Priorteich/Sachsenstein
Der Priorteich/Sachsenstein ist ein ehemaliges Naturschutzgebiet in der niedersächsischen Kleinstadt Bad Sachsa und der Gemeinde Walkenried im Landkreis Göttingen.
Der Priorteich ist Bestandteil der Welterbe-Route des UNESCO-Welterbes im Harz.<ref>Die Welterbe-Route im Harz – Priorteich</ref>
Beschreibung
Das ehemalige Naturschutzgebiet mit dem Kennzeichen NSG BR 003 ist 315 Hektar groß. Es ist Bestandteil des FFH-Gebietes „Gipskarstgebiet bei Bad Sachsa“. Im Nordwesten und Westen sowie im Süden und Südosten grenzt es an Teilflächen des ehemaligen Naturschutzgebietes „Gipskarstlandschaft Bad Sachsa und Walkenried“. Nach Norden grenzt es an das Landschaftsschutzgebiet „Harz“. Das Gebiet stand seit dem 16. März 1950 unter Naturschutz. Im Februar 2021 ging es im neu ausgewiesenen Naturschutzgebiet „Gipskarstgebiet bei Bad Sachsa“ auf. Zuständige untere Naturschutzbehörde war der Landkreis Göttingen.
Das ehemalige Naturschutzgebiet liegt in etwa zwischen Bad Sachsa und Walkenried im zum Südharzer Zechsteingürtel gehörenden Walkenrieder Zechsteinhügelland im Süden des Naturparks Harz. Es umfasst die südwestlich und westlich von Walkenried liegenden Fischteiche, zusammenhängende Buchenwälder sowie Wiesenbereiche. Im ehemaligen Naturschutzgebiet sind naturnahe Bachläufe, Niedermoor- und Sumpfgebiete und Bruchwälder zu finden. In Hangbereichen stockt Kalktrockenhangwald, auf Klippen wächst Borstgrasrasen. In den Buchenwäldern sind hohe Anteile an Eichen zu finden, was auf eine frühere Nutzung als Hutewald hindeutet.
Um die Klosterteiche Priorteich, Affenteich, Brunsteich, Sackteich, Andreasteich, Höllteich und Röseteich führt ein Rundwanderweg.
Geschichte der Teiche
Die Teiche wurden im Mittelalter von Mönchen des Zisterzienserklosters Walkenried als Fischteiche rund um Walkenried angelegt. Legenden berichten von bis zu 365 Teichen; sicher nachweisen lassen sich mindestens 55.<ref name="FischteicheHzLf" />
Die Fischteiche sind relativ flach. Sie sind teilweise aus vorhandenen Erdfallseen entstanden, die von den Mönchen durch Dämme vergrößert wurden, zum großen Teil aber auch Neuanlagen. Vielfach werden sie durch Karstquellen gespeist, teilweise beziehen sie ihr Wasser auch aus nahen Bächen, in seltenen Fällen nur durch Niederschläge.<ref name="FischteicheHzLf" />
Die Teiche liegen an verschiedenen Orten im ehemaligen Naturschutzgebiet. Mehrere Teiche befinden sich südwestlich von Walkenried am Fuße der Gipsmassive Reseberg und Höllstein. Die Teiche sind überwiegend von Waldbeständen umgeben. In den Uferbereichen wachsen vielfach Röhrichtbestände.
Der zwischen Bad Sachsa und Walkenried liegende Priorteich ist der größte der Teiche im ehemaligen Naturschutzgebiet. An seinem Nordufer liegt ein Waldfreibad.<ref name="PriorteichHzLf" />
Die Klosterteiche werden heute vom Verein Walkenrieder Sportfischer bewirtschaftet. Einige der Teiche dienen allein der Aufzucht, an anderen kann mit einer Gastangelkarte gefischt werden.<ref>Vorlage:Webarchiv, Verein Walkenrieder Sportfischer.</ref>
Sachsenstein
Nordwestlich des Höllsteins liegt der Sachsenstein, ein Berg aus Werraanhydrit, dessen markanter Felssporn nach Norden, Westen und Südwesten zum Uffetal abfällt. Auf diesem Felssporn liegt die Burg Sachsenstein, die auf Veranlassung von Kaiser Heinrich IV. erbaut und 1073 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Ruine der 1074 zerstörten Burg wurde 1869 beim Durchstich des Berges für den Bau der Südharzstrecke, die durch das ehemalige Naturschutzgebiet verläuft, erheblich beschädigt.<ref name="SachsenburgKww" /> Sie ist heute als Kulturdenkmal ausgewiesen.<ref name="BrSachsensteinHzLf" />
Eine Besonderheit auf Höllstein und Sachsenstein<ref name="HöllsteinHzLf" /><ref name="SachsensteinHzLf" /> sind die als „Zwergenlöcher“ bezeichneten, oberflächennahen Quellhöhlen, die unter dem Einfluss von Wasser bei der Umwandlung von Anhydrit in Gips entstehen.<ref name="ZwergenlöcherHsLf" /><ref name="QuellungshöhlenKww" /> Die größte bekannte Quellhöhle war die „Waldschmiede“ im Blumenberg. Sie ist weitgehend verwittert und stürzte 1990 ein.<ref name="WaldschmiedeKww" /> Um die Quellungshöhlen ranken sich verschiedene Sagen.<ref name="ZwergeKww" /><ref name="JungferKww" /><ref name="ZwerglöcherKww" />
Der Sachsenstein fällt zum Uffetal steil ab. Diese als Naturdenkmal „Sachsensteinklippen“ ausgewiesene, etwa einen Kilometer lange und bis zu 30 Meter hohe Steilwand<ref name="SachsensteinHzLf" /> ist durch die an ihrem Fuß vorbeifließende Uffe entstanden.<ref name="SachsensteinwandKww" />
Im Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen ist dem Sachsenstein und Umgebung ein eigener Flyer (Landmarke 16) gewidmet.<ref>Landmarke 16 | Sachsenstein auf harzregion.de, abgerufen am 28. Januar 2025</ref>
Am Fuße des Sachsensteins liegt die Gemeinde Neuhof. Am Ortseingang von Neuhof befand sich das Gipswerk Sachsenstein.<ref>Das alte Gipswerk "Sachsenstein" zwischen Bad Sachsa und Neuhof wird abgerissen</ref> Auch die einzige Gips-Schauhöhle Niedersachsens, die Sachsensteinhöhle war dort zu finden, sie fiel aber in den 1950er Jahren dem Gipsabbau zum Opfer.
Fotogalerie, chronologisch
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1838
Stahlstich, J.J.Hinchcliff nach Ludwig Richter Aus: Wilhelm Blumenhagen, Wanderungen durch den Harz (Leipzig: Verlag Georg Wigand 1838)<ref>https://st.museum-digital.de/?t=objekt&oges=46488</ref> -
1840
Stahlstich, J.J.Hinchcliff nach Ludwig Richter<ref>http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90056380</ref> -
Lithographie<ref>https://st.museum-digital.de/?t=objekt&oges=46477</ref>
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ca. 1925
Ansichtskarte -
1952
Aquarell, Karl Helbing<ref>https://st.museum-digital.de/?t=objekt&oges=18719</ref> -
1988
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1989
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1990
Auf dem Sachsenstein Blick nach Osten -
1990
Auf dem Sachsenstein Blick nach Süden -
2012
Die Sachsensteinwand bei Neuhof
Sonstiges
Am Nordrand des Höllsteins befindet sich das Naturdenkmal „Sachseneiche“, eine uralte Eiche, deren Alter auf über 850 Jahre beziffert wird.<ref name="NDSachseneiche" />
Nordwestlich von Walkenried befindet sich der Mönchswald, ein alter Hutewald, am Rand des ehemaligen Naturschutzgebietes. Der Wald wurde bis 1950 als Viehweide genutzt. Seit 2010 wird er zur Pflege wieder beweidet.<ref name="MönchswaldKww" /><ref name="MönchswaldHzLf" />
Neben der Südharzstrecke zwischen Bad Sachsa und Walkenried durchqueren weitere Verkehrswege das ehemalige Naturschutzgebiet, darunter zwei Landesstraßen. Durch das Gebiet verlaufen mehrere Wanderwege,<ref name="NsgPrSaHzLf" /> darunter auch eine Teilstrecke des Karstwanderweg Südharz.<ref name="Kww" /> Im Süden des Schutzgebiets steht die Schutzhütte Sachsensteinhütte, die als Nr. 166<ref name="SteSteHWN" /> in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen ist.
Siehe auch
- Liste von Seen in Niedersachsen
- Liste der Geotope im Landkreis Göttingen
- Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Literatur
- Michael Reinboth (Hrsg.): Vom Sachsenstein zum Römerstein – ein naturkundlicher und geschichtlicher Streifzug durch die Landschaft um Neuhof und Tettenborn. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2010, ISBN 978-3-86948-066-4.
- Firouz Vladi: Gipskarstlandschaft Südharz. Natur und Geschichte am südwestlichen Harzrand. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2024, ISBN 978-3-86948-985-8.
Weblinks
- Naturschutz nach Forstmeisterart – das Naturschutzgebiet Priorteich-Sachsenstein bei Walkenried auf karstwanderweg.de
- Naturschutzgebiet Priorteich/Sachsenstein auf bad-sachsa.de
- Priorteich Badegewässer-Atlas Niedersachsen, Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
- Sachsenstein auf museum-digital
- Welterbe-Route im Harz → Priorteich
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="FischteicheHzLf">Die Fischteiche rund um Walkenried, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="PriorteichHzLf">Der Priorteich, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="NDSachseneiche">Das Naturdenkmal Sachseneiche, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="SachsenburgKww">Sachsenburg, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="BrSachsensteinHzLf">Die Burgruine Sachsenstein, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="HöllsteinHzLf">Der Höllstein und die Höllsteinklippen, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="SachsensteinHzLf">Der Sachsenstein, abgerufen am 8. Juni 2012, harzlife.de</ref> <ref name="ZwergenlöcherHsLf">Die Zwergenlöcher bei Bad Sachsa, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="QuellungshöhlenKww">Quellungshöhlen, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg</ref> <ref name="WaldschmiedeKww">Waldschmiede, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="ZwergeKww">Die Zwerge vom Sachsenstein, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="JungferKww">Die Jungfer vom Sachsenstein, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="ZwerglöcherKww">Sagen von Zwerglöchern, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="SachsensteinwandKww">Sachsensteinwand, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="NsgPrSaHzLf">Das Naturschutzgebiet „Priorteich - Sachsenstein“, abgerufen am 8. Juni 2012, auf harzlife.de</ref> <ref name="Kww">Topographische Karte südöstlich Bad Sachsa, abgerufen am 8. Juni 2012, auf karstwanderweg.de</ref> <ref name="SteSteHWN">Harzer Wandernadel: Stempelstelle 166 / Sachsensteinhütte, auf harzer-wandernadel.de</ref> <ref name="MönchswaldKww">Der Mönchswald, Harzwanderweg, abgerufen am 30. September 2019.</ref> <ref name="MönchswaldHzLf">Der Mönchswald, Harzlife, abgerufen am 30. September 2019.</ref> </references>
- Wikipedia:Maximale Seitengröße durch Vorlageneinbindungen überschritten
- Ehemaliges Naturschutzgebiet im Landkreis Göttingen
- Geographie (Bad Sachsa)
- Geographie (Walkenried)
- Geotop in Niedersachsen
- Teich in Niedersachsen
- Teich im Harz
- Bauwerk in Bad Sachsa
- Bauwerk in Walkenried
- Schutzgebiet (Umwelt- und Naturschutz) in Europa