Scharpie
{{#if: beschreibt das zur Wundversorgung verwendete Material. Zur Bootsklasse siehe Sharpie; zum Physiker siehe Robert Alan Charpie.
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}} Scharpie oder Charpie (von lateinisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ‚zupfen‘, ‚pflücken‘) war ein bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gebräuchliches Wundverbandmaterial, das aus Fasern bestand, die durch Zerzupfen von Baumwoll- oder Leinenstoffen gewonnen wurden. Eine Sonderform bildete die auch Meißel<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 472 (Meißel [2], bairisch, schwäbisch und alemannisch als „Abgeschnittenes“ für ‚Scharpie‘).</ref> genannte Wieche oder Wieke,<ref>J. F. Henkels Anleitung zum chirurgischen Verbande. 1829.</ref> genannt auch Quellmeißel (von mittelhochdeutsch meizel „Meißel, Charpie, Wieche“<ref>Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 150.</ref>), die zum Sondieren<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 420 (maissel/meisel: Sonde zum Einführen in tiefe Wunden, aus gedrehtem Leinen (Wieche, Charpie), aus Speck u. a.); vgl. auch S. 437 (pflocktuch: Verbandstuch, das als Pfropfen in Wunden bzw. Granulationsfisteln gesteckt wird).</ref> bzw. zum Offenhalten von Wunden benutzt wurde.
Da der hohe Keimbefall bei der händischen Herstellung, oft aus alter Leinenwäsche,<ref>Friedrich Wilhelm Gierhake: Asepsis. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 33–42, hier: S. 35.</ref> die Scharpie zur Wundbehandlung ungeeignet macht, wurde sie durch die Entwicklung der Verbandwatte verdrängt. Um 1850 reduzierte Cajetan von Textor, der die Wundversorgung mit Kompressen, Binden oder Tüchern für ausreichend hielt, in Würzburg den bis dahin für unentbehrlich gehaltenen Einsatz von Scharpieverbänden.<ref>Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 153–154.</ref> Heute wird Scharpie noch in Zoohandlungen als Nistmaterial für Vögel verkauft.
Weblinks
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Einzelnachweise
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