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Prohlis

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{{#if: behandelt den Dresdner Stadtteil. Zum gleichnamigen Stadtbezirk siehe Prohlis (Stadtbezirk).

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}} Vorlage:Infobox Ortsgliederung

Prohlis ist ein Stadtteil Dresdens im gleichnamigen Stadtbezirk, liegt im Südosten der Stadt am Geberbach und wird meist mit dem Plattenbaugebiet (Neubaugebiet Dresden-Prohlis) gleichgesetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Prohlis, in: dresden-lexikon.de, abgerufen am 2. März 2014.</ref> Das Neubaugebiet Prohlis reicht bis Altreick. Die Prohliser Gemarkung reicht vom Hülße-Gymnasium bis fast zum Gamighübel in Kauscha. Zur Prohliser Flur gehört auch die Vögelsiedlung (Zeisigweg, Finkenweg, Sperlingsweg usw.) bis zur Tornaer Straße.<ref>siehe Dubbers 2012, S. 37–41 sowie Vorlage:Internetquelle (Aber: Der statistische Stadtteil Prohlis-Süd geht nur bis zum Langen Weg und auch die Maxie-Wander-Straße ist z. Z. (6. Oktober 2013) nur ein „Parkplatz mit großem Grünflächenanteil“).</ref> Im einzigen erhaltenen Hof des alten Dorfkerns befindet sich das Palitzsch-Museum, eine Außenstelle der JugendKunstschule Dresden<ref>Unsere Standorte auf einen Blick, JugendKunstschule Dresden, abgerufen am 4. Juli 2021.</ref> und das Bürgerhaus Prohlis.<ref>Bürgerhaus Prohlis, Quartiersmanagement Prohlis, abgerufen am 11. Januar 2026.</ref>

Geschichte

Vor 1288

Im Neolithikum siedelten sich Linienbandkeramiker an und entwickelten sich zu Stichbandkeramikern. Gerade die Prohliser Siedlung steht exemplarisch für den bruchlosen Übergang.<ref>Vorlage:Webarchiv von Thomas Link: Die linien- und stichbandkeramische Siedlung von Dresden-Prohlis. Eine Fallstudie zum Kulturwandel in der Region der oberen Elbe um 5000 v. Chr. In: Archäologisches Nachrichtenblatt 17,1, 2012, S. 24–27, abgerufen am 4. Oktober 2013.</ref> Die Kreisgrabenanlagen im benachbarten Nickern gehören zur selben Kultur. Aus der Bronzezeit stammt das Depot von Prohlis. Die Siedlungsform des Dorfkerns war ein sorbischer Rundling.

Altprohlis

Datei:Palitzsch-museum dresden.JPG
Palitzschhof – heutiger Name zu Ehren des Bauernastronomen, ehemals Altprohlis 3<ref>Die Gamigstraße 24 und das Nachbargebäude Gamigstraße 26 sind zwei Flügel des Dreiseitenhofs Altprohlis 3 (Hünichen-Hof). Der Hof der Familie Palitzsch (1686 bis 1803) stand 100 Meter entfernt.</ref>

Erstmals erwähnt wurde der Ort als Prolos im Jahre 1288.<ref>Zum Namensursprung gibt es verschiedene Versionen:

  • proloh = (tschechisch) Ort in der Aue, am Auenwald, laut Rat des Stadtbezirkes 1986, S. 29
  • prilu = Ort im Tal, in der Aue, „wo der Geberbach … sich leicht zum Teich anstauen ließ“, laut Dubbers 2012, S. 6, siehe diesbzgl. Reick – soll von ryc (Graben) kommen
  • proložit = belegen, sperren im Tschechischen, ž wird im Latein zu s
  • Proluz = proh (Schwelle) und ludzi (Menschen) oder pro-lujss (Waldblöße), laut Theile 1878, S. 59
  • mehrere Varianten in: Wolfgang Fleischer: Namen und Mundart im Raum von Dresden. Band 1, Berlin 1961, S. 93, z. B. Prolož aus *prologь</ref>

Der Theologe Andreas Proles (1429–1503) hat Prohliser Wurzeln.<ref>„Der Zunahme ist hergenommen nach damahliger Gewohnheit von einem Dorffe gleiches Nahmens, welches unweit von Dreßden lieget […]“, in: Christian Schöttgen: Lebens-Beschreibung eines Gelehrten Dreßdners, Andreas Proles, Welche zu Erläuterung der Gelehrten- und Kirchen-Historie mittheilet, Zugleich aber auch Alle hohe Gönner, Patronen und Schul-Freunde, Einige Abschieds-Reden in der Schule zum H. Creutz, den 20. May, 1734. Nachmittags um 2. Uhr hochgeneigt anzuhören. Johann Wilhelm Harpeter, Dresden, S. 4.</ref> Im 18. Jahrhundert lebte in Prohlis der Bauer und Universalgelehrte Johann George Palitzsch, der durch die Entdeckung des Halleyschen Kometen berühmt wurde. Grundherrschaftlich war Prohlis dreigeteilt, einige Höfe gehörten zum Dresdner Brückenamt, einige dem Maternihospital und andere zum Leubnitzer Amt.<ref>Koge 1998, S. 56/57; Vorlage:Internetquelle</ref> Auf Grundlage der 1838 erlassenen Sächsischen Landgemeindeordnung bildeten die drei Teile eine selbständige Landgemeinde:

Vorlage:Zitat

In der Schlacht um Dresden fanden am 27. August 1813 auch Kämpfe bei Prohlis statt. In den Jahren 1887/88 ließ die Familie Kap-herr das Schloss Prohlis im Stil der Neorenaissance errichten. Am 1. Juni 1921 wurde das Dorf nach Dresden eingemeindet.<ref>laut Dubbers 2012, S. 37 „1. Juli“, aber Koge 1998, S. 73 „1. Juni“, s. a. Bestand Stadtarchiv 8.41 (PDF; 205 kB), Holger Starke: Eingemeindungen nach Dresden – ein historischer Überblick. In: Dresdner Geschichtsbuch. Band 6, Stadtmuseum Dresden, Altenburg 2000, S. 40</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Prohlis ein Volkseigenes Gut eingerichtet.<ref>Vorlage:DDB-Suche, (abgerufen am 17. März 2014)</ref>

Lehmgruben

Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre befanden sich an der Dohnaer Straße mehrere Ziegelein und Lehmgruben;<ref>siehe Koge 1998, S. 68/69 bzw. Volker Witt: Dresdner Ziegeleien. in: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. Band 9, Altenburg 2003, S. 71–101</ref> die ehemalige Ziegelei Kunath ist heute das Umweltzentrum Prohlis<ref>Umweltzentrum Prohlis: Vorlage:Webarchiv mit Geschichte des Vorlage:Webarchiv; auch die vielen gefundenen Fossilien der eiszeitlichen Fauna, am bekanntesten die Mammutzähne, erinnern an die Prohliser Ziegelindustrie</ref> und die Lehmgrube der Ziegelwerke Gottschalch das Freibad Prohlis.<ref>Freibad Prohlis, Dresdner Bäder, abgerufen am 17. März 2014.</ref> In den 1960er Jahren erholten sich dort auch Kinder in einem Ferienlager.<ref>Ferienlager auf Facebook und Vorlage:DDB-Suche, abgerufen am 17. März 2014.</ref>

Kirchgemeinde

Vorlage:Hauptartikel

Datei:Prohliser Kirche 2014.jpg
Geberbach, Glockenturm und Kirche mit Seniorenheim im Hintergrund

Kirchgemeindlich gehörte Prohlis seit 1674 zu Leubnitz. Von 1932 bis 1939 nutze man unter Pfarrer Johann Schmidt die ehemalige Dorfschule, 1939–1947 die Kegelbahn des Gasthofes Prohlis, von 1947 bis 1977 das Schloss Prohlis und bis 1982 den Gasthof „Coventry“ sowie eine 5-Raum-Wohnung. 1980–1982 entstand im Rahmen des Programms „Neue Kirchen für neue Städte“ die erste Kirche in einem DDR-Neubaugebiet. Seit 1978 existierte die selbständige Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Dresden-Prohlis, die sich mit anderen Gemeinden zum 1. Januar 2021 zum Kirchspiel Dresden-Süd zusammenschloss.<ref>siehe Koge 1998, S. 75/76 bzw. Geschichte der Kirchgemeinde Prohlis auf kirchspiel-dresden-sued.de, abgerufen am 29. September 2025.</ref>

Neuprohlis

Im ursprünglich ländlichen Prohlis wurden in den Jahren 1976 bis 1980 etwa 10.000 neue Wohnungen in sechs-, zehn- und siebzehngeschossigen Plattenbauten geschaffen.<ref>Das Neue Deutschland vom 7. Juli 1976, Seite 3: „Der Sommer ist der Freund der Bauleute, auch wenn in diesen Wochen auf den Montageflächen der WBS 70-Wohnblöcke in Dresden-Prohlis oft Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen werden. Auf dieser größten Wohnungsbaustelle des Bezirkes Dresden gibt es für die Montagekrane in allen drei Schichten kaum einen Stillstand …“ (abgerufen am 17. März 2014)</ref> Der Wohnkomplex wurde unter der städtebaulichen Leitung der Architekten Heinz Michalk, Konrad Lässig und Udo Fehrmann sowie der Komplexarchitekten Gerhard Landgraf und Ingeborg Lampadius errichtet. Die Wohngebäude erstrecken sich auf dem Neubaugebiet zwischen Dohnaer und Niedersedlitzer Straße, wobei landschaftliche Gegebenheiten einbezogen wurden. Diese waren der Schlosspark, eine als Wohngebietspark genutzte ehemalige Kiesgrube, der Geberbach und das Freibad. Das Zentrum bildete eine 700 m lange Fußgängerzone seitlich der Prohliser Allee. Im Oktober 1976 wurden die ersten Plattenbauwohnungen in der Trattendorfer Straße 2–10 bezogen und mit der 118. POS die erste Schule eröffnet.

Seit 1990

Datei:Prohlis (Stadtteil Dresden), Subdivisions.svg
Einteilung des Stadtteils Prohlis in zwei statistische Stadtteile

Nach der Wiedervereinigung wurden die Neubauten modernisiert oder teilweise abgerissen, wobei die „Sternhäuser“ auf Niedersedlitzer Flur standen. Seit 1994 ist Prohlis in das Bund-Länder-/Landes-Sanierungsprogramm Städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete integriert.<ref>Vorlage:Webarchiv, Landeshauptstadt Dresden, abgerufen am 6. Oktober 2013.</ref> Seit 2000 existiert ein Quartiersmanagement<ref>Quartiermanagement Prohlis, abgerufen am 6. Oktober 2013</ref> im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt – Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf.<ref>Vorlage:Webarchiv, Landeshauptstadt Dresden, abgerufen am 6. Oktober 2013.</ref>

Ergebnisse:<ref>Vorlage:Webarchiv; Vorlage:Webarchiv (PDF; 4,7 MB), Landeshauptstadt Dresden, 2016, S. 6; Vorlage:Webarchiv, Landeshauptstadt Dresden; Vorlage:Internetquelle</ref>

  • die Zeitreise – Prohlis in den 70/80er-Jahren & heute, ein Vergleich der jeweiligen Standorte mit alten Fotografien,
  • das Umweltzentrum im Naturschutzgebiet Ziegeleigruben Prohlis und Torna,
  • eine BMX-Anlage,
  • die Sanierung des Palitzschhofs.

Seit Mai 2009 steht in Prohlis ein Teil des Pusteblumenbrunnens von Leoni Wirth.<ref>Geschichte der Pusteblumenbrunnen von Dresden, fesselnderstahl.de, abgerufen am 9. Februar 2014.</ref> Prohlis ist ein Schwerpunktraum in der Planung Zukunft Dresden 2025+.<ref>Integrierte Stadtentwicklungsplanung, Landeshauptstadt Dresden, abgerufen am 6. Oktober 2013.</ref>

Seit Anfang 2020 wird in Prohlis und Nickern auf elf Info-Stelen des Archaeo-Pfades Dresden über jeweilige archäologische Funde bzw. lokale Geschehnisse informiert.<ref>Vorlage:Internetquelle Dazu Faltplan mit Karte (PDF 1,7 MB), abgerufen am 13. Mai 2020.</ref> Dazu wurde eine Broschüre Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden vom Landesamt für Archäologie Sachsen herausgegeben.<ref>Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden; Kurzbeschreibung (PDF 25 KB), abgerufen am 13. Mai 2020.</ref>

Literatur

chronologisch. Neueste zuerst.

  • Richard Funke, Margit Georgi, Bettina Heger, Florian Innerhofer, Anja Kaltofen, Peter Neukirch, Thomas Westphalen: Archaeonaut 13. Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden. Dresden 2020, ISBN 978-3-943770-51-3.
  • Vorlage:Literatur
  • Vorlage:Literatur
  • Anita Maaß: Wohnen im Neubaugebiet. Die Dresdner Beispiele Prohlis und Gorbitz 1976 bis 1989. in: Geschichte der Stadt Dresden. Bd. 3: Von der Reichsgründung bis zur Gegenwart, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, S. 717–722.
  • Anita Maaß: „Die Fragen zur Freiflächengestaltung sind in keiner Weise beantwortet“. Zum Leben in Prohlis. in: Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte. Bd. 81, Dresden 2005, S. 30–37.
  • Anita Maaß: Wohnen 1976–1990 in Dresden-Prohlis: Wohnungsbau, Wohnungspolitik und Wohnen im Spannungsfeld von Herrschaft und Alltagspraxis., in: Dresdner Geschichtsbuch. Bd. 8, Altenburg 2002, S. 253–270.
  • Siegfried Koge: Prohlis – vom sorbischen Runddorf zum Neubaugebiet. In: Dresdner Geschichtsbuch. Bd. 4, Altenburg 1998, S. 55–80.
  • Rat des Stadtbezirkes Süd der Stadt Dresden, Abteilung Kultur (Hrsg.): Stadtbezirk Dresden-Süd: Aus der Geschichte seiner Ortsteile. Dresden 1986, Prohlis S. 28–35 (bearbeitet vom Aktiv Denkmalpflege).
  • Friedrich Theile: Johann Georg Palitzsch. Ein Lebensbild. Leipzig 1878, über Prohlis: S. 59–63.

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

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