Restaurant zum Kuhstall (Berlin)
Das Restaurant zum Kuhstall war ein Lokal in der Invalidenstraße 110 in Berlin. Mitunter wurde es auch als Café Kuhstall bezeichnet, und sogar der Name Restaurant zum gebildeten Kuhstall ist überliefert.<ref>Mitteilungen. Astronomisches Rechen-Institut Heidelberg, Band 48–51, S. 12.</ref>
Geschichte
Das Restaurant zum Kuhstall war nach dem ursprünglichen Verwendungszweck des Gebäudes benannt, in dem es untergebracht war. Nach seinem Abriss wurde auf dem Grundstück das Hotel Wikinger Hof gebaut, heute befindet sich dort ein Bau der Humboldt-Universität.<ref name="Weltwoche"/>
Im Restaurant zum Kuhstall, das zeitweise von J. Böhme geleitet wurde,<ref>Hans Georg Meyer: Der Richtige Berliner in Wörtern und Redensarten. Hermann, Berlin 1880, S. 112; Textarchiv – Internet Archive.</ref> pflegte der Genie-Konvent, eine Abspaltung des 1888 gegründeten Ethischen Clubs, zu tagen. Lesungen von Heinrich Hart, Wilhelm Bölsche und Bruno Wille fanden dort statt.<ref>Helmut de Boor, Richard Newald, Peter Sprengel: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 9/1: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870–1900. Beck, 1998, ISBN 978-3406441042, S. 128.</ref> Ebenso war das Lokal Schauplatz von Versammlungskämpfen zwischen Sozialisten und Antisemiten; Hofprediger Stoecker und der Sozialdemokrat Wilhelm Hasenclever lieferten einander hier Rededuelle.<ref>Walther Kiaulehn: Berlin. Schicksal einer Weltstadt. Beck, München 1996, ISBN 978-3406416347, S. 116.</ref> In einem Textzeugnis aus dem Jahr 1928 wird das Lokal als einfache Kneipe beschrieben.<ref>Technik und Wirtschaft. Band 21, 1928, S. 5 (Auszug).</ref> Karl Liebknecht suchte den Kuhstall auf, um sich über den Stand der Arbeiterjugendbewegung zu informieren.<ref>Kurt Kühn: Georg Schumann. Eine Biographie. Hrsg. von Wolfgang Kießling. Dietz, Berlin 1965, S. 65.</ref>
Das Lokal wird auch in belletristischen Schriften erwähnt, etwa in Otto Erich Hartlebens Ehefest.<ref>Otto Erich Hartleben: Das Ehefest. Einige Regeln über den Umgang mit Weibern. Wiener Verlag 1906, S. 31.</ref> Robert Walser schrieb sein Prosastück Kuhstall, dessen Manuskript jahrzehntelang verschollen war, wahrscheinlich 1911.<ref>Jochen Greven: Robert Walser, Siegfried Jacobsohn und die «Schaubühne». Referat an der Jahrestagung der Robert Walser-Gesellschaft, München, 26. Juni 2004, S. 5; robertwalser.ch (PDF; 174 kB).</ref> Walser bezeichnete den Kuhstall als „künstlerisches Sing-Sang- und Kling-Klang-Etablissement im Norden unserer lieben Stadt Berlin“, das „von ältlicher, halbgestorbener Eleganz durchduftet“ sei.<ref name="Weltwoche">Hans-Peter Kunisch: Der höflichere Nietzsche. In: Die Weltwoche, 15/2003.</ref>
Literatur
Weblinks
- Fotografie des Lokals. bildindex.de
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 31′ 57,2″ N, 13° 23′ 53,6″ O
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