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Premium-Kollektiv

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Datei:34C3 Premium-Bier Lieferung.jpg
Erste Auslieferung des Premium-Biers (2017)

Das Premium-Kollektiv ist eine Getränkemarke, die im Jahr 2001 gegründet wurde und koffeinhaltige Cola, Bioland-Pils, ein Bio-Holunderblütengetränk sowie ein Bio-Mate-Getränk herstellt. Der Geschäftssitz befindet sich in Hamburg und wird derzeit von Uwe Lübbermann geführt. Das Unternehmen orientiert sich an der Umsetzung einer anderen Wirtschaftsweise als der des Kapitalismus und versucht, wirtschaftliches Handeln jenseits vorhandener Organisationsformen als Kollektiv zu organisieren.<ref name="HarvardBusinessManager">Uwe Lübbermann: Umfrage: Das Kollektiv entscheidet. In: Arno Balzer (Hrsg.): Harvard Business Manager. Spezial 2017, 2017, ISSN 0945-6570, S. 30–32.</ref> Die Organisationsziele sind soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Erreicht werden sollen diese Ziele durch gleiches Gehalt für alle Mitarbeiter, Geschäftsentscheidungen im Konsens, keine schriftlichen Verträge, Anti-Mengenrabatt für Abnehmer geringer Mengen und Transparenz der Preiskalkulation.<ref>Georg Mandelka: Das Premium-Kollektiv und seine ganz andere Art des Wirtschaftens - Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland RG Ulm. In: Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland. 24. Juli 2022, abgerufen am 30. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Geschichte

Seit 2008 produziert die Klosterbrauerei Weißenohe als Kollektivmitglied ein Pils, dessen Rezeptur unter Creative-Commons-Lizenz auf der Homepage des Kollektivs bereitgestellt wird.<ref>PREMIUM HERSTELLUNG. In: premium-cola.de. Abgerufen am 3. Juni 2017.</ref> 10 % der Einnahmen durch das Pils werden an Organisationen der Alkoholismus-Vorsorge gespendet.<ref name="OeW">Veronika Schubring et. al.: Unternehmen und Postwachstum: Das Beispiel Premium-Cola. In: Ökologisches Wirtschaften 1/2013. 1. Mai 2017, abgerufen am 1. Mai 2017.</ref>

2010 wurde auf Initiative des Kollektivs der „Verband der korrekten Getränkehersteller e. V.“ gegründet, dem auch Lemonaid und Viva con Agua angehören.

Im Jahr 2013 wurden 1.088.086 Flaschen verkauft und ein Umsatz von 475.000 € erreicht.<ref name="EinsichtenUndPerspektive">Arian Gutscher und Pouya Rismansanj: Mitgestalten, mitentscheiden, Weltverbessern. (PDF 1.8 MB) In: Einsichten und Perspektiven, Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte, 3/14. März 2014, abgerufen am 3. Juni 2017.</ref> 2019 hat Premium-Cola einen Jahresumsatz von 700.000 Euro verzeichnet. Dabei werden 56 Prozent mit Cola, 30 Prozent mit Bier, sechs Prozent aus Beratungsaufträgen und der Rest aus Limonaden erwirtschaftet.<ref name="zeitabgefuellt">Thomas Fischermann: Kollektiv abgefüllt. In: Die Zeit. 12. August 2020, abgerufen am 12. August 2020.</ref>

Organisationsform

Rechtlich ist Premium Cola ein Einzelunternehmen des Gründers Uwe Lübbermann. Auf ihn ist die Wort- und Bildmarke Premium Cola eingetragen.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig DPMAregister | Marken - Registerauskunft.] In: register.dpma.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Alle unternehmerischen Entscheidungen werden aber durch ein Kollektiv getroffen.<ref name="DerFreitag_2010">Jan Pfaff: Die gute Cola. In: freitag.de. 11. Juni 2010, abgerufen am 11. Oktober 2017.</ref> Dieses Premium-Kollektiv besteht aus 1700<ref name="zeitabgefuellt" /> stimmberechtigten Personen, die sich meist online über ein Chatboard und eine Mailingliste austauschen und Entscheidungen online abstimmen.<ref name="haufede">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Premium Cola: Von Grund auf anders.] In: newmanagement.haufe.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Mitglieder des Premium-Kollektiv sind nicht nur Mitarbeiter, wie bei selbstverwalteten Betrieben. Jede Person mit einem Bezug zu Premium-Cola kann auf Empfehlung eines Kollektivisten Mitglied werden, dies schließt auch Kunden, Lieferanten oder Konsumenten mit ein.<ref name="DerFreitag_2010" /><ref name="zeitabgefuellt" />

Das Kollektiv fällt Entscheidungen gemäß den Regeln der Konsensdemokratie: Alle Kollektivmitglieder haben ebenbürtiges Stimm- und Vetorecht.<ref name="edinger-schons">Alexander Kraemer, Laura Marie Edinger-Schons (Hrsg.): CSR und Social Enterprise Beeinflussungsprozesse und effektives Schnittstellenmanagement . 1. Auflage. Springer Gabler, 2019, ISBN 978-3-662-55590-3.</ref><ref name="DerFreitag_2010" />

Die operativen Tätigkeiten werden durch ein Organisationsteam aus circa zehn Selbstständigen ausgeführt, der Kontakt zu Kunden und Händlern durch 30 sogenannte Sprecher. Für diese Tätigkeiten wird ein Einheitslohn von 18 Euro pro Stunde bezahlt.<ref name="Gruen">Alina Grün: In Kooperationen Potenziale schaffen und verwirklichen – Eine Untersuchung des Getränkeherstellernetzwerks von Premium und des „Verbandes der korrekten Getränkehersteller“. (PDF 3.2 MB) In: premium-cola.de. 16. April 2016, abgerufen am 3. Juni 2017.</ref><ref name="haufede" /><ref name="greenpeace">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Greenpeace Magazin | Elena Tzara.] In: www.greenpeace-magazin.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Statt in Form von schriftlichen Verträgen werden alle Absprachen nur in mündlicher Form getroffen.<ref name="DerFreitag_2010" /> Premium als Kollektiv besitzt keinerlei Produktionsmittel. Alle Verantwortlichen für die Schritte in der Produktions- und Vertriebskette organisieren sich als selbstständige Unternehmer. In Anlehnung an die Bezeichnung der Produktionsmittel als „Hardware“ und der zur Organisation genutzten Struktur als „Software“, wird der im Kollektiv beschlossene Rahmen aus ethischen Zielsetzungen und Prozeduren als Betriebssystem bezeichnet. Dieses Premium-Betriebssystem beinhaltet die fünf Handlungsfelder „Soziales“, „Ökologie“, „Ökonomie“, „Schutz“ und „Transfer“ und ist als offener Standard bzw. als open franchise konzipiert.<ref name="Gruen" />

Geschäftsmodell

Vorlage:Hinweisbaustein Neben der alternativen Organisationsform unterscheidet sich Premium Cola durch weitere Geschäftsmodellinnovationen von anderen klassischen Unternehmen, aber auch anderen Kollektivbetrieben. Beispielhaft wird der Anti-Mengenrabatt<ref name="edinger-schons-innovation">Alexander Kraemer, Laura Marie Edinger-Schons (Hrsg.): CSR und Social Enterprise Beeinflussungsprozesse und effektives Schnittstellenmanagement . 1. Auflage. Springer Gabler, 2019, ISBN 978-3-662-55590-3, S. 207.</ref> genannt: Es wird kein Mengenrabatt gegeben, im Gegenteil, kleinere Liefermengen von meist kleineren Händlern werden preislich gestützt.<ref name="DerFreitag_2010" /><ref name="Hass">Maximilian Haß: Unternehmerische Suffizienzstrategien im Spannungsfeld kompetitiver Wachstumsmärkte und Postwachstums-Debatten. (PDF 1.1 MB) In: premium-cola.de. 30. November 2014, abgerufen am 3. Juni 2017.</ref>

In der Unternehmenskommunikation verzichtet Premium Cola grundsätzlich auf kommerzielle Werbung, so wie auf die in der Getränkebranche üblichen Vertriebsmittel wie Marken-Kühlschränke oder Freiware. Dennoch stellt sich Premium und seine Produkte selbst dar: Es gibt Interviews mit Organisatoren und Informationen über Produkte und das Geschäftsmodell auf der Homepage von Premium. Drogenpräventive Aufklärung zu den Folgen übermäßigen Zucker- und Alkoholkonsums wird umsatzgekoppelt finanziell unterstützt.<ref name="OeW"/>

Ein eingepreister CO2-Ausgleich wird zur Unterstützung von Aufforstungsprogrammen verwendet.<ref name="Kollektiv">Anne Schmidt: Leben&Arbeiten im Kollektiv. (PDF 27.4 MB) In: premium-cola.de. 15. März 2016, abgerufen am 3. Juni 2017.</ref> Die Strecke der Transportfahrten sind auf 600 km gedeckelt<ref name="Hass"/> und es werden Zutaten aus biologischer Landwirtschaft verwendet.<ref name="Klusmann">Hanna F. Klusmann: The “Premium” way of organisation, an insight into a German soft drink company. (PDF 296 KB) In: premium-cola.de. 30. September 2015, abgerufen am 3. Juni 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Das jährliche Umsatzwachstum soll 30 % nicht übersteigen und auf Fremdfinanzierung wird vollständig verzichtet<ref name="OeW"/>.

Rezeption

Premium Cola wird von zahlreichen Publikationen auch außerhalb der klassischen Szene von selbstverwalteten Betrieben als Beispiel für funktionierende alternative Wirtschaftsformen geführt. Vor allem der Anspruch die Konstruktionsfehler des Kapitalismus beheben zu wollen und die zahlreichen Geschäftsmodellinnovationen findet in der Forschung zu Wirtschaftsethik und unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung Aufmerksamkeit.<ref name="edinger-schons" /><ref name="boersenblatt">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Wir wollen einen Nachteilsausgleich für die Kleinen.] In: www.boersenblatt.net. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="brandeins">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die utopische Brause - brand eins online.] In: www.brandeins.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Das Syndikat Freiburg der anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsföderation FAU kritisiert, dass kollektive Grundsätze nicht eingehalten wären. So bestehe zwar ein Einheitslohn, dennoch werde Verkäufern eine Verkaufsprovision bezahlt. Da keine schriftlichen Verträge existieren, existieren auch keine verbindlichen Regelungen zu einer Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.<ref name="fau">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Das Premium-Cola-Kollektiv aus syndikalistischer Sicht.] In: Freie Arbeiter*innen-Union. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Juli 2022.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Weblinks

Commons: Premium-Cola – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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