Poggibonsi
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien
Poggibonsi (alttoskanisch: Poggibonizzi) ist eine italienische Stadt mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Toskana. Sie liegt in der Provinz Siena, im Chianti-Gebiet zwischen Siena und Florenz.
Geografie
Die Stadt erstreckt sich über 70 km². Sie liegt 35 km südlich der Regionalhauptstadt Florenz und 23 km nordwestlich der Provinzhauptstadt Siena an der nördlichen Grenze der beiden Verwaltungseinheiten (Provinz Siena und Metropolitanstadt Florenz) in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D,1 984 GR/G.<ref>Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 1. April 2013 (italienisch) (PDF; 322 kB)</ref> Durch den Ort fließen die Flüsse Elsa (11 km) und Staggia (15 km), die sich kurz westlich des Ortskerns vereinigen.<ref>Offizielle Website des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Poggibonsi, abgerufen am 1. April 2013 (italienisch)</ref><ref name="TouringClubItalianoToscana">Touring Club Italiano: Toscana.</ref> Poggibonsi liegt im Gebiet des Elsatal (Val d’Elsa) und reicht bis zu den Ausläufern der Hügel des Chianti, wo der Weinanbau und die Landwirtschaft sehr verbreitet sind. Zudem liegt der Ort an der Via Francigena. Die Kirchen der Gemeinde gehören zum Erzbistum Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino (mit Ausnahme von San Giorgio).
Zu Poggibonsi zählen die Ortsteile Bellavista (135 m, ca. 1300 Einwohner) und Staggia Senese. Weitere Orte (località) sind Castiglioni (146 m, über 100 Einwohner), Fontana (238 m, über 100 Einwohner) und Lecchi (Lecchi di Staggia, 233 m, über 100 Einwohner).<ref>Vorlage:Webarchiv (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Siena, abgerufen am 26. August 2017 (italienisch)</ref>
Die Nachbargemeinden sind Barberino Tavarnelle (FI), Castellina in Chianti, Colle di Val d’Elsa, Monteriggioni und San Gimignano.
Geschichte
Vom geologischen Gesichtspunkt ist das Gebiet von Poggibonsi im Tertiär und vor allem im Pliozän neu gebildet worden. Die ersten Funde eines menschlichen Auftritts sind urgeschichtlich jungsteinzeitlich. Die wichtigsten aber gehen auf die Zeit der Etrusker und Römer zurück, wie die zahlreichen kleinen, vor der Ortschaft verstreuten Nekropolen in der Nähe zu den Colli (dt. Hügel) in Richtung Norden und Nord-Osten bezeugen, aus denen unter anderem die umfangreichste Menge von attischer Keramik des ganzen Val d’Elsa stammt.
Viele Toponyme haben ihren Ursprung in der fernen Vergangenheit, wie z. B. Talciona, wo Marturi (Maris) der etruskische Name für Mars oder Mars-Turan ist. Die Namen von Luco, Megognano, Gavignano, Cedda, Cinciano, Sornano und Gaggiano sind römischen Ursprungs. Den gleichen Ursprung haben viele Straßennamen.
Der heutige Ort entstand im 10. Jahrhundert unter dem Namen Borgo di Marte<ref name="PaccianiPoggibonsi">Marcello Pacciani: Poggibonsi e dintorni. Valdelsa.net, abgerufen am 1. November 2017 (italienisch)</ref> (später Borgo di Marturi<ref name="Repetti">Repetti</ref>) als Borgo unterhalb der Burg und Abtei Castello della Badia, die auf der Anhöhe Poggio Marturi liegt. In der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand auf der Anhöhe Poggiobonizio (benannt nach Bonizzo Segni, einem lokalen Herrscher) die neue Stadt, die oberhalb der heutigen an der Stelle der Fortezza medicea di Poggio Imperiale lag. Durch Bündnisse mit dem ghibellinischen Siena fiel der Ort bei Florenz in Ungnade. So wurde der Ort im November 1270 von fiorentinischen und französischen Truppen unter der Führung von Guy de Montfort vollständig zerstört und die Bevölkerung gezwungen, sich wieder im Borgo Marturi anzusiedeln.<ref name="PaccianiPoggibonsi" /><ref name="Repetti" /> Mit der Vergrößerung des Ortes entstand eine ca. 1 km lange Stadtmauer mit vier Stadttoren, die heute nicht mehr vorhanden sind. Nach dem Frieden von Fucecchio vom 12. Juli 1293 gehörte der Ort wieder zum Gebiet von Florenz und verblieb dort bis zur Napoleonischen Besetzung.<ref name="PaccianiPoggibonsi" /> Danach wurde der Ort Gemeinde im Großherzogtum Toskana.
Sehenswürdigkeiten
Im Hauptort
- Collegiata di Santa Maria Assunta, auch Prepositura oder Propositura di Santa Maria Assunta, Hauptkirche im Ortskern, die 1860 neu errichtet wurde. Enthält ein Taufbecken aus dem Jahr 1341, das Werk Resurrezione von Francesco Botticini und eine Orgel von Antonio und Filippo Tronci aus dem Jahr 1775.<ref name="LuoghiFede">I Luoghi della Fede.</ref>
- San Lorenzo, Kirche im Ortskern aus dem 14. Jahrhundert.<ref name="TouringClubItalianoToscana" />
- Castello della Badia (auch Castello di Poggio Marturi oder Borgo Marturi) genannt. Die Burg sowie die Abtei Abbazia di San Michele Arcangelo a Marturi (Badia) entstanden im 10. Jahrhundert.<ref>Ovidio Guaita: Le Ville della Toscana. Newton & Compton Editori, Rom 1997, ISBN 88-8183-787-0, S. 345 ff.</ref>
- Castello della Magione, Befestigungsanlage kurz außerhalb des Ortskerns.
- Convento di San Lucchese, Konvent aus dem 13. Jahrhundert. Enthält das Werk Storie di Santo Stefano von Cennino Cennini (Freskenzirkel), die Fresken Martirio di Sant’Andrea und San Nicola di Bari von Bartolo di Fredi und die Moltiplicazione dei pani, Fresko von Gerino da Pistoia (1513).<ref name="LuoghiFede" />
- Fortezza di Poggio Imperiale, Festung, die von 1488 bis 1511 durch Giuliano da Sangallo im Auftrag der Medici entstand.<ref>Castelli Toscani zur Festung von Poggibonsi, abgerufen am 3. September 2017 (italienisch)</ref>
- La Fonte delle Fate (früher Fontana di Vallepiatta), Brunnen aus dem frühen 13. Jahrhundert, der zu der alten Burg gehörte und ihr anliegt. Durch die neue Burg (Fortezza Imperiale) wurde der Brunnen mit Erdreich zugeschüttet und erst 1803 wiederentdeckt. Die Konstruktion wird Balugano da Crema zugeschrieben.<ref>Ecomuseo Val d’Elsa zu den Brunnen Fonte delle Fate, abgerufen am 28. August 2017 (italienisch)</ref>
- Santuario di Romituzzo, Sanktuarium, das um 1460 auf Willen von Antonio degli Adimari entstand. Erbaut an dem Ort, wo das Tabernakel Madonna della neve stand.<ref name="LuoghiFede" />
Außerhalb
- Nostra Signora di Lourdes, Kirche im Ortsteil Bellavista, 1970er Jahre.<ref>Il Tirreno zur Kirche Nostra Signora di Lourdes in Bellavista, abgerufen am 2. November 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- Santa Lucia a Bolzano (älter auch Santa Lucia a Bolsano), Kirche in der Località Case Bolzano bei Staggia Senese. Die Kirche wurde 1446 von Papst Eugen IV. erwähnt.<ref>Emanuele Repetti: S. Lucia a Bolsano. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846). (Onlineausgabe der Universität Siena, abgerufen am 31. Oktober 2017, italienisch)</ref>
- Sant’Antonio al Bosco, Kirche an der Grenze zu Monteriggioni (Pian del Casone). Entstand im 13. Jahrhundert.<ref>Il Tirreno zur Kirche Sant’Antonio al Bosco, abgerufen am 2. September (italienisch), mit Abb.</ref>
- Santa Maria Maddalena, Kirche in Castiglioni (Castiglioni Alto), die im 14. Jahrhundert entstand.<ref>Il Tirreno zur Kirche Santa Maria Maddalena in Castiglioni, abgerufen am 28. September 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- San Pietro a Cedda, Kirche bei Cedda, die bereits 1046 erwähnt wurde und im 12. Jahrhundert neu errichtet wurde. Enthält Gemälde und Fresken aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert.<ref name="LuoghiFede" />
- San Donato a Gavignano, Kirche bei Gavignano. Wurde erstmals 998 erwähnt.<ref>Il Tirreno zur Kirche San Donato a Gavignano, abgerufen am 3. September (italienisch), mit Abb.</ref>
- Santa Maria Assunta, Kirche in Lecchi (Lecchi di Staggia), im 16. Jahrhundert entstandene Kirche.<ref>Il Tirreno zur Kirche Santa Maria Assunta in Lecchi, abgerufen am 28. August 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- San Martino, Kirche in Luco, die erstmals 983 erwähnt wurde.<ref>Il Tirreno zur Kirche San Martino a Luco, abgerufen am 28. September 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- Castello di Strozzavolpe, kurz nördlich von Luco gelegene Burg.<ref>Ovidio Guaita: Le Ville della Toscana. Newton & Compton Editori, Rom 1997, ISBN 88-8183-787-0, S. 412 ff.</ref>
- San Pietro a Megognano, Kirche in Megognano, die im 12. Jahrhundert entstand.<ref>Il Tirreno zur Kirche San Pietro a Megognano, abgerufen am 28. September 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- Sant’Andrea, heute Chiesa di San Rocco (auch San Rocco a Papaiano oder früher Sant’Andrea a Papaiano), hinter dem Ortsteil Mocarello am Hügel von Papaiano, Kirche aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Enthält das dem Filippo di Antonio Filippelli zugeschriebene Werk Madonna col Bambino e Santi (1492).<ref name="LuoghiFede" />
- San Lorenzo, Kirche in der Località Pian dei Campi, erstmals 1130 erwähnt.<ref>Poggio Imperiale - Il territorio - Pian dei Campi, Webseite des Dipartimento di Scienze Storiche e dei Beni Culturali der Universität Siena, abgerufen am 2. November 2017 (italienisch)</ref>
- San Bartolomeo ai Pini, Kirchenruine in der Località Pini bei Bellavista und Staggia Senese. Wird aufgrund der gleichen Bauweise wie San Giovanni in Jerusalem am Castello della Magione dem 12. Jahrhundert zugerechnet.<ref name="PaccianiPoggibonsi" /><ref>Marcello Pacciani: Poggibonsi e dintorni. Chiesa di San Bartolomeo ai Pini (Direktlink zur Kirche San Bartolomeo ai Pini, mit Abbildungen der noch intakten Kirche), abgerufen am 1. November 2017 (italienisch)</ref>
- San Giorgio, Kirche in der Località San Giorgio (auch San Giorgio a Cinciano, San Giorgio a Vitiano<ref>Emanuele Repetti: CINCIANO in Val d’Elsa. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846). (Onlineausgabe der Universität Siena, abgerufen am 31. Oktober 2017, italienisch)</ref> oder San Giorgio Vecchio<ref name="PaccianiPoggibonsi" />). Die Kirche liegt im Gebiet des Erzbistums Florenz<ref>Webseite des Erzbistums Florenz zur Kirche San Giorgio, abgerufen am 2. November 2017 (italienisch)</ref> und entstand 1860 und ersetzte die ältere in San Giorgio Vecchio. Enthält aus dem 17. Jahrhundert ein Holzkreuz und das Leinwandgemälde Madonna col Bambino.<ref name="PaccianiPoggibonsi" />
- Castello di Staggia Senese, Burg im Ortsteil Staggia Senese aus dem 11. Jahrhundert.
- Santa Maria Assunta, Kirche in Staggia Senese, die seit 994 bekannt ist.<ref name="LuoghiFede" />
- Chiesa della Misericordia, Kirche in Staggia Senese, die im 15. Jahrhundert entstand und linksseitig der Kirche Santa Maria Assunta anliegt. Wurde 1928 restauriert.<ref>Vorlage:Webarchiv zur Chiesa della Misericordia in Staggia Senese, abgerufen am 28. September 2017 (italienisch), mit Abb.</ref>
- Santa Maria a Talciona, Kirche in Talciona, die erstmals 1156 erwähnt wurde.<ref name="LuoghiFede" />
Wirtschaft
Der Ort ist ein wichtiger Industriestandort, in dessen Umgebung Möbel, Vasen und Gläser produziert werden. Zudem existiert eine starke Bauwirtschaft.
Verkehr
- Poggibonsi hat zwei Anschlussstellen (Poggibonsi Nord und Poggibonsi Sud) an die RA3, einer Schnellstraße von Siena nach Florenz und liegt an der historischen Via Francigena.
- Der Bahnhof von Poggibonsi (Poggibonsi-S. Gimignano) liegt an der Bahnstrecke Siena-Empoli, hierbei gibt es auch Direktverbindungen nach Florenz.
Sport
Der örtliche Fußballverein US Poggibonsi spielte von 1946 bis 1948 zwei Saisons drittklassig und insgesamt 36 Saisons viertklassig, davon zuletzt mehrere Jahre in den viertklassigen Profi-Ligen Serie C2 (1988 bis 1995, 2000 bis 2003 und 2005 bis 2008), Lega Pro Seconda Divisione (2008 bis 2014) und Serie D (2014 bis 2017). Seit 2017 spielt der Verein in der fünftklassigen Eccellenza.
Gemeindepartnerschaften
Poggibonsi unterhält seit dem Jahr 2000 Gemeindepartnerschaften mit Werne in Nordrhein-Westfalen und Marcq-en-Barœul in Frankreich.<ref>Offizielle Webseite von Poggibonsi: Dieci anni di gemellaggio: Poggibonsi festeggia insieme alle città amichè. Comunicato del 10/05/2010, abgerufen am 3. September 2017 (italienisch)</ref>
Söhne und Töchter der Stadt
- San Lucchese (Lucchese da Poggibonsi (Ordo Franciscanus Saecularis), * um 1181 in Poggibonsi; † 28. April 1260 ebd.), Geistlicher<ref>San Lucchese bei Santi e Beati, santiebeati.it, abgerufen am 3. September (italienisch)</ref>
- Beato Davanzato (um 1200 in Poggibonsi; † 7. Juli 1295), Mönch der Franziskanischen Gemeinschaft<ref>Beato Davanzato da Poggibonsi bei Santi e Beati, santiebeati.it, abgerufen am 3. September (italienisch)</ref><ref>Anna Benvenuti Papi: DAVANZATO (Avanzato, Nevanzaio). in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 33 (1987)</ref>
- Nikolaus von Poggibonsi (Niccolò da Poggibonsi), von 1310 bis 1320 dokumentiert, Mönch der Franziskanischen Gemeinschaft und Autor des Buches Libro d’Oltramare<ref>Sergio Gensini: NICCOLÒ da Poggibonsi. in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 78 (2013)</ref><ref>C. D. M. Cossar (Hrsg.): The German Translation of Niccolò da Poggibonsi’s „Libro d’ oltramare“ (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 452). Kümmerle Verlag, Göppingen 1985, ISBN 3-87452-687-9.</ref>
- Benedetto Bacci (eigentlich Mattia Bacci, * 13. September 1591 in Poggibonsi; † 2. Mai 1658 in Prato), Geistlicher<ref>Benedetto Mattia Bacci bei Santi e Beati, santiebeati.it, abgerufen am 3. September 2017 (italienisch)</ref>
- Luigi Fracassini (1733–1796), Komponist und Violinist in Bamberg
- Francesco Costantino Marmocchi (1805–1858), Geograf<ref>Gabriele Paolini: MARMOCCHI, Francesco Costantino. in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 70 (2008)</ref>
- Gaetano Pieraccini (1864–1957), Arzt und Politiker<ref>Pieraccini Gaetano im Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA), abgerufen am 3. September (italienisch)</ref>
- Alberto Bettiol (* 1993), Radrennfahrer
- Irene Siragusa (* 1993), Sprinterin
- Tommaso Baldanzi (* 2003), Fußballspieler
Literatur
- Enrico Bosi, Giovanna Magi: I Castelli del Chianti. Bonechi Editrice, Florenz 1979, ISBN 88-7009-000-0, S. 101 ff.
- Emanuele Repetti: Poggibonsi, Poggibonizi, Poggio Marturi – Via Strada Ferrata da Siena alla Leopolda – Via Regia Postale Traversa Romana. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846), Onlineausgabe der Universität Siena (PDF, italienisch)
- Touring Club Italiano: Toscana. Mailand 2003, ISBN 88-365-2767-1, S. 598 ff.
Weblinks
Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikivoyage
Einzelnachweise
<references responsive />