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Redestab

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Hamasaka, Häuptling der Kwakiutl, mit Redestab, Kanada, um 1907

Der Redestab ist ein zeremonieller Stab, der als Herrschaftssymbol in verschiedenen indigenen Kulturen anzutreffen ist. Er ist oft aufwendig geschnitzt und dekoriert.

Häuptlinge indigener Völker der Nordwestküstenkulturen Nordamerikas besaßen geschnitzte, mit Insignien ihrer Familie verzierte Stäbe als Symbol ihrer Macht und Autorität. Die Stäbe, deren Gestaltung Ähnlichkeiten mit Totempfählen aufwies, waren ihr Eigentum.<ref name="Shearar">Shearar, Cheryl: Understanding Northwest Coast Art: A Guide to Crests, Beings and Symbols, D&M Publishers, 2008, ISBN 9781926706160, S. 103–104</ref> Bei Versammlungen konnte der Häuptling Passagen seiner Rede durch Erheben des Stabes oder Klopfen auf den Boden Nachdruck verleihen.<ref name="Hilary">Stewart, Hilary: Looking at Totem Poles, D&M Publishers, 2009, ISBN 9781926706351, S. 41</ref> Auch konnte ein neben dem Häuptling stehender Sprecher den Stab halten und Worte des Häuptlings verkünden. Es wird vermutet, dass sich diese Praxis im 19. Jahrhundert entwickelt hat.<ref name="Werness">Werness, Hope B.: Continuum Encyclopedia of Native Art: Worldview, Symbolism, and Culture in Africa, Oceania, and North America, Continuum International Publishing Group, New York, London 2000, S. 295</ref> Bei Völkern der nordamerikanischen Pazifikküste wie den Tlingit und den Kwakwaka'wakw werden bis heute Redestäbe und andere Schnitzkunstobjekte traditionell angefertigt.

Datei:Richard Hunt carving.jpg
Schnitzkünstler der Kwakwaka'wakw beim Bearbeiten eines Redestabes, British Columbia, Kanada

In jüngerer Zeit kann der Stab bei Versammlungen einer Person überreicht werden, die für diese Dauer Rederecht hat, so bei den Tsalagi.<ref name="Shearar" /><ref name="Walker">Polly O. Walker. “Decolonizing Conflict Resolution: Addressing the Ontological Violence of Westernization.” American Indian Quarterly, Vol. 28, No. 3/4, University of Nebraska Press, 2004, pp. 527–49</ref>

Auch bei den mexikanischen Yaqui waren Redestäbe bekannt.<ref name="Spicer">Spicer, Edward H. “Excerpts from the ‘Preliminary Report on Potam.’” Journal of the Southwest, Vol. 34, No. 1, Journal of the Southwest, 1992, pp. 111–28</ref>

Die westafrikanischen Akan kannten aufwendig dekorierte und mit goldfarbenen Blättern verzierte Objekte ähnlicher Funktion.<ref name="Werness" />

Literatur

  • Werness, Hope B.: Continuum Encyclopedia of Native Art: Worldview, Symbolism, and Culture in Africa, Oceania, and North America, Continuum International Publishing Group, New York, London 2000
  • Shearar, Cheryl: Understanding Northwest Coast Art: A Guide to Crests, Beings and Symbols, D&M Publishers, 2008, ISBN 9781926706160

Einzelnachweise

<references />