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Pilocarpin

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Pilocarpin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der direkten Parasympathomimetika und wird als Miotikum (Pupillen verengendes Mittel) in der Augenheilkunde verwendet. Es ist ein Imidazolalkaloid, welches natürlich in Jaborandiblättern (Rutakraut, Pilocarpus sp., zum Beispiel Pilocarpus jaborandi bzw. Pilocarpus pennatifolius, einem südamerikanischen Strauch) vorkommt.

Wirkungen

Pilocarpin steigert als Parasympathomimetikum die Sekretion exokriner Drüsen (Schweiß-, Speichel-, Tränen-, Magen-, Bauchspeichel- sowie Darmdrüsen) und die Schleimproduktion durch die Becherzellen in den Atemwegen. Außerdem erhöht es den Tonus der glatten Muskulatur und des Pupillenverengers (Musculus sphincter pupillae).

Verwendung

Pilocarpin wurde 1875 beinahe gleichzeitig von E. Hardy<ref>M. E. Hardy: Sur le jaborandi (Pilocarpus pinnatus). In: Bulletin Societe Chimi., Nr. 24, 1875, S. 497–501.</ref> in Frankreich und A. W. Gerrard<ref>A. W. Gerrard: The alkaloid and active principle of Jaborandi. In: Pharm. J., Nr. 5, 1875, S. 865.</ref> in London entdeckt bzw. isoliert. Es wird vor allem in der Augenheilkunde bei erhöhtem Augeninnendruck („Grüner Star“) angewendet. Es wirkt einerseits direkt erregend auf den Musculus sphincter pupillae und löst somit eine Verkleinerung (Miosis) der Pupille aus. Andererseits wird der Abfluss des Kammerwassers durch Erweiterung der Abflusswege erleichtert, wodurch der Augeninnendruck sinkt. Pilocarpin wird dabei direkt am Auge angewendet, wodurch seine Wirkung lokal auf dieses begrenzt bleibt.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist strahleninduzierte Mundtrockenheit (Xerostomie). Dabei wird ein Gel mit 0,1 % Pilocarpingehalt oder in Wasser aufzulösende Tabletten (Handelsname Salagen)<ref>Renate Langenbach, Ilse Delagardelle: Affekte der Mundschleimheit. In: Eberhard Aulbert, Friedemann Nauck, Lukas Radbruch (Hrsg.): Lehrbuch der Palliativmedizin. Schattauer, Stuttgart 1997. 3., aktualisierte Auflage: 2012, ISBN 978-3-7945-2666-6, S. 265–270, hier: S. 265 f.</ref> benutzt. In ähnlicher Weise kann es gegen Mundtrockenheit beim Sjögren-Syndrom eingesetzt werden.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Pilocarpin-Öl tötet Filzläuse durch Hemmung ihrer Atmung. Es wird daher bei Befall der Wimpern mit Phthiriasis palpebrarum angewendet.<ref name="Kumar2003">Nilesh Kumar, Baoqiang Dong, C Jenkins: Pubic lice effectively treated with Pilogel. In: Eye. 2003, Band 17, Nummer 4, S. 538–539. Vorlage:DOI.</ref>

In der Tiermedizin dient Pilocarpin zur Diagnostik der Felinen Dysautonomie. Bei gesunden Tieren tritt eine Pupillenverengung erst nach 45 Minuten ein, bei Katzen mit Feliner Dysautonomie schon innerhalb von 15 Minuten.<ref>Anja Gerlatzek et al.: Feline Dysautonomie (Key-Gaskell-Syndrom) bei einem Kater. In: Kleintierpraxis. 56, 2011, S. 473–481.</ref>

In der Forschung wird Pilocarpin verwendet, um epileptische Anfälle zu induzieren.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Des Weiteren wird der Pilocarpin-Iontophorese-Schweißtest zur Diagnose der Mukoviszidose verwendet.<ref name="muko-Diagnose">Vorlage:Internetquelle</ref>

Nachweisreaktion

Pilocarpin oder Pilocarpin-Salze lassen sich durch die Helch-Reaktion qualitativ nachweisen.<ref name="roempp" />

Handelsnamen

Monopräparate
Salagen (D, A, CH), Spersacarpin (D, CH), diverse Generika (D, A),

Kombinationspräparate
Arteopilo (CH), Betacarpin (A), Fotil (D, A), Glauko Biciron (D), Normoglaucon (D), TP-Ophtal (D)

Literatur

  • Vorlage:Literatur
  • Doris Schwarzmann-Schafhauser: Pilokarpin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1163.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis