Rescinnamin
Rescinnamin ist ein Indolalkaloid, das in verschiedenen Rauvolfia-Arten vorkommt, besonders in der Indischen Schlangenwurzel, für deren blutdrucksenkende und beruhigende Wirkung es neben Reserpin hauptverantwortlich ist.<ref name="römpp" /> Von diesem unterscheidet es sich hinsichtlich seiner chemischen Struktur lediglich durch die Veresterung der C-18-ständigen Hydroxygruppe des Grundkörpers mit 3,4,5-Trimethoxyzimtsäure (TMZS) anstatt mit 3,4,5-Trimethoxybenzoesäure (TMBS).
Rescinnamin ist nicht Reserpinin
Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten gaben Erich Haack und seine Kollegen dem von ihnen 1954 isolierten neuen Alkaloid den Trivialnamen „Reserpinin“.<ref>Haack, Popelak, Spingler, Kaiser: Reserpinin, ein neues Alkaloid aus Rauwolfia serpentina Benth. In: Naturwissenschaften (1954), Vol. 41, S. 214–215.</ref> Da aber die Forschergruppe um Emil Schlittler diesen Namen fast gleichzeitig für das von Haack et al. „Raubasinin“ genannte Reserpinin vergab und diese Bezeichnung dann auch von anderen übernommen wurde, änderten sie den Namen zugunsten der Eindeutigkeit in „Rescinnamin“.<ref>Haack, Popelak, Spingler: Rauwolfia-Alkaloide Reserpinin und Rescinnamin. In: Naturwissenschaften (1955), Vol. 42, S. 47.</ref> Dessen ungeachtet werden noch bis heute die Namen beider Alkaloide miteinander vermengt.
Anwendung
Rescinnamin findet sich in Gesamtextrakten von Rauvolfia serpentina und trägt durch moderates Absenken des Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin-Spiegels<ref>Furukawa, Sano, Kohno, Koga, Nagasaki: Selective Depleting Effect of Syrosingopine on Brain Catecholamine Levels with Relation to Morphine Analgesia in the Rat. In: Pharmacology, Biochemistry and Behavior (1976), Vol. 4, S. 419–425.</ref> zu deren beruhigendem und blutdrucksenkendem Effekt bei.<ref>Wink, van Wyk, Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2008. ISBN 3-8047-2425-6. S. 200, 268 und 402.</ref> Qualitativ entspricht sein pharmakologisches Profil damit dem des Reserpin, die Unterschiede sind vielmehr quantitativer Natur: Während sein sedativer und bradykarder Effekt deutlich leichter ausfällt als jener des Reserpins, ist seine hypotensive Wirkung im Vergleich zu diesem nur wenig schwächer. Auch hält die Wirkung von Rescinnamin nicht so lange an.<ref>Kähler: Rauwolfia-Alkaloide. Boehringer Mannheim, Mannheim, 1970. S. 80–81.</ref> In Deutschland war es neben anderen Rauvolfia-Alkaloiden in Modenol® (von Hoffmann-La Roche) und Diuraupur® (damals Giulini Pharma) enthalten, in den USA gibt es zahlreiche Monopräparate.
Neben dem Einsatz zu therapeutischen Zwecken findet Rescinnamin in der Forschung auch als Vergleichssubstanz zu Reserpin Verwendung.<ref>vgl. Almeida, Guzmán: Rescinnamine and reserpine — a comparative study of their 13C NMR spectra. In: Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis (1988), Vol. 6, S. 185–189.
Oder: Carmona-Guzmán, Balón, Sánchez: Kinetics of the Oxidation of Rescinnamine by Peroxodisulfate. In: Reaction Kinetics and Catalysis Letters (1986), Vol. 31, S. 121–126.
Oder: Furukawa, Sano, Kohno, Koga, Nagasaki: Selective Depleting Effect of Syrosingopine on Brain Catecholamine Levels with Relation to Morphine Analgesia in the Rat. In: Pharmacology, Biochemistry and Behavior (1976), Vol. 4, S. 419–425.</ref>
Analytik
Der spezifische Drehwinkel beträgt −87° bis −97° (c=1, Chloroform).<ref name="roth"/> Die zusätzliche Doppelbindung des TMZS- gegenüber dem TMBS-Ester ermöglicht eine Unterscheidung von Rescinnamin und Reserpin durch Bromierung, da an ihr eine elektrophile Addition von Brom möglich ist. Die resultierende Veränderung des Absorptionsspektrums ist für Rescinnamin charakteristisch.<ref>Missan, Ciacco, McMullen, Pazdera, Grenfell: Analytical Methods for Rescinnamine. In: Journal of the American Pharmaceutical Association (1960), Vol. 49, S. 7–13.</ref>
Einzelnachweise
<references/>
- Wikipedia:Maximale Seitengröße durch Vorlageneinbindungen überschritten
- Wikipedia:Maximale Gesamtgröße der Vorlagenparameter überschritten
- Indol
- Methoxyaromat
- Tetrahydropyridin
- Piperidin
- Cyclohexancarbonsäureester
- Zimtsäureester
- Dimethoxybenzol
- Methoxyverbindung
- Psychotroper Wirkstoff
- Psychotropes Indolalkaloid
- Antihypertensivum
- Carbonsäuremethylester