Das Muschelkalk-Plateau des Ringgau wird in Westnordwest-Ostsüdost-Richtung durch die Netra-Ifta-Talung, in der im Westen die Netra zur Sontra und im Osten die Ifta zur Werra fließt, zerschnitten. Der nördlich dieser Talung gelegene Teil des Ringgau wird als Nördlicher, der südliche als Südlicher Ringgau bezeichnet, die schmale Buntsandstein-Südabdachung des Südlichen als Südliche Ringgauvorberge.
Der Ringgau gehört zu den Randplatten des Thüringer Beckens und wird auch als „Insel des thüringischen Trias im Hessischen Bergland“ bezeichnet.<ref name="HNGD" />
Landläufig werden mit „Ringgau“ nur die Einheiten 483.40–483.43 bezeichnet. Der Creuzburg–Eisenacher Graben (483.45–47) war auch ursprünglich der Haupteinheit Westthüringer Berg- und Hügelland (481) zugerechnet worden<ref name="HNGD" /> und wird vom BfNVorlage:GeoQuelle bis heute dorthin gezählt.<ref name="AnmerkBLKs" />
Geologie
Geologisch betrachtet besteht die Hochfläche des in Nordwest-Südost-Richtung verlaufenden Ringgaus aus Muschelkalk, der aus dem Buntsandstein der Hauptscholle des Fulda-Werra-Berglands zwischen Fulda und Werra hervortritt. Nach außen und zum zentralen Graben fällt die Hochfläche in scharfkantigen Schichtstufen ab. Oberer Muschelkalk tritt nur noch auf der Scherbdaer Platte, eine durch den Schnellmannhäuser Bach abgetrennte Muschelkalkplatte im nordöstlichen Ringgau, zu Tage.
Im Zentrum des Ringgaus verläuft der geologische Netra–Creuzburger Graben mit der trogartigen Mulde der Netra-Ifta-Talung, die nach Südosten über die Ifta zur Werra und nach Nordwesten über die Netra zur Sontra entwässert wird. In den Tälern dieser Fließgewässer befinden sich Mergel des Keupers.
Der Südliche Ringgau bricht nach Süden in einer Schichtstufe zum Buntsandstein ab, auf dem der schmale Saum der Südlichen Ringgauvorberge liegt, welche maximal Vorlage:Höhe (vereinzelt etwas mehr) Höhe erreichen. Diese brechen nach Süden wiederum in einer Schichtstufe zum Zechstein bzw. zu den Sedimenten der Werraaue ab.Vorlage:GeoQuelle
Zu den Bergen des Ringgaus gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut Vorlage:GeoQuelle): („S“ = Südlicher Ringgau, „N“ = Nördlicher Ringgau; mit Erwähnung eventueller Ringgau-Randlagen)
Östlich vorbei am Ringgau verlief zwischen 1945 und 1989 die ehemalige Innerdeutsche Grenze zur DDR bzw. zu Thüringen, an der noch Grenzanlagen und Patrouillen-Wege erhalten oder zu erahnen sind, so auch bezüglich der damaligen Grenzstation „India“, an der während des Kalten Kriegs eine US-Radarstation betrieben wurde.
Die innerdeutsche Grenze traf den fast gänzlich hessischen Südlichen Ringgau nur marginal, teilte den Nördlichen jedoch zentral. Besonders betroffen war die kleine thüringische Gemeinde Großburschla am linken Werraufer, die fast komplett von „Grenzsicherungsanlagen“ eingeschlossen war, nur durch die den Plateaurand querende und auf maximal rund Vorlage:Höhe Höhe aufsteigende Serpentinenstraße nach Schnellmannshausen im Südosten mit der Rest-DDR verbunden war.
Nach dem 13. August 1961 begann die Aktion Kornblume, wie die DDR-Behörden zynisch die Zwangsaussiedlung von über 10.000 Menschen in der Grenzregion nannten. Großburschla, das in Steinwurfnähe zu den hessischen Orten Altenburschla und Heldra liegt, durfte nur noch von Anwohnern und Menschen mit besonderer Genehmigung betreten werden.<ref name="HRdoku" /> Der ehemalige Grenzstreifen vom Heldrastein nach Südwesten ist bis heute gerodet.
Flora
Die teilweise steil abfallenden Randlagen des Ringgaus, deren Hochfläche überwiegend unbewaldet ist und ackerbaulich genutzt wird, bestehen insbesondere aus Laub- und Nadelwald mit Buchen sowie Fichten- und Kiefern.
Verkehrsanbindung
Zu erreichen ist der Ringgau über den Abschnitt der Bundesstraße 7, der als ehemalige Heeresstraße als Hauptverbindungsstrecke zwischen Ost und West die B 27 im Westen mit der B 250 im Osten miteinander verbindet. Südlich vorbei am Ringgau verläuft ein Abschnitt der Bundesautobahn 4, von der künftig ein Abschnitt der A 44 abzweigen wird, um südwestlich am Ringgau vorbeizuführen.
Der Ringgau ist von zahlreichen Wanderwegen erschlossen, darunter sind Barbarossaweg und Europäischer Fernwanderweg E6 („Ostsee-Wachau-Adria“). Zu den Sehenswürdigkeiten des Ringgaus gehören neben seiner landschaftlich schönen Hochfläche, den Waldgebieten an seinen Rändern und Ortschaften mit mittelalterlichem Charakter die Ruine der Boyneburg, die sich auf dem Boyneburg (Vorlage:Höhe) befindet, dem höchsten Berg des Südlichen Ringgaus, sowie die Ruine Brandenfels, die auf dem Südostgipfel (Vorlage:Höhe) des Schloßbergs am Südrand des Ringgaus steht.
<ref name="AnmerkBLKs">Als das Blatt Kassel erschien, hatte sich die Bundesanstalt für Landeskunde soeben damit abgefunden, dass aufgrund geringer Wahrscheinlichkeit einer baldigen Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands eine grenzüberschreitende Kartierung nicht mehr angezeigt schien, weshalb insbesondere die ansonsten ganz in Thüringen liegende Haupteinheit „Westthüringer Berg- und Hügelland“ obsolet erschien. Dieses könnte ein Grund dafür gewesen sein, die südöstliche Fortsetzung des Ringgau dem Ringgau selber unterzuordnen.</ref>