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Podągi

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

Datei:Podangen-Sammlung Duncker (5361693).jpg
Rittergut Podangen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Podągi (deutsch Podangen) ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Er gehört zur Landgemeinde Godkowo (Göttchendorf) im Powiat Elbląski (Kreis Elbing).

Geographische Lage

Podągi liegt im Nordwesten der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 25 Kilometer östlich der Stadt Pasłęk bzw. 37 Kilometer südöstlich der heutigen Kreisstadt Elbląg.

Geschichte

Ortsgeschichte

Podangen war ein Allodial-Rittergut, das 1339 als „Padangmen“ (später auch „Podangin“) erstmals urkundlich erwähnt wurde und im ehemaligen Kreis Preußisch Holland am „Flüsschen Passarge“ im sogenannten „Oberland“ Ostpreußens gelegen war. Spätere Zugehörigkeiten lauteten Kreis Preußisch-Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Preußen.<ref name="Europeana">Europeana.</ref>

Dieses Gut befand sich ab 1551 zunächst im Pfandbesitz der Familie von Saucken, der es 1577 vom Herzog von Preußen verschrieben wurde. Diese Familie erwarb 1635 die Vorwerke Rottehnen (auch „Ruttenen“) und Corneinen hinzu. Von der verwitweten Anna Catharina von Saucken erwarb 1663 der kurfürstlich-brandenburgische Obrist und Hauptmann zu Balga, Elias von Kanitz, Podangen, der den Besitz 1670 durch weitere Zukäufe (Lomp und Gemitten) erweiterte. Podangen blieb bis zum Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 im Eigentum dieser 1798 in den Grafenstand erhobenen Familie.

1701 wurde in Podangen vom seinerzeitigen Oberburggrafen Friedrich Wilhelm von Kanitz ein Herrenhaus in einem Stil erbaut, der einer Übergangsform vom Typ Willkühnen zum Typ Neudeck entsprach und im 19. Jahrhundert spätklassizistisch erweitert wurde. Der Besitz Podangen umfasste aufgrund von Zukäufen und anderen Erwerben zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Güter Maulfritzen, Wickerau, Paulken, Carneyen, Wilknitt, Lichtenfeld, Arnau und Pluttwinnen.

Aufgrund der mehrfachen, auf dem Boden der Provinz Ostpreußen ausgetragenen kriegerischen Auseinandersetzungen in den Jahren 1806/1807 und 1812/1813 erlitt Podangen erhebliche Kriegsschäden, die in den persönlichen Aufzeichnungen des damaligen Besitzers, Graf Carl Wilhelm Alexander von Kanitz (1745–1824), eindrucksvoll dokumentiert sind. Die seinerzeit bestehende Hoffnung auf eine Vergütung der erlittenen Kriegsschäden erfüllte sich nicht. Ein Nachfahre (Graf Hans Wilhelm Alexander von Kanitz) schreibt:<ref>Zitiert aus: Hans Graf von Kanitz (Hrsg.): Urkundliche Nachrichten über Podangen, 1339 bis 1900. Preußisch Holland 1900, S. 82 ff., Nr. 32.</ref> „Durch die zweimalige Devastierung der Podanger wie der anderen Güter des Grafen Carl Wilhelm Alexander von Kanitz, wozu noch die Kosten der Equipierung seiner in den Krieg ziehenden Söhne kamen, wurden dessen Vermögensverhältnisse völlig zerrüttet und geriet er im Jahre 1815 in Concurs – er teilte somit das Schicksal der meisten ostpreußischen Grundbesitzer in jener Zeit.“

Den drei überlebenden Söhnen, darunter der spätere preußische General und Kriegsminister Karl August Wilhelm Graf von Kanitz, gelang es aber, zumindest die Güter Podangen und Maulfritzen, den Kernbestand des ehemaligen Kanitz’schen Besitzes, mit Hilfe eines vom preußischen König bewilligten Staatsdarlehens („Retablissement-Kapitals“) von 20.000 Talern aus der Subhastation (Zwangsversteigerung) 1818 zurückzuerwerben. Über die Frage, welcher der drei Brüder nach dem Tode des Vaters den Besitz von Podangen antreten sollte, entschied das Los, das dem ältesten Sohn Alexander zufiel, an den die beiden jüngeren Brüder ihre Besitzanteile sodann 1826 verkauften.

Für den am 6. September 1813 in der Schlacht bei Dennewitz gefallenen Grafen Carl Johann Ehrhard von Kanitz, einen weiteren Sohn des Grafen Carl Wilhelm Alexander von Kanitz, wurde später ein Gedenkkreuz in den Bogengängen des Gutsgartens aufgestellt.<ref name="Europeana" /> Der Gefallene ist in dem Lied des Dichters Max von Schenkendorf „Von den drei Grafen“ gewürdigt.

Am 20. Juni 1854 nächtigte der König von Preußen auf dem Gut als Gast des seinerzeitigen Besitzers Graf Emil Carl Ferdinand von Kanitz, königlicher General-Landschafts-Direktor von Ostpreußen.<ref name="Europeana" />

Erwähnenswert ist der Erwerb des benachbarten Gutes Tüngen durch den Grafen Hans von Kanitz (1841–1913) im Jahr 1882, das seiner Frau, Marie Gräfin von Kanitz, geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen, bis zu ihrem Tode (1929) als Witwensitz diente.

Letzter Besitzer von Podangen vor 1945 war der Reichsminister a. D. Gerhard Graf von Kanitz.<ref>Eine Beschreibung der bis 1945 bestehenden Parkanlage von Podangen: Ursula Gräfin zu Dohna: Gärten und Parke in Ostpreußen. Herford 1993, S. 82 ff.</ref>

Als 1945 in Kriegsfolge das gesamte südliche Ostpreußen an Polen abgetreten wurde, erhielt Podangen die polnische Namensform „Podągi“. Der Ort ist heute eine Osada (= „Siedlung“) innerhalb der Gmina Godkowo im Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 waren in Podągi 254 Einwohner gemeldet.<ref name="osada"/>

Amtsbezirk Podangen (1874–1945)

Als 1874 Podangen Amtsdorf wurde, wurde lediglich der Gutsbezirk Podangen eingegliedert. Erst später folgten andere Ortschaften:<ref>Rolf Jehke: Amtsbezirk Podangen</ref><ref>LG = Landgemeinde, GB = Gutsbezirk</ref>

Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen
Podangen Podągi
ab 1881:
Alken Olkowo gehörte bis 1881 zum Amtsbezirk Reichwalde
Nektainen Niekwitajny gehörte bis 1881 zum Amtsbezirk Reichwalde, ab 1938 zur LG Alken
Reichwalde (LG) Lesiska bis 1881 zum Amtsbezirk Reichwalde
ab 1908:
Reichwalde (GB) 1928 in die LG Reichwalde integriert
Adlig Wickerau
1928/31–1945 Klein Wickerau
Nowe Wikrowo ab 1928 zur LG Podangen

Religion

Bis 1945 war Podangen in die evangelische Kirche Döbern im Kirchenkreis Preußisch Holland, Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union,<ref>Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470</ref> außerdem in die römisch-katholische Kirche in Wormditt eingepfarrt.<ref>GenWiki: Podangen</ref>

Heute gehört Podągi zur evangelischen St.-Georgs-Kirche in Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Seitens der römisch-katholischen Kirche ist Podągi heute selber eine Filialgemeinde mit eigenem Gotteshaus und gehört zur Pfarrei Wilczęta im Dekanat Pasłęk I des Bistums Elbląg.

Verkehr

Podągi liegt an einer Nebenstraße, die von Dobry über Łępno die Woiwodschaftsstraße 513 querend bis in den Ort und weiter bis an die Woiwodschaftsstraße 528 führt. Eine vom Nachbarort Olkowo kommende Straße endet in Podągi. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Vorlage:SammlungDunckerGrafik
  • Peter-Michael Hahn, Hellmut Lorenz (Hrsg.): Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883). Nicolai, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, Band 1 Einführung, Band 2 Katalog
  • Christel Soetemann: Alexander Dunckers 'Ländliche Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der Preußischen Monarchie'. Tausend Veduten zwischen Tilsit und Trier. In: Eckhard Jäger (Hrsg.): Lüneburger Beiträge zur Vedutenforschung. Verlag Nordostdeutsches Kulturwerk, Lüneburg 1983, S. 173–210.
  • Gottfried Loeck: Alexander Dunckers Werk über die ländlichen Wohnsitze der ritterschaftlichen Grundbesitzer Preußens – eine wertvolle Quelle zur pommerschen Geschichte. In: Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e. V. (Hrsg.): Baltische Studien – Pommersche Jahrbücher für Landesgeschichte. Band 82 NF, S. 99–119.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references /> Vorlage:Navigationsleiste Gmina Godkowo