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Petra (Schwan)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:2006-07-19 Schwanenliebe Muenster.jpg
Petra und ihr Tretboot im Sommer 2006

Petra, genannt auch Schwarzer Peter, ist ein Schwarzschwan auf dem Aasee im westfälischen Münster, der aufgrund seiner Zuneigung zu einem überlebensgroßen weißen Tretboot in Schwanenform in den Jahren 2006 bis 2008 weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Petra verschwand 2009, tauchte aber im April 2013 wieder auf.<ref>ORF: In Tretboot verliebt: Schwan „Petra“ wieder aufgetaucht, 7. April 2013</ref>

Geschichte

Der Schwan tauchte Anfang Mai 2006 auf dem Aasee auf, die Herkunft ist ungeklärt. Der in Münster schnell als „Schwarzer Peter“ bekannt gewordene Schwan, benannt in Anlehnung an Peter Overschmidt, den Besitzer des Tretbootes, hielt sich von Beginn an in der Nähe eines überlebensgroßen weißen Tretboots in Schwanenform auf, das eine Yachtschule stundenweise vermietet.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Erste Annäherungsversuche quittierte der Schwan mit Drohgebärden, die laut Verhaltensbiologen die Bindung des Schwans zum Tretboot und eine Verteidigung des Brutreviers andeuteten.<ref>Westfälische Nachrichten: @1@2Vorlage:Toter Link/westline.de[[Kategorie:Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen Skriptfehler: Ein solches Modul „Archivbot“ ist nicht vorhanden.]]dpa-Meldung (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, 27. Mai 2006</ref> In den folgenden Monaten wich der Schwan dem Tretboot nicht mehr von der Seite, schwamm auch bei Vermietung hinterher. Zum Winter musste das Tretboot jedoch vom Aasee genommen werden, um Frostschäden zu vermeiden. In mehreren Stationen wurde es daher mit dem Schwarzschwan im Schlepptau Richtung Allwetterzoo Münster geschleppt und am 9. November 2006 wurden beide schließlich auf einem Tümpel im Zoo abgesetzt. Bereits zwei Wochen zuvor hatte eine DNA-Analyse einer Feder ergeben, dass der Schwan ein Weibchen ist, woraufhin sich als Spitzname „Petra“ etablierte. Aufgrund einer Fußverletzung wurde der Schwan mitsamt Tretboot Ende November ins leere Pelikanhaus umgesiedelt. Dort verblieben beide bis März 2007. Zuletzt war versucht worden, Petra mit anderen Schwarzschwänen des Zoos zusammenzuführen, was jedoch scheiterte.

Am 29. März 2007 wurden beide schließlich wieder auf den Aasee gebracht, wo Petra ihrem Schwan wiederum den ganzen Sommer nicht von der Seite wich. Für den Winter 2007/2008 war ursprünglich geplant, das Tretboot an den neugestalteten Aaseeterrassen unterzubringen. Da sich der Bau jedoch verzögerte, diente seit dem 5. Dezember 2007 wieder der Zoo als Winterquartier. Während dieser Zeit duldete Petra erstmals auch einen lebendigen Schwan neben sich. Ein Anfang Dezember 2007 aufgetauchter weißer Höckerschwan, der Paul genannt wurde, schnäbelte auf dem Zooteich regelmäßig mit dem Schwarzschwan.<ref>Münstersche Zeitung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Petra gibt ihrem Tretboot den Laufpass (Memento vom 11. Dezember 2008 im Internet Archive), Münster, Tobias Großekemper, 13. Dezember 2007</ref><ref name="WN_2007-12-28" /> Somit dauerte die Beziehung von Petra und dem Tretboot insgesamt etwa zwei Jahre an. Doch auch die neue Beziehung war keine Art-interne, da beide Schwäne zu unterschiedlichen Arten gehören. Solche artübergreifenden Beziehungen sind bei Vögeln aber keine Seltenheit.

Die Liaison war jedoch nicht von langer Dauer. So ließ Paul am 22. März 2008 Petra im Winterquartier zurück und wechselte in einen nahegelegenen anderen Teich, nachdem das Tretboot bereits eine Woche zuvor wieder auf den Aasee geschleppt worden war.<ref>Hallo Münster, 26. März 2008</ref><ref>Münstersche Zeitung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schwan Petra wieder auf dem Aasee (Memento vom 23. Mai 2013 im Internet Archive), Münster, Oliver Koch, 28. März 2008</ref> Im Herbst 2008 tauchte Petra mehrfach am Hiltruper See auf.<ref>Westfälische Nachrichten: Als Petra über das Wasser lief: Urlaub am Hiltruper See im Herbst 2008, Münster/Umgebung, Münster-Hiltrup, Michael Grottendieck, 10. April 2013</ref>

In den vorherigen Wintern war Petra im Winterquartier im Zoo untergebracht worden.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Für die Überwinterung im Winter 2008 war für Petra eine Hütte in der Nähe des Aasees errichtet worden.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Am 31. Dezember 2008 wurde Petra zuletzt am Aasee gesehen.<ref name="MZ_2009-01-25" /> Im Jahr 2009 ist Petra auf dem See nicht mehr erschienen.<ref name="MZ_2009-01-25" /> Daraufhin wurden aus ganz Deutschland Hinweise zum Verbleib des Schwans gemeldet.<ref name="MZ_2009-02-16">Münstersche Zeitung. @1@2Vorlage:Toter Link/www.muensterschezeitung.de[[Kategorie:Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen Skriptfehler: Ein solches Modul „Archivbot“ ist nicht vorhanden.]]Schwan Petra weiterhin verschwunden: Freundeskreis stellt Suche ein (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, Münster, dpa, 16. Februar 2009</ref> Dem Freundeskreis „Schwarze Petra“ wurden über 60 Fotos schwarzer Schwäne zugesandt, bei denen es sich um Petra handeln sollte.<ref name="MZ_2009-02-16" /><ref name="WN_2009-01-30" /> Es konnte jedoch ausgeschlossen werden, dass es sich um Petra handelte, da der münstersche Schwan einen verknöcherten linken Fuß hatte.<ref name="MZ_2009-02-16" /><ref name="WN_2009-01-30" />

Dieser verknöcherte Fuß führte am 5. April 2013 zur Identifizierung durch den münsterschen Zoodirektor Jörg Adler in einer Storchen-Betreuungsstation in Osnabrück. Den Hinweis hatte eine Mitarbeiterin der Westfälischen Nachrichten gegeben.<ref name="WN_2013-04-06">Westfälische Nachrichten: Das Rätsel scheint gelüftet: Berühmte Schwarzschwänin Petra lebt in Osnabrück, Titelseite, 6. April 2003</ref><ref name="WN_201-04-06(2)">Happy End für berühmte Schwänin : Petra lebt: Tier ... 20. Februar 2014, abgerufen am 14. April 2025.</ref> Am 2. Januar 2009 wurde die unter Unterernährung sowie hohem Fieber leidende Schwänin, die zahlreiche Abschürfungen erlitten hatte, auf einem Feldweg in Glandorf gefunden und in der Station abgegeben.<ref name="WN_201-04-06(2)" /><ref name="WN_2013-04-06" /> Nach mehreren Monaten andauernder Pflege wurde die Schwänin, die mit gerade einmal 3,18 kg statt üblicher 5,2 kg eingeliefert wurde, wieder gesund.<ref name="WN_201-04-06(2)" /><ref name="WN_2013-04-06" /> Sie freundete sich mit einem kurz vor ihrem Eintreffen in der Station abgegebenen Schwan an, der inzwischen zu ihrem ständigen Begleiter wurde.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Stationsleiter Wolfgang Herkt gab der Schwänin zwei Schwaneneier zum Bebrüten, die die Ziehmutter erfolgreich ausbrütete.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Bei seinem Besuch in der Storchen-Betreuungsstation in Osnabrück sprach Zoodirektor Jörg Adler mit dem dortigen Stationsleiter Wolfgang Herkt über das Vorhaben, Petra mitsamt ihrem Partner nach Münster als Botschafter für Vogelschutz überführen zu dürfen.<ref name="WN_201-04-06(2)" /> Dies wurde von Herkt abgelehnt.<ref>Westfälische Nachrichten: Münsters Schwarzschwänin kommt nicht zurück – Wahrzeichen der Herzen bleibt in Osnabrück: Wolfgang Herkt will Petra und ihren Partner behalten, Westfalen, Münster/Osnabrück, Julia Gottschick, 8. April 2013
Westfälische Nachrichten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schwarzschwänin Petra: Wahrzeichen der Herzen bleibt: Osnabrück will Petra behalten (Memento des Vorlage:Referrer vom 9. April 2013 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot, Münster/Osnabrück, Julia Gottschick, 7. April 2013</ref><ref>Münstersche Zeitung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liebe in Osnabrück: Schwarzschwan Petra lebt und liebt einen Schwanen-Mann (Memento vom 9. November 2013 im Internet Archive), Münster, Ulrich Breulmann, 6. April 2008</ref> Entgegen anders lautenden Berichten habe es kein Kaufangebot Adlers gegeben.<ref>Münstersche Zeitung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" /> Keine Rückkehr geplant: Trauerschwan Petra soll in Osnabrück bleiben (Memento vom 10. April 2013 im Internet Archive), Münster, Helmut Etzkorn, 8. April 2013</ref>

Medien

Berichterstattung

Die Berichterstattung über Petra begann im Mai 2006 mit einem Artikel, den die Deutsche Presse-Agentur verbreitete. Noch im Laufe des Sommers berichteten mehrere deutsche Fernsehstationen über die Romanze, dadurch angezogen schließlich auch das japanische und US-amerikanische Fernsehen sowie zahlreiche internationale Zeitungen und Zeitschriften. Die Zooleitung erhielt selbst Jahre später noch Anfragen aus den USA nach Fotomaterial.<ref name="WN_2013-01-15">Westfälische Nachrichten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kritik an Verfremdung der tierischen Liebesgeschichte: Aus Münsters Schwan Petra wird Mathilde aus München (Memento des Vorlage:Referrer vom 10. April 2013 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot, Münster/München, mlu/pd, 15. Januar 2013</ref> In den englischsprachigen Ländern sind schwarze Schwäne eine Metapher eines zwar unwahrscheinlichen, aber möglichen Ereignisses, was dem Hype zudem Auftrieb gab. Ebenso fanden sich nach Auskunft der Zooleitung Fans in China.<ref name="WN_2013-01-15" /> Der Umzug in den Zoo wurde bereits zu Beginn der Umsiedlung etwa von Reuters TV gefilmt. Am 9. November 2006, als beide in den Zoo gebracht wurden, erschienen Vertreter von 23 Medien, darunter mehrere Kamerateams, Fotografen und Redakteure großer Magazine und diverser Presseagenturen. Nicht zuletzt die Medienberichterstattung ließ die Besucherzahlen des Zoos das erste Mal seit der Eröffnung des Delphinariums 1974 auf über eine Million steigen.

Auch der Rückweg im März 2007 auf den Aasee wurde ähnlich ausführlich von Medienvertretern begleitet.

Am 1. Januar 2008 wurde vom WDR eine Dokumentation über Petra unter dem Titel Neues vom verliebten Schwan ausgestrahlt, die das zweite Jahr der ungleichen Beziehung thematisiert.<ref name="WN_2007-12-28">Westfälische Nachrichten: Schwan Petra kommt ins Fernsehen, Nachrichten Münster, Münster, 28. Dezember 2007</ref>

Romane

Seit 2006 erschienen mehrere Romane, darunter zwei Kinderbücher, die das Leben von Petra zum Inhalt haben.<ref name="WN_2007-12-28" />

Der Autor Friedrich Ani veröffentlichte im Oktober das Buch Mathilda und Giacomo, das sich an der Geschichte des Schwans Petra orientiert und einige Ähnlichkeiten mit der Geschichte des Münsteraner Schwans aufweist.<ref name="WN_2013-01-15" /><ref>Westfälische Nachrichten: Schwanen-Love-Story neu verpackt, Titelseite, Münster, 16. Januar 2013</ref><ref name="WN_2013-01-16">Westfälische Nachrichten: Umgesiedelte Love-Story: Neues Buch verlegt Schwanen-Romanze mit Tretboot nach München – bloß warum?, Münsterischer Anzeiger, Münster, Karin Völker, 16. Januar 2013</ref><ref name="MZ_2013-01-15">Münstersche Zeitung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verlag verfremdet Geschichte: Zoodirektor ärgert sich über Romanze um Schwan Petra (Memento vom 15. Mai 2013 im Internet Archive), Münster, Stefan Bergmann und Petra-Fan, 15. Januar 2013
Münstersche Zeitung: Schwan Petra und das Plagiat: Ein Verlag kopiert die Petra-Romanze, Münster, Münster, Stefan Bergmann, Petra-Fan, 16. Januar 2013</ref> Dabei nannte Ani den Schwan Mathilda, das Tretboot wurde Giacomo in Anlehnung an Giacomo Casanova benannt und der Zoo-Direktor heißt Falcke.<ref name="WN_2013-01-16" /> Die Handlung wurde an den Kleinhesseloher See im Englischen Garten nach München verlegt, in dessen unmittelbarer Nähe der Autor wohnt, was u. a. bei Jörg Adler, dem Direktor des Allwetterzoo Münster, für Unmut sorgte.<ref name="WN_2013-01-16" /><ref name="MZ_2013-01-15" /> Allein beim Happy End weicht die Erzählung von der tatsächlichen Geschichte Petras ab.<ref name="WN_2013-01-16" /><ref>Münstersche Zeitung: Die geklaute Schwan-Romanze, Titelseite/Im Lokalen, Münster, 16. Januar 2013</ref>

Trivia

Die UWG-MS/ödp-Fraktion brachte am 13. Dezember 2006 in den Rat der Stadt Münster einen Antrag ein. Dieser forderte den Rat auf, die Verwaltung der Stadt prüfen zu lassen, ob eine schwarze Schwänin in das Wappen der Stadt Münster aufgenommen werden könne.<ref name="MZ_2013-01-15" /> Nach kurzer Diskussion wurde der Antrag zurückgezogen.<ref>stadt-muenster.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Niederschrift über die 19. Sitzung (öffentlicher Teil) des Rates der Stadt Münster, Seite 48 (Memento des Vorlage:Referrer vom 28. Oktober 2007 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot (PDF; 149 kB), 13. Dezember 2006</ref>

Es wurden eine CD mit einer eigens komponierten Schwanenballade sowie Brillant-Ringe und Schlüsselanhänger in Schwanenform produziert.<ref name="WN_2007-12-28" /> Zudem wurde Anfang Oktober 2008 ein Freundeskreis namens „Schwarze Petra“ gegründet.<ref name="MZ_2009-01-25">Münstersche Zeitung: @1@2Vorlage:Toter Link/www.muensterschezeitung.de[[Kategorie:Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen Skriptfehler: Ein solches Modul „Archivbot“ ist nicht vorhanden.]]Petra ist ein Star – ist sie jetzt auch raus? (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, Münster, Tobias Großekemper, 25. Januar 2009</ref><ref name="WN_2009-01-30">Westfälische Nachrichten: Schwan „Petra“: Keine heiße Spur, Nachrichten Münster, Münster, 30. Januar 2009</ref>

Im Tatort: Schwanensee versucht Boerne mit dieser Geschichte eine erotomane Täterin von einem Tötungsdelikt abzuhalten.

Literatur

  • Helke Schulze Mönking (Autor), Karin Berlin (Illustrator): Schwanerei. Eine Foto-Swany-Dokumentation. Dinghai, Münster 2007, ISBN 978-3-00-022458-4.
  • Friedrich Ani (Autor), Quint Buchholz (Illustrator): Mathilda und Giacomo. Droemer-Knaur-Verlag, München 2012, ISBN 978-3-426-19954-1.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks