Überaktive Blase
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Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Unter dem Begriff überaktive Blase (auch hyperaktive Blase, früher: Reizblase oder nervöse Reizblase) versteht man eine funktionelle Störung der Blasenfunktion ohne organpathologischen Befund. Es kommt dabei zu einer gehäuften Blasenentleerung (Pollakisurie) mit oder ohne unfreiwilligen Harnabgang (Harninkontinenz). Die überaktive Blase tritt bei Männern zunehmend nach Alter und bei Frauen vornehmlich in der 3. bis 5. Lebensdekade auf.<ref name="PMID27350947">R. S. Eapen, S. B. Radomski: Review of the epidemiology of overactive bladder. In: Research and reports in urology. Band 8, 2016, S. 71–76, doi:10.2147/RRU.S102441, PMID 27350947, }} PMC 4902138 (freier Volltext{{#if:|, PDF}}) (Review).</ref><ref name="Sökeland">J. Sökeland u. a.: Taschenlehrbuch Urologie. Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-13-300614-9, S. 396.</ref><ref name="Eichenauer" />
Symptome
Ständiger Harndrang und übermäßig häufiges Wasserlassen (Pollakisurie) stehen im Vordergrund, in manchen Fällen auch (Urge-)Inkontinenz. Ein Brennen beim Wasserlassen fehlt, der ständige Harndrang kann jedoch als suprasymphysärer Schmerz empfunden werden.<ref name="Sökeland" /><ref name="Eichenauer" />
Ursachen
Neben einem Östrogen-Mangel werden nicht auffindbare chronische Infekte und psychosomatische Ursachen diskutiert.<ref name="Eichenauer" /><ref name="Krautzig" /> Die Ursache der Symptome kann aber auch in einer Überaktivität und Fehlsteuerung des Blasenmuskels (des sogenannten Detrusors, lat. Musculus detrusor vesicae) liegen. Der Muskel, der eigentlich in der Füllungsphase entspannt sein sollte, damit sich die Blase ausdehnen kann, spannt sich bei Menschen, die an einer überaktiven Blase leiden, zu leicht an. Das bedeutet, dass sich der Detrusor noch in der Füllungsphase, also schon bei kleinen Mengen Urin, zusammenziehen kann und Harndrang auslöst, der von manchen Betroffenen nicht unterdrückt werden kann.
Diagnostik
Die überaktive Blase ist letztlich eine „Ausschlussdiagnose“ (keine objektivierbaren organpathologischen Befunde). Empfohlen werden dazu neben Anamnese (eine nächtlich fortbestehende Pollakisurie, also ein übermäßig häufiges Wasserlassen, weist beispielsweise auf eine organische Ursache hin) und körperlicher Untersuchung auch eine Analyse von Vaginalfluor und Urin, Restharnbestimmung, Harnröhrenweitenuntersuchung und -abstrich sowie ergänzend gegebenenfalls Urodynamik einschließlich -flowmetrie, Urethrogramm in Doppelballontechnik und die Urethrozystoskopie.<ref name="Sökeland" /><ref name="Eichenauer" /><ref name="Krautzig">S. Krautzig: Basislehrbuch innere Medizin mit Studentconsult-zugang. Urban & Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-437-41053-6, S. 949. books.google.de</ref>
Thesen zur Erklärung
Unter neurophysiologischen und psychologischen Gesichtspunkten lässt sich die Symptomatik der Betroffenen als Störung des vegetativen Nervensystems und als nervliche Sensitivierung beschreiben.<ref name="PMID27245505">W. S. Reynolds, R. Dmochowski, A. Wein, S. Bruehl: Does central sensitization help explain idiopathic overactive bladder? In: Nature reviews. Urology. Band 13, Nummer 8, 2016, S. 481–491, doi:10.1038/nrurol.2016.95. PMID 27245505, }} PMC 4969200 (freier Volltext{{#if:|, PDF}}) (Review).</ref> Pathophysiologisch wird ein gestörtes Zusammenspiel von Blasen- und Beckenbodenmuskulatur angenommen.<ref name="Sökeland" /> Als weiterer Erklärungsansatz wird eine chronische subepithelial gelegene Entzündung im Bereich des Trigonums der Blase postuliert.<ref name="Eichenauer">R. H. Eichenauer: Klinikleitfaden Urologie. Urban & Fischer Verlag, 2003, ISBN 3-437-22790-4, S. 306. books.google.de</ref>
Therapie
Symptomatisch können Spasmolytika, Alphablocker, trizyklische Antidepressiva und bei Östrogendefizit (z. B. im Senium) östrogenhaltige Lokaltherapeutika versucht werden. Zur weiteren Therapie kann auch eine psychosomatische Behandlung hilfreich sein. Antibiotika sollten vermieden werden.<ref name="Sökeland" /><ref name="Eichenauer" /> Therapeutisch wirksam hat sich auch Physiotherapie mit Maßnahmen zum Trink- und Entleerungsverhalten, Drangstrategien und Entspannung für den Beckenboden erwiesen.<ref>Funada S, Luo Y, Uozumi R, Watanabe N, Goto T, Negoro H, Ueno K, Ichioka K, Segawa T, Akechi T, Ogawa O, Akamatsu S, Kobayashi T, Furukawa TA. Multicomponent Intervention for Overactive Bladder in Women: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2024 Mar 4;7(3):e241784. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.1784. PMID 38477920; PMCID: }} PMC 10938174 (freier Volltext{{#if:|, PDF}}). </ref>
Prävalenz
In Europa und Kanada sollen fast 14 % der über 40-Jährigen an den Symptomen einer überaktiven Blase leiden.<ref>D. E. Irwin u. a.: Population-based survey of urinary incontinence, overactive bladder, and other lower urinary tract symptoms in five countries: results of the EPIC study. In: Eur Urol. 50, 2006, S. 1306.</ref>
Weblinks
{{#if: S2k|S2k-|}}Leitlinie Überaktive Blase{{#if: Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Urologie| der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Urologie|}}. In: AWMF online {{#if: 06/2010|(Stand 06/2010)|}}
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />