Verbindlichkeit (Recht und Moral)
Vorlage:Hinweisbaustein{{#ifeq: 0| 0 | }} Rechtsverbindlichkeit liegt vor, wenn bei Willenserklärungen oder Rechtsgeschäften aus der Sicht des Empfängers oder der anderen Vertragspartei eine rechtliche Bindungswirkung gewollt ist und Rechtswirksamkeit eintritt.
Allgemeines
Die Rechtsverbindlichkeit trägt zur Rechtssicherheit bei. Ein Rechtssystem ist nur dann verbindlich, wenn es sich als freie Vereinbarung der rechtsunterworfenen Rechtssubjekte auffassen lässt.<ref>Franz von Kutschera, Grundlagen der Ethik, 1999, S. 256.</ref> Ein rechtsverbindlicher Rechtsakt verlangt von einem Rechtssubjekt verbindlich ein bestimmtes Verhalten und knüpft an die Nichtbefolgung Sanktionen.<ref>Ines Härtel, Handbuch Europäische Rechtsetzung, 2006, S. 150.</ref> Der Vertrag zeichnet sich als rechtsverbindliche Vereinbarung zweifellos durch ein hohes Maß an Rechtssicherheit aus,<ref>Volker Schlette, Die Verwaltung als Vertragspartner, 2000, S. 352.</ref> denn seine Erfüllung kann mit Hilfe der Gerichte oder des Gerichtsvollziehers erzwungen werden.
In Rechtsgutachten wird auch international unter anderem geprüft, ob Verträge ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) rechtsverbindlich ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) sind, also die Vertragsparteien bindend verpflichten.
Rechtsfragen
Die Rechtsverbindlichkeit von Gesetzen (der Gesetzanwendungsbefehl) tritt mit dem Tag ihres Inkrafttretens ein.<ref>Josef Franz Lindne: Bayerisches Staatsrecht: Lehrbuch, 2011, S. 123.</ref> Ob sie auch Rechtswirksamkeit (Rechtmäßigkeit oder Rechtswidrigkeit) entfalten, wird hierdurch nicht beantwortet, sondern unterliegt dem Fehlerkalkül. Trotz Rechtswidrigkeit gelten Gesetze, Verordnungen und Bescheide so lange, bis sie durch ein dazu berufenes Gericht oder eine zuständige Behörde aufgehoben werden.
Gemäß {{#switch: juris
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Rechtsverbindlich im Sinne einer „rechtsverbindlichen Unterschrift“ sind Unterschriften auf Verträgen oder Urkunden nur dann, wenn die unterzeichnende natürliche Person vertretungsberechtigt für die die Erklärung abgebende juristische Person ist. Das kann durch eine notarielle Beglaubigung ({{#switch: juris
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Gegensatz sind unverbindliche Absichtserklärungen wie der Letter of Intent oder das Memorandum of Understanding. Sie entfalten allenfalls eine moralische Verpflichtung, die in Schriftform niedergelegte Absicht auch tatsächlich einhalten zu sollen. Eine Rechtspflicht ergibt sich hieraus nicht, auch ist die Verpflichtung nicht einklagbar. Der Vorvertrag dagegen ist zweifellos eine rechtsverbindliche Erklärung, die bei einer Pflichtverletzung der Vertragsparteien zum Schadensersatz nach {{#switch: juris
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Nicht rechtsverbindlich sind nichtige, vorerst nicht rechtsverbindlich sind schwebend unwirksame Verträge.
Rechtliche und moralische Verbindlichkeit
Samuel Stryk teilte 1690 die aus dem römischen Recht stammenden Verbindlichkeiten ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) in Naturalobligationen ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) und die einklagbaren Verbindlichkeiten ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) ein.<ref>Samuel Stryk, Specimen Usus moderni pandectarum, 1690, ad. Dig. 44, 7, 5.</ref> Zu den ersteren gehörten die Rechtsverbindlichkeiten ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) und moralische Verbindlichkeiten ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}). Immanuel Kants Thema war die moralische Verbindlichkeit staatlicher Gesetze und die moralischen Grenzen staatlicher Gesetzgebung.<ref>Franz von Kutschera, Grundlagen der Ethik, 1999, S. 295.</ref> Kant vertrat die Auffassung, dass die materiell-rechtliche Grenze des inneren Moralischen (etwa passiver Widerstand) nicht die formelle äußere Rechtsverbindlichkeit (Landfriedensbruch) aufheben könne.<ref>Immanuel Kant, Reflexionen zur Anthropologie, Akademie-Ausgabe XIX, 1882, S. 524, 7814.</ref>
Sonstiges
Mehr im moralischen als im rechtlichen Bereich bezeichnet die Verbindlichkeit auch die faktische Geltungskraft von moralischen Regeln (Sitten, Tabus, Ehrenwort). Siehe hierzu auch Verbindlichkeit (Sozialverhalten).
Einzelnachweise
<references />