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Ramazan Avcı

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Datei:Ramazan-Avci-Gedenkstein 02.jpg
Gedenkstein für Ramazan Avcı am Bahnhof Landwehr, aufgestellt im Dezember 2025
Datei:Hohenfelde, Hamburg, Germany - panoramio (21).jpg
Alter Gedenkstein für Ramazan Avcı am gleichen Ort (Foto von 2013)

Ramazan Avcı (* 20. Dezember 1959 in Gönen; † 24. Dezember 1985 in Hamburg) war ein in Hamburg lebender Türke, der von rechtsextremen Skinheads aus rassistischen Motiven getötet wurde. Er wurde eines der ersten bekannten Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland. Vorlage:Hinweisbaustein Seine Tötung stand, zusammen mit dem Fall des 28-jährigen Türken Mehmet Kaymakçı, der wenige Monate zuvor ebenfalls von rechtsextremen Skinheads in Hamburg-Langenhorn mit einer Betonplatte erschlagen worden war, am Anfang einer Reihe ähnlicher Taten und erhielt große mediale Aufmerksamkeit auch im Ausland. In den 1980er Jahren kam es zu einer Serie rechter Gewalt in Hamburg, meist gegen Flüchtlinge und Migranten.

Tathergang

Vorlage:Hinweisbaustein Der 26-jährige Ramazan Avcı wartete am Samstagabend den 21. Dezember 1985 zusammen mit seinem Bruder und einem Freund an der Bushaltestelle S-Bahnhof Landwehr nahe der Gaststätte Landwehr in Hamburg-Eilbek auf einen Bus, während es in der Kneipe zu einem Treffen bewaffneter rechter Skinheads aus Bergedorf kam. Einige der Skinheads aus der Kneipe griffen die drei wartenden Türken mit abgebrochenen Flaschen an. Avcı versuchte sich mit einem Gasspray zu verteidigen. Daraufhin bewaffneten sich die Skinheads in der Gaststätte mit Baseballschlägern und ähnlichem Gerät, die drei Männer ergriffen die Flucht. Avcıs Bruder und der gemeinsame Freund, inzwischen von einem Auto verfolgt und aus Leuchtpistolen beschossen, konnten mit einem öffentlichen Verkehrsmittel entkommen. Als Avcı panisch auf die Straße flüchtete, erfasste ihn ein Auto. Noch unter dem Auto liegend wurde er von den etwa 30 Skinheads mit Keulen und Axtstielen bewusstlos geprügelt. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Er starb drei Tage später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben an seinen Verletzungen.

Reaktionen

Die Tat gehörte tagelang zu den Hauptthemen in den bundesdeutschen Nachrichten. Der türkische Generalkonsul in Hamburg wurde vom Norddeutschen Rundfunk zitiert, er hoffe, „dass so eine schreckliche Tat nie wieder passiere und 1986 ein Jahr des Friedens für alle werde“. Von einem Autokorso aus einer langen Schlange von Fahrzeugen durch Hamburg zum Flughafen begleitet, wurde die Leiche Avcıs in die türkische Hauptstadt Ankara überführt.<ref name=":1">Oliver Diedrich: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Die Wochenzeitung Die Zeit berichtete von weiteren Übergriffen am Tag des Trauerumzuges für Avcı. So hätten sieben Skins einen Türken und seine beiden Söhne mit Bierflaschen und Ketten verletzt.<ref name="Zeit 4/1987" /> Auch Mitglieder der Gruppe, die für den Mord an Ramazan Avcı verantwortlich war, waren nur wenige Tage darauf an weiteren Angriffen auf einen schwarzen Briten und einen „Türken“ beteiligt. Zwei der Täter wurden im Juli 1986 wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags zu zehn Jahren Haft bzw. sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt, die weiteren Angreifer erhielten wegen Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise Mittäterschaft geringere Haft- oder Jugendstrafen.<ref name=":1" />

Bereits am 11. Januar 1986 demonstrierten 10.000 Menschen im Gedenken an Avcı in Hamburg.<ref name="Unger">Christian Unger: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden.; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Dies war die bis dahin größte Demonstration gegen rassistische Gewalt in der Bundesrepublik. Es gründeten sich mehrere Gedenkinitiativen an Ramazan Avci.

Danach brach die Solidarität laut der Witwe Gülüstan Avci ab. Der CDU-Politiker Wolfgang D. Kramer allerdings unterstützte Mutter und Sohn bis zum 18. Geburtstag mit monatlich 200 Euro.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Täter

Vorlage:Hinweisbaustein Die Polizei konnte direkt nach der Tat fünf der Skinheads, die noch Waffen bei sich führten, festnehmen. Nach einem Verhör wurden die Täter wieder freigelassen. Zunächst wegen Mordes angeklagt (diese Anklage wurde jedoch später zurückgezogen), mussten sich diese fünf später wegen Totschlages verantworten. Am Ende waren es vier der Angeklagten, die zu Strafen zwischen drei und zehn Jahren verurteilt wurden. Diese wurden zum Teil als Jugendstrafen verhängt. Die Tatsache, dass sich Ramazan Avci mit Gasspray verteidigen wollte, gilt als strafmildernd. Vergleichbare Strafen hatten auch die Totschläger Kaymakçıs erhalten. Die Tat wurde vor Gericht und in den Medien entpolitisiert und als Jugendgewalt banalisiert, obwohl die rassistische Motivation der Täter offensichtlich war.

Gedenken

Um „ein sichtbares Zeichen des Gedenkens an die Opfer rechtsextremer Gewalt zu setzen“, wurde der Platz vor dem S-Bahnhof Landwehr, auf dem Avcı getötet wurde, im Dezember 2012 auf Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft vom Hamburger Senat zu Ramazan-Avci-Platz benannt.<ref name=":0" />

Gut 25 Jahre nach seinem Tod gründete Gülistan Ayaz, die Verlobte Avcıs und Mutter des gemeinsamen Kindes, eine Initiative zum Gedenken an Avcı. Nachdem die Morde der rechtsterroristischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ bekannt geworden waren, erhielt ihre Initiative öffentliche Aufmerksamkeit und führte zur Benennung des Ramazan-Avci-Platz in der Nähe des Tatortes.<ref name=":0">[Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden., archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 2017-09-27;.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>

Eine Initiative zum Gedenken an Ramazan Avci und seinen Angehörigen erstellte ein Platzkonzept für einen Gedenkort,<ref>Jan Schubert: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden.; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> der zum 40. Jahrestag der Ermordung eingeweiht wurde.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Gefördert wurde die Umgestaltung aus dem Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ der Behörde für Kultur und Medien.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Zeit 4/1987">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> </references>

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