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Paul Le Caër

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Paul Le Caër (* 12. Dezember 1923 in Bayeux; † 25. November 2016 in Le Breuil-en-Auge, Calvados) war ein französischer Überlebender des KZ Mauthausen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Paul Le Caër wurde im Februar 1943 als neunzehnjähriger Gymnasiast aufgrund seines Widerstandes gegen die deutsche Besatzung (in der Widerstandsgruppe „Cohors-Asturies“) von der Gestapo im Klassenzimmer verhaftet. Über das Internierungslager Royallieu bei Compiègne wurde er im April 1943 in das KZ Mauthausen (Häftlingsnummer 27008) verschleppt. Nach einer Verlegung ins KZ-Nebenlager Wiener Neustadt kam er im November 1943 in das KZ-Außenlager Redl-Zipf (Deckname „Schlier“) und wurde zu schweren Erdarbeiten eingeteilt. Nach einem Zusammenbruch hatte er das Glück, körperlich am Ende, zu Sanitäterdiensten im „Krankenrevier“ herangezogen zu werden und überlebte nur so die mörderische Arbeit im KZ. Als die SS das Außenlager Anfang Mai 1945 auflöste und die Häftlinge in das Außenlager Ebensee transportierte, konnte er fliehen. Im Zuge seiner Flucht nahm er das „Totenbuch“ des Lagers mit den Namen von 266 ermordeten Häftlingen an sich und bewahrte es vor der Vernichtung.

Am 8. Mai 1945 stieß Paul Le Caër auf das KZ-Außenlager Lenzing und informierte in der Folge die Alliierten Streitkräfte über das Lager bzw. versuchte, den im Lager untergebrachten weiblichen KZ-Häftlingen zu helfen.<ref>Christian Hawle, Gerhard Kriechbaum, Margret Lehner: Täter und Opfer: Nationalsozialistische Gewalt und Widerstand im Bezirk Vöcklabruck 1938–1945. Bibliothek der Provinz Verlag, Freistadt 1995.</ref>

In den Tagen kurz nach der Befreiung gelang es Paul Le Caër mit zweien seiner Mithäftlinge, den letzten Lagerkommandanten von Schlier aufzuspüren, gefangen zu nehmen und den amerikanischen Behörden auszuliefern.<ref>Paul Le Caer, Ein junger Europäer in Mauthausen, S. 116.</ref>

Zurückgekehrt nach Frankreich, legte er im September 1945 die Reifeprüfung am Gymnasium Malherbe in Caen ab. 1948 erlangte er das Diplom für Zahnmedizin an der Universität Paris und betrieb ab diesem Jahr eine Praxis in Deauville. 1973 habilitierte er sich in Zahnmedizin in Paris. 1986 begab sich Paul Le Caër in den Ruhestand.<ref name="mauthausen-schlier">Curriculum Vitea du Docteur Paul LE CAËR. In: mauthausen-schlier.com. Abgerufen am 17. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er verstarb am 25. November 2016.<ref>Corinne Printemps: Déporté à Mauthausen, Paul Le Caër est décédé. In: ouest-france.fr. 28. November 2016, abgerufen am 25. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Erinnerungsarbeit

Nach Kriegsende bemühte sich Paul Le Caër um die Errichtung eines Gedenksteins für die in Redl-Zipf ermordeten KZ-Häftlinge. Am 3. Mai 1985 wurde dieser abseits des ehemaligen Lagergeländes neben der Kirche eingeweiht.<ref name="20509LeCaer">Hohe Auszeichnung für Paul Le Caër. In: oe-journal.at. 5. September 2003, abgerufen am 22. November 2018.</ref><ref>Paul Le Caër. In: campmauthausen.org. Abgerufen am 15. Dezember 2018.</ref> Die Neugestaltung des Denkmals wurde 2014 durchgeführt.<ref>Birgit Dreßler: Denkmal in Zipf neu gestaltet. In: meinbezirk.at. 12. Mai 2014, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref>

1984 begann Paul Le Caër seine Erinnerungen aufzuschreiben. Er schuf einen Text, der in der Dritten Person über sich und seine schrecklichen Erfahrungen im Lager erzählt. Dieser Text entwickelte sich über zwei Jahrzehnte weiter und erschien in französischer Sprache in drei Fassungen, wovon die zweite für eine deutsche Übersetzung vom Autor vollständig überarbeitet wurde.

Daneben widmete er sich der Dokumentationsarbeit, um so die Gewaltverbrechen der SS belegen zu können. Er legte eine Sammlung aller auffindbaren Bildquellen über das Lager Mauthausen an und publizierte diese gemeinsam mit Bob Sheppard.

Ein weiteres Feld seiner Erinnerungsarbeit war die Mithilfe beim Aufspüren von SS-Angehörigen, die nach 1945 in die USA emigriert und dort untergetaucht waren.

In den Jahren nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben trat Paul Le Caër immer wieder als Zeitzeuge an französischen und österreichischen Schulen auf, um über seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern zu berichten und um im Rahmen von Gedenkfahrten mit Schülern die Orte von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen aufzusuchen.<ref>Paul Le Caër a raconté sa déportation. In: ouest-france.fr. 16. April 2013, abgerufen am 23. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Bayeux – Ancien déporté, Paul Le Caër, témoigne. In: larenaissance-lebessin.fr. 16. April 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2013; abgerufen am 1. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Auszeichnungen und Ehrungen

Paul Le Caër erhielt zahlreiche (militärische) Auszeichnungen, z. B. „Commandeur de la Légion d’Honneur“. 2003 erhielt er das „Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“.<ref name="20509LeCaer" />

Paul Le Caër war ehrenamtlich in zahlreichen Organisationen aktiv, so etwa als Vize-Präsident der „Amicale de Mauthausen“<ref name="mauthausen-schlier" /> und Mitglied des Internationalen Mauthausenkomitees.

Paul-Le Caer-Preis

Seit 2010 verleiht das Mauthausen Komitee Vöcklabruck eine Auszeichnung mit dem Titel Paul-Le Caër-Preis.<ref>Paul-Le-Cäer-Preis. In: salzi.at. 25. April 2018, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref>

Publikationen

  • Paul Le Caër: Schlier 1943–1945. Herausgegeben von der Amicale de Mauthausen. Paris 1984
  • Paul Le Caër und Etienne Le Caër: KL Mauthausen. Les Cicatrices de la Mémoire. Editions Heimdal 1996, ISBN 978-2-84048-095-2.
  • Paul Le Caër und Bob Sheppard: Mauthausen. (Album Mémorial) 2. Aufl. Bayeux 2000, ISBN 978-2-84048-127-0.
  • Paul Le Caër: Les Mystères du Lac Toplitz. Eigenverlag o. O. 2002
  • Paul Le Caër: Ein junger Europäer in Mauthausen 1943–1945. Herausgegeben vom Bundesministerium für Inneres. Bundesministerium für Inneres – Ref. IV/4/a, Wien 2002, ISBN 3-9500867-3-0 (Mauthausen-Studien 2).
  • Paul Le Caër: Mauthausen Crimes Impunis. Bayeux 2007, ISBN 978-2-915762-46-4.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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