Padenghe sul Garda
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien Padenghe sul Garda ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Provinz Brescia, Region Lombardei.
Geographie
Die Gemeinde liegt etwa 25 km östlich der Provinzhauptstadt Brescia am Westufer des Gardasees auf einer Höhe von Vorlage:Höhe Im Westen wird sie vom Monte Alto (Vorlage:Höhe) überragt. Die Siedlung erstreckt sich zwischen der Burg und dem Gardasee. Während der historische Ortskern auf halber Höhe liegt, befinden sich die Neubaugebiete auch entlang des Ufers und auf den umliegenden Hügeln. Zum fast 27 km² großen Gemeindegebiet gehören die Weiler und Ortsteile Pratello, Castello, Monte, Fabbrica und Chizzoline. Die Gemeinde besitzt keine Fraktion.
Die Nachbargemeinden sind Calvagese della Riviera, Desenzano del Garda, Lonato, Moniga del Garda und Soiano del Lago.
Etymologie
Das Toponym wurde erstmals 1111 als Patingulae erwähnt. Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert taucht auch die Version Pantegulae auf. Nach Dante Olivieri könnte der Name sich aus dem Personennamen Padus ableiten, der sich wiederum an das lateinische Hydronym Padus (=Po) anlehnt. An Padus wurde das Suffix mit germanischen Ursprung -engo angehängt, was eine Zugehörigkeit oder Abstammung festsetzt. Bis 1958 hieß die Gemeinde nur Padenghe.<ref>Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. S. 465.</ref>
Geschichte
Das Gebiet von Padenghe besitzt reichhaltige archäologische Spuren mit prähistorischen Siedlungensresten aus der Bronzezeit, die sich zwischen dem Moorgebiet und der Burg erstrecken. Daneben finden sich zahlreiche Reste römischer Villen aus der Kaiserzeit in San Emiliano, San Cassiano und La Torricella. Funde wie Mosaike, Münzen, Fresken und Thermenanlagen zeugen von einer intensiven römischen Besiedlung. Die römischen Siedlungen, wie die Villen von San Cassiano und San Emiliano, wurden zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. weiterhin genutzt oder als Begräbnisstätten wiederverwendet.
In den Ortsteilen Pratello und Torricella wurden bedeutende Münzfunde aus der Zeit der Ostgoten – von Leo dem Großen. bis Justinian I. – entdeckt. Überlieferungen und Überreste deuten darauf hin, dass bei San Cassiano einer der wichtigsten Häfen am Brescianer Teil des Gardasees lag, bevor sich das Zentrum nach San Emiliano verlagerte. Zu den bedeutendsten Funden zählen eine 1972 entdeckte frühchristliche Nekropole und ein 1994 in San Emiliano gefundener Sarkophag, der die Inschrift „Crux Christi“ sowie Hinweise auf einen „Sünder“ trägt.
Einigen lokalen Überlieferungen zufolge wurde in Padenghe Desiderius, der letzte König der Langobarden, geboren.<ref Name="EB">Padenghe (2). In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 11: S. 264.</ref>
Der alte Ortskern von San Cassiano wurde wahrscheinlich während der Völkerwanderung zerstört, da er in der Schenkungsurkunde von 879 nicht erwähnt wird, mit der Karl der Große den Mönchen von San Zeno Ländereien und Gebäude zwischen Desenzano und Manerba überließ. Der Bau der Burg kann hingegen auf das 10. Jahrhundert datiert werden. Sie diente als Verteidigungsanlage gegen die Einfälle der Ungarn, was aber nicht verhindern konnte, dass Padenghe während der Herrschaftszeit von Berengar I. von den Ungarn zerstört wurde.
Zwischen dem Ende des 11. und dem 14. Jahrhundert war Padenghe Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen zwischen Guelfen und Ghibellinen. Trotz des religiösen Einflusses Veronas kam der Ort 1192 unter die zivile Gerichtsbarkeit von Brescia. Die Burg wurde zu einem strategischen Rückzugsort für die Ghibellinen aus Brescia, die sie 1328 an Cangrande I. della Scala übergaben. Mehrfach wechselte sich die Herrschaft ab und immer wieder wurde der Ort dabei in Mitleidenschaft gezogen. Den Einfällen der Scaliger folgten die Rückeroberungen durch Johann von Böhmen und der durch die Visconti, die zur Abwehr der Scaliger imposante Befestigungsanlagen errichteten. In diesem Klima der Instabilität festigte sich die Verbindung zur Benediktinerabtei von Maguzzano bei Lonato.<ref Name="EB" />
Zwischen dem Ende des 14. und dem 15. Jahrhundert stärkte Padenghe seine Unabhängigkeit und strategische Bedeutung. 1388 wurden die Statuten verfasst, und unter Gian Galeazzo Visconti erhielt der Ort zusammen mit anderen Gemeinden der Westküste eine autonome Gerichtsbarkeit. Ab 1426 kam Padenghe unter die Herrschaft der Republik Venedig und wurde Teil der „Magnifica Patria“. Nach dem Frieden von Lodi war in der Burg dauerhaft eine venezianische Garnison stationiert. Auch in der Folge war die Umgebung immer wieder Schauplatz von Kämpfen, so beispielsweise im Jahr 1440, als Francesco I. Sforza die Truppen des Piccinino vertrieb. Die häufigen Kriege brachten verheerende Seuchen, wie die Pest, mit sich, von denen Orte wie der „Prato dei morti“ (Wiese der Toten) zeugen. Aus dieser Zeit stammt auch die Legende vom Einsiedler Orlandi, der als Einziger die Seuche überlebte, indem er sich als Einsiedler auf dem Land zurückzog. Im Zuge des Großen Venezianerkrieges wurde der Ort mehrmals verwüstet. So 1515 als die kaiserliche Armee Padenghe brandschatzte.
Unter venezianischer Herrschaft entwickelte sich Padenghe zu einem Handelshafen von herausragender Bedeutung und übertraf damit Häfen wie Desenzano an Bekanntheit. Im 16. und 17. Jahrhundert war sein Hafen der wichtigste Umschlagsplatz für den Transport von Salz, Gewürzen und Waren von Venedig nach Brescia, Bergamo und Crema. Ausgestattet mit Zollämtern und Lagerhäusern diente er zudem als strategischer Knotenpunkt für den Transit von Getreide, Soldaten und Munition. Der Hafen spielte damit eine zentrale Rolle als Zollstation für Waren, die in die Lombardei transportiert wurden.<ref Name="EB" />
Zur gleichen Zeit hatte die Burg ihre militärische Funktion verloren. Die Anlage war verfallen, die Mauern lagen in Trümmern, und die Innenräume wurden von den Bewohnern nur noch als Weinkeller genutzt. Mehrere Pestwellen zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert zeichneten den Ort und seine Bewohner ebenso, wie schwere Hungersnöte, Viehsterben und außergewöhnliche Frostperioden, die die auf dem Olivenanbau basierende lokale Wirtschaft in die Knie zwangen. Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wurde Padenghe von Banditentum heimgesucht. 1705 zogen französische Truppen unter Vendôme durch den Ort und während des Österreichischen Erbfolgekriegs standen sich bei San Emiliano piemontesisch-sardische und französisch-spanische Truppen gegenüber.
In den Jahren des Niedergangs der Republik Venedig hatte Padenghe mit schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zugleich erlebte der Ort jedoch eine kulturelle und industrielle Blütezeit. 1781 wurde die Spinnerei „Filatoio Zinelli“ eingeweiht, und 1782 entstand sogar ein Theater im Ortsteil Villa, das der Aufführung geistlicher Werke gewidmet war, wobei Frauen der Zutritt verwehrt war. Nach dem Fall Venedigs blieb Padenghe der Serenissima treu und widersetzte sich den Jakobinern, die 1797 den Zoll abgeschafft hatten. Die Feindseligkeit gegenüber den Revolutionären veranlasste die Bürger 1799 dazu, den Freiheitsbaum zu fällen, um Platz für den österreichischen Adler zu schaffen. Mit der anschließenden Rückkehr Napoleons wurde das Dorf einer äußerst strengen Wehrpflicht unterworfen. Von den Franzosen würde aber das öffentliche Bildungswesen ausgebaut.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlebte Padenghe bedeutende historische Umwälzungen, wobei die Beteiligung der Bevölkerung selbst während des Risorgimento jedoch eher gering blieb. Auch nach der italienischen Einigung war das politische Klima von großem Desinteresse geprägt. Am Ende des Jahrhunderts verteilten sich die wenigen Wähler (nur 45 im Jahr 1899) auf radikale und gemäßigte Kandidaten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Padenghe eine bedeutende Phase des sozialen Aufbruchs. 1912 entstand die Katholische Arbeiterunion und 1913 die Landwirtschaftliche Arbeitergesellschaft. 1916 wurde mit der Aufnahme des ersten regelmäßigen Busdienstes nach Desenzano und Rezzato die Isolation des Ortes endgültig beendet.<ref Name="EB" />
Nach dem Ersten Weltkrieg spitzte sich, wie im übrigen Italien, das politische Klima auch in Padenghe zu. Die Präsenz von Sozialisten, Katholiken und Faschisten – letztere waren seit 1923 organisiert – führte zu heftigen lokalen Auseinandersetzungen, die im Mai 1925 in Gewalttaten gipfelten, bei denen auch Schusswaffen eingesetzt wurden. In der Zwischenkriegszeit kam es aber auch zu einem bedeutenden Ausbau der Infrastruktur und öffentlicher Einrichtungen, wie der Modernisierung der Trinkwasserversorgung, dem Straßenbau, dem Bau eines Kindergartens, eines neuen Schulgebäudes und der Einrichtung einer weiterführenden musischen Schule. 1928 wurde im Zuge der faschistischen Gemeindereform auch die Gemeinden Moniga und Soiano eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg ließen sich in Padenghe nach dem 8. September 1943 mehrere Einrichtungen der faschistischen Italienischen Sozialrepublik nieder. Im Gegensatz zu anderen Nachbarorten blieb Padenghe aber relativ unberührt von den kriegerischen Ereignissen.<ref Name="EB" />
Die Nachkriegszeit war für Padenghe eine Phase tiefgreifender städtebaulicher und touristischer Veränderungen. Ab den 1950er Jahren prägte der Tourismus zunehmend den Ort, was sich im Bau von Ferienhäusern, Campingplätzen, dem städtischen Strandbad und dem touristischen Hafen niederschlug. Im Jahr 1968 wurde die Burg sogar in ein Freilichttheater umgewandelt. Der Boom des Tourismus stieß aber auch auf Grenzen. So wurde 1975 ein Großbauprojekt abgelehnt, der Padenghe zum mit Abstand größten Hafenort am Gardasee verwandelt hätte. In den 1980er Jahren wurden weitere bedeutende infrastrukturelle Maßnahmen umgesetzt, wie dem Bau einer modernen Kläranlage und dem Anschluss der Gemeinde an die Ferngasversorgung.<ref Name="EB" />
Wirtschaft
Die Wirtschaft von Padenghe hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Phasen durchlaufen. Jahrhundertelang galt das Olivenöl als das wertvollste Erzeugnis, verlor jedoch im 18. Jahrhundert aufgrund starker Frostperioden an Bedeutung. An seine Stelle trat der Weinbau, insbesondere in den Gebieten Pratello und Ronchi, der sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur wichtigsten Einnahmequelle entwickelte.
Im 18. Jahrhundert gab es zudem Papierfabriken und Schmieden, und es wurde Torf abgebaut. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Seidenraupenzucht, während im 20. Jahrhundert moderne Mühlen und Ölmühlen entstanden.
Mittlerweile konzentriert sich die Wirtschaft auf modernen Gartenbau, Geflügelzucht und die Kombination aus Weinbau und Agrotourismus. Wirtschaftliche Bedeutung haben aber auch der Schiffsbau sowie die Baumschul- und Blumenzucht.
Besondere Bedeutung kommt dem Tourismus zu. Dieser entwickelte sich in der Nachkriegszeit ausgehend von den Zweitwohnsitzen, die schließlich mehr als die Hälfte der lokalen Unterkünfte ausmachten. In der Folge erlebte die Branche dank der Campingplätze einen Boom. Letztere erstrecken sich über 1,1 Millionen Quadratmeter zwischen San Felice, Manerba und Moniga erstrecken und bieten Platz für 20.000 Personen, eine Zahl, die deutlich über der Bettenzahl in den Hotels liegt.<ref Name="EB" />
Sehenswürdigkeiten
- Castello di Padenghe, die erstmals 1145 erwähnte Burg wurde vermutlich auf einem älteren Vorgängerbau errichtet und in den 1960er Jahren umfassend restauriert.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
- Palazzo Barbieri, in dem im 18. Jahrhundert erbauten Palazzo ist das Rathaus von Padenghe sul Garda untergebracht.
- Pfarrkirche Santa Maria Assunta e Sant’Emiliano im 17. Jahrhundert geweihte Barockkirche.
- San Emiliano, auf einem Moränenhügel unweit der Burg gelegener romanischer Kirchenbau. Die Pieve wurde zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert errichtet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Literatur
- Padenghe (2). In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 11: Om–Pala. La voce del popolo, Brescia 1994, S. 264.
- Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. Garzanti, Mailand 1996, ISBN 88-11-30500-4.
Weblinks
Einzelnachweise
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