Prime Restklassengruppe
Die prime Restklassengruppe ist die Gruppe der primen Restklassen bezüglich eines Moduls <math>n</math>. Das ist zugleich die Gruppe der Einheiten des Restklassenrings <math>\Z/n\Z</math> (die daher oft als <math>(\Z/n\Z)^\times</math> oder <math>\Z_n^*</math> notiert wird). Denn die primen Restklassen sind genau die multiplikativ invertierbaren Elemente im Restklassenring. Die primen Restklassengruppen sind endliche abelsche Gruppen bezüglich der Multiplikation. Sie spielen in der Kryptographie eine bedeutende Rolle.
Die Gruppe besteht aus den Restklassen <math>a + n\Z</math>, deren Elemente zu <math>n</math> teilerfremd sind. Gleichwertig dazu muss für den Repräsentanten <math>a</math> der Restklasse <math>\operatorname{ggT}(a,n) = 1</math> gelten, wobei ggT den größten gemeinsamen Teiler bezeichnet. Darauf weist die Bezeichnung „prime Restklasse“ hin, für teilerfremd sagt man auch relativ prim. Die Gruppenordnung von <math>\Z_n^*</math> ist durch den Wert <math>\varphi(n)</math> der eulerschen φ-Funktion gegeben.
Struktur
Bezeichnet <math>v_p</math> die <math>p</math>-Bewertung von <math>n</math> (die Vielfachheit des Primfaktors <math>p</math> in <math>n</math>), ist also
- <math>n = \prod_p p^{v_p}</math>
die Primfaktorzerlegung von <math>n</math>, dann gilt:
- <math>(\Z/n\Z)^\times \cong \prod_p(\Z/p^{v_p}\Z)^\times</math>
- <math>{}\cong\begin{cases}\Z/2\Z \; \times \; \Z/2^{v_2-2}\Z \; \times \; \prod_{p \neq 2}\Z/(p-1)p^{v_p-1}\Z&\mathrm{falls}\ 8 \mid n\\ \prod_p\Z/(p-1)p^{v_p-1}\Z&\mathrm{sonst}\end{cases}</math>
- oder mithilfe von <math>\varphi</math> und der Schreibweise <math>C_n</math> für die zyklische Gruppe der Ordnung <math>n</math> ausgedrückt:
- <math>{}\cong\begin{cases}C_2 \; \times \; C_{2^{v_2-2}} \; \times \; \prod_{p \neq 2}C_{\varphi(p^{v_p})}&\mathrm{falls}\ 8 \mid n\\ \prod_pC_{\varphi(p^{v_p})}&\mathrm{sonst}\end{cases}</math>
Die erste Isomorphieaussage (Zerlegung des Moduls <math>n</math> in seine Primfaktoren) folgt aus dem chinesischen Restsatz. Die zweite Isomorphieaussage (Struktur der primen Restklassengruppe modulo Primzahlpotenz) folgt aus der Existenz gewisser Primitivwurzeln.<ref name="Leutbecher">A. Leutbecher: Zahlentheorie – Eine Einführung in die Algebra, S. 53–54.</ref>
Beachte: Mit den Gruppen ohne hochgestelltes <math>\times</math> sind die additiven Gruppen <math>\Z/(p-1)p^{v_p-1}\Z</math> etc. gemeint.
<math>(\Z/n\Z)^\times</math> ist genau dann zyklisch, wenn <math>n</math> gleich <math>1, 2, 4, p^r</math> oder <math>2p^r</math> ist mit einer ungeraden Primzahl <math>p</math> und einer positiven Ganzzahl <math>r</math>. Genau dann existieren auch Primitivwurzeln modulo <math>n</math>, also Ganzzahlen <math>a</math>, deren Restklasse <math>a + n \Z</math> ein Erzeuger von <math>(\Z/n\Z)^\times</math> ist.
Sonderfall: Modul ist Primzahl
Wenn <math>n = p</math> eine Primzahl ist, wird für den (genau dann) ausgebildeten Körper (engl. Field) <math>(\Z/p\Z)</math> meist <math>\mathbb F_p</math> geschrieben. Es ist dann <math>\mathbb F^\times_p = \mathbb F_p \setminus \{\bar 0\}</math>, insbesondere ist die Gruppenordnung <math>\# \mathbb F^\times_p = \varphi(p) = p-1</math>.
Berechnung der inversen Elemente
Zu jeder primen Restklasse <math>a + n \Z</math> existiert eine prime Restklasse <math>b + n \Z</math>, sodass gilt:
- <math>ab \equiv 1 \pmod n</math>
Die prime Restklasse <math>b + n \Z</math> ist also das inverse Element zu <math>a + n \Z</math> bezüglich der Multiplikation in der primen Restklassengruppe <math>\Z_n^*</math>. Ein Repräsentant von <math>b + n \Z</math> lässt sich mit Hilfe des erweiterten euklidischen Algorithmus bestimmen. Der Algorithmus wird auf <math>a</math> und <math>n</math> angewendet und liefert ganze Zahlen <math>s</math> und <math>t</math>, die folgende Gleichung erfüllen:
- <math>\operatorname{ggT}(a,n) = 1 = s \cdot a + t \cdot n</math>
Daraus folgt <math>1 \equiv sa \pmod n</math>, das heißt, <math>s</math> ist ein Repräsentant der zu <math>a + n \Z</math> multiplikativ inversen Restklasse <math>b + n \Z</math>. Ein Beispiel dazu findet man im Artikel Restklassenring.
Literatur
Die Disquisitiones Arithmeticae wurden von Carl Friedrich Gauß auf Latein veröffentlicht. Die zeitgenössische deutsche Übersetzung umfasst alle seine Schriften zur Zahlentheorie:
- Carl Friedrich Gauß: Untersuchungen über höhere Arithmetik (deutsche Übersetzung), Original: Leipzig 1801.
- Armin Leutbecher: Zahlentheorie – Eine Einführung in die Algebra. 1. Auflage. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1996. ISBN 3-540-58791-8.
Einzelnachweise
<references />