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Pallywood

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Pallywood (Kofferwort aus Palestine und Hollywood), später auch Gazawood, ist ein im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt als politisches Schlagwort verwendeter Begriff. Er entstand nach der Tötung von Muhammad al-Durrah im Jahr 2000 während der Zweiten Intifada, als die Echtheit fotografischer Beweise infrage gestellt wurde.<ref>Between the Lines: Caught in the Mohammad al-Dura crossfire. 16. Januar 2011, abgerufen am 11. März 2025.</ref> Der Begriff wird von einigen genutzt, um die Behauptung zu beschreiben, dass Palästinenser gestellte Szenen inszenieren, um israelische Gewalt übertrieben oder verfälscht darzustellen. Kritiker wiederum sehen darin eine Strategie, um die Glaubwürdigkeit palästinensischer Berichterstattung infrage zu stellen und Videos von israelischer Gewalt oder palästinensischem Leid pauschal als Fälschung abzutun.<ref>‘Pallywood propaganda’: Pro-Israeli accounts online accuse Palestinians of staging their suffering. 21. November 2023, abgerufen am 11. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":0">Nikki M. Ramirez: No, Palestinians are Not Faking the Devastation in Gaza. In: RollingStone. 3. November 2023, abgerufen am 19. November 2025.</ref><ref>Michael Carpenter: Palestinian Popular Struggle: Unarmed and Participatory. Routledge, 2018, ISBN 978-1-351-00882-2 (google.de [abgerufen am 11. März 2025]).</ref> Während des Krieges zwischen Israel und der Hamas ab 2023 wurde der Begriff in Debatten genutzt, um Medienberichte aus der Region entweder als Propaganda zu kritisieren oder als Strategie zur Diskreditierung palästinensischer Opfer darzustellen.<ref name=":0" /> Einige Autoren bezeichnen den Begriff als Verschwörungstheorie.<ref>Rebecca L. Stein: Screen Shots. State Violence on Camera in Israel and Palestine. Stanford University Press, Stanford 2021, ISBN 978-1-5036-2803-8, S. 95–99.</ref><ref name=":0" /><ref>AP: Israel-Hamas war: Here are the facts as misinformation spreads. In: AP News. 3. November 2023, abgerufen am 11. März 2025.</ref><ref>Mathieu von Rohr: Die Palästinenser hungern, und Israel startet eine Propagandaoffensive. In: Spiegel. 29. Juli 2025, abgerufen am 19. November 2025.</ref>

Bildungsweise und Entstehung des Ausdrucks „Pallywood“

Pallywood ist ein Kofferwort nach dem Vorbild von Bollywood (= Bombay × Hollywood). Ihr zweiter Bestandteil -llywood ist abgeleitet aus Hollywood, ihr Wortanfang Pa- hingegen aus Palestine „Palästina“ oder auch aus Pally/Pallie, einer umgangssprachlichen, auch ethnophaulistisch gebrauchten Verkleinerungs- und Koseform von Palestinian „Palästinenser“.

Das Wort ist schon 2002 durch einen Usenet-Beitrag belegt.<ref>French Election Upset. rec.arts.sf.fandom, 15. Mai 2002.</ref> Weite Verbreitung erlangte es durch die 2005 online veröffentlichte 18-minütige Dokumentation des US-amerikanischen Historikers und jüdischen Israel-Aktivisten Richard Landes und durch die Verwendung in den Foto-Kontroversen im Libanonkrieg 2006, in denen auch die vergleichsweise seltener verwendete Analogbildung Hizbollywood<ref name="tagesspiegel">Im Zweifel für den Zweifel. In: Der Tagesspiegel. 9. August 2006.</ref> geprägt wurde.

Seit Landes’ Dokumentation veröffentlicht wurde, benutzten die Medien den Ausdruck häufiger.<ref name="Carvajal">Doreen Carvajal: The mysteries and passions of an iconic video frame. In: International Herald Tribune. 7. Februar 2005 (Archiv).</ref><ref>Nidra Poller: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Al-Dura: The Trial. (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive) In: PoliticsCentral. 13. September 2006.</ref><ref name="Cambanis">Thanassis Cambanis: Some Shunning The Palestinian Hard Stance. In: The Boston Globe. 6. September 2005.</ref><ref name="Schmitz">Thorsten Schmitz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Krieg der Bilder. (Memento vom 19. Juni 2006 im Internet Archive) In: Süddeutsche Zeitung. 16. Juni 2006.</ref> Der israelische Nachrichtensender Arutz Sheva behauptete 2006, das Wort „Pallywood“ sei ein üblicher Ausdruck geworden, genauso wie „Infotainment“, um die Medienberichterstattung des arabisch-israelischen Konflikts darzustellen.<ref>"There's Something About Qana," Arutz Sheva (Channel 7), Israel, 3. August 2006.</ref> Das Mackenzie Institute for the Study of Terrorism, Revolution and Propaganda, ein regierungsunabhängiger, kanadischer Thinktank, schrieb 2006, dass unter Beachtung „einer langen Geschichte von Kamera-Inszenierungen […] der zynische Name ‚Pallywood‘ von einst betrogenen Journalisten für die Nachrichtenagenturen der Palästinensischen Autonomiebehörde verständlich wird.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lies, Damned Lies and Footage. (Memento vom 12. August 2007 im Internet Archive) The Mackenzie Institute, Newsletter 6. Juli 2006.</ref>

Der Film von Landes und der Fall al-Durrah

Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:Bamako Avenue Avenue Al Qoods.jpg
Darstellung der ikonischen Szene in der Avenue Al Qoods (Jerusalem) in Mali

Im Film Pallywood und weiteren Videos und Texten erhebt Landes anhand von Filmmaterial, das von palästinensischen Kameraleuten und UAVs der israelischen Armee stammt, den Vorwurf, die Berichterstattung werde von palästinensischer Seite systematisch manipuliert, und westliche Fernsehsender verwendeten palästinensisches Material zu unkritisch. Dies sei schon seit dem Libanonkrieg 1982 zu beobachten.<ref name="video">Richard Landes: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pallywood, According to Palestinian Sources. (Memento vom 5. März 2009 im Internet Archive) (Windows Media Video), SecondDraft.org.</ref> Unter anderem bezieht er sich – als besonders folgenreiches Beispiel – auf den Fall des palästinensischen Jungen Muhammad al-Durrah, über dessen angebliche Tötung in den Armen seines Vaters durch israelische Soldaten im Gazastreifen am 30. September 2000, zu Beginn der Al-Aqsa-Intifada, weltweit berichtet wurde.

Bei dem Fall waren am zweiten Tag der Intifada 2000 an einer Straßenkreuzung südöstlich der damals noch bestehenden jüdischen Siedlung Netzarim mit einem israelischen Wachtposten in Gaza einen Tag lang Fernsehteams in Erwartung konfliktträchtiger Bilder aufgezogen gewesen. Es kam am Nachmittag zu einer Attacke auf den Posten und in dem Zusammenhang auch zu Schusswechseln. Die anschließend gezeigte Krankenhausaufnahme und Beerdigung eines toten Jungen passen allerdings weder zeitlich noch von den Verwundungen her zusammen. Die vom palästinensischen Kameramann Talal Abu Rahme an der Kreuzung gedrehten Aufnahmen wurden von dem israelisch-französischen Journalisten Charles Enderlin mit anderen Aufnahmen zusammengeschnitten, kommentiert und vom französischen Sender France 2 in Kombination am selben Abend ausgestrahlt. Sie hatten scharfe Kritik am Vorgehen der israelischen Streitkräfte zur Folge. Die Bildfolge wurde zur Schulung und Motivation von Selbstmordattentätern verwendet, auf Briefmarken und Wandbildern verwendet. Sie war unter anderem bei einem Video von Osama bin Laden zu sehen und wurde bei der Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl von dessen Mördern im Hintergrund abgespielt.<ref name="jg" />

Richard Landes stellt die Authentizität des Filmmaterials in Frage. Der Vorfall sei von palästinensischer Seite inszeniert worden. Er bezweifelt, dass Muhammad al-Durrah überhaupt erschossen wurde.<ref>James Fallows: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wer erschoss Mohammed al-Dura? (Memento vom 12. November 2005 im Internet Archive) In: Die Weltwoche. Ausgabe 29/03</ref><ref name="Cambanis" /><ref name="SecondDraftDura"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />"Al-Durah: What happened?" (Memento vom 3. April 2007 im Internet Archive), Second Draft.</ref><ref name="DuraPallywood"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Film Focus: HR in Hollywood and 'Pallywood'. (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive) Honestreporting.com.</ref><ref name="Gelernter">David Gelernter: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />When pictures lie. (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive) In: Los Angeles Times. 2005.</ref><ref name="NYTimesFeb05">Photo of Palestinian Boy Kindles Debate in France. In: The New York Times. 7. Februar 2005.</ref> Die entsprechenden Zweifel wurden in anderen Medien ebenso thematisiert, nachdem sich zunächst das israelische Militär verantwortlich bekannt hatte.<ref>Israeli Army Says Palestinians May Have Shot Gaza Boy. In: The New York Times. 28. November 2000.</ref> Die Mordthese wurde zunehmend in Frage gestellt.<ref>Esther Schapira: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Propaganda gegen Israel: Der Fall Mohammed Al Durah und die mediale Inszenierung der Wirklichkeit. (Memento vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) auf: european-forum-on-antisemitism.org, 18. Juni 2008.</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. März 2009Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. März 2009Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Folgen

Am 2. Oktober 2007 erklärte das Büro des israelischen Premierministers Ehud Olmert, die für die zweite Intifada symbolkräftigen Bilder des Jungen mit seinem Vater seien zum Schaden des Staates Israel „offensichtlich inszeniert“ worden. Der palästinensische Kameramann, der die Aufnahmen für France 2 gemacht hatte, blieb bei seiner Darstellung. Eine von einer israelischen Untersuchungskommission durchgeführte Videoanalyse kommt zum Ergebnis, Muhammad al-Durrah könne nicht von israelischen Kugeln getroffen worden sein. Möglicherweise sei er sogar noch am Leben.<ref>Umstrittenes Gaza-Video: Israel weist Schuld an Tod von Zwölfjährigem zurück Der Spiegel, 20. Mai 2013.</ref> Enderlin selbst war nicht vor Ort gewesen.

Der französische Politiker Philippe Karsenty hat zehn Jahre lang Prozesse gegen France 2 und Charles Enderlin über mehrere Instanzen geführt. Dabei wurden weitere Minuten Film aus angeblich etwa 40 Minuten Rohmaterial freigegeben. Laut Karsenty und anderen hebt der vermeintlich tote al-Durrah seine Hand noch nach der Stelle, an der Enderlin vom Tod des Jungen spricht, um nicht von der Sonne geblendet zu werden. Am Boden sei kein Blut zu sehen, und der „Blutfleck“ am Bein stelle sich als rotes Taschentuch heraus.<ref name="jg">Kassenschlager aus Pallywood, von Ulrich W. Sahm, Jungle World Nr. 22, 30. Mai 2013.</ref> In die Auseinandersetzung um die Bilder wurden in der extremen Variante Aspekte der klassischen Ritualmordlegende aufgenommen, von israelischer Seite hingegen unterstellt, die Palästinenser wären für Propagandazwecke bereit, ihre eigenen Kinder zu erschießen.<ref>Who Shot Mohammed al-Dura? The Atlantic, James Fallows 1. Juni 2003.</ref>

2004 erlaubte France 2 drei bekannten Journalisten, Denis Jeambar, Daniel Leconte und Luc Rosenzweig<ref name="Poller2005">Poller 2005</ref>, das Rohmaterial zu sichten.<ref name="Jeambar"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jeambar and Leconte 2005 (Memento vom 7. Februar 2012 im Internet Archive).</ref> Etwa die Hälfte der Aufnahmen bestehe laut Jeambar und Leconte in vorgeblichen Verletzungen und Tot-Umfallen von kriegsspielenden jungen Palästinensern vor der Kamera, die danach wieder munter aufstünden.<ref name="Cahen"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Cahen 2005 (Memento vom 7. Februar 2006 im Internet Archive).</ref> Umstritten war, ob auch die Szene mit al-Durrah zu den gespielten Szenen gehörte oder eine wirkliche Schießerei zeigte. Hinweise auf den tatsächlichen Tod des Jungen seien darin keineswegs gegeben.<ref name="Jeambar" /> Esther Schapira verweist auf etliche „For-Camera-Only“-Szenen, die als Ausschnitte nur für geübte Beobachter als solche zu erkennen sind. „For Camera Only“ nennen die israelischen Soldaten es, wenn Demonstranten etwa als Verletzte posieren und von Krankenwagen abgeholt werden, nur um kurz darauf wieder unverletzt aufzutreten.<ref name="Ja" />

In einem Prozess vor einem Pariser Berufungsgericht wurde 2008 die Aussage von Karsenty, es handele sich bei dem Bericht von France 2 um eine gestellte Inszenierung, für eine Aussage befunden, die im Rahmen der freien Meinungsäußerung keinen Straftatbestand darstellt.<ref>Stéphane Durand-Souffland: France 2 blanchie pour l’image choc de l’intifada. In: Le Figaro. 20. Oktober 2006.</ref><ref>Pascale Robert-Diard: Reportage enfant Palestinien ; Charles Enderlin et France 2 gagnent leur procès. In: Le Monde. 20. Oktober 2006.</ref> Das Gericht bezog sich ausdrücklich auf Landes’ Stellungnahme in seinem Film Pallywood, äußerte Verständnis für die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kameramanns und sprach, entgegen der Vorinstanz, Karsenty vom Vorwurf strafwürdiger Verleumdung frei.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" /> (Memento vom 11. März 2009 im Internet Archive) Urteilstext Arrêt de la Cour d’Appel de Paris du 21 mai 2008 relaxant Philippe Karsenty</ref> 2012 entschied der Oberste Gerichtshof, die Freigabe des Rohmaterials sei nicht rechtens gewesen, und verwies zurück an das Berufungsgericht.<ref>Affaire Al-Dura: Karsenty essaie de prouver sa bonne foi, rue89, 17. Januar 2013 (Archiv).</ref> Im Juni 2010 gewann Karsenty eine Verleumdungsklage gegen Canal+ und die Agentur Tac Press, die in einer 2008 ausgestrahlten Dokumentation seine Zweifel am Fall al-Durrah mit Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 verglichen hatten.<ref>Canal+ condamné pour diffamation dans un documentaire sur les rumeurs du web, Agence France-Presse, 11. Juni 2010, Lalande, Julien. Canal+ et l’agence Tac Presse condamnés pour diffamation, Ozap, 11. Juni 2010.</ref>

Am 26. Juni 2013 verurteilte ein Berufungsgericht Philippe Karsenty wegen Verleumdung des Journalisten Charles Enderlin und des TV-Senders France2 zu einer Strafe von 7.000,- Euro.<ref>Media analyst convicted over France-2 Palestinian boy footage . In: The Guardian. 26. Juni 2013.</ref>

Esther Schapira drehte zwei Dokumentarfilme zu dem Thema, so die preisgekrönte ARD-Dokumentation Drei Kugeln und ein totes Kind – Wer erschoss Mohammed al Durah? im Jahr 2002 sowie Das Kind, Der Tod und die Wahrheit.<ref>Lebt Mohammed al-Dura? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. März 2009, abgerufen am 1. März 2025.</ref>

In Das Kind, der Tod und die Wahrheit (Anspielung auf Der Müll, die Stadt und der Tod) beziehen sich Schapira und Georg M. Hafner auf zeitliche Unstimmigkeiten – die Schießerei begann um die Mittagszeit, die Einlieferung eines toten Jungen in das Krankenhaus fand bereits am Vormittag statt, der Vater wäre keineswegs verletzt gewesen – und nehmen daher an, der betreffende Junge wäre nicht Muhammad al Durah gewesen. France 2 drohte daraufhin die Zusammenarbeit mit der ARD zu beenden.<ref>ARD mit französischem Sender im Klinsch. In: Der Kontakter. 20. April 2009</ref><ref>Katharina Sperber: So kann es nicht gewesen sein. In: Frankfurter Rundschau. 20. April 2009.</ref>

In dem Zusammenhang kam es auch zu einer Verleumdungsklage des Vaters von al-Durah gegen ein 2008 gedrucktes Interview mit dem israelischen Chirurgen David Yehuda.<ref name="avi" /> Yehuda hatte die vom Vater al-Durahs mehrmals in Medienberichten vorgezeigten Narben auf eine Attacke durch Angehörige der Hamas 1994 zurückgeführt, die ihn als angeblichen Kollaborateur mit Israel angegriffen hatten.<ref name="avi" /> Yehuda hatte ihn in dem Zusammenhang operiert.<ref name="avi">Avi Issacharoff: Israeli physician acquitted of libel against Mohammed al-Dura’s father. Auf: Haaretz. 16. Februar 2012 (Archiv).</ref> In zweiter Instanz wurde die Verleumdungsklage vor einem französischen Gericht zurückgewiesen.<ref name="avi" />

Dirk Maxeiner nahm die Vorgänge zum Anlass für eine Glosse unter dem Titel BKA, Beirut, Babelsberg.<ref>Dirk Maxeiner: BKA, Beirut, Babelsberg. Auf: Welt.de, 1. September 2006.</ref> Esther Schapira beschrieb die Rekonstruktion unter anderem in der Jüdischen Allgemeine unter dem Titel Made in Pallywood.<ref name="Ja">Esther Schapira: Made in Pallywood. In: Jüdische Allgemeine. 16. Juni 2008.</ref> Der Begriff wurde ebenso von konservativen Kommentatoren wie David Frum<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>, Michelle Malkin<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Questioning a NY Times reporter; challenging CBS News & ASNE.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juli 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und Melanie Phillips verwendet.<ref>Homepage melaniephillips.com</ref>

Umfeld und Nachwirken

Vorlage:Hinweisbaustein Pallywood hat sich seither als fester Begriff in den Internetforen und politischen Debatten des Nahostkonfliktes und in Veröffentlichungen zur medialen Darstellung dieses Konflikts etabliert.

Die proisraelische Lobbyorganisation Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America (CAMERA) sieht vier verschiedene Arten von irreführendem Fotojournalismus:

  1. Nachbearbeitung der digitalen Bilder durch eine Bildbearbeitungssoftware;
  2. Bilder der gestellten Szenen wurden so präsentiert, als ob sie spontan entstanden wären und von authentischen Ereignissen stammten;
  3. Fotografen inszenierten selbst Szenen oder sich bewegende Objekte;
  4. Authentische Bilder wurden mit falschen oder irreführenden Bildunterschriften versehen.<ref name="CAMERA">Ricki Hollander, CAMERA, am 8. August, 2006.</ref><ref name="FAZ180806">Libanon-Krieg: Die Märchen der Hizbullah. In: Frankfurter Allgemeine. 18. August 2006.</ref><ref>Le lot de consolation d’Abbas. In: Jerusalem Post. 13. August 2013.</ref><ref name="Z060806">The Reuters Photo Scandal</ref>

Ein vergleichbarer Fall wird beim vielfach gezeigten Bild des amerikanischen Studenten Tuvia Grossman konstatiert. Der zunächst bei AP und der französischen Libération verwendeten Bildunterschrift zufolge war ein misshandelter Palästinenser von einem israelischen Polizisten bedroht worden, tatsächlich hatte dieser den von einem arabischen Mob misshandelten Haredi vor weiterer Gewalt geschützt.

Nach der von Landes aufgestellten These würden palästinensische Kameraleute insbesondere dann, wenn keine westlichen Zeugen vor Ort seien, systematisch Gewaltszenen nachstellen, um die Zuschauer zugunsten der Palästinenser zu beeinflussen und um den „Medienkrieg“ zwischen Israel und den Palästinensern zu gewinnen.

2003 wurde in Frankreich Décryptage, ein Dokumentarfilm von Jacques Tarnero und Philippe Bensoussan, ebenso zu der verfälschenden Berichterstattung im Nahostkonflikt gedreht.<ref>Décryptage. 2003 bei der IMDb</ref>

Der italienische Fotograf Ruben Salvadori hat sich bei seinem Projekt Behind the Scenes eingehend mit gestellten Bildern im Nahostkonflikt beschäftigt.<ref>Ruben Salvadori: Photojournalism Behind the Scenes.</ref><ref>Ruben Salvadori: Hinter den Kulissen des Fotojournalismus. Fotostrecke in Die Zeit. 22. März 2012.</ref>

Verwendung im Krieg in Israel und Gaza 2023 Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.

Der Begriff „Pallywood“ und dessen Abwandlung „Gazawood“<ref>“Gazawood”: The deadly accusations against Gaza’s journalists. In: Reporter ohne Grenzen. 15. September 2025, abgerufen am 17. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> erfuhren mit dem Krieg in Israel und Gaza im Oktober 2023 neue Aufmerksamkeit. In Sozialen Medien und teils auch von der Presse wurden Fotos und Videos verbreitet, die vermeintlich von der Hamas gestellte Szenen zeigen und die belegen sollen, dass Verletzungen und Kriegsfolgen durch „Crisis Actors“ (zu Deutsch „Krisenschauspieler“) inszeniert seien.<ref name="CorrectivFak">Max Bernhard: Pallywood? Fotos eines syrischen Mädchens werden seit Jahren für Desinformation missbraucht. In: Correctiv. Abgerufen am 13. Oktober 2025.</ref> Beispielsweise erlangte eine Bildmontage eines jungen Mannes Aufmerksamkeit, der unverletzt im Gazastreifen läuft und sich am Tag zuvor als schwerstverletzter Mann im Krankenhaus ausgegeben haben soll. Tatsächlich jedoch handelte es sich bei dem Patienten um eine andere Person mit ähnlichem Erscheinungsbild.<ref>Pascal Siggelkow: Ist er ein Opfer-Schauspieler für die Hamas? In: Tagesschau.de. 30. Oktober 2023, abgerufen am 11. November 2023.</ref> Laut Correctiv haben sich zahlreiche ähnliche Behauptungen als falsch herausgestellt.<ref name="CorrectivFak" /> Der Begriff werde immer wieder dafür genutzt, um „reales Leid in Frage zu stellen“.<ref>Sophie Timmermann: Kein „Pallywood“ aus Gaza: Video zeigt Dreharbeiten zu einem Film in 2022. In: correctiv.org. 30. Mai 2024 (correctiv.org [abgerufen am 13. Oktober 2025]).</ref>

Solche Falschbehauptungen über angeblich gestellte Szenen wurden unter anderem von offiziellen Konten staatlicher Stellen und von hochrangigen israelischen Funktionsträgern in den sozialen Medien verbreitet,<ref name="rollingstone">Nikki McCann Ramirez: No, Palestinians Are Not Faking the Devastation in Gaza. In: Rolling Stone. 3. November 2023, abgerufen am 11. November 2023.</ref><ref name=":1">Israeli Diplomat Busted Spreading Blatant Disinfo About Palestinians. 9. November 2023, abgerufen am 13. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie weltweit von politisch rechten Kreisen aufgegriffen, insbesondere in den USA und Indien.<ref name=":2">Aymann Ismail: Welcome to Pallywood. In: Slate. 30. Mai 2025, ISSN 1091-2339 (slate.com [abgerufen am 29. September 2025]).</ref> Die Nichtregierungsorganisation Airwars führt eine Datenbank mit namentlich bekannten Opfern des Krieges im Gaza-Streifen. Die Liste umfasst Daten zu 4.548 Kleinkindern (bis 3 Jahre).<ref>List of identified victims, as published by the Palestinian MoH in Gaza. Abgerufen am 13. März 2025.</ref> Trotz der außergewöhnlich hohen Zahl bestätigter Todesopfer behaupteten staatliche israelische Stellen, dass Fotos von getöteten palästinensischen Kindern in Wirklichkeit Puppen zeigen würden. Diese Behauptungen konnten durch Untersuchungen widerlegt werden.<ref name=":1" /><ref>False claims of staged deaths surge in Israel-Gaza war. 22. Dezember 2023 (bbc.com [abgerufen am 13. März 2025]).</ref><ref>Rebecca Rommen: False claims dead Palestinian baby was 'a doll' go viral on social media in the Israel-Hamas disinformation war. Abgerufen am 13. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref> Sarah Schmidt: Puppe statt totes Kind in Gaza? Warum es keine Belege für diese Behauptung gibt. In: Correctiv. 1. November 2023, abgerufen am 11. November 2023.</ref>

Im deutschsprachigen Raum griff zudem Mirna Funk in der NZZ das Schlagwort auf, wobei sie weitläufig eine Vielzahl aus Gaza stammender Bilder als „Pallywood“ bezeichnet, unabhängig davon, ob es sich dabei um echte oder gefälschte Bilder handelt. Funk verbindet mit dem Begriff auch das „strategische Geschichtenerzählen“.<ref>Mirna Funk: «Pallywood»: wie palästinensische Videos die Medien täuschen. 13. Mai 2024, abgerufen am 15. Oktober 2025.</ref>

Robert Topinka von der Birkbeck University bezeichnete die Verwendung des Schlagworts „Pallywood“ im November 2023 als Desinformation und Propaganda. Es sei offensichtlich, dass die Palästinenser in Gaza unglaubliches Leid erlebten. Der Vorwurf der Inszenierung sei darauf gerichtet, die unmenschlichen Aspekte des Konflikts zu verschleiern. Laut dem Medien-Professor Shakuntala Banaji passt die Reduktion des Leides auf vorgetäuschte Theatralik „zum gesamten Vokabular der Entmenschlichung der Palästinenser“.<ref>‘Pallywood propaganda’: Pro-Israeli accounts online accuse Palestinians of staging their suffering. In: France 24. 21. November 2023, abgerufen am 29. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Tom Divon von der Hebräischen Universität Jerusalem sieht in der Leugnung des palästinensischen Leids auch eine psychologische Abwehrreaktion, um sich nicht mit dem auseinandersetzen zu müssen, was das israelische Militär verursacht hat.<ref name=":2" /> Der Volksverpetzer betonte, dass Desinformation grundsätzlich von beiden Seiten des Konflikts ausgehe und beide Seiten versuchen würden, Opfer der Gegenseite zu leugnen. Doch sei das „Crisis-Actor Narrativ“ „eines der widerlichsten Taktiken, die man sich in einem solchen Konflikt nutzen kann“. Israel werde „zu Recht kritisiert, wenn seine Repräsentant:innen in der öffentlichen Kommunikation die Taktiken ihrer Gegner nutzen“.<ref>Sophie Scheingraber, Philip Kreißel: Diese Toten sind echt: Wie Israel & Hamas zivile Opfer leugnen. In: Volksverpetzer. 3. November 2023, abgerufen am 13. Oktober 2025.</ref>

Die Anthropologin Rebecca L. Stein (Duke University) wertet die Rede von „Pallywood“ im Zusammenhang mit dem Gazakrieg als Verschwörungstheorie und Taktik zur Völkermord-Leugnung.<ref>Rebecca L. Stein: How to unsee Gaza: Israel’s visual politics in a time of genocide. In: Communication, Culture, and Critique. Band 19, 2026, S. 58–66, doi:10.1093/ccc/tcaf055: „As scholars of genocide have long argued, the practice of denial is part and parcel of the act of genocide […]. One variant lived under the keyword ‚Pallywood‘, shorthand for Palestine’s Hollywood-like industry in fake video production. This conspiracy theory, leveraged by pro-Israeli publics for over two decades, proved a convenient and highly flexible means of undercutting the veracity of Palestinian eyewitness claimes […].“</ref> Auch die Nachrichtenagentur AFP bezeichnete das Schlagwort „Pallywood“ im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza als „ein abwertender Begriff, der von Verschwörungstheoretikern verwendet wird, um Palästinenser zu beschuldigen, Opferzahlen zu fälschen“.<ref>Old photoshoot shared in false posts about 'Gaza crisis actors'. In: AFP (Hrsg.): Fact Check. 27. März 2024 (afp.com [abgerufen am 28. September 2025]).</ref> Associated Press stufte den Begriff in diesem Zusammenhang ebenfalls als Verschwörungstheorie ein.<ref>AP: Israel-Hamas war: Here are the facts as misinformation spreads. In: AP News. 3. November 2023, abgerufen am 11. März 2025.</ref>

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

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