Phoron
Phoron ist der Trivialname eines Produktes der Kondensation von Aceton. Der systematische Name lautet 2,6-Dimethylhepta-2,5-dien-4-on. Der englische Trivialname (phorone) soll ein Kunstwort aus camphor und acetone sein.<ref name="Fieser">L. F. Fieser, M. Fieser: Lehrbuch der Organischen Chemie, übersetzt und bearbeitet von H. R. Hensel, S. 222, Verlag Chemie, Weinheim, 1954.</ref>
Die Verbindung ist einer der ältesten Vertreter der Verbindungsklasse der sogenannten α,β-ungesättigten Ketone, die später konjugierte Enone genannt wurden. Phoron hat eine gelbe Farbe und spielte deshalb historisch eine Rolle in den Theorien über Konstitution und Farbe.
Darstellung und Gewinnung
Es wurde 1849 von Gerhardt und Liès-Bodart durch Destillation von camphersaurem Kalk erhalten.<ref name="August Kekulé">Vorlage:Literatur</ref>
- <math>\mathrm{C_{10}H_{14}Ca_2O_4 + H_{2}O \longrightarrow C_9H_{14}O + Ca(OH)(HCOO) + CaO}</math>
- bzw.:
- <math>\mathrm{C_{10}H_{14}Ca_2O_4 + H_{2}O \longrightarrow C_9H_{14}O + CaH_2
CO_3 + CaO }</math>
Phoron bildet sich bei der Reaktion von Aceton mit trockenem Chlorwasserstoff, wobei als Hauptprodukt Mesityloxid entsteht. Dieses kondensiert mit Aceton zum Phoron (doppelte Kondensation des Acetons).<ref name="Fieser" />
Bei der Reaktion handelt es sich um eine einfache Aldol-Kondensation zum Mesityloxid und um eine doppelte Aldol-Kondensation zum Phoron. Das gebildete Gemisch aus Mesityloxid, Phoron und höhermolekularen Komponenten muss destillativ aufgereinigt werden.
Eigenschaften
Phoron bildet gelblichgrüne Kristalle, die einen geranienähnlichen Geruch besitzen.<ref name="Römpp"/> Es besitzt mit 28 °C einen niedrigen Schmelzpunkt. Unter Normaldruck siedet die Verbindung bei 197 °C.<ref>R. C. Weast, J. G. Grasselli (Hrsg.): CRC Handbook of Data on Organic Compounds, 2nd Edition, CRC Press, Inc., Boca Raton, FL, 1989, 1.</ref> Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 5,1950, B = 2259,288 und C = −35,106 im Temperaturbereich von 315 bis 470 K.<ref>D. R. Stull: Vapor Pressure of Pure Substances Organic Compounds in Ind. Eng. Chem. 39 (1947) 517–540, Vorlage:DOI.</ref> Phoron ist in Ethanol und Ether gut und in Wasser nur wenig löslich.<ref name="Römpp"/> Baeyer beschrieb es als „an der Luft recht beständig“.<ref name="baeyer1866"/>
Verwendung
Die Verbindung wird als Lösemittel für Nitrocellulose und Lacke verwendet.<ref name="Römpp">Vorlage:RömppOnline</ref> Phoron kann in der Lebensmittelanalytik zur Bestimmung von Thiolen genutzt werden.<ref name="Römpp"/> Es ist in der organischen Synthese ein vielseitiger Ausgangsstoff z. B. für die Herstellung von 2,2,6,6-Tetramethyl-4-piperidon, von 2,2,6,6-Tetramethylpiperidin oder des stabilen freien Radikals TEMPO (2,2,6,6-Tetramethylpiperidinyloxyl).<ref name="Römpp"/> Weiterhin ist es ein Zwischenprodukt bei Michael-Additionen oder in Heterocyclen-Synthesen.<ref name="Römpp"/>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Beyer-Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 21. Auflage, S. 223, Hirzel, Stuttgart, 1988.