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Phenanthridin

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Phenanthridin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der stickstoffhaltigen Heterocyclen. Formal leitet es sich von Phenanthren ab, indem ein Kohlenstoffatom gegen Stickstoff ausgetauscht wird. Ein Isomer des Phenanthridins mit drei linear angeordneten Ringen ist das Acridin.

Gewinnung und Darstellung

Phenanthridin wurde 1889 zuerst von Amé Jules Pictet und H. Jan Ankersmit aus Benzalanilin durch Pyrolyse im Glührohr synthetisiert.<ref name="Pictet1">Amé Pictet, H. J. Ankersmit (Chemisches Laboratorium der Universität Genf): Mittheilung Ueber das Phenanthridin; In: Justus Liebigs Annalen der Chemie, Volume 266, Issue 1–2, S. 138–153 (doi:10.1002/jlac.18912660107).</ref><ref name="Pictet2">A. Pictet; H. J. Ankersmit: Über Phenanthridin in Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 22 (1889) 3339–3344.</ref><ref name="Pictet3">A. Pictet; H. J. Ankersmit: Ueber das Phenanthridin in Ann. Chem. Pharm. 266 (1891) 138–153.</ref><ref name="Soukup_org">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Substanzen, Version 2020, S. 127 pdf.</ref> Seine Derivate kommen natürlich in Amaryllidoideae vor.

Bei der Pictet-Hubert-Reaktion (1899) entsteht die Verbindung bei der Reaktion eines 2-Aminobiphenyl-Formaldehyd-Adduktes (ein N-Acyl-o-xenylamin) mit Zinkchlorid bei erhöhten Temperaturen.<ref>Amé Pictet, A. Hubert: Mittheilungen Ueber eine neue Synthese der Phenanthridinbasen; In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, Volume 29, Issue 2, S. 1182–1189, 1896 (doi:10.1002/cber.18960290206).</ref> Die Reaktionsbedingungen wurden durch Morgan und Walls 1931 durch Ersatz des Metalles durch Phosphoroxychlorid und Verwendung von Nitrobenzol als Lösungsmittel verbessert.<ref>Gilbert T. Morgan, Leslie Percy Walls: CCCXXXV.—Researches in the phenanthridine series. Part I. A new synthesis of phenanthridine homologues and derivatives; In: J. Chem. Soc., 1931, S. 2447–2456 (doi:10.1039/JR9310002447).</ref> Aus diesem Grund wird die Reaktion auch Morgan-Walls-Reaktion genannt.<ref>Jie Jack Li: Name Reactions in Heterocyclic Chemistry. 1. Auflage. 2005, ISBN 0-471-30215-5.</ref>

Pictet-Hubert-Reaktion

Die Reaktion ist ähnlich zur Bischler-Napieralski-Reaktion und der Pictet-Spengler-Reaktion. Auch die Herstellung beginnend mit Phenanthrachinon, N-Methylcarbazol, Fluorenonoxim oder Phenanthridonen ist möglich.<ref>C. F. Allen, Lindsey Allen, Richard Allen: The Chemistry of Heterocyclic Compounds, Six Membered Heterocyclic Nitrogen; ISBN 978-0-470-37851-9.</ref>

Aus halogenierten Benzylarylaminen können Phenanthridin und seine Derivate über Arine als Zwischenstufe synthetisiert werden.<ref name="JCS_1988_217">S. V. Kessar: Some new aspects of benzyne and radical mediated cyclisations (PDF; 251,5 kB, englisch). In: Journal of Chemical Sciences. Band 100, Nr. 2–3, 1988, S. 217–222, doi:10.1007/BF02839449.</ref>

Ringschlussreaktion über Arine zu Phenanthridinen

Eigenschaften

Phenanthridin ist ein farbloser bis hellbrauner Feststoff.<ref name=Boese /><ref name="Sigma">Vorlage:Sigma-Aldrich</ref> Phenanthridin und seine Derivate sind tertiäre Basen und bilden mit Säuren Monosäuresalze.<ref>Raj K. Bansal; Heterocyclic Chemistry; ISBN 81-224-1212-2.</ref>

Phenanthridin besitzt eine orthorhombische Kristallstruktur mit der Vorlage:Raumgruppe.<ref name=Boese />

Verwendung

Phenanthridin stellt die Grundstruktur einiger Alkaloide (z. B. Fagaronin, genauer Hydrobenzo[c]phenanthridine), Arzneistoffe (z. B. Isometamidium) und anderer chemischer Verbindungen (z. B. Ethidiumbromid) dar.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks