Pogrom von Tripolis
{{#if: handelt vom Pogrom in Tripolis im Jahr 1945. Zum Pogrom in Tripolis im Jahr 1948 siehe Pogrom von Tripolis 1948.
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}}Das Pogrom von Tripolis 1945 waren blutige Unruhen von Muslimen gegen die jüdische Minderheit in Libyen. Vom 5. November bis zum 7. November 1945 wurden in einem antijüdischen Pogrom in der libyschen Hauptstadt Tripolis sowie in Zanzur, Amrouss und Kussabat 130 Juden und 5 Muslime getötet und eine Vielzahl mehr verletzt oder vergewaltigt.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Zusammen mit vorausgehenden religiös motivierten Verfolgungen und der Unterdrückung von Juden durch die Italienischen Rassengesetze während des Zweiten Weltkrieges wurden das Pogrom zu einem Wendepunkt in der Geschichte der Juden in Libyen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden die meisten Juden vertrieben und die jüdische Gemeinschaft hörte auf zu existieren, da die meisten von ihnen nach Italien oder Israel flohen.
Ablauf des Pogroms
Am 4. November 1945 wurden Waffen verteilt und Haustüren mit Kreide mit den Wörtern „Jude“, „Italiener“ und „Araber“ beschriftet. Am 5. November, ein Sonntag, begannen die Übergriffe zeitgleich in mehreren Stadtteilen von Tripolis, wobei die Bewaffneten am 6. November durch tausende in die Stadt kommende Bauern aus dem Umland verstärkt wurden.<ref name=":0" />
Die Einwohner des jüdischen Viertels der Altstadt, der Hara, hatten eine seit 1943 von der Jüdischen Brigade der britischen Armee ausgebildete Selbstverteidigungsgruppe. Ein solcher Selbstschutz fehlte in Zanzur, Amrouss (Souk-el-Jouma) und Kussabat.<ref name=":0" />
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Tripolis versuchte am Nachmittag des 4. November im Polizeihauptquartier den Leiter der Polizei zu finden. Kein verantwortlicher Offizier war für ihn zu sprechen. Die Militärs im britischen Truppenlager unmittelbar vor der Stadt blieben inaktiv. Erst ab den dritten Tag des Pogroms ließ der britische Kommandant einige Gewalttäter festnehmen. Allein in Tripolis wurden 159 Juden in Krankenhäuser eingeliefert.<ref name=":0" />
Die meisten Opfer wurden mit Käulen oder Eisenstangen erschlagen, einigen bereits niedergeschlagenen Opfern wurde danach die Kehle durchgeschnitten. Tote oder verletzte Juden vor allem in Zanzur und Amrouss wurden mit Benzin oder Petrolium übergossen und angezündet, dadurch wurden viele Leichen unkenntlich.<ref name=":0" />
Vor allem in Zanzur und Kussabat wurden Frauen und Mädchen vergewaltigt, häufig vor den Augen ihrer Angehörigen. Männer und die zuvor vergewaltigten Frauen und Mädchen mussten unter Zwang zum Islam konvertieren. In Kussabat war die ganze jüdische Gemeinde von der Zwangskonversion betroffen.<ref name=":0" />
Unter den Todesopfern befanden sich viele Kinder. In Amrouss waren von den 38 ermordeten Juden 9 Kinder unter zehn Jahren und in Zanzur waren von 34 Todesopfern 15 Kinder diesen Alters.<ref name=":0" />
Die Gewalttäter zerstörten neun Synagogen und 35 Tora-Rollen gemeinsam mit Häusern, Wohnungen und Geschäften. Viele bereits arme jüdische Familien verloren ihren letzten Besitz. Den jüdischen Gemeinden wurde Synagogenzubehör aus Silber von 89 kg Gewicht gestohlen und die Gewalttäter verbrannten 2084 Bücher, wie die spätere anglo-amerikanische Untersuchungskommission festhielt.<ref name=":0" />
Als die britischen Truppen die Übergriffe am 7. November 1945 beendeten, benötigten sie zur Durchsetzung einer Ausgangssperre nur zwei Stunden. Dies wirft ein ungünstiges Licht auf ihre vorherige Untätigkeit. Der Sergeant der US Air Force Joseph Zweben, der sich in Tripolis aufhielt, hielt ihnen vor, sie hätten den Gewaltausbruch, wenn sie es gewollt hätten, schon am Sonntag „in fünf Minuten“ beenden können.<ref name=":0" />
Der Mufti von Tripolitanien, Mohamed Abdul Assaad el-Alem, erließ am 12. November 1945 eine Fatwa, die den Tätern befahl, geplündertes Eigentum aus dem Besitz der Juden an sie zurückzugeben. Die britisch-US-amerikanischen Militärbehörden verfassten einen Untersuchungsbericht. Auch die jüdischen Gemeinden verfassten einen gemeinsamen Bericht.<ref name=":0" />
Die Zeitung Tarabulus El-Gharb verurteilte das Massaker. Am 8. November 1945 schrieb sie, die Täter hätten die arabische Ehre beschmutzt. Sie machte aber keine ausdrückliche Erwähnung davon, dass die Opfer Juden waren. Am 27. November 1945 veranstalteten die Briten eine Aussprache mit den Vorstehern der muslimischen und jüdischen Gemeinschaft, die als vertrauensbildend beschrieben wurde.<ref name=":0" />
Es gab rund 600 Verhaftungen mutmaßlicher Täter, davon wurden 289 schuldig gesprochen und überwiegend zu leichten Gefängnisstrafen verurteilt. Es gab 85 Freisprüche und zwei Todesurteile.<ref name=":0" />
Siehe auch
Einzelnachweise
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