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Preis- und Erlösmanagement Personenverkehr

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Als Preis- und Erlösmanagement Personenverkehr (Kurzform PEP) bezeichnete die Deutsche Bahn ein im Dezember 2002 eingeführtes Tarifsystem im Schienenpersonenfernverkehr. An Stelle entfernungsbezogener Preise mit Zuschlägen sowie zahlreicher Angebote traten als Plan&Spar bezeichnete Frühbucherrabatte und eine grundlegend veränderte BahnCard. Nach Umsatz- und Fahrgastverlusten wurde das System im Sommer 2003 stark modifiziert, auch die Bezeichnung wurde danach nicht mehr benutzt.

Philosophie

Dem Preissystem lag ein so genannter Normalpreis zu Grunde, der auf der Grundlage degressiver Grundpreise (im Fern- und Nahverkehr) gebildet wurde. Auf ausgewählten Relationen wurden Relationspreise gesetzt. Für die Nutzung der 1. Klasse wurde ein Faktor von 1,5 gegenüber dem Preis der 2. Klasse angesetzt.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Der so gebildete Normalpreis konnte mit einem als Plan & Spar bezeichneten, zuggebundenen Frühbucherrabatt rabattiert werden:<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

  • Der Tarif Plan & Spar 10 gewährte einen Rabatt von 10 Prozent auf den Normalpreis und konnte mit einer Vorkaufsfrist von einem Tag erworben werden. Er galt sowohl für einzelne Fahrten als auch für Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt.
  • Der Tarif Plan & Spar 25 bot einen Rabatt von 25 Prozent auf den Normalpreis. Die Vorkaufsfrist lag bei drei Tagen. Der Tarif galt darüber hinaus nur, wenn Hin- und Rückfahrt auf einer Fahrkarte gebucht wurden.
  • Der Tarif Plan & Spar 40 gewährte 40 Prozent Rabatt auf den Normalpreis. Bei einer Vorkaufsfrist von sieben Tagen waren Hin- und Rückreise auf einer Fahrkarte zu buchen. Zusätzlich bestand eine Wochenendbindung.

Der Umtausch von Plan&Spar-Fahrkarten war gegen Entgelt möglich.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Sowohl auf Normal- als auch auf Plan&Spar-Preise konnte ein Mitfahrerrabatt von 50 Prozent ab einem bestimmten Mindestpreis angewendet werden. Darüber hinaus wurde die BahnCard neu konzipiert (25 Prozent Rabatt, Jahresgebühr von 60 in der 2. und 150 Euro in der 1. Klasse). Auch wurde ein Serviceprogramm für Vielfahrer geschaffen.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Kinder bis 14 Jahren reisten in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern kostenlos. Spezielle Zielgruppenkonzepte sollten für Familien, Kinder/Jugendliche, Mehrpersonenfahrten/Gruppen, Pendler sowie Firmenkunden geschaffen werden. Für Gruppen war dabei bereits zum 1. Januar 2001 ein kontingentiertes Gruppenpreissystem eingeführt worden, das Rabatte von bis zu 75 Prozent vorsah.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Geschichte

Hintergrund

Das Ende der 1980er Jahre bei der Deutschen Bundesbahn verwendete Platzbuchungssystem (EPA) ermöglichte keine Kontingentierung. Zu dieser Zeit wurde an einer technischen Lösung zur Ergänzung des Systems gearbeitet.<ref name="bb-1988-925">Dietmar Kampovsky, Franz Radke: Platzreservierung auf Expansionskurs. In: Die Bundesbahn. 64, Nr. 10, 1988, S. 925–928.</ref>

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre arbeiteten Bahnmitarbeiter unter der Bezeichnung Loco an einer Reform des Tarifsystems.<ref name="sz-2002-287-4" /> Als erste Stufe dieses Systems wurde 1991 der ICE-Sparpreis eingeführt. Damit sei es laut Bahnangaben gelungen, die Nachfrage wesentlich gleichmäßiger über die Wochentage zu verteilen.<ref name="db-1992-4-4">Ein Jahr Hochgeschwindigkeitsverkehr. In: Die Bahn informiert. Nr. 4, 1992, ZDB-ID 2003143-9, S. 4–6.</ref>

Unter der Führung von Anna Brunotte entwickelten bis zu 500 Mitarbeiter in Frankfurt<ref name="taz-2015-03-14">Daniel Kastner, Richard Rother: Rabatt oder Rabatz. In: Die Tageszeitung. 14. März 2015, S. 18–20 (taz.de).</ref> das neue Tarifsystem, das zum 15. Dezember 2002 schließlich in Kraft trat.<ref name="sz-2002-287-4">Im Profil: Anne Brunotte. Erfinderin der umstrittenen neuen Bahntarife. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 287, 2002, S. 4.</ref> Das Loco-Konzept lag bereits den Tarifen des 1991 eingeführten ICE-Systems zu Grunde. Dabei wurden kurze, wettbewerbsfähige Relationen relativ höher bepreist als längere und weniger attraktive Relationen.<ref name="etr-2001-311">Eberhard Jänsch: Zehn Jahre Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Heft 6/2001, S. 311–322.</ref> Laut einem Pressebericht habe der damalige Fernverkehrsvorstand Axel Nawrocki Ende der 1990er Jahre auch deshalb seinen Hut nehmen müssen, da er an der Reform des Preissystems gescheitert sei.<ref name="faz-1999-246-73">Christian Siedenbiedel: Das alltägliche Drama am Fahrkartenschalter. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 246, 1999, S. 73.</ref>

Die Arbeiten an der Neukonzeption des Preissystems begannen Anfang 1999. Die Neuausrichtung des Preissystems basierte nach Unternehmensangaben auf einer weitreichenden empirischen Grundlage. Darauf aufbauend sei ein Marktsimulationsmodell zur Einschätzung preispolitischer Maßnahmen entwickelt worden. Verschiedene Akzeptanz- und Marktstudien hätten eine hohe Akzeptanz der neuen Preise ergeben. Insbesondere habe das neue System eine wesentlich bessere Preiswahrnehmung erzielt.<ref name="deine-bahn-2002-4-208">Gerd Wilger, Andreas Krämer: Das neue Preissystem und Erlösmanagement der Deutschen Bahn. In: Deine Bahn. ISSN 0172-4479, Heft 4/2000, S. 208–213.</ref> Die Einführung des neuen Preissystems wurde mehrfach verschoben. Im Frühjahr 2001 war die zuvor für den 1. Juni 2001 geplante Einführung schließlich für das zweite Halbjahr 2002 vorgesehen. Bei weiteren Verzögerungen befürchtete die Deutsche Bahn ausbleibende Mehrerlöse in Höhe von 570 Millionen DM pro Jahr.<ref name="sz-2001-04-05">Klaus Ott: Bahn droht Fiasko beim Ticketverkauf. In: Süddeutsche Zeitung. 5. April 2001, S. 23.</ref>

Das Unternehmen sah drei wesentliche Defizite, denen im Rahmen des Preissystems begegnet werden sollte: die Preisgestaltung, eine unzureichende Preisdifferenzierung (insbesondere im Bereich zwischen 300 und 500 Kilometern Reiseweite) und eine fehlende Auslastungssteuerung. Preisgestaltung und Preishöhe wurden in Umfragen dabei als wesentliche Nutzungshemmnisse gegenüber der Bahn angegeben. Auch die Preiswahrnehmung sei verbesserungsbedürftig gewesen; die Bahn sei als insgesamt teures Verkehrsmittel wahrgenommen worden.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Nach eigenen Angaben sei die Bahn bei großen Entfernungen „aus dem Markt gepreist worden“. Die Einführung verschiedener pauschaler Sonderangebote (z. B. das Guten-Abend-Ticket und der ICE-Sparpreis) habe zu unlogischen Stellen im Preissystem geführt, die kein Kunde mehr verstanden habe. Als ein weiterer Grund wurden Schwierigkeiten genannt, das Preissystem mit Mitteln der Informationstechnologie abzubilden. Daraus ging der Ansatz einer entfernungsdegressiven Preisgestaltung hervor. Bei Entfernungen zwischen 600 und 800 Kilometer sei dabei der Preis um 25 Prozent gesenkt worden.<ref name="sz-2002-194-18" />

Gleichzeitig sollte eine Spitzenlasttarifierung eingeführt werden. Nicht zuletzt das Schönes-Wochenende-Ticket habe gezeigt, wie preisaggressive Angebote Opfer ihres eigenen Erfolges würden, wenn Züge überfüllt und damit Unzufriedenheiten erzeugt würden. Dabei habe es sich bei der Überfüllung von Zügen um ein punktuelles Problem gehandelt, das in Abhängigkeit von Tageszeit, Wochentag, Zuggattung, Wagenklasse und Streckenabschnitt unterschiedlich stark aufgetreten sei. Vorherige Ansätze, dieses Problem (neben einer möglichen Kapazitätsanpassung) durch eine Zeitfenstersteuerung (Peak Pricing) zu begrenzen, könnten nicht flächendeckend eingesetzt werden.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" />

Darüber hinaus sei das Segment der Mehrpersonenreisen bislang noch nicht ausreichend durch die Bahn bedient worden – während rund 70 Prozent der innerdeutschen Fernreisen wenigstens aus zwei Reisenden bestanden hätten, sei der entsprechende Anteil bei der Bahn nur bei rund 40 Prozent gelegen. Während der Modal Split der Bahn bei Fernreisen in Deutschland bei 18 Prozent (Pkw: 71 Prozent) gelegen habe, sei der Marktanteil bei Reisenden von zwei bis vier Personen bei sechs Prozent (Pkw: 83 Prozent) gelegen. Durch eine Annäherung der Bahnpreise an die Kosten des Pkw könne neues Potential auf dem Markt erschlossen werden.<ref name="deine-bahn-2002-4-208" /> Die Einführung eines Mitfahrerrabatts (jede mitfahrende Person zahlte 50 Prozent vom Preis der ersten) sei maßgeblich auf den Konkurrenzdruck zum Pkw zurückgegangen.<ref name="sz-2002-194-18" />

Das neue Preissystem zählte zu den 25 Maßnahmen des im Februar 2001 gestarteten Maßnahmenpakets „Focus“, mit dem die DB bis 2005 ihre Produktivität und Kundenorientierung verbessern wollte.<ref name="eri-2001-146">Bahnbudget. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 4/2001, S. 146.</ref>

Die DB erwartete eine Umsatzsteigerung um drei Prozent durch das neue System.<ref name="sz-2002-194-18">Das alte System hat kein Mensch mehr verstanden. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 194, 2002, S. 18.</ref> Darüber hinaus sollte die durchschnittliche Auslastung der Fernzüge von 40 auf 60 Prozent erhöht werden.<ref name="sz-2002-234-2">Fliegen als Vorbild. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 234, 2002, S. 2.</ref> Das Unternehmen rechnete zur Einführung Ende 2002 mit einer Steigerung der Erlöse im Personenverkehr um 350 Millionen Euro im Jahr 2003. Dies entsprach einer Umsatzsteigerung von fast zehn Prozent. Die Zahl der Fahrgäste sollte noch stärker steigen.<ref name="sz-2002-289-1">Klaus Ott: Mit „Pep“ in eine neue Zeit. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 289, 2002, S. 1.</ref>

Der Verkauf von Fahrkarten nach dem neuen Preissystem begann Anfang November 2002.<ref name="sz-2002-289-1" /> Am 29. November 2002 begann der Internet-Vertrieb von Fahrscheinen nach dem neuen Preissystem.<ref name="sz-2002-277-12">Fahrkarten selbst drucken. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 277, 2002, S. 12.</ref> Nach eigenen Angaben bot das Unternehmen täglich 300.000 Sitzplätze zu Plan&Spar-Preisen an.<ref name="spiegel-2003-14">Wie ein Schneemann im Regen. In: Der Spiegel, Heft 14/2003, 31. März 2003</ref>

Einführung

Die Einführung der neuen Tarife war zunächst für Mitte 2001 geplant und wurde später auf den 1. Januar 2002 verschoben. Anfang 2001 kündigte die Deutsche Bahn mit Verweis auf den hohen technischen Aufwand an, die Umstellung solle im Laufe des Jahres 2002 erfolgen. Das Unternehmen bezeichnete die Umstellung als das größte Informationstechnologie-Projekt in der Geschichte der Bahn.<ref name="eri-2001-98">Meldung Neues Tarifsystem später. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 3/2001, S. 98.</ref>

Das Preissystem wurde Ende 2001 vorgestellt<ref name="eri-2001-562">Severin Dünnbier: Überlegungen zum neuen Fahrpreiskonzept der Deutschen Bahn. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 12/2001, S. 562.</ref> und zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 eingeführt<ref name="sz-2002-288-17">Und die Bahn kommt…. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 288, 2002, S. 17.</ref>.

Zu den im Zuge des neuen Preissystems abgeschafften Sonderangeboten zählt der Onlineticket-Vorläufer Surf & Rail, der 2003 wieder eingeführt wurde.<ref name="eri-2003-476">Meldung „Surf & Rail“ ist zurück. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 11/2003, S. 476.</ref>

Die DB bot in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Mitfahrzentralen eine Online-Mitfahrerbörse an.<ref name="eri-2003-50a">Meldung Mitfahrer gesucht. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 2/2003, S. 50.</ref>

Vor Einführung des Systems seien 22.000 Bahn- und 20.000 Reisebüromitarbeiter geschult worden.<ref name="sz-2002-194-18" />

Auswirkungen

Nach eigenen Angaben habe das Unternehmen das Preisniveau um durchschnittlich zwölf Prozent gesenkt.<ref name="mobil-2003-08-46">Bahnreisende haben jetzt gute Karten. In: mobil. August 2003, S. 46 f.</ref> Während die Normalpreise auf Langstrecken um bis zu 25 Prozent gesenkt worden seien, seien die Preise für kürzere Relationen teilweise leicht angehoben worden. Eine einfache Fahrt von Hamburg nach Frankfurt sei im Preis beispielsweise von 98,20 auf 80,80 Euro gesenkt worden. Die Preisdifferenzierung nach Zugkategorien (ICE, IC/EC) blieb erhalten, reine Nahverkehrspreise waren von dem Preissystem nicht betroffen.<ref name="eri-2002-548">Neues Preissystem der DB AG tritt in Kraft. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 12/2002, S. 548.</ref>

Bis zum 13. Dezember 2002 hatte das Unternehmen 1,3 Millionen Fahrkarten nach den neuen Tarifen verkauft.<ref name="sz-2002-289-1" /> Im Januar 2003 ging der Umsatz der DB mit Fernverkehrsfahrscheinen im Jahresvergleich um 13,8 Prozent zurück.<ref name="sz-2003-74-21">Bahn plant Sonderaktion. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 74, 2003, S. 21.</ref> In den beiden ersten Monaten seien Einnahmeausfälle von mehreren zehn Millionen Euro entstanden. Ein Sprecher nannte als Gründe für den Umsatzrückgang die schlechte Konjunktur, den Winter, technische Probleme auf der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main sowie die Konkurrenz durch Billigfluggesellschaften. Konjunkturbereinigt liege man „voll im Plan“.<ref name="sz-2003-50-20">Klaus Ott: Weniger Fahrgäste bei der Bahn. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 50, 2003, S. 20.</ref> Im Februar und März wurden ähnliche Umsatzrückgänge verzeichnet.<ref name="sz-2003-74-21" /> In den ersten drei Monaten des Jahres 2003 gingen die Fahrgastzahlen im Fernverkehr um sieben Prozent zurück.<ref name="sz-2003-117-19">Bahn mit deutlich höherem Quartalsverlust. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 117, 2003, S. 19.</ref> Bis Juni 2003 lagen die Erlöse 20 Prozent unter Plan.<ref name="sz-2003-149-17">Thema des Tages. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 149, 2003, S. 17.</ref>

Im ersten Halbjahr 2003 ging der Umsatz im DB-Schienenpersonenfernverkehr im Jahresvergleich um 13 Prozent zurück. Bei einem Umsatz von 1,44 Milliarden Euro wurde dabei ein Verlust von 266 Millionen Euro erwirtschaftet.<ref name="sz-2003-192-22">Die Bahn verliert massiv Kunden. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 192, 2003, S. 22.</ref> Im Vorjahreszeitraum hatte der Fernverkehr einen Gewinn von 50 Millionen Euro eingefahren.<ref name="eri-2003-426">Meldung DB-Halbjahreszahlen. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 10/2003, S. 426.</ref>

Im August 2003 habe der Umsatz im Personenfernverkehr wieder nahezu das Vorjahresniveau erreicht.<ref name="eri-2003-515">Neue Akzente bei der DB AG. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 11/2003, S. 515–517.</ref>

Kritik

Das neue Preissystem stieß auf vielfältige Kritik. Stiftung Warentest, Pro Bahn, der Verkehrsclub Deutschland und andere wiesen auf verschiedene Schwächen in dem neuen System hin.<ref name="sz-2002-285-18">Kritik an neuen Bahntarifen. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 285, 2002, S. 18.</ref> So begrüßte die Stiftung Warentest im Dezember 2002 zwar die logische Kombinationsmöglichkeit von Rabatten, bemängelte aber zahlreiche weitere Aspekte: neben der Umwidmung des Interregio und der Halbierung des BahnCard-Rabatts wurde die Umtauschgebühr von bis zu 45 Euro als „Gipfel der Kundenferne“ bezeichnet. Darüber hinaus sei für Familien der ehemalige Familiensparpreis oft günstiger gewesen als die neuen Sparpreise.<ref name="test-2002-12-78">Stiftung Warentest: Viele fahren schlechter. In: Test. Heft 12, 2002, S. 78–81</ref>

Kurz vor Einführung des neuen Systems sagte Brunotte, die meisten Vorbehalte gegenüber dem neuen System beruhten entweder auf „echten Vorurteilen oder falschen Informationen“.<ref name="sz-2003-118-23">Bahn trennt sich von Tarifsystem-Managerin. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 118, 2003, S. 23.</ref> Personenverkehrs-Vorstand Franz meinte intern, das System sei „ein notwendiger Erziehungsprozess“.<ref name="sz-2003-119-28">Schmeiß’ die Tickets weg, wir fahren Auto. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 119, 2003, S. 28.</ref>

Fernsehjournalisten, die am 15. Dezember 2002 an Bahnhöfen über das neue Preissystem berichten wollten, kritisierten Drehverbote. Von etwa 60 angemeldeten Fernsehteams hatten an diesem Tag zunächst nur zwei eine Drehgenehmigung erhalten.<ref name="sz-2002-288-17" />

Ende Dezember 2002 drohte die DB dem Pro-Bahn-Vorsitzenden Karl-Peter Naumann und einem weiteren Funktionär des Verbandes mit einer Klage, sollten diese nicht binnen weniger Tage eine Unterlassungserklärung abgegeben, zwei Aussagen zu wiederholen. Gegenstand des Streits waren Aussagen, nach denen jeder zweite Kunde mangels fundierter Beratung zu viel bezahle. Ferner sei der Kauf der günstigsten Karte reine Glückssache.<ref name="sz-2002-299-2">Bahn geht juristisch gegen Kritiker vor. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 299, 2002, S. 2.</ref> Bahnchef Mehdorn sagte, die Deutsche Bahn werde nichts an dem Preissystem ändern, auch wenn dies „gewisse profilierungssüchtige Funktionäre zur Weißglut“ treibe. Die Deutsche Bahn stellte den Kontakt zu Pro Bahn ein.<ref name="eri-2003-50b">Meldung Wenn zwei sich streiten. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 2/2003, S. 50.</ref> Zum Jahreswechsel legte der Verband eine 30-seitige Dokumentation mit Problemen vor, die sich bei der Buchung der günstigsten Verbindung ergeben würden.<ref name="sz-2003-2-6">Pro Bahn fürchtet nicht, unter die Räder zu kommen. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 2, 2003, S. 6.</ref>

Mitte Januar 2003 erließ das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung, die Naumann bei einem angedrohten Ordnungsgeld von 250.000 € verbot, zu behaupten, jeder zweite Bahnkunde bezahle zu viel für sein Ticket.<ref name="sz-2003-11-20">Bahn lässt Kritik verbieten. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 11, 2003, S. 20.</ref> Naumann rief die nächsthöhere Instanz an; das Verfahren sollte im August 2003 beginnen.<ref name="sz-2003-152-23">Klaus Ott: Fernzüge trüben Bilanz der Bahn. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 152, 2003, S. 23.</ref> Im März 2003 legte die Stiftung Warentest das Ergebnis einer Studie von 120 Testgesprächen am Schalter und per Telefon vor. Demnach sei nur in jedem zweiten Fall der günstigste Fahrpreis genannt worden. „Das Preissystem und seine technische Umsetzung erweisen sich als zu kompliziert und unübersichtlich“, so die Prüfer.<ref name="sz-2003-73-19">Note vier für neue Bahnpreise. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 73, 2003, S. 19.</ref><ref>Stiftung Warentest: Test Kundenberatung der Deutschen Bahn. In: test. 04/2003.</ref> Darüber hinaus wurde eine Reihe von handwerklichen Fehlern bemängelt.<ref name="eri-2003-298">Wolfgang Hanke: Zum Klang der Schmalmeien falsch kalkuliert bei Plan und Spar. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2003, S. 298 f.</ref>

Korrekturen

Am 20. Mai 2003, nach einer Aufsichtsratssitzung an diesem Tag, kündigte die Deutsche Bahn Veränderungen an dem Preissystem an. Mit Wirkung zum Folgetag wurde die Stornogebühr der Plan&Spar-Preise von 45 auf 15 Euro gesenkt. Eine erste Überprüfung und mögliche Nachbesserungen wurde für den Dezember des gleichen Jahres angekündigt. Ebenfalls am 20. Mai 2003 wurden die Bahnvorstände Christoph Franz (Personenverkehr) und Hans-Gustav Koch (Marketing) von ihren Aufgaben entbunden.<ref name="sz-2003-116-1">Ulf Brychy, Klaus Ott: Bahn korrigiert umstrittenes Preissystem. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 116, 2003, S. 1.</ref> Bei der Vorlage der Jahresbilanz 2002 am 21. März 2003 war das neue Preissystem und Korrekturen daran das bestimmende Thema. Bahnchef Mehdorn betonte, das neue System sei insgesamt keinesfalls schlecht, die Kritik daran sei hochgeschaukelt worden.<ref name="sz-2003-117-19" />

Am 2. Juli 2003 kündigte die Deutsche Bahn verschiedene Veränderungen an dem Tarifsystem an: Zum 1. August wurde die 50-Prozent-BahnCard als BahnCard 50 wieder eingeführt und die drei Plan&Spar-Rabattstufen (10, 25 und 40 Prozent) in zwei als Sparpreis bezeichnete Rabattstufen von 25 und 50 Prozent geändert.<ref name="sz-2003-150-1">Bahn korrigiert Preise und Rabatte. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 150, 2003, S. 1.</ref> Beide Sparpreise waren bis drei Tage vor Fahrtantritt erhältlich und kontingentiert. Für den Sparpreis 50 galt darüber hinaus eine Wochenendbindung (eine Nacht auf Samstag auf Sonntag zwischen Hin- und Rückfahrt bzw. Hin- oder Rückfahrt am Samstag oder Sonntag). Die Normalpreise blieben unverändert.<ref name="eri-2003-338">Meldung Neues beim „neuen“ Preissystem: Rückkehr zu Altbewährtem. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 8–9/2003, S. 338.</ref> Das Niveau der Normalpreise entsprach laut Angaben der Deutschen Bahn etwa dem Tarifniveau von 1994.<ref name="eri-2004-98" />

Zum 1. April 2004 wurden die Preise im Fernverkehr um durchschnittlich 3,4 Prozent erhöht; Zeitkarten wurden um durchschnittlich 1,9 Prozent teurer. Die Normalpreise bis 100 km seien stabil gehalten worden, die Preise im Entfernungsbereich von 100 bis 200 km sogar um durchschnittlich 1,6 % gesenkt worden. Im Bereich zwischen 200 und 700 km wurden die Preise dagegen um durchschnittlich 5,8 % angehoben. Zum gleichen Stichtag wurde ein Maximalpreis (111 Euro in der 2. Klasse, 167 Euro in der 1. Klasse) eingeführt.<ref name="eri-2004-98">Meldung Schon wieder Preisänderungen bei der DB AG. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 3/2004, S. 98.</ref>

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 wurden die Fahrpreise abermals angehoben; nach Unternehmensangaben in der 2. Klasse um durchschnittlich 3,1 Prozent. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit gestiegenen Kosten sowie einem hohen Anteil von Reisenden, die rabattierte Fahrscheine nutzten. Gleichzeitig wurde die Kombination von Mitfahrerrabatt und Normalpreis aufgegeben; für Bahncard-Besitzer wurde diese Möglichkeit noch bis Mitte Dezember 2005 aufrechterhalten. Der 1.-Klasse-Faktor (als Aufschlag auf den Fahrpreis der 2. Klasse) wurde von 0,50 auf 0,55 angehoben.<ref name="eri-2004-491">Meldung Bahnfahren wird erneut teurer. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 11/2004, S. 491.</ref> Zum 11. Dezember 2005 wurden die Fahrpreise im Fernverkehr der DB nach eigenen Angaben um durchschnittlich weitere 2,9 Prozent (2. Klasse) bzw. 4,2 Prozent (1. Klasse) erhöht.<ref name="eri-2005-450">Meldung Bahnfahren wird teurer. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 10/2005, S. 450.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Gerd Wilger, Andreas Krämer: Mit attraktiven Preisen zu Mehrverkehr – Das neue Preissystem und Erlösmanagement der Deutschen Bahn AG. In: ZEVrail. Jg. 126, 2002, Heft 6/7, S. 284–289.
  • Rudolf Breimeier: Das neue Preissystem der DB – ein falsches Konzept. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 6/2003, S. 277.

Einzelnachweise

<references />