Reichshammerbund
Der Reichshammerbund war eine völkische Vereinigung, die 1912 in Leipzig von dem Verleger und Autor Theodor Fritsch gegründet wurde und 1920 im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund aufging.<ref>Le milieu intellectuel conservateur en Allemagne, sa presse et ses réseaux (1890–1960) / Das konservative Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1890–1960) (= Convergences, Bd. 27), hrsg. zusammen mit Michel Grunewald, Bern [u. a.] 2003, ISBN 3-906770-16-8. S. 453.</ref><ref>Hermann Gilbhard: Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, Verlag Kiessling, 2015, ISBN 9783930423033. S. 187.</ref>
Geschichte
Fritsch war der Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift Der Hammer, die in regionalen Lesezirkeln von Anhängern gelesen wurde. Diese Anhängerschaft wurde auch als „Hammerbewegung“' bezeichnet. Mit dem Reichshammerbund wollte Fritsch die verschiedenen deutschen völkisch-antisemitischen Gruppierungen des politischen Antisemitismus der Kaiserzeit zu einem Verband vereinen. Er wollte eine öffentliche und allen Volksschichten und Parteien offene antisemitische Sammelbewegung sein. Tatsächlich blieb er eine kleinere Vereinigung, die sich hauptsächlich auf die Leserschaft der Zeitschrift „Der Hammer“ beschränkte.<ref>Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3691-9, S. 88.</ref> 1919 hatte der Reichshammerbund knapp 3000 Mitgliedern,<ref>Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache – Rasse – Religion. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, S. 386.</ref> die in rund 20 Ortsgruppen organisiert war.
Die Exekutive bildeten Karl August Hellwig, der Vorsitzende mit dem Titel „Bundeswart“, der „Ehrenbundeswart“ Fritsch und ein zwölfköpfiger „Armanenrat“. Dieser Name verweist auf die Armanen, die in Guido von Lists politischer Mythologie einen Stand germanischer Wotanspriester und Könige bildeten.<ref>Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Marix Verlag, Wiesbaden 2004, S. 55.</ref> Dessen ariosophische Ideen wurden unter anderem von Hellwig in den Reichshammerbund eingebracht, der seit 1908 Mitglied der List-Gesellschaft war.<ref>Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus; Marix Verlag, Wiesbaden 2004, S. 114.</ref> Weitere Mitglieder der Organisation waren Bernhard Koerner, Philipp Stauff, Hans Holfelder und Otto Gakenholz. Die Münchner Ortsgruppe wurde von Wilhelm Rohmeder gegründet.<ref>Sebastian Appolt: Münchens katholische Akademiker zwischen Räterepublik und Hitlerputsch. Eine konfessionelle Gesellschaftsanalyse. Kohlhammer, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-17-042466-1.</ref>
Seit 1914 unter der Führung des Antisemiten Alfred Roth widmete sich der Hammerbund vor allem rassistischer Propaganda und forderte die Stärkung des „deutschen Volkstums“. Der Erste Weltkrieg wurde als „rassische Bewährungsprobe“ für jüdische Soldaten bezeichnet. Nach Kriegsende verbreitete der Bund antisemitische und antisozialdemokratische Flugblätter.
Parallel zum Reichshammerbund wurde der Geheimverband Germanenorden gegründet, der ebenfalls völkisch-antisemitisches Gedankengut verbreitete. Der Reichshammerbund löste sich nach 1919 allmählich auf; führende Mitglieder bildeten später den Kern des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes. Bestehen blieb ein „Hammer-Verlag“ in Leipzig, der weiter antisemitische Schriften produzierte, darunter 1924 eine deutsche Fassung der Protokolle der Weisen von Zion mit Vor- und Nachwort von Fritsch.
Literatur
- Karl August Hellwig: Verfassung des Reichshammerbundes, Februar 1912<ref>Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Leopold Stocker Verlag, Graz 1997, ISBN 3-7020-0795-4.</ref><ref>Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus. Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes 1919–1923 (= Hamburger Beiträge zur Zeitgeschichte, Band 6), Leibniz, Hamburg 1970, ISBN 3-87473-000-X (Dissertation, Universität Hamburg 1969). S. 351.</ref>.
- Uwe Lohalm: Reichshammerbund, in: Handbuch des Antisemitismus. Hrsg. von Wolfgang Benz, Band 5 Organisationen, Institutionen, Bewegungen, De Gruyter Saur, Berlin/Boston 2012, S. 517–520, ISBN 978-3-598-24078-2.
Weblinks
- Johannes Leicht: Der Reichshammerbund auf LeMO
Einzelnachweise
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