. In: European Surgery. 30/1998, S. 299–304. Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden.</ref>
Prognose
Die Prognose wird im Wesentlichen vom Metastasierungsverhalten des Tumors bestimmt. Mit entsprechender Behandlung werden folgende durchschnittliche Fünf-Jahre-Überlebensraten erreicht:<ref>J. Pericot u. a.: Survival evaluation of treatment modality in squamous cell carcinoma of the oral cavity and oropharynx. In: J Craniomaxillofac. 2000, S. 49–55.</ref>
- Stadium I: 90 %
- Stadium II: 75 %
- Stadium III: 45 bis 75 %
- Stadium IV: < 35 %
Patienten über 70 Jahre haben meist eine schlechtere Überlebensrate als junge Patienten.<ref>R. K. de Cassia Braga u. a.: Perioperative complications, comorbidities, and survival in oral or oropharyngeal cancer. In: Arch Otolaryngol Head Neck. 129/2003, S. 219–228. PMID 12578453</ref>
Patienten, bei denen HPV im Tumor nachgewiesen wurde, haben nach Operation und Strahlentherapie (zum Teil gleichzeitig Chemotherapie) eine bessere Prognose als ohne HPV-Nachweis im Tumor. Anstelle des Nachweises einer high-risk HPV-DNA kann auch p16 als Surrogatparameter verwendet werden.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- I. Baumann u. a.: Lebensqualität bei Patienten mit Oropharynxkarzinom. In: HNO. 54/2006, S. 376–381, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden..
- M. C. L. Seibolt: Retrospektive Studie zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität nach primär operiertem und adjuvant bestrahltem Oropharynxkarzinom. Dissertation. Universität Tübingen, 2005.
- P. Koivunen u. a.: Incidence and survival in patients with pharyngeal cancer in northern Finland. In: Eur Arch Otorhinolaryngol. 259/2002, S. 543–546.
- M. D. Mignogna u. a.: Costs and effectiveness in the care of patients with oral and pharyngeal cancer: analysis of a paradox. In: Eur J Cancer Prev. 11/2002, S. 205–208.
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