Piribedil
Piribedil (Handelsname in Deutschland: Clarium; Hersteller: Desitin) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Dopaminagonisten, der in der Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung eingesetzt wird. Piribedil ist ein Piperazin-Derivat und gehört damit zu den Non-Ergot-Dopaminagonisten. Neben der stimulierenden Wirkung auf die Dopamin-Rezeptoren D2/3 hemmt es die α2-Adrenorezeptor-Subtypen α2A und α2C.
Darstellung und Gewinnung
Die Verbindung kann in einer vierstufigen Synthesesequenz hergestellt werden. Im ersten Schritt wird aus Brenzcatechin und Methylenchlorid das Benzodioxol erhalten. Dieses wird dann in einer Blanc-Reaktion mit Formaldehyd in Gegenwart von Salzsäure und Zinkchlorid zum 5-Chlormethylbenzo[1,3]dioxol umgesetzt.<ref>Schorygin u. a.: Chem. Zentralbl. 110 (1939) 2178.</ref> Die anschließende Reaktion mit Piperazin ergibt das 1-Benzo[1,3]dioxol-5-ylmethyl-piperazin,<ref>Wilson Cunico, Claudia R.B. Gomes, Marcele Moreth, Diogo P. Manhanini, Isabela H. Figueiredo, Carmen Penido, Maria G.M.O. Henriques, Fernando P. Varotti, Antoniana U. Krettli: Synthesis and antimalarial activity of hydroxyethylpiperazine derivatives In: Eur J Med Chem. 44, 2009, S. 1363–1368, doi:10.1016/j.ejmech.2008.04.009.</ref> welches im letzten Schritt mit 2-Chlorpyrimidin<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> zur Zielverbindung umgesetzt wird.<ref name="Kleemann">A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances - Synthesis, Patents, Applications. 4. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 1-58890-031-2.</ref>
Datei:Piribedil synthesis01.svg
Klinische Angaben
Anwendungsgebiete (Indikationen)
Piribedil ist zur Behandlung der frühen und fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit sowohl in Mono- als auch in Kombinationstherapie mit L-Dopa zugelassen.
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Piribedil darf nicht angewendet werden
- bei Überempfindlichkeit gegenüber Piribedil
- bei kardiovaskulärem Schock
- in der akuten Phase eines Herzinfarktes
- in Kombination mit Neuroleptika (ausgenommen Clozapin)
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die gleichzeitige Anwendung von Neuroleptika und Piribedil kann zu psychotischen Störungen führen oder sie verstärken.
Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit
Die Wirkungen von Piribedil bei Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sind nicht ausreichend bekannt. Daher sollte Piribedil während Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.
Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)
Piribedils Nebenwirkungen sind dosisabhängig und treten meist nur bei Behandlungsbeginn auf und verschwinden nach Abbruch der Behandlung.
- Magen-Darm-Trakt: leichte Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Blähungen) treten häufig auf. Sie verschwinden of wieder nach individueller Dosisanpassung.
- Nervensystem: Zerstreutheit, Halluzinationen, Erregung oder Schwindelgefühl wurden häufig beobachtet. Es kann zu Schläfrigkeit kommen; in sehr seltenen Fällen wurden übermäßige Tages-Schläfrigkeit sowie plötzliche Schlafanfälle beobachtet. Patienten, die mit Piribedil behandelt werden und die unter Schläfrigkeit bzw. plötzlichen Schlafanfällen leiden, müssen darüber informiert werden, dass sie kein Fahrzeug lenken oder anderen Aktivitäten nachgehen dürfen, bei denen sie oder andere durch eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit Gefahr laufen, verletzt oder gar getötet zu werden (z. B. beim Bedienen von Maschinen).<ref>Fachinformation zum Präparat Clarium 50 mg, Firma Desitin, Stand Oktober 2017.</ref>
- Herz-Kreislauf-System: sehr selten wurden niedriger oder instabiler Blutdruck mit Synkopen oder Übelkeit beobachtet.
- Psychiatrische Erkrankungen: Zeichen von Spielsucht/pathologischem Spielen, Libidosteigerung und Hypersexualität wurden berichtet.
- Allergie: der Hilfsstoff Ponceau 4R, der in allen in Deutschland vermarkteten Piribedil-Präparaten enthalten ist (Stand Dezember 2017), kann allergische Reaktionen hervorrufen.
- Überdosierung: hohe Dosierungen von Piribedil führen zu Brechreiz. Daher kommen Überdosierungen sehr selten vor. Anzeichen einer Überdosis sind instabiler Blutdruck oder Übelkeit und Erbrechen.
Sonstige Informationen
Geschichtliches
Die Substanz wurde in den 1960er Jahren bei dem französischen Unternehmen Servier synthetisiert und seit Anfang der 1970er Jahre klinisch eingesetzt, zunächst in der Augenheilkunde<ref>J. Feuillerat, F. Jaubert, J. Vedy, M. Chovet: Le EU 4200 (Piribedil) en pratique ophtalmologique courante. Premiers resultats. In: Med Trop (Mars). 30, 1970, S. 215–235. PMID 5426024.</ref> und bald danach auch bei der Parkinson-Erkrankung.<ref>R. D. Sweet, C. Wasterlain, F. H. McDowell: Piribedil–an oral dopamine agonist for treatment of Parkinson's disease. In: Trans Am Neurol Assoc. 99, 1974, S. 258–260. PMID 4463553.</ref> Piribedil wurde jedoch lange nur selten genutzt, da man annahm, dass sich seine Wirksamkeit auf die Reduzierung des Tremors bei der Parkinson-Erkrankung beschränken würde.<ref>L. Smith, M. De Salvia, P. Jenner, C. D. Marsden: An appraisal of the antiparkinsonian activity of piribedil in 1-methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridine-treated common marmosets. In: Mov Disord. 11, 1996, S. 125–135. PMID 8684381.</ref>
Seit Mitte der 1970er Jahre wurde Piribedil häufig zur Behandlung von Gefäßkrankheiten<ref>A. Piccinelli, G. Neri, A. Agnoli: Trattamento medico a lungo termine dei postumi delle cerebrovasculopatie acute (confronto papaverina-piribedil). In: Minerva Med. 65, 1974, S. 4199–4213. PMID 4610451.</ref> und leichten kognitiven Beeinträchtigungen<ref>D. Nagaraja, S. Jayashree: Randomized study of the dopamine receptor agonist piribedil in the treatment of mild cognitive impairment. In: Am J Psychiatry. 158, 2001, S. 1517–1519. PMID 11532743.</ref> genutzt. Für diese Anwendungsgebiete war Piribedil auch in Deutschland seit 1975 als Trivastal im Handel.
Mittlerweile wurde Piribedil systematisch bei der Parkinson-Erkrankung nachuntersucht. Die Ergebnisse der CONTROL-<ref>A. Castro-Caldas, P. Delwaide, W. Jost u. a.: The Parkinson-Control study: a 1-year randomized, double-blind trial comparing piribedil (150 mg/day) with bromocriptine (25 mg/day) in early combination with levodopa in Parkinson's disease. In: Mov Disord. 21, 2006, S. 500–509. PMID 16267842.</ref> sowie der REGAIN-Studie<ref>O. Rascol, B. Dubois, A. C. Caldas u. a.: Early piribedil monotherapy of Parkinson's disease: A planned seven-month report of the REGAIN study. In: Mov Disord. 21, 2006, S. 2110–2115. PMID 17013922.</ref> führten zu einer Neubewertung der Substanz und 2007 auch zu der o. a. Zulassung in Deutschland.
Einzelnachweise
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Externe Links zu erwähnten Verbindungen
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