Rychliki
Rychliki (Vorlage:DeS Reichenbach) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde.
Geographische Lage
Das Kirchdorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa zwölf Kilometer südwestlich von Pasłęk| (Preußisch Holland) und fünf Kilometer nordöstlich von Kwietniewo (Königsblumenau).
Geschichte
Ortsgeschichte
Zu dem alten Kirchdorf Reichenbach, das im Jahre 1310 gegründet wurde,<ref name="Ostpreußen">Informationszentrum Ostpreußen: Rychliki – Reichenbach</ref> gehörte neben einer 300 Meter südöstlich des Dorfes im Wald gelegenen Försterei noch eine Molkerei.<ref>Dietrich Lange: Reichenbach, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005)</ref> Im Jahre 1785 wurde Reichenbach als „elbingsches Hospitaldorf“ mit 16 Feuerstellen, im Jahre 1820 als „königliches Bauerndorf“ mit 53 Feuerstellen bei 312 Einwohnern genannt.<ref name="GenWiki">GenWiki: Reichenbach (Landkreis Preußisch Holland)</ref> Das Dorf lag im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Von 1874 bis 1945 war Reichenbach Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks im Kreis Preußisch Holland.<ref name="Jehke">Rolf Jehke: Amtsbezirk Reichenbach</ref>
Im Jahre 1885 hatte Reichenbach 831 Einwohner, im Jahre 1910 waren es 726.<ref name="GenWiki"/> 1933 belief sich ihre Zahl auf 708, 1939 auf 732.<ref name=VWG >Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Reichenbach seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.
Im Jahre 1945 erhielt Reichenbach die polnische Namensform „Rychliki“. Von 1954 bis 1972 war das Dorf Sitz einer Gromada, und es ist heute Zentrum der Gmina Rychlikiim Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Rychliki 645 Einwohner.<ref name="wies"/>
Amtsbezirk Reichenbach (1874–1945)
Als am 28. Mai 1874 der Amtsbezirk Reichenbach errichtet wurde, gehörten fünf Ortschaften dazu. Aufgrund struktureller Veränderungen waren es am Ende noch drei:<ref name="Jehke"/><ref>LG = Landgemeinde, Forst = Forstgutsbezirk</ref>
| Deutscher Name | Polnischer Name | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Buchwalde (LG) | Buczyniec | |
| Buchwalde (Forst) | Buczyniec (Osada leśna) | 1928 in die LG Buchwalde eingegliedert |
| Dosnitten | Dziśnity | 1928 nach Günthersdorf eingemeindet |
| Günthersdorf | Gołutowo | |
| Reichenbach (LG) | Rychliki | |
| ab 1877: Reichenbach (Forst) |
1928 in die LG Reichenbach eingegliedet | |
| ab 1930: Laubnitz |
Łubnica | bis 1930 zum Amtsbezirk Rossitten zugehörig |
Patenschaft
Mit Rychliki (Reichenbach) ist die Stadt Krempe im Kreis Steinburg, Deutschland, durch eine Patenschaft seit dem 7. September 1963 verbunden. Daran erinnert ein Gedenkstein in der schleswig-holsteinschen Kleinstadt.
Religion
Kirchengebäude
Kirche von 1310
Eine Kirche wurde in Reichenbach bereits 1310 von den Ordensrittern erbaut.<ref name="Harnoch">Agathon Harnoch: Reichenbach, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 147–148</ref> Es handelte sich um einen gotischen Ziegelbau, untermischt mit Feldsteinen. Ein Turm aus Holz, versehen mit drei Glocken, wurde sehr viel später vorgebaut. Im Jahre 1875 wurde die Kirche abgerissen.
Kirche von 1877
Die jetzige Kirche Reichenbachs wurde am 27. September 1877 eingeweiht.<ref name="Hubatsch2">Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 77, Abb. 283, 284</ref> Das verputzte Gebäude steht auf einem rechteckigen Grundriss, in romanischem Stil, mit Apsis.<ref name="Harnoch"/> An der westlichen Nordseite steht Turm mit den Glocken aus der alten Kirche.<ref name="Hubatsch2"/>
Altar, Kanzel, Orgel und Kronleuchter schmücken Schnitzwerke von Wilhelm Gottfried Grzybowski, einem Meister in der Skulptur, der von 1863 bis 1882 Pfarrer an der Reichenbacher Kirche war.<ref name="Hubatsch2"/> In seinen Werken zeichnet Grzybowski hier die allmähliche Entwicklung des Gottesbegriffs vom Heidentum über das Judentum zum Christentum nach. Bemerkenswert ist ein von ihm in Lindenholz kunstvoll geschnitzter Ecce homo, der sogar auf der Weltausstellung Paris 1867 war und dort nicht unbeachtet blieb.<ref name="Harnoch"/>
Die Orgel mit Pedal hatte 13 Register. Ein früheres von Orgelbauer August Terletzki aus Elbing stammendes Werk aus der alten Kirche wurde wohl an die Pfarrkirche in Albrechtsdorf verkauft.<ref>Informationszentrum Ostpreußen: Rychliki – Reichenbach</ref> Aus der alten Kirche stammt noch ein Kruzifix aus Holz aus der Zeit um 1425.
Die alte Ausstattung der Kirche ging fast völlig verloren.<ref name="Hubatsch2"/>
Bis 1945 war die Reichenbacher Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Nach baulichen Veränderungen und Verbesserungen nutzt es heute die römisch-katholische Kirche.<ref name="Diecezja">Diecezja Elbląska: Rychliki: Parafia Niepokalanego Serca NMP (polnisch)</ref>
Kirchengemeinde
Eine Kirche wurde in Reichenbach um 1310 gegründet.<ref name="Hubatsch3">Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 472, siehe auch: 413, 428, 434 und 442</ref> Mit der Reformation übernahm sie die lutherische Lehre.
Evangelische Kirche
Kirchengeschichte
In der Zeit um 1720/25 war die Kirchengemeinde Reichenbach in das Erzpriestertum Preußisch Holland eingegliedert, gehörte 1854 und 1916 zur Inspektion Preußisch Holland und dann bis 19045 zum Kirchenkreis Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.<ref name="Hubatsch3"/> Das Kirchenpatronat oblag dem Magistrat in Elbing. Das Kirchspiel zählte im Jahre 1925 1.900 Gemeindeglieder und umfasste zwölf Dörfer und Ortschaften.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten 1945 der evangelischen Gemeinde in Reichenbach ein Ende. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur St.-Georgs-Kirche in Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei in Ostróda innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspiel
Zum Kirchspiel Reichenbach gehörten bis 1945 die Orte:<ref name="Hubatsch3"/><ref>Der * kennzeichnet einen Schulort</ref>
| Deutscher Name | Polnischer Name | Deutscher Name | Polnischer Name | |
|---|---|---|---|---|
| *Buchwalde, Dorf | Buczyniec | *Hohendorf | Wysoka | |
| Buchwalde, Forst | Buczyniec (Osada leśna) | *Klein Tippeln | Topolno Małe | |
| Buchwalde, Ebene | Buczyniec | Laubnitz | Łubnica | |
| *Dosnitten | Dziśnity | Neu Kampenau | Nowe Kępniewo | |
| Groß Tippeln | Topolno Wielkie | *Reichenbach | Rychliki | |
| Günthersdorf | Gołutowo | *Stühmswalde | Stankowo |
Pfarrer
An der Pfarrkirche in Reichenbach amtierten als evangelische Geistliche:<ref>Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 120</ref>
- NN.
- Joachim Hermann, ab 1578
- Michael Kalowius, um 1590
- Elias Lerch, bis 1602
- Simon Petri, 1602–1611
- Thomas Lichtenstein, 1611
- Johann Schiel, 1611–1612
- Michael Wannowius, 1617–1621
- Johann Ebel, 1619–1622
- Caspar Martini, 1620
- Jacob Stillerus, 1622–1625
- David Holst, 1625–1630
- Arnold Schüler, 1632–1646
- Ernestus Hesychius, 1636–1641
- Caspar Kaulbarsch, 1642–1648
- Christian Ladmann, 1648–1655
- Christoph Laser, um 1655
- Johann Gueldenius, 1655–1661
- Augustin Bachmann, 1662–1672
- Friedrich Zamehl, 1670–1673
- Heinrich Koncius, 1675–1684
- Christoph Zeidler, 1685–1693
- Theodor Cunovius, 1693–1708
- Martin Raschke, 1708–1711
- Andreas Schubert, 1711–1717
- Christoph Zeidler, 1717–1719
- Daniel Rittersdorf, 1719–1723
- Elias Sagatz, 1723–1727
- Heinrich Cunovius, 1727–1734
- Samuel Kienast, 1734–1742
- Christian Schwark, 1742–1753
- Ephraim Gottl. Marsilius, 1753–1755
- G3eorg Ephraim Thomas, 1755–1760
- Gotthard Christ. Güzttner, 1760–1776
- Gottfr. Theodor Friedr. Reuß, 1777–1784
- Johann Christian Schusterus, 1784–1792
- Jacob Heinrich Schreiber, 1792–1797
- Martin Georg Cuntius, 1797–1809
- Johann Jacob Rahts, 1809–1840
- Robert Feodor Jansson, 1841–1863
- Wilhelm Gottfried Grzybowski, 1863–1880
- Eugen Oskar Theod. Weiß, 1882–1888
- August Konrad Wiederhold, 1889–1902
- Richard Echternach, 1901–1903
- Paul Schmidt, 1903–1945
Römisch-katholische Kirche
Vor 1945 gehörten die römisch-katholischen Kirchenglieder Reichenbachs zur Pfarrei St. Josef in der seinerzeitigen Kreisstadt Preußisch Holland. Sie war dem damaligen Bistum Ermland zugeordnet.
Nach 1945 übernahmen die zahlreich zugewanderten katholischen Einwohner Rychlikis die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus. Sie wurde dem Unbeflecktem Herz Mariä gewidmet. Am 1. Juni 1962 errichtete man in Rychliki eine Pfarrei, die jetzt dem Dekanat Pasłęk II im Bistum Elbląg zugehört.
Verkehr
Rychliki liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 527, die von Dzierzgoń über Pasłęk und Morąg bis nach Olsztyn verläuft. Die Woiwodschaftsstraße 526 ist sowhö über Myślice als auch über Śliwica zu erreichen. Die Nachbarorte Buczyniec und Wysoka sind durch Nebenstraßen mit Rychliki verbunden.
Die nächste Bahnstation ist Pasłęk an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo.
Persönlichkeit
- Friedrich Wilhelm Markull (* 17. Februar 1816 in Reichenbach), deutscher Organist, Pianist und Kompnist, „Königlicher Musikdirektor“ († 1887)
Literatur
- Reichenbach, Dorf und Försterei, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Reichenbach (meyersgaz.org).
- August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 445 (Google Books).
Weblinks
Einzelnachweise
<references/>