Peritoneallavage
Peritoneallavage (auch Abdominallavage, abdominale Lavage, intraperitoneale Lavage oder Bauchspülung) ist ein Begriff aus der Medizin und bezeichnet die Spülung des Bauchraums mit diagnostischer oder therapeutischer Absicht.
Durchführung
Prinzipiell gibt es drei Techniken: die offene, die halboffene und die Seldinger-Technik. Die Komplikationsrate beträgt 0,5 bis 1 %.<ref name="Norton 317">Jeffrey Norton et al.: Surgery: Basic Science and Clinical Evidence. Springer Science & Business Media, 2009, ISBN 978-0-387-68113-9, S. 317.</ref>
Beim Menschen wird der Bauchraum vier bis fünf cm unterhalb des Nabels in der Mittellinie (Linea alba) punktiert. Die Mittellinie ist dort relativ dünn, so dass mit einer harmlosen Verletzung des Musculus rectus abdominis gerechnet werden muss. Bei Erreichen der Fascia transversalis ist eine penible Blutstillung erforderlich.<ref>Carol E. H. Scott-Conner: Operative Anatomy. Lippincott Williams & Wilkins, 2009, ISBN 978-0-7817-6539-8, S. 272–273.</ref> Über einen Katheter wird ein Liter körperwarme Ringerlösung infundiert. Anschließend läuft die Spülflüssigkeit nach dem Heberprinzip zurück in die Flasche.
Bei Hunden und Katzen wird der Katheter ebenfalls über einen kleinen Einschnitt hinter dem Nabel eingeführt und Richtung Beckenhöhle vorgeschoben. Als Richtlinie werden 20 ml Flüssigkeit pro kg Körpermasse eingeleitet.<ref>Theresa Welch Fossum: Small Animal Surgery. 2. Auflage. 2002, S. 272.</ref>
Kontraindiziert ist die Peritoneallavage bei Vorliegen eines Verwachsungsbauchs oder bei einem Darmverschluss.
Diagnostische Peritoneallavage
Als diagnostisches Verfahren wurde die Peritoneallavage erstmals 1965 von Root et al. durchgeführt. In den 1970er Jahren wurde die abdominale Lavage von dem Würzburger Chirurgen Ernst Kern zu einer die Diagnose bei Bauchverletzungen verbessernden Methode weiterentwickelt.<ref>Ernst Kern: Sehen – Denken – Handeln eines Chirurgen im 20. Jahrhundert. ecomed, Landsberg am Lech 2000, ISBN 3-609-20149-5, S. 24.</ref> Sie wurde früher zum Nachweis von Blutungen und Organverletzungen nach Unfällen sowie selten auch im Rahmen des Stagings bei Tumorpatienten eingesetzt, hat jedoch in der Humanmedizin seit Aufkommen moderner bildgebender Verfahren (Sonografie, Computertomographie) stark an Bedeutung verloren,<ref name="Norton 317" /> allerdings nicht in den technisch weniger gut ausgestatteten Ländern und in der Tiermedizin. Zudem zeigen neuere Studien, dass die Peritoneallavage in Kombination mit einem CT beim Aufspüren klinisch inapparenter Organverletzungen viel sensitiver ist als die alleinige CT.<ref name="Weigel">Bernhard Weigel, Michael L. Nerlich: Praxisbuch Unfallchirurgie. Springer, 2011, ISBN 978-3-642-10789-4, S. 104.</ref>
Ein negativer Befund ist eine farblose, klare Spülflüssigkeit. Eine blutige Spülflüssigkeit mit mehr als 100.000 Erythrozyten pro µl gilt als Hinweis auf eine manifeste Blutung. Galle- und Stuhlbeimischungen, Bakterien, Amylase oder Bilirubin sind Hinweis auf eine Verletzung des Darms bzw. der Gallenblase. Bei positivem Befund folgt in der Regel eine Laparotomie.<ref name="Weigel" />
Von den Ergebnissen der Lavage sind jeweils etwa 5 % falsch negativ (bei Vorliegen von Verwachsungen, abgekapselte Verletzungen, Zwerchfellhernie mit Verlagerung des verletzten Organs in die Brusthöhle, falsch platzierte Katheter) oder in bis zu 10 % der Fälle falsch positiv (durch den Lavage-Katheter ausgelöste Blutung, Punktion subperitonealer Hämatome).<ref name="Weigel" />
Therapeutische Peritoneallavage
Zu therapeutischen Zwecken wird die Peritoneallavage durchgeführt, um Toxine, Enzyme und Eiweißabbauprodukte zu entfernen, wie zum Beispiel bei einer Peritonitis.<ref>Jeffrey Norton et al.: Surgery: Basic Science and Clinical Evidence. Springer Science & Business Media, 2009, ISBN 978-0-387-68113-9, S. 268.</ref> Darüber hinaus kann sie bei Perforation innerer Organe eingesetzt werden. Ebenso wird die Lavage auch bei stark unterkühlten Patienten eingesetzt, um diese wieder zu erwärmen.<ref>Jeffrey Norton et al.: Surgery: Basic Science and Clinical Evidence. Springer Science & Business Media, 2009, ISBN 978-0-387-68113-9, S. 317.</ref>
In der Tiermedizin wird die Peritoneallavage auch bei hochgradiger Urämie eingesetzt, beispielsweise bei der chronischen Nierenerkrankung der Katze, um nierenpflichtige Substanzen aus dem Körper zu waschen.<ref>Katharine Arnell, Sheri Ross: Fortschritte in der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen bei der Katze. In: Vet. Focus, 2009, 19.3, S. 6–14.</ref> Diese Peritonealdialyse spielt auch in der Humanmedizin noch eine gewisse Rolle.<ref>M. Sanabria et al.: Dialysis outcomes in Colombia (DOC) study: a comparison of patient survival on peritoneal dialysis vs hemodialysis in Colombia. In: Kidney Int Suppl., April 2008.</ref>
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />